Gunther Heerwagen

Alfred Heerwagen geb. 20.12.1878       gest. 19.12.1947

 

 

 

 

Abkürzungen:

K.-H. Kaufmannsheim

D.H.V Deutscher Handlungsgehilfen-Verband

F.G. Fahrende Gesellen des D.H.V

O.Cl. Odenwald-Club

Pf.WV Pfälzer Wald Verein

 

 

1910

22 Sonntage des Jahres 1910 verbrachte ich außerhalb Mannheims und darunter fanden sich 12 Tageswanderungen. Im einzelnen ist daran das Folgende erwähnenswert:

Am 27. Januar, zu Kaisers-Geburtstag, machte ich mit m.P.(meiner Paula) einen Ausflug nach Heidelberg-Blockhaus, wo dem Rodelsport gehuldigt wurde, und weiter über Gaisberg abwärts nach dem Siebenmühlental.

Am Sonntag, den 30. Januar leisteten wir einer Einladung der Familie Schwarz, Neuschloß Folge, das wir durch den Wald erreichten. Der Tag war bei hausgemachter Wurst sehr "genussreich".

Am 13. Februar fand eine Wanderung des O.Cl. statt, die bei morgens herrlichem Wetter von Weinheim über Hirschkopf nach Juhöhe, von da über Guldenklinger Hof nach Heppenheim führte, wohin wir infolge des eingetretenen Tauwetters auf Umwegung völlig durchnässt gelangten.

Am 6. März machte der O.-Cl. abermals eine Wanderung in den Odenwald, an der ich mich diesmal mit Freund Müller beteiligte. Der Weg lautete: Weinheim, Wachenburg, Waldsknopf, Untererbsteinach, Eiterbachtal, Waldmichelbach.

Am 20 März führte ich mit m.P. die "Fahrenden Gesellen des D.H.V.-Mannheim von Ladenburg, Schrießheim, Oelberg, Weißer Stein, Eichelberg nach Weinheim.

Am Ostersonntag, den 27. März besuchte ich mit meiner P. von Heidelberg aus über Zollstock Welkers im 7 Mühlental.

Am 3. April spazierte ich mit m.P., Müller und Kirschner am Rhein entlang nach Frankenthal.

Am 10.April führte ich wiederum mit m.P. die "F.G." und zwar diesmal von Heidelberg über Münchal, Schwalbennest, Neckarsteinach, Dilsberg nach Neckargemünd. Die Wanderung war bei herrlichem Wetter äußerst lohnend.

Am 24. April zeigte ich mit m.P. Mama das Siebenmühlental. Der Hinweg ging über den Zollstock.

Am 1. Mai fand eine große Wanderung der "F.G." in die Pfalz statt: Von Dürkheim über den Peterskopf nach Hardenburg, von da nach Isenach und über den Drachenfels nach Lambrecht. Außer m.P. war auch Müller und Kirschner dabei.

Unsere Pfingstwanderung am 15.Mai führte uns von Weinheim aus über Weiher, Stollenkandel, Schimmelburg und Tromm nach Fürth, von wo ich mit m.P. den Rückweg antrat. Die anderen Teilnehmer, darunter Kirschner (without money) machten eine zweitägige Wanderung.

Am 26. Mai marschierte ich mit Herrn Stromberger von Mannheim nach Feudenheim, Ladenburg, Schrießheim, Weißer Stein, Schrießheimer Hof, Linde und Ziegelhausen. Es war viel, aber doch nicht beschwerlich für uns. Die "F.G." unternahmen eine Wanderung am 5. Juni von Heppenheim aus über Knoden, Neunkirchener Höhe nach Lindenfels = Fürth. Wir trafen da zum ersten Mal mit Familie Hülftrunk zusammen und verlebten namentlich in Fürth beim Schlußschoppen schöne Stunden.

Wegen des bevorstehenden Urlaubs folgte nun noch ein Besuch bei Familie Schwarz in Neuschloß zur Kindtaufe eines am 12. Juni geborenen Söhnchens, dessen Pate ich bin.

Samstag, den 16. Juli erreichten wir punkt 12 Uhr Mittags Zell am Harmersbach, das wir dieses Jahr als Sommerfrische gewählt hatten. Leider waren gleich bei der Ankunft einige Unannehmlichkeiten zu überstehen: 1. hatte die Bahnverwaltung unser Gepäck in Karlsruhe stehen lassen und 2. hatte m.P. im Schwarzwaldbahn-Wagen ihre braune Jacke vergessen. Der Koffer kam auf Reklamation hin glücklich abends um 7 Uhr an, dagegen fehlte die requirierte Jacke noch. Der herzliche Empfang im "Badischen Hof" half uns aber bald über dieses Ungemach hinweg und während des darauffolgenden Mittagsbrots kamen wir wieder ganz in Stimmung. Wir lernten Herrn und Frau Kern als äußerst gemütliche Leute kennen und auch die Familien Orth aus Frankfurt a/M. Später machte ich mit m.P. den ersten Rundgang durch die Straßen Zell's, das auf uns einen recht guten Eindruck machte. Um 4 Uhr tranken wir Kaffee, der allerdings besonders zu bezahlen war. Um 5 Uhr gingen wir am Kleebad vorbei auf den Höhenweg nach Nordrach zu. Plötzlich bot sich uns ein herrlicher Ausblick über das ganze Zeller Tal. Bei prächtigem Wetter machten wir an dieser romantischen Stätte längere Zeit Rast und gelangten um 1/2 8 Uhr zurück ins Hotel. Zum Abendbrot gab's Wiener- und Bratwürste mit grünem Salat. Abends saßen wir mit den Frankfurtern gemütlich in der Gartenlaube bei Bier und Wein.

Sonntag, den 17.Juli, 1/2 7 Uhr Wecken, 7 1/4 Abmarsch auf Z VI zum Eiseneck 525 m und weiter nach den Buchenhöhen 525 m, in deren Nähe die Nillhöfe liegen. Wir brauchten zu dem Weg 2 Stunden, da uns am Wege liegende Beerenfelder lange aufhielten.

Herannahende Gewitter zwangen uns zu vorzeitigen Rückkehr, sodaß wir den Brandenkopf, unser eigentliches Ziel, nicht erreichen konnten.

Kurz vor Unterharmersbach regneten wir doch noch etwas ein. Ankunft im "Bad. Hof" 3/4 11 Uhr; hierauf Frühschoppen im Nebenzimmer und anschließend großartiges Dinner: Fleischklößchensuppe, Ochsenfleisch mit Gurkensalat, Käsekuchen. Die mitgebrachten Beeren gaben außerdem eine vorzügliche Bowle ab. Dann ruhten wir im Zimmer bis 1/2 4 Uhr, tranken Kaffee und machten einen gemütlichen Spaziergang nach Oberharmersbach. Zu dem 8 km langen Weg brauchten wir 2 1/2 Stunden. Kaum waren wir angekommen, da zogen abermals schwere Gewitter auf, die mit nie gekannter Stärke und krachendem Donner und Blitzschlägen über eine Stunde wüteten. Wir fuhren auch deswegen 1.50 Uhr mit der Bahn nach Zell zurück. Im Stationsbüreau konnten wir P's im Zug hängen gebliebene Jacke wieder in Empfang nehmen. Nach dem Abendbrot, Stammtisch im vorderen Lokal des "Bad. Hof". Montag, den 18. Juli 8 1/2 Uhr Abmarsch auf dem Höhenweg nach dem Herzenbachsattel. Unterwegs kolossale Erdbeerfelder, die uns wieder nicht vorüber ließen. 3/4 11 Uhr waren wir in Nordrach, wo wir jedoch nicht einkehren konnten, da wir wegen wieder einsetzenden Regen schnellstens nach Zell zurück mußten.

Nachmittags um 2.09 Uhr fuhr ich nach Biberach und trat 1/2 3 Uhr den Aufstieg auf die Burgruine Hohengeroldseck an, wo ich über den Pavillon 3.40 anlangte. Geroldseck liegt auf einem steilen 525,9 m hohen Bergkegel und ist eine der prächtigsten Ruinen des badischen Landes. Sie wurde erst vor kurzem mit Aufwendung großer Kosten vor dem Verfall bewahrt und bietet eine prächtige Fernsicht. Ich hatte besonders Glück darin, denn mir zeigten sich im Südwesten die Hofkönigsburg, weiter südlich die Schweizer Berge bei Basel, im Süden der Feldberg, nach Osten Haslach, im Norden Biberach und Zell mit dem Harmersbachtal und die umliegenden Berghöhen, usw. Den Abstieg nahm ich nach Osten zu und erreichte in 1/2 Stunde das alter Gasthaus "Zum Löwen" an der Schönberger-Lahrer Landstraße. um 5 Uhr verließ ich die gastliche Stätte und erreichte auf prächtiger Gebirgsstraße, die Geroldseck immer zur Linken, Biberach in einer Stunde. Dort nochmals kurze Einkehr in der Brauerei Jehle???, deren Bier wir in Zell auch trinken. 6.55 mit dem Bähnchen zurück nach Zell. Abends großer Klimbim beim feuchtfröhlichen Kern mit Tanz (!)

Dienstag, den 19. Juli sehr spät aufgestanden.

Um 1/2 10 Uhr Aufbruch durch den Wald nach dem "Gröbernhof" bei leider wieder regnerischem Wetter. Wir kehrten zum Frühschoppen auf dem Hof ein, hatten aber nicht den besten Eindruck. die Räume sind nicht freundlich und die Gegend überhaupt zu einsam, da der Wald ziemlich weit ist. Wir priesen uns glücklich im "Bad. Hof" gut untergebracht zu sein. Auf dem Rückweg wurden wir gründlich eingeregnet und konnten deswegen auch nachmittags den "Bad. Hof" nicht verlassen.

Abends gemütliches Beisammensein im vorderen Lokal zum Abschiedsschoppen der "Frankfurter"

Mittwoch, den 20 Juli: Das Wetter hatte sich etwas aufgehellt, sodaß wir in der Lage waren, wieder einmal einen Spaziergang zu machen: wir wanderten nach Biberach und zurück. Nachmittags 2 Uhr marschierte ich über die Berge nach dem Mühlstein und langte daselbst auf herrlichem weg und bei schönem Wetter um 3.20 an. Das Wirtshaus heißt "Zum Vogt auf Mühlstein", unter welchem Titel Hansjakob über das Kind Magdalene einen fesselnden Roman geschrieben hat. Die sehr freundliche Wirtsfrau erzählte mir die ganze Tatsache und legte mir den Roman von Hansjakob im Prachtband vor. Danach wurde die Magdalena Muser, Tochter des Präfekten Anton Muser von Mühlstein am 17. Januar 1785 mit dem Witwer Ulrich Faißt von Lindach getraut und zwar gegen ihren Willen, weil sie sich ihren Hans für's Leben versprochen hatte. Als sie dann nach der Hochzeit erklärte, daß sie sich wohl als seine erste Magd, niemals als sein Weib ansehe, entstanden wüste Scenen, die sogar in Schläge ausarteten, sodaß die arme "Lene" nach 6 Wochen irrsinnig wurde und starb. -- Den Rückweg trat ich über Nordrach an, wohin es 1/2 Stunde ist und von da 1 1/4 Stunde nach Zell. Unterwegs kam ich in einen heftigen Gewitterregen, der mich bis auf die Haut durchnäßte.

Donnerstag, 21.Juli. Morgens lange geschlafen; dann kleinen Spaziergang auf die Ostberge. Da das Wetter beständiger geworden war, bereiteten wir unseren langersehnten Ausflug ins Remstal vor. Die Bahn brachte uns um 12 Uhr nach Oberharmersbach-Riersbach, das wir um 1/2 1 Uhr erreichten. Dann begann der Marsch in gemütlichem Tempo bergauf bis Löcherwasen.Von da ging's bergab nach Franzensbach-Peterstal, wo wir um 1/2 4 Uhr ankamen. Unterwegs hatten wir uns mit Heidelbeerpflücken lange aufgehalten. Der Gang durch's Bad dauerte 1/2 Stunde, sodaß wir um 4 Uhr im "Schützen" zum Vesper einkehren konnten. Wir wurden dort sehr gut bewirtet und brachen um 5 Uhr wieder auf und zwar der Landstraße entlang wieder nach Löcherwasen; von da den Fußweg hinab nach Oberharmersbach, wo wir kurz vor Abgang des Zuges 7.50 eintrafen und in Zell 1/2 Stunde später. Der Nachmittag bot uns einen herrlichen Genuß und wird uns unvergessen sein.

Freitag, 22. Juli. Um 9 Uhr ab -Zell über den Sommerberg nach Schönberg an 10 Uhr. Frühschoppen im "Flug"; ab 10.30; an Zell direkt 11 3/4 Uhr. Nachmittags ging ich mit m.P. wieder nach dem Mühlstein und langte dortselbst um 4 1/4 an. Nach einem kräftigen Vesper: Schwarzwälder Speck und Bratwurst, stiegen wir über Schottenhöfen wieder ab und kamen um 7 1/4 Uhr wohlbehalten in Zell an. Abends der übliche gemütliche Schoppen im vorderen Lokal.

Samstag, 23.Juli morgens Ruhe; nachmittags auch bis 4 Uhr, dann einen Spaziergang nach Unterentersbach und durch den Wald zurück.

Abends vorzügliche Weinprobe von Durbacher Weißherbst für 35 Pfennige das Viertel.

Sonntag, den 24. Juli nachmittags 2.42 ab Biberach nach Gengenbach. Rundgang in dem recht anmutigen, sonst aber ruhigen Städtchen. Einkehr zum Vesper im "Bad. Hof". 3/4 5 Uhr ab auf der Landstraße nach Biberach, an Bahnhof 3/4 7 mit der Bahn zurück nach Zell.

Montag 25.Juli. Große Wanderung nach Freudenstadt: Ich trat dieselbe morgens 1/2 8 Uhr an und wandte mich auf der Landstraße zunächst nach dem Unterharmersbacher Bahnhof. Um 8 Uhr traf ich hier auf die Zugangsmarkierung IV zum Höhenweg I, den ich erreichen wollte. In der Höhe von Durban 722m faßte ich den Entschluß, auch den Brandenkopf-Turm mitzunehmen, was mir allerdings für meinen Aufenthalt in Freudenstadt sehr von Nachteil war, denn der Aufstieg verursachte einen Zeitverlust von 1 1/2 Stunden. allerdings wurde ich durch die wirklich großartige Aussicht auf dem 946 m hohen Berg reichlich entschädigt. Nachstehend die Wanderung mit genauen Angaben:   enfällt

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Dienstag, den 26. Juli, morgens Ruhe, Nachmittags alle drei (Anmerkung Offenbar war Alfed's Mutter mitgefahren) nach Nordrach an 5 Uhr. Vesper in der Linde bis 6 Uhr, an Zell 8 Uhr. Großartiges Nachtessen: Suppe, Rumpsteak mit neuen Kartoffeln und Kopfsalat. Darauf ich allein einen gemütlichen Weinschoppen.

Mittwoch, 27. Juli morgens 3/4 ? Uhr alle drei zu Fuß nach Biberach, ab per Bahn 11.42 nach Triberg, an 1.12. Spaziergang durch die prächtigen Anlagen daselbst und im Schwarzwaldhotel. Unser Vesper bezw. Kaffee nahmen wir bei guter Bewirtung im Garten der "Lilie" ein. Es war mittlerweile Zeit geworden, langsam dem Bahnhof zuzustreben, von wo unser Zug 5.31 zurück nach Biberach ging. Das herrliche Wetter verlockte uns noch zum Nachhauseweg zu Fuß; an 3/4 8 Uhr. Zum Nachtessen gab's: Erbsensuppe und Kalbsleber pikant mit Kartoffelsalat.

Donnerstag, 28. Juli morgens Ruhe im Garten. Nachmittags mit Herrn Kern und Raibal und m.P. über Eiseneck, Buchen, Echerhöfe nach dem Strickerhöfen zum Bürgermeister von Oberentersbach zwecks Einkauf von Kirschwasser. Most, Speck und Brot und Schnaps wurde uns vorgestellt, sodaß wir in angeheiterter Stimmung nach 1 1/2 stündiger Rast das gastliche Haus verließen; eine weitere Einkehr beim vorderen Strickerbauer gab uns den Rest und wir langten bedeutend erschwert, erst um 10 Uhr im "Bad. Hof" wieder an, nicht ohne daß Herr Kern und ich in der Dunkelheit Bekanntschaft mit den angrenzenden Wiesen gemacht hätten. ---!

Freitag, den 29. Juli wegen Katerstimmung Ruhe im Garten. Nachmittags beabsichtigten wir einen kleinen Waldspaziergang, wurden aber vor dem "Hirschen" von Herrn Kern abgefangen, der uns zu einer Tasse Kaffee, die er dort jeden Tag einnimmt, einlud. Dann folgte eine regelrechte Wirtshausreise, die erst um 7 Uhr im "Bad Hof" endigte. Abends nahmen wir dann noch eine Weinprobe im großartigen Weinlager Kern's vor und waren erstaunt über die horrenden Vorräte, die zu Zeit rund 400 Hektoliter vom einfachsten bis zum teuersten betrugen.

Samstag, 30. Juli mußten wir leider unsere "sieben Sachen" wieder zusammenpacken, um nachmittags um 1/2 3 Uhr zurückfahren zu können. Der Abschied von der uns liebgewordenen Familie Kern gestaltete sich recht herzlich. Um 8.03 landeten wir wohlbehalten wieder in Mannheim. Wir waren mit dieser Sommerfrische äußerst zufrieden, haben sämtliche geplanten Wanderungen gemacht und es uns auch sonst an nichts fehlen lassen. Trotzdem ist der Voranschlag nicht überschritten worden. Die Rechnung stellt sich wie folgt:

Hinfahrt 3 Personen III. Klasse Personenzug     Mk    9.30

Gepäck                                               -. 70

Taschengeld                                          71.15

Pension                                             143.-

Rückfahrt über Heidelberg                            10.35

Gepäck                                                -.50

zusammen                                             235.-

Vivat sequens!

 

Die folgenden Sonntage im August brachten nur einen Ausflug nach Heidelberg und Neuschloß.

Am 4.September beteiligte ich mich an der Odenwaldclubwanderung von Neustadt über Hellerplatz und Totenkopf auf die Kalmit und über Maxburg zurück.

Den 25. September benutzte ich um Freund Müller mit der Zeller Gegend bekannt zu machen. Wir fuhren morgens 3.05 mit Eilzug bis Appenweier, wo Freund Baum aus Straßburg zu uns stieß. Um 1/4 6 Uhr trafen wir dann in Offenburg ein und begannen sofort unsere Wanderung nach Zell-Weierbach. Ankunft 6.05. In der "Laube" genossen wir Spiegeleier und prima Zeller Roten für 1,80 Mark den Liter und brachen 6.45. nach Brandeck auf; an 8.00 mit großartiger Aussicht nach allen Seiten. Weiter über Fritscheneck nach dem Spähneplatz-Moorbrunnen, wo wir von 9.45 bis 10.20 unser Frühstück einnahmen. An Mooskopf 11.05 ab 11.15. Von der Kornebene aus gingen wir leider fehl nach Fabrik Nordrach zu, anstatt direkt nach Nordrach und langten hier mit einer Verspätung von 1 Stunde um 1.15 nachmittags an. Einkehr in der Linde zu einem Gläschen Bier. Ab 1.35, an Zell 2.45, im "Bad. Hof" freundlichst empfangen von der ganzen Familie. Leider mußten wir nach dem Essen und der Weinprobe um 6.14 wieder zurückfahren und erreichten Mannheim 9.37.

Am 9. Oktober ging's mit dem Pf.W.V. wieder in die Berge: Von Fürth über Lindenfels, Neunkirchener Höhe und Felsberg nach Jugenheim. Einkehr in dem uns von einer früheren Sommerfrische her bekannten "Tannenberg". Daselbst war es in den 4 Stunden bis zur Abfahrt mit Sonderzug recht gemütlich.

Sonntag, den 13. November Beteiligung an Pf.W.V.- Wanderung von Kirchheim an der Eck nach Altleiningen, Neuleiningen, Leistadt, Kallstadt, Freinsheim.

Den letzten Ausflug 1910 unternahmen wir am 1. Weihnachtstag mit Emil aus Landau (Anm: Emil Fücks) nach Heidelberg-Siebenmühlental.

 

 

1911

Da es dieses Jahr mein Wunsch war, als eifriger Turist auch eine Auszeichnung eines Wandervereins zu erhalten, so beteiligte ich mich vor allem an den Wanderungen des "Pfälzerwald-Vereins" Ludwigshafen-Mannheim, dem ich schon seit Jahren neben dem Odenwaldclub als Mitglied angehöre.

Am 8. Januar fand die erste Wanderung statt und führte uns von Neustadt a/W aus über Hellerplatz, Totenkopf, auf die Kalmit und wieder zurück nach Neustadt.

Die zweite Wanderung, vom Februar mußte ich wegen der am 9. d.M. nachmittags 5 1/4 Uhr erfolgten Geburt meines ersten Kindes Gertrud ausfallen lassen.

Da der O. Cl. am 5. März eine interessante Tour machte, beteiligte ich mich daran. Die Bahn brachte mich über Weinheim und Mörlenbach nach Kreidach, wo das Wandern begann. Bei leichtem Schneegestöber, dem aber bald prächtiger Sonnenschein folgte, erreichten wir über Siedelsbrunn zur Mittagspause Heiligkreuzsteinach und ließen uns die Erzeugnisse des Schlachtfestes gut munden. Auf herrlichem Höhenweg über Grein und Darsberg gelangte ich gegen 5 Uhr nach Neckarsteinach und benutzte den 6 Uhr Zug zu einem Besuch Welkers im Theater-Café Heidelberg. Um 10 Uhr war ich wieder zu Hause.

Sonntag, den 19. März wanderte ich wieder mit dem Pf.W.V.; und zwar von Heppenheim über Seidenbach, Tromm nach Waldmichelbach. Freund Müller und ich machten vorher noch einen kleinen Abstecher über den Schimmelberg nach Stollenkandel, wo es uns, wie gewöhnlich beim Vesperschoppen recht gemütlich war. Zum 1.-10. April fand im Rosengarten die große Kochkunstausstellung statt, deren Besuch wir nicht versäumen zu sollen glaubten. M.P., Müller und ich hatten dann auch am Dienstag, den 4. April einen recht "genußreichen" Tag.

Am 9. April folgte die programmmäßige Wanderung des Pf.W.V. von Königsbach i/Pf über Eckkopf nach Rotsteig, Lambrecht und Neustadt, wo wir bei Cornelius den Tag beschlossen.

Viel Vergnügen hatten wir bei der Wanderung des Pf.W.V. am 14. Mai. Mit Sonderzug fuhren wir bis Kirchheim a/W. Dann ging’s zu Fuß nach Höningen zur Frühstücksrast. Von hier war der Bismarkturm auf dem Peterskopf in 1 1/2 Stunden erreicht und wir konnten uns bei herrlichem Wetter und einem guten Schoppen Wein längere Zeit dort lagern. In meiner Gesellschaft befand sich Familie Bach und Freund Müller. Beim Abstieg setzte leider Regen ein, der auch die Zusammenkunft sämtlicher Ortsgruppen des Pf.W.V. mit großartigem Volksfest auf dem Wurstmarktgelände in Dürkheim stark verwässerte. Wir fanden aber trotzdem ein Plätzchen, wo wir die Nässe nur "von innen" spürten!-

Die nächsten Wochen beschäftigten mich mit den Vorbereitungen zu meiner diesjährigen Ferienreise nach Tirol, sodaß ich auch während der Pfingstfeiertage am 4. u. 5. nichts unternahm: Als Reisegefährte schloß sich mir Herr Gustav Sieber an und so verließen wir beide am Sonntag, den 11. Juni morgens 7.07 Uhr Mannheim, um mit dem Schnellzug über Stuttgart, Ulm, Friedrichshafen, Lindau, Bregenz und Arlberg zunächst Innsbruck zu erreichen... Die Strecke bis Bregenz war mir bekannt, sodaß die eigentliche Reisebeschreibung hier beginnen möge: Die Bahn geht nach Süden und betritt bei Lauterach das Rheintal. An Schwarzach vorüber erreicht sie Dornbirn, eine langgestreckte Stadt in reizender Lage am Fuße der Hochälpele. Über die Dornbirner Ache folgen dann die Stationen Hohenems, Götzis und Rankweil, wo die Bahn in den landschaftlich reizenden Walgau eintritt. Mit Ausblick auf den hohen Freschen kommen wir nach Feldkirch, ein altes, gewerbetätiges Städtchen an der Ill mit 5000 Einwohnern; darüber das alte Schloß Schattenburg, unter der hinweg die Bahn durch einen 137 m langen Tunnel nach Frastanz geht. Von hier erweitert sich das Tal nach Osten und an den Stationen Nenzing, Bludenz, Berg, Hintergasse, Daalas und Dernöfen vorbei sind wir in Langen der Westseite des Arlbergtunnels. Derselbe ist 10250 m lang, 8 m breit und 7 m hoch und in ihm der höchste Punkt 1312 m. unser Zug brauchte genau 17 Minuten zur Durchfahrt, während der sich, bei den geschlossenen Fenstern, eine ganz beängstigende Schwüle in den Wagen bemerkbar machte, sodaß alle froh waren, als der Zug das Tageslicht auf der Ostseite wieder erreichte.

Die Bahn senkt sich nun im Stanzertal hinab und übersetzt auf kühnen Überführungen einige mal den Rosannabach. Bei Pettnau gewahrt man den Einschnitt des Kaiserjochs und gegen Süden öffnet sich das Montafontal mit dem Rifler, dessen Spitze und Gletscher leider in Wolken gehüllt war. Dagegen war der Blick auf die Parseiergruppe und die malerische Eisenspitze großartig. Nach Schnann bei Strengen beginnen nun die Reihe interessanter Kunstbauten. Durch ein Tunnel und einige Überführungen, darunter die 86 m hohe Trischnerbrücke mit 3 gigantischen Öffnungen gelangen wir zur Station Wiesberg, mit dem alten Schloß gleichen Namens, wo sich in romantischer Gegend Rossana und Trischanna zur Sanna vereinigen, deren Wässer für das größte Elektrizitätswerk Österreichs in Landeck benutzt werden. Über Pians-Pernautal ab Abhang des herrlichen Mittelgebirges liegen die Dörfchen Grins und Stanz hoch herüberragend die Felszacken der Parseierspitze. Die Bahn geht auf einer 157 m langen Brücke über den Inn, mit dem sich hier die Sanna vereinigt. Kurz darauf befinden wir uns in Landeck und benutzen den kurzen Aufenthalt zu einer Stärkung am Bahnhofsbuffet. Bei Landeck, einem großen, stattlichen Dorf an beiden Ufern des Inn, auf steilem Fels überragt von dem alten Schloß Landeck, mündet von Süden her die Straße vom Engadin, Ortler und Vintschgau. Durch wundervolle Hochgebirgslandschaft, aus der sich der Tschirgant besonders hervorhebt, immer am Inn entlang, an Haltestelle Roppen, dem Ausgangspunkt für das Oetztal vorbei, bringt uns der Zug in rasender Geschwindigkeit nach Rietz, Telfs, Zirl, Kematen und Innsbruck, unserem ersten Tagesziel.

Nach Ankunft 6.25 begaben wir uns sofort in die "Goldene Rose" wurden vom Wirt selbst recht freundlich empfangen und bezogen unser Zimmer, das Bett für Kr. 1,40. Unser Nachtessen: Kalbsgoulasch mit Nudeln für 90 H und 1/4 Tiroler Spezial mundeten uns vorzüglich, sodaß wir trotz 11 stündiger Fahrt in bester Laune noch den geplanten allgemeinen Rundgang am Inn entlang durch die Stadt machten, im "Breinößl" unseren Abend und in der "Rose" unseren Schlußschoppen einnahmen.

Montag, 12. Juni. Den Vormittag verwandten wir zu einem größeren Spaziergang nach dem südlich von Innsbruck gelegenen mittleren Bergen. Durch Mühlau erreichten wir in 1/2 Stunde den in der neueren Geschichte Tirols berühmt gewordene Burg Isel, das seit Herbst 1893 mit einem aus Erz eroberter französischen Kanonen gegossenes Andreas-Hofer-Denkmal geschmückt ist; außerdem enthält das obenstehende Gebäude ein kleines Hofer-Museum. Offengestanden hatten wir uns von dem oft genannten Berg Isel mehr vorgestellt. - Eine auf der anderen Seite empor führende schattige Straße brachte uns dann nach Will, wo wir uns ein kräftiges Frühstück (Spiegeleier mit Spezial) leisteten. Nach kurzem Aufstieg befanden wir uns in Igls, ein mitten in prachtvollen Nadelholzwaldungen gelegener viel besuchter Sommer-Höhenluftkurort, in dem großartige Hotels allen Komfort der Neuzeit bieten. Auf dem Hochplateau gelangten wir abwärts am schön gelegenen Laufer See und den Lauferköpfen vorbei über Aldrans nach Schloß Amras, das uns, weil Montags, leider verschlossen war. Zum Mittagsessen, das uns nicht besonders zusagte, waren wir wieder in der Rose in Innsbruck. Nachmittags besorgten wir erst einige Einkäufe und nahmen dann eine gründliche Besichtigung Innsbruck's vor: Die Stadt liegt malerisch am Inn und wird in weitem Bogen von fruchtbaren mittleren Bergen umzogen. Darüber erhebt sich im Norden der imposante Kalkgebirgsstock des Solstein, der Brandjoch, die Sattelspitze u.a.; im Südosten der Partscher-Kofel, an dessen Westabhang die Brennerbahn aufsteigt; im Süden die Serlesspitze; im Südwesten die Nockspitze usw. Von der schönen Innbrücke bewundern wir die nähere Umgebung: unterhalb sind an beiden Ufern Alleen und lauschige Anlagen geschaffen. Ein eiserner Steg und weiter abwärts bei Mühlau eine Kettenbrücke überqueren den Fluß. Aus der inneren Stadt ist vor allem erwähnenswert die Marie-Theresienstraße, mit der Annensäule, der Post und dem Rathaus, wo sich im allgemeinen der gesamte Fremdenverkehr bewegt. Ferner die Hofburg mit Schloßgarten und der Hofkirche, die allerdings infolge der darin aufbewahrten Standbilder, Denkmäler und Reliefs mehr einem Museum als einer Andachtsstätte gleicht. Das in der Herzog Friedrichstraße befindliche sogenannte "Goldene Dach", ein an der ehemaligen Fürstenburg aus Marmor gefertigter Erker, dessen Dach der Sage nach "Friedrich mit der leeren Tasche", um seinen Spottnamen zu wiederlegen, mit 3495 schwer vergoldeten Kupferplättchen eindecken ließ, enttäuscht gegenüber den geschmeichelten bildlichen Darstellungen sehr. Im Übrigen macht Innsbruck einen äußerst anmutigen Eindruck und man findet sich dort schnell heimisch. Empfehlenswerte Restaurants sind das "Brainößl", "Jörgel", "Grauer Bär", mittleres für Wein und warme Speisen vorzüglich. Das Wetter war an diesen beiden ersten Tagen das dankbar beste.

Dienstag, den 13. Juni 7.06 ab Innsbruck mit der kunstvoll angelegten Brennerbahn, die bei Station Brenner ihre höchste Höhe von 1370 m erreicht über Gossenpaß, Sterzing, Franzensfeste und von da mit der Pustertalbahn über Brauneck nach Toblach, an 1.15. Da das Wetter gewittrig geworden war, begaben wir uns an Neu-Toblach vorbei, bestehend aus einer Reihe eleganter Hotels, nach dem 20 Minuten entfernt liegenden "Schwarzen Adler" im Dorf Toblach zum Mittagesen, mit dem wir jedoch nicht besonders zufrieden waren. Gegen 3 Uhr traten wir dann doch unseren Marsch auf der Ampezzostraße an, kamen nach 3/4 Stunden an dem seichten Toblacher See vorüber und erblickten nun vor uns die Anfänge der Riesengebirgswelt: Die Naßwand und den Cristallino. Der Regen wurde stärker und zwang uns in Landro, einem größeren Sperrfort und nebenstehenden Hotelanlagen zur Einkehr und Übernachten. Unsere Stimmung war bei der neu eintretenden Hundskälte eine recht gedrückte und wir machten uns schon alle möglichen Pläne zur Änderung unserer Tour. Wir sind aber glücklich, daß dieser Pessimismus nicht die Oberhand gewann, denn das Wetter am nächsten Morgen war immerhin so, daß wir den Weitermarsch wagen konnten. Bei Landro mündet das Tal der schwarzen Rienz in dessen Hintergrund uns die "drei Zinnen" freundlich grüßten. Im Rücken der kurz darauf folgenden Dürrensteins sollten sich die gewaltigen Eismassen des Monte Cristallo (3199 m) erheben, wegen Wolken waren sie für uns aber unsichtbar. Nach 35 Minuten passierten wir Schluderbach, ebenfalls ein großartiges Dolomiten-Hotel und Übergangsstation nach Italien. Wir wandten uns durch die Zollschranken nach Süden und erreichten bei ziemlicher Steigung nach 1 3/4 Stunden den Misurina-See. In der Veranda des Hotels am See nahmen wir ein warmes Frühstück ein, während dessen sich die Sonne durch die Wolken schaffte und den mächtigen Sorapiß (3206 m) in seiner ganzen Herrlichkeit vor uns jenseits des Sees erstehen ließ. Im Osten des Sees erheben sich die zackigen Carsinspitzen. Nachdem wir uns in dem Postamt, dessen Verwalter übrigens kein Wort deutsch verstand, die neuen italienischen Jubiläumsmarken gekauft hatten, verließen wir den herrlichen Punkt und wandten uns auf schönem Waldweg Tre Croci zu, wohin wir in triefenden Regen 1 1/2 Stunden brauchten. Wir blieben da von 1-2 Uhr, gaben uns der Wirtin, die auch das Hotel Manardi in Cortina führt, als "die Mannheimer" (Anm: Ltd. Beschäftigte der Mannheimer Versicherung) zu erkennen, worüber sie sich ungeheuer freute und gleich hinabtelefonierte, und stiegen, bei sich immer mehr und mehr aufhellenden Wetter, abwärts. Plötzlich erscheint vor uns, nach einem frischgrünen Lerchenwald, die Tofana (3241m), links davon der Nusolau (....m), dann die Garda da Lago (.... m) im Vordergrund der Monte Crper (1543m) und der Pompognon und am Fuße aller dieser schneebedeckten Bergriesen, eingebettet in saftig grünen Wiesen, Cortina d'Ampezzo, das Paradies der Dolomiten! Wie gebannt halten wir an und erblicken beim Rückwärtsschauen die von der Wolkenhaube freien, in den Himmel ragenden Felsen des Monte Cristallo und rechts des Einschnittes von Tre Croci den Altenaro und andere.

Um 4 Uhr werden wir im Hotel Manardi in Cortina freundlich empfangen und unternahmen nach kleiner Ruhe einen ersten Spaziergang durch das freundliche, von einem tiefblauen Himmel überdachte Städtchen. Zum Vesper probierten wir einen italienischen Wurstaufschnitt, der uns wohl sehr gut schmeckte aber für Kr. 2,40 auch reichlich teuer war. Bei der untergehenden Sonne konnten wir uns nicht satt sehen an der Pracht, die hier die Natur in übermäßiger Fülle verschwendet hat. Abends hatten wir bei einem guten Liter "Roten" eine anregende Unterhaltung mit vermutlich einem Hochzeitspärchen, die bis gegen 11 Uhr dauerte.

Donnerstag, 15.Juni. Wir standen um 6 Uhr auf und traten bei klarem, sonnigem Wetter um 7.10 Uhr den einstündigen Marsch auf den Pocol an, von wo wir nochmals einen herrlichen Überblick über die ganze Wundergegend von Cortina hatten. Der über Nacht gefallene Neuschnee, der vor allem schuld an dem künftigen schönen Wetter war, bedeckte von hier noch bis zu 20 cm Höhe die Straße, sodaß der Aufstieg auf den 2117 m hohen Falzarego-Paß 2 1/4 Stunden in Anspruch nahm. Im geheizten Zimmer des Hotels machten wir von 1/2 11 bis 3/4 12 Uhr Frühstücksrast und erreichten auf einem von der Paßhöhe abwärts führenden Turistenweg 2.05 das am Abhang der Straße herrlich gelegene Andraz in Buchenstein. Da wir großes Verlangen nach einem guten Glas Bier hatten, bestellten wir uns auf Anbieten 1 Flasche Münchener, das pasteurisiert war, sehr gut schmeckte , aber auch 80 Kr. kostete. Um drei Uhr brachen wir wieder auf: zur Linken das idyllische Tal Buchenstein und gerade vor uns die majestätischen Schnee und Eisfelder der Marmolada (3404m). Die Straße macht eine scharfe Biegung und in unseren Gesichtskreis kommt der Hauptort des Tales Pieve. Es liegt kühn auf einem Felsvorsprung, sodaß sich die Dolomitenstraße durch die Häuser fast hindurchdrängen muß; wegen Fronleichnam herrschte aber darin ein buntes Leben und Treiben der hier zusammengeströmten Buchensteiner. Später passieren wir ein österreichisches Sperrfort und werden, da wir uns daselbe ansehen wollen, mit einem militärischen "Vorwärts!" des Postens und bereitgehaltenem Gewehr weitergenötigt. Die Straße macht nun eine Unmenge Windungen und erreicht fast eben in 2 1/2 Stunden von Andraz - Arabba. Wir stiegen in dem freundlichen Gasthof Finazzer ab und waren mit Kost und Wohnung sehr zufrieden. (1 Bett Kr. 1,20) Schnitzel mit Bratkartoffel 1,64). Die Temperatur sank nachts stark, wodurch uns aber der nächste Tag als schön geliefert war. Ein Eisenbahnassistent aus Wien Herr Satka hatte sich uns vor dem Falzarego-Paß angeschlossen und befand sich die nächsten Tage in unserer Gesellschaft.

Freitag, 16. Juni, Bei blauem, wolkenlosen Himmel traten wir um 7 Uhr den Aufstieg auf den Pardoijoch an. Abseits der Straße, quer hinauf brauchten wir dazu nur 2 Stunden. vor uns hatten wir immer noch die Marmolada. Wir frühstückten bis 10 1/4 Uhr und erreichten auf markierten, alpinen Abkürzungsweg mit prächtigen Ausblicken links auf die kühnen Pyrense das Vernal, rechts auf die ungeheueren Wandflächen der Boe- und Sellerspitzen Lanapi im Ferssatal. In dem einfachen "Wirtshaus zur Sonne" fanden wir einen vorzüglichen "Tiroler Spezial". Von hier sandte ich meiner Paula einen Enzian-Gruß. die Straße geht nun in gleicher Höhe nach Lampitallo, Marzzin, Para und Pozza, steigt hinauf etwas und gelangt nach dem Hauptort des Fassatals Vigo di Fasser. Unser gemütlicher Marsch dauerte von Lanazei aus 3 1/4 Stunden, Im Hotel Vigo fühlten wir uns bald wie zuhause, während uns der Wirt des Hotel Post als sehr deutschfeindlich geschildert wurde, ja er soll sogar gesagt haben, er wolle sein Geld nur von Italienern verdienen. (Bett Kr. 1,60)

Unser Abendschoppen dehnte sich bei der lustigen Bedienung sehr lange aus. Trotzdem waren wir am folgenden Tag, Samstag, 17. Juni um 6 Uhr wieder auf den Beinen. Das Wetter war herrlich. Die Straße nach dem Karerpaß steigt von Vigo ab dauernd. Links vor sich hat man die Latenargruppe, rechts die Rota-Wand. Das Karerpaß und Latemaar-Hotel, beide auf der Paßhöhe (1742m), waren in 2 Stunden erreicht.

In 1/2 Stunde ist man an dem 1910 abgebrannten Karerseehotel, das im Rohbau so ziemlich wieder aufgebaut, aber erst so ungefähr zu 1/5 in Betrieb genommen ist. Beim Abstieg dahin grüßen vor uns aus in weiter Ferne die schneebedeckten Bergriesen des Ortler-Gebietes. Rechts erscheint die Rosengartengruppe mit den Majolatttürmen, noch weiter seitlich der Schlern. Im Turistenzimmer des Karerseehotels essen wir ein Schinkenbrot für 60 K und trinken 2 Viertel Spezial zu 30 K . Um 11.30 gehts abwärts durch prächtige Tannwälder zum smaragdgrünen, malerisch schönen Karersee, in welchem sich die Latenargruppe deutlich spiegelt; und weiter nach Welschnofen, wo wir um 1.00 Uhr ankommen. Programmgemäß sollte von hier aus nach Bozen gefahren werden, der Aufenthalt bis zur Abfahrt war aber meinem Reisegefährten Sieber und Herrn Satka zu lang und sie gingen zu Fuß weiter, mich in dem anmutigen Gasthaus zum weißen Rößl zurücklassend. Ich hatte nun Gelegenheit mit gründlich auszuruhen und nach dem Mittagessen eine interessante Unterhaltung über öffentliche Fragen mit dem Wirt, früheren Gemeindevorsteher von Welschenofen, Herrn Windenhofer und einem Handlungsreisenden aus Bozen zu führen. Er erzählte mir hierbei auch die "Geschichte vom Eppental", die er mir hektographiert übergab und die dem Bericht angefügt ist.

Um 1/2 5 Uhr kam der Stellwagen vom Karersee her. Über Bircherbrück gelangten wir in das romatische Eppental, das durch Tunnels und den Felsen abgerungene Straßen durchfahren wird. Kurz vor Kardaun auf dem hohen Fels Schloß Karneis. Um 1/2 8 Uhr kann ich in Bozen den Wagen verlassen und treffe gleich darauf im Hotel Rosengarten mit meinen Reisegefährten zusammen, die zu Fuß schon um 1/2 6 angelangt waren. Nach dem Nachtessen suchten wir noch das berühmte Batzenhäußl und später die Torggelstube??? am Obstmarkt auf und kehrten ziemlich spät in gehobener Stimmung ins Hotel zurück. Am Sonntag, 18. Juni war das Wetter wieder schön, aber ziemlich heiß. Wir schliefen länger wie sonst und traten um 9 Uhr einen allgemeinen Rundgang durch Bozen an. Herr Vatka war früh nach Meran gefahren. Bozen ist eine lebhafte deutsche Stadt mit 20 000 Einwohnern, war zur Blütezeit Venedigs einer der größten Transitplätze und ist jetzt noch die bedeutendste Landeshauptstadt Tirols. Sie liegt wundervoll in einer fruchtbaren Gegend im Kranze hoher, grüner Berge und zackiger Dolomitfelsen, am Einfluß der Talfer in den Eisack, welcher eine Stunde weiter in den Etsch mündet. Auf dem Waltherplatz erhebt sich das Denkmal Walthers von der Vogelweide; eingesäumt mit großstädtischen Hotels, in deren künstlich angelegten Vorgärten abends öfter hervorragende Konzerte stattfinden, bildet der Platz den Haupttreffpunkt der Fremden und zugleich Ausgangspunkt nach den anderen sehenswerten Teilen der Stadt. Von der Nordwestecke kommen wir durch eine enge Gasse am erstklassig geführten und vollständig hochmodern hergerichteten Hotel Schgarffer, wo uns das Essen am besten schmeckte, vorbei über den Kornplatz auf den Dreifaltigkeitsplatz, den das neue Rathaus ziert und in den von Osten her, die interessante mittelalterliche Laubengasse mit dem Merkantilgebäude einmündet. Wir durchschreiten dieselbe und befinden uns auf dem berühmten Bozener Obstmarkt. Hier nahmen wir die Gelegenheit wahr, an unsere Lieben daheim ein Postkollo Kirschen absenden zu lassen, die aber leider, wie wir zu Hause erfuhren, in keinem Verhältnis zu dem hohen Preis standen. Die Kiste enthielt 7 3/4 Pfund und hatte uns frei Mannheim Kr. 4.34 gekostet. In den beiden nördlichen Ecken des Platzes steht rechts das Hotel Tirol, und links das sog. Torggelhaus, eine äußerst gemütliche Weinstube, in der wir uns abends vorher noch einen Liter Tarlaner zu Gemüt geführt hatten. Durch die Museumsstraße, links am neuen Museum vorbei, gelangt man auf die Talferbrücke, die Bozen mit Gries verbindet. Man hat von hier einen schönen Überblick der reizenden Umgebung Bozens: östlich im Hintergrund des Eisacktales die schöne Dolomitgestalten des Schlern und des Rosengarten, westlich das Hügelland von Uberath und die Mendel, südlich die Virglwarte, auf die eine Drahtseilbahn führt, nördlich, der mit einem Kostenaufwand von über 200 000 Kr. durchgeführte Panoramaweg nach St. Anton und das Tarntal, mit den vielen interessanten Burgruinen, darunter auch das restaurierte "Schloß Runkelstein", dessen Besuch wir versehentlich leider versäumten, und nordöstlich der Ritten, ein 1200 m hohes Wald- und wiesenreiches Hochplateau, auf das eine elektrisch betriebene Zahnradbahn nach dem beliebten Sommerfrischorten, Oberbogen, Klobenstein und Langenmoos führt.- Gries, dem wir einen kurzen Besuch abstatteten, machte auf uns einen langweiligen Eindruck.-

Da es gegen Mittag immer schwüler wurde, flohen wir in den schattigen Garten unseres Hotels Rosengarten und nahmen bei flottem Konzert einer Abteilung der Landesschützen-Kapelle unseren Frühschoppen ein. Mit dem folgenden Mittagessen fielen wir kräftig hinein!.- Nach einem kleinen Schläfchen bestiegen wir gegen 4 Uhr die Wirglwarte, wo es etwas frischer war und verbrachten bei Konzert in dem neuen Restaurant den Nachmittag. Vor dem Abstieg bot sich uns nochmals eine herrliche Aussicht auf Bozen und die ganze Umgebung. Im märchenhaften Garten des Hotel Schgraffer aßen wir später ein "Schgraffer Potpourri" für Kr. 1,20 und unterhielten uns gemütlich bei einem guten Tropfen "Hellen".

Montag, 19. Juni brachte bedecktes Wetter, das für die Eisenbahnfahrt nach dem Gardasee wie geschaffen war. Der Zug ging 8.01 Uhr ab und kam 10.36 nach Mori, wo wir leider keine Verbindung nach Riva hatten; wir gingen deshalb nach Mori-Dorf, einem erbärmlichen Nest mit ganz verwahrlost, italienischem Charakter und kamen dort in ganz unzweifelhafte Stimmung, da unser Zug erst 12.47 weiterging. Anstatt Aufhellung, die wir hätten gebrauchen können, setzte zu allem Unglück auch noch Regen ein, der leider mit kleinen Unterbrechungen den ganzen weiteren Teil des Tages anhielt. Dies beeinträchtigte natürlich sehr den Eindruck Riva's und des Gardasee's, wohin wir 1.52 gelangten. Die Bahnhofstraße ist zu beiden Seiten abwechselnd mit riesigen Palmen und Magnolienbäumen bepflanzt, deren ungemein große, weiße Blüten, einen betäubenden Geruch ausströmten. Über den Marktplatz gehen wir in die eigentliche Altstadt am Hafen; derselbe ist rund umgeben von aus dem Ende des 15.Jahrhunderts, also aus venezianischer Zeit, stammenden Bauten. Eine gerade im Hafen verankerte Flottille altertümlicher Segelboote erinnert lebhaft an die bekannten Hafenbilder Venedigs. Und nun kommt auch die Sonne ein wenig durch die Wolken und zeigt uns den oberen Teil des tiefblauen Gardasee's in seiner ganzen Pracht. Über Riva steigen die steilen Felsen der Roccsetter majestätisch in die Höhe, östlich grüßen die Höhen bei Torbole und Malcesine. Ziemlich weit hinaus können wir an ersterer die in die Felsen gehauene mit kühnen Galerien versehene Ponalestraße verfolgen. Vor einem wieder einsetzenden Gewitterregen müssen wir im Hotel zum bayrischen Hof direkt am Hafen Schutz suchen. Wir erfahren, daß der nächste Dampfer nach Desenzano erst um 4 Uhr geht und beschließen deshalb hier unser Mittagessen einzunehmen. Ich esse Gardaseehecht mit Butter und Kartoffeln für Kr. 1,50, was ganz vorzüglich war. Sodann gedenken wir wieder unserer Bekannten mit Ansichtskarten vom Gardasee.- Da der Regen bei Abfahrt des Dampfers andauerte, nahmen wir nur eine Fahrkarte bis Limone hin und zurück für Kr. 1,05. Nach 20 Minuten Fahrt merken wir an der italienischen Finanzwache am Ufer, daß wir die Grenze überfahren haben und werden kurz darauf mittels eines Bootes vom Dampfer in Limone an Land gesetzt. Die Ufer prangen im Schmuck reichster südliche Vegetation: ein Junge bietet sich uns an, uns in die naheliegenden großen Zitronengärten zu führen; wir sind erstaunt über die Fülle der bekannten gelben Früchte, die schon an den Bäumen hängen. Trotz dieser Pracht will keine richtige Stimmung in uns aufkommen, da es immer weiter regnet, und wir auch von den Leuten nicht verstanden werden. In einem Restaurant Bella Vista mit üppigem Garten direkt am See leisten wir uns eine Flasche Muscato spumante für L. 1.-, können aber kaum die Zeit erwarten, wo uns der Dampfer von Valo wieder nach Riva zurückbringen soll. Vollgepfropft von missmutigen Passagieren kommt er endlich um 1/2 8 Uhr an und 1/2 Stunde später steuern wir in Riva dem deutschen Hotel Mühl zu, wo sich unsere Stimmung infolge des freundlichen Empfangs der Wirtin bald besserte. Wir aßen ganz hervorragend zu Nacht und hatten vielen Spaß mit der sehr "naiven" Bedienung.--

Am Dienstag, den 20.Juni erreichten wir gerade noch den ersten Morgenzug 6.40 ab Riva nach Mori. Wir fahren wieder an dem von dem auf steilem Fels liegenden alten Schloß Arco gekrönten Arco vorbei, erreichen Nago, von wo sich uns über Torbole hinweg nochmals ein herrlicher Blick über den Gardasee bietet, weiter Loppia mit dem See und Mori. Daselbst ab 8.40 über Rovereto, Trient, Salurn usw., dauernd durch unabsehbare Weinfelder hindurch, nach Bozen; an 11.47. Nach dem Mittagessen im Rosengarten bummelten wir, teilweise leider bei Regen, in der Stadt herum, besuchten das Weinrestaurant Löwengrube und landeten abends wieder im Hotel Schgraffer zum Nachtessen; Rindsgoulasch mit neuen Kartoffeln für Kr. 1.-

Bei verschiedenen "Teppchen" wurden wir da sehr lustig und als wir im Rosengarten noch Nachricht von Hause vorfanden, kannte speziell meine Ausgelassenheit keine Grenzen mehr. Auf meinen Vorschlag gingen wir um 10 Uhr noch einmal in das "Batzenhäusl", das wir diesmal erst so richtig "genossen". Das "Batzenhäusl" ist heute ein berühmtes Weinrestaurant, in altdeutscher Art mit lauschigen Stuben und Erkern, an dessen Stelle schon im Mittelalter eine gutbesuchte Weinschenke gestanden haben muß. Interessant sind die an allen Wänden angebrachten Gemälde, Handzeichnungen und Skulpturen, alles Spenden von hervorragenden Gästen, die auch hier den herrlichen Traubensaft schlürften. Sorgsam behütet wird von dem Besitzer weiter eine entsprechende Sammlung von Ehrengläsern.

Am Mittwoch den 21,Juni fuhren wir bei prächtigem Wetter aber etwas schweren Kopfs morgens 6.20. nach Vilpian und kamen dort um 7.00 an. In der "Post" führten wir uns ein gutes Frühstück, bestehend in Spiegeleier und Rotwein, zu Gemüt, das uns bald wieder ins Gleichgewicht brachte. Um 7.40 brachen wir dann auf schöner, aussichtsreicher Landstraße nach Meran auf, das wir um 11 Uhr erreichten. Meran ist ein freundlicher, den größten Komfort bietender Kurort, am rechten Ufer der Passeier und am südlichen Fuße des Küchelberges gelegen. In Alt-Meran ist sehenswert, der Marktplatz mit der Pfarrkirche, zu dem der Weg durch ein altertümliches Stadttor führt, und die Laubengasse, wo sich der geschäftliche Verkehr abspielt. Reich an hervorragend schönen Promenaden sind beide Ufer der Passeier, denen wir einen flüchtigen Besuch abstatteten. Inzwischen begann der Magen bedenklich zu knurren, und im "Försterbräu" sorgten wir für Abhülfe. Auf dem Weg zur Bahn gewannen wir nochmals einen allgemeinen Überblick über das Städtchen und kurz darauf saßen wir im Zug nach Spondinig. Kaum hat derselbe den Bahnhof verlassen, so erblicken wir rechts auf steilem Fels, aber im Schatten der dahinter liegenden Bergriesen, Schloß Tirol, das Stammschloß des Landes, dessen Besuch wir wegen der Hitze leider aufgeben mußten. Die Bahn erreicht nach Algund, auf großartiger Kurve und durch obstreiches Gelände hindurch die Höhe von Marling, von wo sich ein großartiger Blick auf das herrlich gelegene Meran und das Etschtal bietet. Durch einen Kehrtunnel steigen wir höher, erblicken rechts unten an der Reichsstraße das Elektrizitätswerk der Städte Meran und Bozen, die Stromschnelle der Etsch und das Schloß und Bräuhaus Forst. Wir befinden uns jetzt im sogenannten Vintschgau, im großen ganzen einförmigen, da sehr breiten Tal der Etsch. Ab und zu sehen wir links oder rechts ein Schloß oder eine Burgruine, über von üppigen Obstgärten eingerahmten, freundlichen Städtchen und dahinter schnee- und eisbedeckte himmelaufstürmende Spitzen. Nach 2 1/2 stündiger fahrt erreichen wir Neuspondinig-Prad, wo links sie Stilfserjochstraße abzweigt. Ohne Aufenthalt beginnen wir unseren Marsch, durchschreiten nach 2 1/4 Stunden das stattliche Dorf Prad und betreten das Trafoital. Die Straße steigt nun am wilden Trafoierbach aufwärts. Rechts bemerkten wir auf steiler Bergwand das Dorf Stilfs, das aber bei den Krümmungen der Straße bald wieder verschwindet. Nach Überschreiten des Baches erheben sich vor uns die Trafoiner Schneeberge, rechts grüßt uns wieder Stilfs, hinter uns haben wir die imposante Pyramide der Weißkugel (3746 m). Sprachlos nehmen wir diese herrlichen Naturbilder in uns auf und wandern nach einem Picknick an frischer Quelle rüstig gen Gomagoi, unserem Standquartier für die nächsten Tage. Um 6.15 ziehen wir in die "Post" ein, wo uns durch den dortigen Postmeister Herrn Heinrich Rotbäck, mit dem ich durch Freund Müller in Briefmarkentauschverkehr getreten war, ein Zimmer bestellt worden war. Freundlichst empfangen, sitzen wir bald beim Dämmerschoppen im schmucken Speisesaal, essen später ganz vorzüglich Abendbrot und haben dabei Gelegenheit ein herrliches Alpenglühen der umliegenden Berge zu beobachten. Flüchtig stellte ich mich an diesem Abend Herrn Rotböck vor, ein einfacher, sehr jovialer Herr, der sich über unsere Bekanntschaft sehr freute.

Donnerstag, den 22.Juni war wieder prächtiges, wolkenloses Wetter. Wir standen trotzdem verhältnismäßig spät auf und aßen im Hotel das Frühstück. Unser Ziel für den Tag war das Stilfser Joch. Die Straße führt durch ein kleines Sperrfort, durch das man vom Posten begleitet wird, und steigt von nun an ständig von 1273 auf 1560 m, womit Trafoi erreicht ist; bei den ersten Häusern entfaltet sich die ganze Großartigkeit der hochalpinen Landschaft: Im Hintergrunde erblickt man die gewaltige Felspyramide der Vorderen Mardatschspitze, hinter welcher sich die mittlere und hintere Mardatschspitze, östlich neben diesen die Schneeglocke und weiterhin die prächtige Trafonier Eiswand erheben, von denen westlich der Trafonier Ferner und östlich der unter Ortlerferner in vielfach gebrochenen Eiskaskaden zu Tal stürzen. Wir kommen an dem Hotel "Neue Post" vorüber, an einigen von Bergführern innehabenden "Touristenheimen", wo man laut Bekanntgabe von den Fenstern für Kr. 1,20 übernachten kann, an dem Gasthaus "Zur schönen Aussicht", von wo wir in der Ferne das am Fuße der Trafonier Eiswand mit 170 Zimmern erbaute Trafoihotel des Vereins für Alpenhotel erblickten. Auf schönem Waldweg erreichen wir das selbe um 10 Uhr und nehmen in dem Touristenzimmer unseren Frühschoppen ein. (je 2 Viertel Spezial für Kr. 1.-) Teils auf "Abkürzungen" teils auf der Straße gelangen wir zum "Weißen Knott", einem Felsvorsprung, dem schönsten Punkt der Straße, auf dem ein 1884 errichteter Marmor-Obelisk an den ersten Ortler-Ersteiger, Josef Pichler, Pseirer Josele 1804 erinnert. Das großartige Gletscher-Panorama fesselte uns bei dem herrlichen Wetter stundenlang: diesmal direkt vor uns die Mardatspitze, rechts davon der Mardatschferner, links der Reihe nach, die Schneeglocke, die beiden Eiskögel, die Nashornspitze, die Thurwinserspitze, der Ortlerferner, die Stikla-Pleiß, an deren Fuß, an der Grenze der Waldregion die Berglhütte des Alpenverein aus einer Höhe von 2212 m herübergrüßt. Noch weiter links, aber bedeutend höher sehen wir die Edelweißhütte. Seitlich der Trafoier Eiswand in der Tiefe das Kirchlein mit den heiligen drei Brunnen und jenseits einer grünen Matte drei Wasserfälle. Ein im Weißen Knott wohnender Bergführer erklärte uns dies entgegenkommenderweise alles. Von 12 bis 2 1/2 Uhr bestaunten wir diese Herrlichkeiten und sahen dann auch von dem weiteren Aufstieg auf das Stilfser Joch ab, von wo wir wohl kaum einen größeren Genuß gehabt hätten. Gegen 1/2 4 saßen wir in der Schwemme der "Neuen Post" in Trafoi zum Vesper und um 5 Uhr waren wir wieder in Gomagoi. Es fand sich dann Gelegenheit mit Herrn Rotbäck den beabsichtigten Markentausch zu erledigen und später noch einen kleinen Spaziergang in die nächste Umgebung zu machen. Abends labten wir uns wieder ordentlich an hervorragenden Speisen und Getränken.

Freitag, den 23.Juni meinte es die Sonne recht gut, sodaß uns die Anfangswanderung in das Suldental einige Beschwerden machte. Nach Überschreiten des Trafoi- und Süldener Baches steigt die Straße in 3/4 Stunden aufwärts zum Unterthurnhof (1587 m) und weiter zum Gandhof (1631 m), wo sich das Tal erweitert. Die von hier aus sonst sichtbare Ortler- und Königspitze konnten wir wegen der Wolken leider noch nicht sehen.

Am Lagandahof vorbei und wieder über den Suldenbach gehts durch herrliche Wald- und Gebirgslandschaft stetig aufwärts zu dem 2 1/4 Stunden von Gomagoi entfernten und (1845 m) hoch gelegenen Hauptort des Tales St. Gertraud, auf grüner Matte, rings von prächtigen Gebirgsstöcken umgeben. Bei unserer Ankunft war es 11 Uhr, sodaß wir zunächst im Gasthaus Eller unser Frühstück bestehend aus Salami und Tiroler Roten einnahmen. Zwischenzeitlich war es klarer geworden und der Weg noch weiter ins Tal hinein für uns von unbeschreiblichen Genuß. Auf einem großartigen Weg am Waldessaum kamen wir zunächst an das in eine Felsplatte eingelassene Reliefporträt des Ortler-Forschers Julius Perger. Und nun hörten die herrlichen Bilder in die Alpenwelt nicht auf: Von der Düsseldorfer Bank der Blick auf der anderen Seite hoch oben gelegenen Düsseldorfer Hütte, links zurück das liebliche St. Gertraud mit der neuen Kirche, rechts die Suldenspitze, links unten das Sulden-Hotel bei den Gampenhöfen usw.; zu denen wir nach Überschreiten des Suldenbaches gelangen: Und hier entfaltet sich eine noch großartigere Aussicht: Wir erblicken von rechts nach links die Taborett-Hütte, etwas höher die Perger-Hütte (3000 m), den Ortler (3902 m) Zebru (3735 m), Königspitze (3859 m) Kerilspitze (3389 m), Suldenspitze (3383 m), Cewedale (3774 m), auf 3/4 Höhe die Schaubach-Hütte usw. -- Nur schwer können wir uns trennen und erreichen langsamen Schrittes am Gasthaus Tenibl und Ortlerhof vorüber, auf einem Wiesenpfad wieder die Straße nach Gomagoi. Im Lagandahof machen wir nochmals halt, da sich von dessen Glashalle, in seiner ganzen Majestät der Ortler und rechts wenig weiter abwärts auf steilem Fels, die auch von unten sehr geräumig scheinende Vesperhütte nebst Dependancen, bewundern läßt. Bei verschiedenen Viertel "Spezial" blieben wir auch hier verhältnismäßig sehr lang und traten dann den Heimweg nach Gomagoi an. Nach abermals vorzüglichem Nachtessen waren wir noch einige Stunden bei interessanter Unterhaltung mit Herrn Rotbäck zusammen.

Sonntag, den 24. Juni galt's Abschied zu nehmen von dem herrlichen Fleckchen Erde. Um 6 Uhr verließen wir Gomagoi und langten kurz vor 8.05, dem Abgang des Zuges, in Spondinig an. Über Meran und Franzensfeste erreichten wir Innsbruck um 4.35 und stiegen wieder in der "Rose" ab. Wir machten nochmals einen großen allgemeinen Spaziergang durch Innsbruck und nahmen im "Breinößl" unser Nachtessen ein. Abends "setzten" wir noch ein "paar" in der "Rose" und hatten dabei einen gelungene Unterhaltung mit zwei Damen von Offenburg, namentlich über die Frauenfrage, wobei die "Alte" infolge meines ablehnenden Standpunktes gegen die Frauenarbeit in Männerberufen usw. "ganz bissig" wurde. Ziemlich angeheitert suchten wir erst um 12 Uhr unser Lager auf.

Der Sonntag, 25. Juni war der letzte Tag in Tirol: Die Bahn brachte uns von 5.52 bis 7.55 nach Kufstein, wo wir zunächst im "Hotel Giseler" das Frühstück, Tellerfleisch mit Meerrettig, einnahmen. Bei dem dann folgenden Rundgang mußten wir bemerken, daß wir uns eigentlich auch von Kufstein mehr vorgestellt hatten; es ist ja wohl ein recht freundlich am Inn gelegenes Grenzstädtchen, macht aber sonst nicht den Eindruck eines hervorragenden Kurortes und scheint auch mehr als Ausgangspunkt in das nahe gelegene Kaisergebirge berühmt geworden zu sein. Von der Feste Geroldseck, die die Stadt überragt, hat man eine schöne Aussicht auf die nähere und weitere Umgebung, in der vor allem der jäh in die Höhe steigende, oben wie glatt abgeschnittene Pendling, mit sichtbarem Hotel (1553 m) hervorsticht. Da wir ziemlich abgespannt waren, machten wir im nahen Wald ein Schläfchen und begaben uns um 1/2 11 Uhr auf die Terrasse des Hotels Auracher zum Frühschoppen, von wo aus wir einen recht lebhaften Promenaden-Verkehr beobachten konnten.-- Kurz nach 12.55., dem Abgang des Zuges nach München, waren wir wieder in Bayern-Deutschland. Mit einer Stunde Aufenthalt in Rosenheim waren wir schon 3.50 in München. 1/2 Stunde später hatten wir uns in der "Sonne" bei Bögener im "Tal" restauriert und traten nun der stets üblichen Bierreisen an. Im "Bürgerbräu" waren wir am Abend und auch Dienstag, den 26. Juni mit Speise und Trank sehr zufrieden. (Mockturtle-Suppe und 1/2 gebratene Ente auf pikante Art für Mk. 1,75)

Nachmittags um 4.32 Uhr ging unser Zug und 11.33 nachts waren wir über Heidelberg wieder in Mannheim, sehnlichst erwartet von Frau und Kind.----

 

 

 

 

 

 

 

 

Kosten der Reise

 

 

Vorausgaben

 

12,00

 

 

Kronen

Mark

 

Mannheim-Innsbruck

19,70

 

Innsbruck-Toblach

5,80

4,93

 

Welchenofen-Bozen mit Stellwagen

3,80

3,23

 

Bozen-Mori

2,60

2,21

 

Mori-Riva

1,40

1,19

 

Riva-Limone und zurück

1,05

0,90

 

Riva-Bozen

5,10

4,44

 

Bozen-Vilpian

1,00

0,85

 

Meran-Spondinig

2,60

2,21

 

Spondinig-Innsbruck

10,50

8,93

 

Innsbruck-Rosenheim

4,10

3,49

 

Rosenheim-München

2,30

 

München-Mannheim

13,00

 

 

 

 

 

Summe

 

67,38

 

Ausgaben für Essen, Trinken, Übernachtungen u. Ansichtskarten

132,58

 

 

Zusammen

211,96

 

oder für den Tag durchschnittlich rund 10 Kr. = Mk. 8,50

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Da mein Urlaub bis 3. Juli dauerte, konnte ich mich noch fast eine volle Woche meiner Familie widmen, und so war beiden Teilen Genüge geleistet.

 

Der 9. Juli fand mich schon wieder in Gesellschaft des Pf.W.V., der eine äußerst genußreiche Wanderung in den nördlichen Schwarzwald arrangiert hatte. Freund Bach nebst Frau und Freund Müller waren mit von der Partie. Zeitig gings per Bahn nach Forbach durch das liebliche Murgtal, von wo aus die Wanderung angetreten wurde. Bei schneller Steigung erreichten wir kurz nach 10 Uhr den Latschigfelsen, eine schöne Felsengruppe mit überwältigendem Blick ins Murgtal bis Gernsbach. Der Weg führte nun über die Prinzenhütte immer aufwärts in 1 1/2 Stunden zum Kaiser-Wilhelm-Turm auf dem 990 m hohen Hohloh, wo sich uns eine prachtvolle Rundsicht auf den nördlichen Schwarzwald, die Vogesen und den Wasgau bot. Am Hohlosee vorbei kehrten wir zum Kaffee von 1-2 Uhr in Kaltenbronn ein, wo sich ein Jagdschloß des Großherzogs von Baden befindet, das wir kurz besichtigten. Auf der schattigem Waldweg und mit Rast auf dem Sommerberg, an dessen Fuß Wildbad liegt, erreichten wir dieses in 4 Stunden gegen 5 Uhr. und hatten somit zur Besichtigung der Kuranalagen usw. und zur Stärkung noch genügend Zeit. Im "Graf Eberhardt" am Kurplatz waren wir sehr zufrieden. Der Sonderzug brachte uns in 3 Stunden wieder nach Ludwigshafen. Ebenfalls eine schöne Wanderung des Pf.W.V. fand am 13.August statt. Sie nahm ihren Ausgang in Annweiler, und führte in langsamer Steigung durch herrlichen Waldbestand nach Taubensuhl. Hier war unter schattigen alten Buchen eine längere Rast vorgesehen, die sich in jeder Beziehung recht genußreich gestaltete. Über die Teufelshütte, das Helmbachtal, den Birnenberg und Iggelbach war in 3 Stunden in Elmstein erreicht, wo wir nach reichlichem Aufenthalt den Rückzug bestiegen. Am 17. September ging's abermals mit dem Pf.W.V. in die Pfalz, diesmal aber noch südlicher, und zwar nach Bergzabern. Der Staffelsberg war in 1 1/2 Stunden erstiegen und in weiteren 1 1/2 Stunden winkte Reisdorf, die Frühstücksrast. Hier schloß sich mir Kollege Sandritter an und gemeinschaftlich nahmen wir dne direkten Weg nach Klingenmünster.

Die nächste Pf.W.V.-Wanderung am 8. Oktober begann in Edenkoben. von der wurden berührt: die Ludwigshöhe, Ruine Rietburg, Blättersberg, Luschmühle, Wetterkreuz auf dem Teufelsberg, Bad Gleisweiler Nußdorf und Schluß Landau. Auf dem größten Teil des Weges konnten wir uns an den guten 1911er Trauben laben.

Sonntag, den 12. November war das Ziel in's Neckartal: Heidelberg, Ziegelhausen, Münchel, Neckargemünd-Heidelberg. Von Schlierbach aus benützen wir die Bahn, um im Perkeo in Heidelberg mit Frau Bach noch einige gemütliche Stunden verleben zu können. Die letzte Pf.W.V.-Wanderung, mit der zugleich das gewünschte goldene Ehrenabzeichen erlangte, ging in's vordere Haardtgebirge und war speziell für mich eine ausgesprochene Weinreise. Über die Begleitumstände und folgen schweigt des Sängers Höflichkeit. Der eigentliche Weg war: Lambrecht, Stoppelkopf, Lindenberg, Weinbiet, Gimmeldingen, das mir wohl recht lange in Erinnerung bleiben wird.

 

******Hier fehlt merkwürdiger Weise der Vermerk über die am 20.1.12 erfolgte Geburt unseres Stammhalters Walter, was hiermit nachgestellt sei. Jedenfalls wurden 1912 nur Wanderungen festgehalten!  5.2.46  Hee.

 

1912

Am Neujahrstag begannen wir, Freund Müller und ich, auch schon wieder die Wanderungen für 1912. Das Ziel war unsere vielgeliebte Kalmit. Wir tranken manchen Schluck feurigen Rebensaftes auf unserer Angehörigen Wohl, waren aber zeitig wieder in Mannheim.

Der Pf.W.V. hatte seine Getreuen auf den 14. Januar eingeladen und wir sahen abermals die Kalmit. In der Turnhalle in Neustadt fand abends die Dekorierung für 1911 mit großem Klimbim statt, dem wir aber auswichen. Müller holte die Abzeichen und wir feierten beim "Hasenhenker"    *****

Am 11. Februar beteiligte ich mich an folgender Wanderung des Pf.W.V.: Eichelberge, Heiligkreuzsteinach-Ziegelhausen, Nachtessen und Schlußschoppen war wieder im "Perkeo" Heidelberg. Die nächste Wanderung machte ich mit Bach's Karfreitag,

 den 5. April. Von Weinheim aus erstiegen wir die Wachenburg und gingen weiter nach Siedelsbrunn und Stollenkandel, auf welch letzterem Weg wir eingeregnet wurden, wie noch nie, sodaß wir in Stollenkandel bei der schwarzen Liesel Kleider leihen mußten., um unsere eigenen trocknen zu können. Es entstanden dadurch manch unvergessliche Bilder.

Am 21. April wanderte ich mit Freund Müller von Neustadt über die Kalmit, St. Martin, Kropsburg nach Edenkoben. Im Ratskeller daselbst waren wir sehr zufrieden.

Die Pf.W.V.-Wanderung vom 12. Mai verlockte mich wieder zur Teilnahme. Auch Bach's schlossen sich mir an. Bei sommerlichem Wetter brachte uns einer der Sonderzüge um 8.30 nach Altenbamberg, wo die Wanderung begann. Über die Burgruine Altenbaumburg erreichten wir auf herrlichen Waldwegen kurz vor 10 Uhr die Wirtschaft zum Guttental an der Nahe, unterhalb des Rheingrafensteins und gegenüber Münster a/St.. An dem idyllischen Plätzchen, von dem übrigens bemerkenswert ist, daß die pfälzisch-preussische Grenze mitten durch den Garten geht, nahmen wir das reichlich und gute gebotene Frühstück ein, und traten dann, ungern scheidend, den Aufstieg zum Rheingrafenstein an. In 20 Minuten waren wir oben: Da lag vor uns das ganze herrliche Nahetal, verfolgbar bis zum Rhein. Unter uns Münster, zur Linken auf steilem Bergkegel die Ebernburg, gegenüber der jäh abstürzende Rotenfels, etwas in nordöstlicher Ferne Bad Kreuznach, wohin sich nun über die Gans unsere Schritte lenkten. Dies machte auf uns nicht den erwarteten Eindruck, vor allem jedenfalls, weil die Gesellschaft ganz auseinander geraten war und jegliche Führung fehlte. Auch die Kaffeestation "Karlshalle" war sehr zweifelhafter Natur.

Wir benutzten deshalb die nächste Elektrische zur Rückfahrt nach Münster, bestiegen hier die Ebernburg und ließen uns bei einem guten Tropfen Rebensaftes gut sein. Durch einsetzendes veränderliches Wetter ließen wir uns leider verleiten, vorzeitig wieder abzusteigen und kamen darauf im "Sickinger Hof" zu Ebernburg in ein beängstigendes Tohuwabohu, da dort alles, weil in der Nähe des Bahnhofs, essen und trinken wollte, und der Wirt dafür nicht gerichtet war. Doch auch dies konnte unsere Stimmung über den genußreichen Tag nicht beeinträchtigen. Um 10.00 langten wir wieder in Ludwigshafen an.

Für den 2. Juni war Treffpunkt sämtlicher Ortsgruppen des Pf.W.V. in Landau angesetzt. Das Wetter versprach leider nicht viel und beeinträchtigte auch die Veranstaltung. Unsere Wanderung begann in Edesheim. Über die St. Annakapelle, Landauer Hütte und Godramstein traf ich zur Mittagszeit in Landau ein. Nach dem Mittagessen besuchte ich Tante und Onkel Zimmermann und gemeinschaftlich pilgerten wir dann auf den Festplatz, wo sich trotzdem ein reges Leben entwickelt hatte. Wir leisteten uns manchen Schoppen Wein, aber mich drängte es auf den Heimweg, den ich gegen 6 Uhr schon antrat.

Nun folgte eine Pause bis zum Antritt meines Urlaubs am 14.Juli. August Bach, Freund Müller, Gust. Sieber und ich hatten eine Wanderung durch den Schwarzwald verabredet, zu der ich den Plan zusammengestellt hatte. Für 14 Tage touristisch ausgerüstet, versammelten wir uns um 1/4 5 Uhr früh am Bahnhof und benutzten den Eilzug 5.33. nach Karlsruhe, wo wir 6.32 anlangten. 7.19 ging der Schnellzug weiter nach Pforzheim; an 7.58, ab nach Wildbad 8.13 an 9.08. Das Wetter war herrlich und somit waren auch alle Vorbedingungen für unsere Wanderung gegeben. Für die Besichtigung von Wildbad selbst hatten wir wenig Zeit übrig, fanden es aber auf unserem kurzen Rundgang reizend. Die Kuranlagen haben, weil alles dicht beieinander, etwas bestechendes. Gegen 11 Uhr erreichten wir den über der Stadt gelegenen 750 m hohen Sommerberg, der eine umfassende Aussicht über die ganze Gegend bietet. Frühstück und Frühschoppen in der Glashalle recht genußreich. Es möge nun eine kurze Beschreibung der Gesamtwanderung folgen: 12 Uhr, mit Z.W. VII über Soldatenbrunnen (längere Mittagsrast und erstes Abkochen), Eyachmühle, Dobel nach Herrenalb, Gasthaus zur "Sonne". Gut und nicht teuer.

2. Tag: Montag, den 15.Juli. Über Hahnenfalz-Hütte mit Z.M. V nach der "Teufelsmühle". Unterhalb an der Quelle Mittagsrast: Rumpsteak mit Pellkartoffeln und grünen Salat, nachher Kaffee und Kuchen; weiter über Fechtenbuckel nach Gernsbach; von hier mit der Bahn durchs Murgtal nach Baden-Baden, "Hotel Geist" (nichts besonderes) abends größerer Bummel.

3. Tag: Dienstag, den 16.Juli. Lichtental, Geroldsauer Wasserfall, Oberlättig (kurz vorher äußerst gemütlicher Mittagstisch an einer Quelle), Sand, Hundseck (fideler Vesperschoppen) Unterstmatt (gut, aber teuer)

4. Tag, Mittwoch, den 13.Juli. Hornisgrinde, Mummelsee, Ruhestein, Allerheiligen (bei der Ruine am Bach Abkochen und längere Rast) Wasserfall zurück zur Wirtschaft, daselbst Vesperschoppen. Dann anstrengender 2 1/4 stündiger Marsch aufwärts zum "Kurhaus Zuflucht" 968 m über dem Meer. Unterkunftsverhältnisse waren mangelhaft, weil überfüllt. Bewirtung einfach, aber gut und nicht besonders teuer.

5. Tag: Donnerstag, den 18.Juli. Abwärts nach Griesbach, Peterstal, Freyersbach, Löcherberg, Oberharmersbach, wo Regenwetter einsetzte. Mit der Bahn nach Zell a/H.

6. Tag: Freitag, den 19.Juli. nur kleinere Spaziergänge nach dem Gröbernhof und nachmittags Gerolseck, Löwen, Biberach.

7. Tag: Samstag, den 21.Juli. Regenwetter. mit der Bahn nach Triberg, Wasserfall, Brend, Hutenbach, des Unwetters wegen Besteigung des Kandel leider unmöglich und daher vollständige Änderung des Planes. Übernachtung im Hotel Hochberg (gut).

8. Tag: Sonntag, den 21.Juli. Regen, deshalb mit der Post nach Furtwangen, Besichtigung. Im "Goldenen Ochsen" Mittagessen (sehr gut). Nachmittags nach Donaueschingen und von da kurz entschlossen zurück nach Mannheim, wo wir abends 8.14 zum Erstaunen unserer Angehörigen anlangten.

Die nächsten zwei Tage nutzte ich zur Ruhe und bereitete noch einer Spritztour in die Vogesen vor, die sich eigentlich an die vorstehend beschriebene Hauptwanderung hätte anschließen sollen. Freund Sieber schloß sich mir an und so fuhren wir am Mittwoch den 24.Juli morgens 5.08 ab Ludwigshafen nach Straßburg, Molsheim, Barr, wo wir 10.50 ankamen. Nach Stärkung begannen wir unsere Wanderung über Andlau, Ruine Sperburg nach Eishofen, per Bahn nach Dambach (Krone) und weiter zu Fuß nach Kestenholz, wo wir im "Adler" abstiegen und gut aufgehoben waren. Am nächsten Morgen ging's auf dem herrlichen Badweg in 1 1/4 Stunden zur Hofkönigsburg, die wir eingehend besichtigten und großartig befanden. (siehe Ansichtskarten) Auf dem Weiterweg über Tannenkirch, Hoherappoltsstein, St. Ullrichsburg wurden wir von einem heftigen Gewitter überrascht, gelangten aber wohlbehalten nach Rappoltsweiler, wo wir über die Behandlung in der "Stadt Nanzig" nicht gerade erbaut waren (Elsaß!). Um 6.10 kamen wir mit der Bahn in Straßburg an, wo uns Freund Hch. Baum empfing und uns in der Post einquartierte. Am nächsten Tag trafen wir in Landau Paula und die Kinder und aßen bei Onkel Zimmermann und verlebten noch mit diesen zusammen gemütliche Stunden bis zur Rückfahrt nach Mannheim.

Am 11. August wanderte ich mit dem Pf.W.V. von Frankeneck über Forsthaus Schwarzsohl nach Frankenstein und wurde wieder gründlich eingeregnet. August Bach war mit von der Partie.

Eine köstliche Wanderung machte ich am 1. September mit Paula und Familie Müller durch das Schontal zur Kalmit und zurück nach Neustadt.

Am 15. September schloß ich mich wieder dem Pf.W.Verein an. Ziel: Eberbach, Emichsburg, Katzenbuckel, Unterdielbach, Wolfschlucht, Zwingenberg.

Für den 6. Oktober hatte der D.H.V. Käfertal eine Wanderung nach den Eichelbergen festgesetzt, die in Heddesheim begann und in Weinheim endigte. Am 24. November besuchte ich mit Müller und Krannich wieder einmal die Kalmit.

Am 8. Dezember mit dem Pf. W.V. Grünstadt, Luitpoldshöhe, Altleinigen, Seestich, Kallstadt, Freinsheim. Damit hatten die Wanderungen 1912 ihr Ende erreicht.

 

1913

Wanderungen:

12. Januar. mit Pf.W.V. von Neustadt bei 30 cm Schnee auf die Kalmit und weiter nach Heldenstein, Schänzel, Edenkoben.

16. Februar. Mit Pf.W.V. von Dürkheim über Odinstal nach Haardt-Neustadt.

13. April Mit Pf.W.V. von Auerbach, über Schloß, Melibokus, Jugenheim, Tannenberg, Frankenstein nach Eberstadt-Darmstadt.

 

1. Mai. Mit Paula von Neustadt auf die Kalmit und zurück und Teilnahme an der Kreisversammlung des D.H.V.

18. Mai. eine äußerst lohnende Wanderung! Mit dem Pf.W.V. von Kaiserslautern über Großer Humberg, Trippstadt und Ruine Wilenstein ins Karlstal. Von hier Besuch der Amselhalle (Prinzenpavillion, Tafeln, Kegelbahn, Irrgarten und Schießstand);

zurück über Eisenhammer, Langenfelderhof und Afesbacherhof nach Kaiserslautern.

Vom 14.-16. Juni beteiligte ich mich an dem Verbandstag des D.H.V. in Frankfurt a/M.

6. Juli bis 3. August verlebte ich mit Frau und Kindern meinen Urlaub wieder einmal in Zell.

24. August. Mit Paula und unseren D.H.V.-Kollegen von Dürkheim über Rotsteig, Weinbiet nach Neustadt (Deutsches Haus, gut).

14. September. Kreistag in Bretten. An und für sich nicht übel, aber ohne Beteiligung der Brettener Kollegen selbst. (Der Herr Vertrauensmann war mit seiner Braut spazieren gegangen)

Infolge starker vereinlicher Inanspruchnahme (Winterprogramm, Kaufmannsgerichtswahl, Vorbereitungen zum Gautag) kam ich 1913 zu keinen weiteren Ausflügen.

 

1914

In größerer D.H.V.-Gesellschaft besuchten wir am 1. Januar bei ziemlich Schnee die Kalmit, wo wir uns bei Trank und Scherz ziemlich lange aufhielten. Abstieg wie Aufstieg über Kühunger-Quelle. Zum Nachtessen vereinigten wir uns beim "Hasenhenker" (Schwanen) und fuhren erst mit einem der letzten Züge nach Mannheim zurück.

1. Februar wieder mit D.H.V.-Gesellschaft von Weidenthal über Drachenfels, Hardenburg nach Dürkheim.

8. März mit Paula und Bachs von Großsachsen-Heddesheim nach den Eichelbergen und zurück über Schriesheim, Siebenmühlental und Heidelberg. (Abends dummerweise noch bis 2 Uhr in den "12 Apolsteln")

10. April (Karfreitag) mit D.H.V.-Gesellschaft Rimbach, Tromm, Stollenkandel, Weinheim. Am Ostermontag mit Familie, Bach's und Naumer von Ellerstadt durch die "Kirschblüte" nach Dürkheim (Im Winzerverein war Trudel von gestohlenem Wein vollständig betrunken geworden, wo auch die Stimmung, namentlich meine, sehr litt).

(Anm: mündl. überliefert ist: Die Kleine saß auf des debattierenden Vaters Schoß, davor das übliche Weinglas, das immer wieder gefüllt worden war. Niemand bemerkte, als die Dreijährige sich selbst bediente. Als Krankheitszeichen auftraten, die Kleine sogar fast nicht mehr ansprechbar war, entstand ernste Sorge, welche Krankheit sie erwischt habe. Ein Arzt war nicht aufzutreiben, aber der Apotheker. Dieser, wohl schnuppernd, soll treffend diagnostiziert haben, nichts Schlimmes, "das Kind hat 'nen Aff'")

26.April mit "FG" von Weinheim über Juhöhe, Gronau, Schönberg nach Bensheim.

Am 16. und 17 Mai war der Gautag des Gaues "Südwest" des D.H.V. in Mannheim. Die ganze Veranstaltung unterstand meiner Leitung und machte mit viel Arbeit aber auch viel Freude über den glänzenden Verlauf.

Am 21. Mai (Himmelfahrt) unternahmen wir einen Familienausflug nach Schwetzingen.

11. Juni mit D.H.V.-Gesellschaft von Wahlen über Gutenbach, Siegfriedsbrunnen nach Lärmfeuer; zurück über Weschnitz, Fürth und Weinheim.

Für meinen diesjährigen Urlaub hatte ich mir Schönwald bei Triberg ausgesucht. am 15. Juli erreichten wir mit dem Frühzuge um 1.15 Uhr Triberg. Der vorher bestellte Wagen brachte uns in 1/2 Stündiger herrlicher Fahrt hinauf zu dem 1000 m über dem Meer gelegenen Schönwald. (der Preis für die Fahrt von Mk. 8.- + Mk. 1.- Trinkgeld brachte uns die erste Überraschung).

Der Empfang in dem von uns gewählten "Gasthaus zum Hirschen" war freundlich und deshalb die ersten Eindrücke gute. Das uns vorläufig zugewiesene Zimmer ließ allerdings viel zu wünschen übrig. Zum Mittagessen gab's Nudelsuppe, Schellfisch mit Butter und Kartoffeln, Rehbraten mit jungen Gemüsen und Torte; abends: Suppe, Rehragout mit Makkaroni, Käseplatte mit Butterbrot. Die Kinder: Suppe Eier und Milch. -Das Wetter, unter dem wir während unseres ganzen Aufenthalts zu leiden hatten, hatte kurz nach unserer Ankunft zum schlechten umgeschlagen, sodaß wir außer einen kurzen Rundgang nichts unternehmen konnten.

16. Juli. 1/2 7 Uhr ich allein über Furtwängle zur Martinsquelle. 1/2 9 Uhr war ich wieder zurück zum Kaffee. Nach dem selben machten wir gemeinsam einen Teil des Weges noch einmal. Mittagessen: Suppe, Ochsenfleisch mit Kartoffeln und Beilagen, Kalbsrouladen mit Wirsing, Pudding; abends: deutsches Beefsteak mit Kartoffelbrei und Salat und eingemachte Johannisbeeren.

17. Juli. 1/2 7 Uhr ich allein nach dem Stöcklewaldturm; prächtige Aussicht nach der Fuchshalle, dem Galgen und der weiteren Umgebung. Zum Kaffee 1/2 9 Uhr war ich wieder zurück. Dann Spaziergang mit Familie auf der Landstraße nach der "Linde". Mittagessen: Grünkernsuppe, Fischkotelette mit Kartoffeln, Schweinebraten mit Kohlrabi, Bisquit mit geschmorten Birnen; abends: Suppe, Eierspeise, guter Aufschnitt mit Butter und Salat.

18. Juli. Von 3/4 7 bis 3/4 9 Uhr Wanderung nach dem Blindensee. Nach dem Kaffee mit allen am Kirchhof hinauf. Mittagessen: Einlaufsuppe, Salzfleisch und Bockwürstchen mit Blumenkohl und neuen Kartoffeln, Gänsebraten mit grünem Salat, Apfelkompott mit Bisquit. Nachmittags mit Familie auf dem Weg zum Furtwängle. Abends: Suppe, Kalbsgoulasch mit Nudeln, Käseplatte.

19. Juli. Gemeinsam nach Escheck und zurück. Mittagessen: Klare Suppe mit Ballonen, Forellen mit frischer Butter, Roastbeef mit gelben Rüben und Erbsen, Vanille und Himbeereis. Nachmittags durch den Wald nach dem Wasserfall und zurück. Abends: Suppe, Aufschnitt mit Salat und Butterbrot, Käse. Hierauf machten wir die Bekanntschaft des Herrn und der Frau Herrmann aus Mannheim und unterhielten uns großartig.

20. Juli. Ich allein morgens 6 Uhr nach dem Brand; an 7.05: großartige Fernsicht bei wolkenlosem Himmel auf den gegenüberliegenden Kandel, das Simonswäldertal usw. Ab 8 Uhr über Martinsquelle nach Schönwald zurück; an 9.10. Nach dem Kaffee mit Frau und Kindern in den Wald bis 1/4 1 Uhr. Mittagessen: Grünkernsuppe, Blaufelchen mit Weintunke, Hammelbraten mit Bohnen, Reis mit Himbeertunke. Hierauf Spaziergang über "Neue Welt" nach Escheck. Abends: Kalbskoteletts mit gemischtem Salat, Käse.

21. Juli. Morgens mit Familie Heidelbeeren suchen. Mittagessen: Suppe, Ochsenzunge mit Madieratunke, gefüllte Kalbsbrust mit Salat, Windbeutel mit Weintunke; abends: Suppe, Kalbsleber mit Omelette und Kartoffeln, Käse.

22.Juli. Ich allein morgens 6 Uhr nach Furtwangen; 9 Uhr zurück. Dann mit Familie im "Auerhahn". Mittagessen: Nudelsuppe, Ochsenfleisch mit Beilagen, Hahn mit Salat, Kuchen. Mittags Regen, deshalb nur Vesper im "Falken". abends: Eierspeise, Aufschnitt und Salat.

23. Juli. Regen. Mittagessen: Sagosuppe, Rummelse mit gefüllten Omlette, Nierenbraten mit Kartoffeln und Salat, Schokoladenpudding mit Vanilletunke; abends Haferschleimsuppe, Kalbsragout mit Spätzle, geschmorte Kirschen.

24. Juli. Regen. Im Hotel Feuer. Trotzdem nach dem Frühstück einen Spaziergang nach Escheck. Mittagessen: Suppe, Schellfisch mit Tunke und Kartoffeln, Rinderbraten mit Nudeln, Süßspeise. Nachmittags Wetter besser. Ich mit Herrmann's an Wasserfall. Abends: Suppe, Omelette mit Salat, Käse.

25.Juli. Regen. Mittagessen: Suppe, Pastetchen. Kalbsbraten mit Salat und Rahmkartoffeln, Torte. Nachmittags mit Familie in Triberg; ich daselbst bis 1/2 9 Uhr zur Begrüßung der Reisegesellschaft des D.H.V. Zu Fuß nach Schönwald an 9.25. Abendbrot: Roher Schinken und Butterbrot.

26.Juli. Regen manchmal Sonnenschein. Frühschoppen in der "Sonne". Mittagessen: Grünkernsuppe, Fisch mit Butter und Kartoffeln, gefüllte Täubchen mit Salat, Eis. Nachmittags wegen Regen und Kälte auf dem Zimmer, ich im Bett. Abends: Griessuppe, Aufschnitt mit Salat, Käse.

27.Juli. Regen. Mittagessen: Markklöschensuppe, Blumenkohl mit Schinken-Omelette, Roastbeef mit Kartoffeln und Salat, Kompott.-

Regen. Abends: Suppe, Kalbsfrikassee mit Reis, Käseplatte. Anschließend großes Sektgelage mit Herrmann's, Herrn Rieß und Frau Nefe. Schluß 1 Uhr.

28. Juli Großes Einpacken. Dann Spaziergang nach der Martinskapelle zu. Mittagessen: Suppe, Rippchen mit Kraut, gefüllte Kalbsbrust mit grünem Salat, Kompott. Abfahrt mit Auto 3.25 ab Triberg 4.40 an Mannheim 8.14.

Gesamteindruck: Luft und Gegend herrlich, was beides aber wegen des schlechten Wetters nicht voll zur Geltung kam. Wohnverhältnisse im Hotel mangelhaft. Essen gut, aber wenig, d.h. kleine Portionen. Wirtsleute protzenhaft und reichlich unfreundlich, die es nur auf das "Abziehen" der Kurgäste abgesehen haben. Wenn man schon Schönwald aufsuchen will, kann nur das "Hotel Victoria" inbetracht kommen, wo es wohl etwas teurer, aber auf feiner zugeht. Die Pension betrug für Paula, die beiden Kinder und mich Mk. 12.- den Tag.

für 13 Tage also       Mk. 156.-

Elektr. Licht                2.-

Kurtaxe                      2,80

Taschengeld und Fahrt      150.-

                       Mk. 310,80

d.h., den teuersten Urlaub, den wir bisher verlebten.

Kaum zu Hause angekommen, wurden wir am 31. Juli infolge der Spannung zwischen Österreich-Serbien-Russland-Deutschland über letzteres der Kriegszustand verhängt, dem am nächsten Tage die Mobilmachung folgte. Die Ereignisse überstürzten sich nun, ließen aber keinen Raum mehr für Lust und Erholung.

Nur noch eine Wanderung machte ich mit Paula, Sandritter und Haueis am 6. Dezember von Neustadt aus über Hüttenhohl nach Heldenstein, wo wir im Forsthaus vorzüglich zu Mittag speisten und bei einem ausgezeichneten "Tropfen" den Ernst der Zeit auf einige Stunden vergaßen. Über Schänzel erreichten wir Edenkoben und fuhren mit der Oberlandbahn nach Neustadt zurück. Das Nachtessen nahmen wir beim "Hasenhenker" ein und ließen dort nochmals das Erlebte im Geiste an uns vorüberziehen. Hochbefriedigt fuhren wir dann heim.

 

1915/16

Das neue Jahr begann mit der Sorge um meine nun wohl bald zu erwartende Einberufung zum Heeres- bezw. Kriegsdiensts, wodurch alle meine Handlungen stark beeinflußt wurden. Der sonst üblich Besuch der "Kalmit" am Neujahrstag unterblieb deshalb schon.

Am 21. Februar entschloß ich mich erst wieder einmal an einer Wanderung des Pf.W.V. teilzunehmen. sie führte von Neustadt aus über "Weinbiet" nach Lambertskreuz und von da nach Dürkheim. am Freitag, den 26. März, abends 7 Uhr erhielt ich meinen Einberufungsbefehl: "Sie haben sich am 29. usw. ..." Während meiner Abschiedsbesuche am Sonntag erfuhr ich gegen 1/2 12 Uhr, daß soeben ein Widerruf an den Plakatsäulen angeklebt wurde, was sich auch bewahrheitete. Uns davon Betroffenen wurde also eine Gnadenfrist gewährt, die wieder Erwarten noch fast 2 Monate dauern sollte. Ich benutzte die folgenden Sonntage zu kleinen Ausflügen mit der Familie, besuchte am Karfreitag Schwarz'ens in Neuschloß und machte am 18. April mit Gottmann einen herrlichen Spaziergang durch den Käfertaler Wald nach Viernheim, wo wir es uns in der "Rose" bei Speise und Trank gut sein ließen.

Am 9. Mai fuhren wir abermals mit Gottmann's nach Weinheim und wanderten bei prächtigem Wetter über den Hirschkopf in die Fuchs'sche Mühle. ----

Da kam wie ein Blitz aus heiterem Himmel, ausgesucht am ersten Pfingsttage der zweite Gestellungsbefehl für Mittwoch den 26.Mai.- Wir besuchten nachmittags mit Gottmann's noch den Schwebenheimer Hof bei Edingen und am Montag den 24. Mai die Sternwirtschaft im Käfertaler-Wald, wo es bei vaterländischen Gesängen und Musik nochmals recht hoch herging und dann ..... war Schluß im Zivilleben.--- Am 26.ten abends holte ich in Rastatt, in der 111er Kaserne im neugefaßten "Freßnapf" die erste Soldatenkost. ..........

 

26. Mai 1916. Heute jährt sich der "denkwürdige" Tag zum ersten Mal und durch die Fügung des Schicksals bin ich in der Lage, die Erinnerungen an meine Soldatenzeit zu Hause an meinem Schreibtisch aufzuzeichnen!

--- Der Gang unserer Ausbildung ist am besten durch die Worte unseres Korporalschaftsführers, die er jeden Tag wiederholte, gekennzeichnet "morgen ist wieder Dienst bis zur Vernichtung". Am ersten Sonntag, den 30.5. wurden wir korporalschaftsweise wie richtige Rekruten "ausgeführt". Anerkennenswerterweise hatte unser Unteroffizier als Ziel Oetigheim gewählt. Es war dort in der "Rose" äußerst fidel! Am 3. Juni (Fronleichnam) besuchte mich Paula mit den Kindern. Sie kam um 10 Uhr noch vor dem Ausgehappell. Meine Bitte an Feldwebel und Offiziersstellvertreter um Beurlaubung wurde glatt abgelehnt. Meine Angehörigen liefen wartend auf dem Kasernenhof herum. Um 1/2 2 Uhr hieß es Antreten zum gemeinschaftlichen Spaziergang. Da kam der Unteroffizier von der Schreibstube an mich heran und frug, ob das meine Familie sei, die dort hingehe. Auf meine Bejahung sagte er: "machen Sie doch, daß Sie fortkommen". Darauf meine Antwort "ohne Erlaubnis gehe ich nicht; darauf er: "dann erlaube ich es Ihnen" - und ich konnte endlich mit den Meinen die Kaserne verlassen und ungestört einige Stunden mit ihnen zusammen sein, ohne aber infolge der Demütigungen, richtige Stimmung erhalten zu haben. Am 13.6. war ich zum ersten Mal zu Hause. Dann noch einige Male, bis wir am 6. Juli nach Neubreisach verlegt wurden. Hier waren wir im Barackenlager untergebracht aber trotzdem bei guter Verpflegung auch gut aufgehoben. Die Löhnung erhöhte sich, weil im Operationsgebiet, auf Mk. 5,30 für 10 Tage.

Am 9. Juli hatten wir anläßlich Großherzogs-Geburtstag einen "großen Tag". ein Teil der Baracke war geschmackvoll mit Tannenreisig zum Festraum umgewandelt worden. Das Festessen bestand aus Reissuppe, ff, Hackbraten mit grünem Salat und Salzkartoffeln und nachher noch Gurkensalat. Abends gab's Freibier, Zigarren, Bratwürste und Kartoffelsalat. Dem frohen Fest folgte ein strenger Arbeitstag. In Neubreisach hörten wir die Kanonen dauernd und mit gewaltiger Heftigkeit donnern. Abends sahen wir sogar das Aufblitzen des Feuers. Bei strammem Dienst, besonders großen Märschen, gingen die Tage vorüber, bis Anfang August bekannt wurde, daß wir wieder verlegt würden oder ins Feld können. Wir hatten abermals Glück, ersteres traf zu und am 10. August landeten wir guten Mutes in dem freundlichen Städtchen Sierentz, eine kurze Strecke oberhalb Mülhausen.

Ich bezog mit Mülich und Braun und Wilkesmann Privatquartier in einem mit prächtigen Garten umgebenen Landhause, in dem zwei alte Damen hausten und uns gleich freundlich aufnahmen - Trotzdem wir nun schon eine 10wöchige Ausbildung hinter uns hatten, wurden wir in dem "Rekrutendepot der 8.Landwehr-Division" vereinigt und verbrachten hier bei mäßigem Dienst abermals zwei Monate. Bei fast durchweg prächtigem Wetter gestaltete sich der Aufenthalt noch dazu während der Obstreife fast zu einer Art Sommerfrische. Zwischendurch wurden wir tageweise gegenüber von Istein in Pionierarbeiten und Nahkampfmitteln ausgebildet und bezogen auch ab und zu die verschiedenen Ortswachen. In den Musestunden suchten wir fast allabendlich den "Grünen Baum" auf, wo wir uns in der Gesellschaft der 3 Wirtstöchter bald wie zu Hause fühlten.

Am 25. September durften wir nach einer Besichtigung durch unseren Großherzog mal wieder heimfahren, verließen Istein nachmittags gegen 4 Uhr und trafen in Mannheim gegen 10 Uhr ein. Am Sonntag Nachmittag 5.25 Uhr hieß es schon wieder zurückfahren, konnten also bei 14 stündiger Fahrt nur 19 Stunden einschließlich der Nacht bei unseren Lieben sein! ---Am 30. wurden wir auf drei Tage zu einer Schießübung nach Bendorf bei Pfirt transportiert. Neben Gruppenschießen besuchten wir von dort aus unsere vorerste Stellung im Schützengraben westlich von Moos. In 4-500 m Entfernung haben wir auf der anderen Seite des Tales die Gräben der Franzosen. Es war uns allen dabei sonderbar zu Mute. Mit dem Rückmarsch mußten wir bis zum Eintritt der Dunkelheit warten, weil die zu passierende Straße im Schußbereich der französischen Artillerie lag. Kaum nach Sierentz zurückgekehrt, schien unser Stündlein geschlagen: Man stellte Ersatz-Transporte für die Fahrt zusammen. Ein Teil kam zur Maschinengewehrabteilung nach Altkirch, ein Teil zum Landwehr-Regiment 109 und die Mehrzahl zu L. 110. Ich, der ich bei Einteilung gerade auf Wache war, kam mit dem Rest zum Landsturm-Bataillon Freiburg, dessen 3. Kompanie damals in Ottendorf an der Schweizer Grenze lag, und durfte die 110er Achselklappen mit den "dunkelblauen" vertauschen. Die Übersiedelung fand am 7. Oktober statt. Bei mir war außer acht anderen noch Wilkesmann, mit dem ich mich besonders befreundet hatte. Wir bezogen auch zusammen Quartier bei Polizeidiener Schmitt in Ottendorf. Unser Dienst bestand von nun ab fast ausschließlich im "Wachestehen" am Drahtzaun, der gezogen den neutralen "Schweizer Zipfel" zu errichtet ist. Über teilweise idyllische Wachtlokale mitten im Walde 500 m über dem Meere berichtete ich meinen Lieben ausführlich. Hervorgehoben zu werden verdient, daß bei dem Bataillon die Verpflegung ausgezeichnet war und wir neben regelmäßigem ff. Fleisch und hausgemachter Wurst, viel Wein, Marmelade, Zigarren und Zigaretten bekommen.

Unerwartet schnell hatte jedoch die Herrlichkeit in Ottendorf ein Ende. In den ersten Tagen des November wurde allseitig von einer Verlegung des Bataillons gesprochen. Wir glaubten natürlich, nun in die Feuerlinie zu kommen. Es wurde aber nicht so schlimm. Am 3. November erhielten wir den Befehl mit Sack und Pack Wache zu beziehen. Wir kamen dieses letzte Mal auf Wache5 "Engelfrieden" genannt.

Am Morgen des 4. November erfuhren wir von Ottendorf her, daß die Ablösung schon dort sei, und daß unsere Kompanie jeden Augenblick abmarschieren könne; wir hätten auf Wache zu bleiben bis wir durch die neuen Leute abgelöst würden, und müßten dann nachkommen. Das sollte uns zur Annehmlichkeit werden, denn wir hatten nachmittags Gelegenheit mit den Gepäckwagen zu fahren, anstatt zu laufen. Da steigerte sich unsere Stimmung nun zum Höchstmaß, umsomehr als es jetzt durchgesickert war, daß wir das Pforzheimer Bataillon in Kolmar abzulösen hätten. Am Abend bezogen wir kurz vor Waldighofen, wo wir anderentags verladen wurden, Notquartier, und ließen uns in einer gemütlichen Kneipe den wohlverdienten Abendschoppen gut schmecken. Am 5. November kamen wir dann in strömenden Regen, aber sonst wohlbehalten über Freiburg in Kolmar an, wo die 171-Kaserne, die das Bataillon beziehen sollte, noch nicht geräumt war, wurden wir in der Stadt einquartiert, und ich darauf leider von Wilkesmann getrennt.

Ein richtiges Luderleben führten wir nun 5 Tage lang im Saal des "Zunftkeller". Dann folgte die Übersiedelung in die Kaserne und damit der Beginn eines geordneten Soldaten-Lebens. Unsere Hauptbeschäftigung war Wachestehen. Nach einigen Tagen wurde ich zum Zugkontrolleur in Logelbach ernannt und damit war ich "fein raus". Ich hatte jeden Tag 8 Züge abzufertigen und dann Ruhe. So ging's einen Tag über den anderen. Da kam unverhofft der so sehnlichst erwartete Urlaub.

Vom 13. bis 20. Dezember durfte ich daheim bei den Meinen sein! Und dann ging's wieder auf nach Kolmar in die Tretmühle. Gegen meinen Willen wurde ich am 29. als Fernsprecher beim "Durchlaßamt" abkommandiert. Damit begann, wie sich nachträglich herausstellte, die größte Leidenszeit während meines seitherigen Militärdienstes. Vor allem will ich hier festhalten, das protzige Verhalten des Dienstvorstandes Leutnant Lacher (sonst Stadtsekretär in Karlsruhe) allen seinen Untergebenen gegenüber. Dadurch, wie durch den 10stündigen Dienst und den Verkehr mit ebenso rücksichtslosen Trägern anderer Dienststellen wurden einem das Leben buchstäblich verleidet. Meine verschiedentlichen Versuche wieder in die Kompanie zu kommen waren erfolglos. Es gab nur eine Rettung, den Erfolg des Beurlaubungsgesuchs meiner Direktion, das ich während meiner Anwesenheit in Mannheim veranlaßt hatte. Jedoch der ganze Januar verstrich, ohne daß ich etwas hörte. Da teilte mir am morgen des 31. mein Kamerad am Fernsprecher A mit, daß mein Bataillon soeben telefoniert habe, daß ich wegen Versetzung zum Ersatzbataillon Heidelberg abgelöst werden müsse. Der noble Dienstvorstand sagte mir jedoch davon nichts. Aber Abends bei meiner Ankunft in der Kaserne lag der Befehl vor, zum Feldwebel zu kommen: "Hier sind ihre Papiere, der Fahrschein und Mk. 1,55 Verpflegungsgeld, Sie haben sich morgen früh nach Heidelberg in Marsch zu setzen zwecks längerer Beurlaubung auf Verfügung des stellvertretenden Generalkommandos" Ich war unfähig, gleich die Tragweite dieses Befehls zu ermessen. Freudestrahlend betrat ich meine Stube und begann unter den neugierigen Augen meiner Kameraden mit dem Einpacken, dabei von meinem Glück erzählend. Man beneidete mich, das war menschlich, menschlich war aber auch, daß ich jetzt nur an mich dachte. -Ich hatte noch nie so gut auf einem Strohsack geschlafen als diese Nacht! Am nächsten Morgen ging ich im Ordonanzanzug nochmals zum Durchlaßamt zur Abmeldung. Leutnant Lacher war nicht da. Ich wartete bis 9 Uhr. Er kam nicht. Also sollte ich ihm nicht die Ehre meines Abschieds antun! Aber ich mußte noch zu meinem Hauptmann, das ging vor, und um 10.40 Uhr fuhr mein Zug. Mit dem Zuschlagen der Tür des Durchlaßamtes hatte ich eine unangenehme Zeit endgültig hinter mir. --

1/2 3 nachmittags: Ludwigshafen! raus durch die Militärkontrolle und hinein in die mir nur zu gut bekannte Elektrische Ludwigshafen-Waldhof! In der Langstraße 18 flog das Fenster auf beim "D.H.V. Pfiff" 

Mannheim Langstrasse 18

 

"Und in den Armen lagen sich beide und weinten vor Schmerzen und Freude"

In Heidelberg erfuhr ich am nächsten Tag, daß die Verfügung noch nicht da sei, und wurde vorrübergehend der 2ten Kompanie in Mannheim überwiesen, von dort aber am Montag den 7. Februar abends 6 Uhr bis 30 April beurlaubt.

 

 

1916

Am Sonntag, den 13. Februar machte ich im Bürgerkleide wieder den ersten Spaziergang der Familie und Gottmanns. Das Ziel war die Rennwiese, abends wohnten wir dem Rosengartenkonzert an.

Am 20 Februar ging’s abermals mit Gottmanns durch den Käfertäler-Wald nach Viernheim wo wir’s uns beim Schlachtfest in der „Rose“ Gutsein ließen.

Am nächsten Sonntag besuchte uns Sandritter von Bruchsal aus. Unser Spaziergang führte uns durch den Neckarauer-Wald nach Neckarau in den „Badischen Hof“. Bei äußerst gemütlicher Unterhaltung verweilten wir dort bis zum Abend.

Den 5. März benutzte ich zu einem Ausflug nach Weinheim. Mit Paula und den Kindern erklommen wir die Wachenburg und stiegen über die „Friedrichshütte“ ins Gorxheimer Tal ab. Im Weinheim Ratskeller vesperten wir bei ff. neuem Wein für 35 Pfg. und fuhren gegen 7 Uhr nach Mannheim zurück.

Die Familie Schwarz besuchten wir am 19.März und wurden wie gewohnt freundlichst aufgenommen. Leider verlor Paula auf dem Weg Mama’s goldene Stiefmütterchenbrosche.

Als Abgeordneter der Verwaltungsstelle Mannheim fuhr ich am Samstag, den 1. April nachmittags 1 ½ Uhr zu Krankenkassenversammlung nach Braunschweig, wo ich abends um 10 Uhr eintraf. Die bereits anwesenden Kollegen hatten sich zu einem gemütlichen Abendschoppen vereinigt, der uns noch bis 12 Uhr zusammenhielt. Am nächsten Morgen fand die Besichtigung der reizenden Stadt statt, die bei uns einen befriedigenden Eindruck hinterließ. Von der berühmten Braunschweiger Wurst war aber infolge des Krieges nichts zu entdecken. Ein gemeinschaftliches Mittagessen im „Frühlings-Hotel“ ging der auf 4 Uhr nachmittags anberaumten Versammlung voraus. Neben manchen lieben alten Bekannten, konnte ich vor allem Klaus und Hela, Hamburg, wieder einmal begrüßen. Um 7 Uhr waren die Geschäfte erledigt und wir mussten nach dem Abendbrot noch einer Einladung der Ortsgruppe Br. Zu einer „deutschnationalen Feierstunde“ Folge leisten., die bei starkem Besuch sehr schön verlief. Da mein Zug um 1 Uhr nachts ging, besuchte ich mit einigen Kollegen noch den „Ratskeller“ und stärkte mich an einigen guten Glas Bier für die 10stündige Rückfahrt. Am Montag morgen um 11 ¼ Uhr war ich wieder im Geschäft.

Während meiner Abwesenheit war Freund Naumer auf Urlaub gekommen, dem zu Ehren wir am Dienstag, den 4.April in den „12 Aposteln“ eine Vorstandssitzung mit Damen veranstalteten, die äußerst gemütlich verlief und von Kollegen Ernst, der auch gerade in Mannheim war, im Bilde festgehalten wurde.

Am Donnerstag darauf vereinigte sich noch eine größere Gesellschaft zu einer „Vaterländischen Feier“ der Lehrlingsabteilung. Am Freitag musste Freund Naumer wieder ins Feld.

In den nächsten Tagen wurde die beantragte Verlängerung meines Urlaubs bis 31.Juli bekannt, was bei uns Allen begreiflicher Weise große Freude auslöste.

An den Osterfeiertagen unternahmen wir nichts besonderes.

Am 30. April gingen wir in größerer Gesellschaft durch den Käfertaler-Wald wieder nach Viernheim in die „Rose“, wo es wiederum recht genussreich war. Erst 8.06 konnten wir uns trennen.

Eine Kriegs-Kreistagung in Karlsruhe veranlasste mich am 14. Mai mit einigen Kollegen dorthin zu reisen, wo ich Freund Müßig wieder einmal traf, der auf dem dortigen Generalkommando Kriegsdienste tut. Auf seine Veranlassung nahmen wir im „Hotel zur Traube“ ein vorzügliches Mittagessen ein, nachdem vorher die geschäftlichen Angelegenheiten erledigt worden waren. Den Nachmittag benutzten wir zu einem Bummel in der Residenz, besuchten das Konzert im Cafe Bauer, weilten zum Vesper im „Monninger“ und kehrten zeitig nach Mannheim zurück, wo wir im „Kaiserring“ in Gesellschaft meiner Paula noch eine äußerst gemütliche Nachsitzung verlebten.

Für den 21. Mai hatten wir mal wieder eine Tageswanderung verabredet: Paula, Gottmanns, Brucker und noch einige Herren fuhren morgens mit der Elektrischen nach Dürkheim und wanderten von der über den Peterskopf und Höningen nach dem Forsthaus Isenach. Dort hielten wir uns bei herrlichstem Wetter sehr lange auf, fuhren Kahn, wurden photographiert und kehrten über Hardenburg und Dürkheim, von hier wieder mit der Elektrischen nach Mannheim zurück. Es war das einmal wieder eine willkommene Abwechslung in dem wenigen Kriegseinerlei.

Am Himmelfahrtstag machten wir in größerer Gesellschaft einen Spaziergang in den Käfertaler-Wald-Stern, wo wir mit Familie Schollmeyer zusammentrafen, die wir später nach Käfertal begleiteten.

Sonntag, den 4. Juni schloß sich uns Familie Gottmann und Bau an zu einem Besuch der Wirtschaft Dehus auf der Friesenheimer Insel. Äußerst lustig ging es später im „Grünen Baum“ in Sandhofen her und abends gab es mit Gottmanns noch eine Nachsitzung bei uns bis 12 ½ Uhr.

Pfingsten konnten wir des schlechten Wetters wegen nichts unternehmen.

Dagegen war uns der 18. Juni recht günstig zu einer Tageswanderung von Weinheim über Juhöhe nach Heppenheim.

Im DHV hatten wir inzwischen mit den regelmäßigen Dienstagssitzungen im 2. Stock der „12 Apostel“ und mit je einem vaterländischen Abend jeden Monat wieder begonnen und waren erstaunt über den lebhaften Zuspruch.

Am 2. Juli fuhr ich mit Herrn Blank nach Dürkheim zu „Heidelbeerernte“. Es gelang uns auf dem Weg „Kehr-dich-an-nichts - Lambertskreuz je 4 Pfund zusammenzubringen, was uns in unserer Freude veranlasste, in letzter Hütte bei einem guten Tropfen Wachenheimer recht langer auszuharren. Aber die Heidelbeeren haben wir doch gut nach Hause gebracht!

Einen schon längst beabsichtigten Besuch der Tante in Landau führte ich mit Familie am 9. Juli aus, obgleich das Wetter bei unserer Abfahrt recht zweifelhaft war. Ja unterwegs setzte starker Regen ein. Kurz nach unserer Ankunft hellte es sich jedoch auf und blieb herrlich den ganzen weiteren Tag, sodaß wir einen wunderbaren Spaziergang in die Berge nach Birkweiler machen konnten. Ich fuhr abends nach Mannheim zurück, Paula und die Kinder blieben noch bis Dienstag. Es sollte das eigentlich für sie eine Art Sommerfrische werden, aber der in den letzten Monaten immer beängstigender gewordene Zustand meiner Mutter ließ das nicht zu. Es brach überhaupt eine schwere Zeit für uns, besonders für Paula an, da die notwendige Krankenpflege viel Aufregung und Erschöpfung verursachte.

Trotzdem unternahm ich allein mit einer DHV-Gesellschaft noch einen Tagesausflug nach Dürkheim-Lamberstkreuz-Lambrecht, wie am 2.Juli, und zwar am 16.Juli., aber dann war es mit größeren Wanderungen vorläufig zu Ende, da wir meine Mutter nicht mehr allein lassen konnten.

Einen Morgenspaziergang machten wir mit 13 Teilnehmern am 13. August durch den Käfertaler Wald, Jägerhaus nach Viernheim mit Frühschoppen in unserer beliebten „Rose“, und ebenso am 27. August mit Baum und Franke direkt nach Viernheim ---

Der Zustand meiner Mutter verschlimmerte sich von Tag zu Tag, sodaß wir uns, Paula und ich auch zu Nachtwachen entschließen mussten. Am Mittwoch, den 30 August morgens 8 Uhr erlitt Mutter einen Gehirnschlag, der sie fast vollständig lähmte, ihr die Sprache raubte und sie in Bewusstlosigkeit versinken ließ aus der sie nicht mehr erwachen sollte. Am Sonntag, den 3. September morgens 5 ¼ Uhr wurde sie von ihrem schweren Leiden durch den Tod erlöst. Ich durfte ihr zu ewigem Schlummer die Augen zudrücken.

Um uns etwas zu zerstreuen, besuchten wir am 10. September mit Freudenberger und Blank Heidelberg-Wolfsbrunnen und nahmen im „Bayr. Hof“ nach Rückkunft das Abendbrot ein.

Der nächste Sonntag fand uns im Neckarauer-Wald-Neckarau-Badischer Hof, wo es wieder einmal recht gemütlich war.

Mein Urlaub war zwischenzeitlich bis 31. Oktober verlängert worden, vermutlich zum letzten Mal, da eine militär-ärztliche Untersuchung meine Kriegsverwendungsfähigkeit feststellte.. Und richtig, zum 8. November hatte ich meine Wiedereinberufung in Händen, der wir im Geschäft aber mitten in den Abschlussarbeiten standen, gelang es der Direktion, den stellvertretenden Vorsitzenden des Aufsichtsrates Exzellenz von Jagemann, Heidelberg, (Anmerkung: Eugen von Jagemann, war badischer Gesandter am Hofe in Karlsruhe [1849-1924]), zu veranlassen, sich in Karlsruhe persönlich für mich zu verwenden, worauf mein Gestellungsbefehl am 6. November rückgängig gemacht und mir nochmals eine Galgenfrist von unbestimmter Zeit, ursprünglich war von zwei Monaten die Rede gewesen, gewährt wurde.

Ich war dadurch in der Lage die dringenden Arbeiten im Geschäft fertig zu stellen und mich auch wahrscheinlich weiter zu betätigen.

So reiste ich am 19. November als Vertreter der Ortsgruppe nach Frankfurt a/M zur Gründungsversammlung des „Deutschen Sonntagsbundes“ die aber infolge der schwachen Beteiligung nichts Erhebendes bot.

Weihnachten und Neujahr verbrachte ich glücklich inmitten meiner Familie, im Gegensatz zum Vorjahr, wo mich Soldatenpflichten fernhielten, und in der Freude darüber, dass meine ursprünglich auf ein Vierteljahr bemessene Beurlaubung von so langer Dauer gewesen war. Der Krieg muß aber weitergehen und was das Jahr 1917 bringen wird, steht dahin!

Warten und hoffen wir das Beste zum Heile unseres lieben Vaterlandes!

 

1917

Erst 1919 ist es mir vergönnt, die Chronik fortzusetzen, weil ich noch volle zwei Jahre Kriegsdienst tun musste. Am Neujahrstage 1917 traf ich zusammen mit m.P. Herrn Klenk in den „12 Aposteln“. Es kam nach einem ff. Abendbrot zu einem Sektgelage. Es sollte das letzte für lange Zeit sein.

Einen gemütlichen Spaziergang machte ich am 7. Januar mit Familie und Freudenberger durch den Neckarauer Wald nach Neckarau-Badischer Hof. Am 13. hatten wir Besuch von Emil und Karl Fücks.

Mit Familie und Freudenberger wanderten wir am 21. nach Käfertal, fühlten uns aber im dortigen Pflug so ungemütlich, dass wir schleunigst nach Mannheim zurückfuhren und in den „12 Aposteln“ zu gehen beabsichtigten. Wir sahen dort durch die Fenster in einen gähnende Leere ohne Bier und entschieden uns nach langem hin und her für die Germania, sind aber dort erst recht reingefallen, denn Essen und Trinken war recht kriegsmäßig.

Die nächsten Sonntag unternahm ich wegen weiterer einschneidender Kriegsverordnungen (Verbot aller Versammlungen wegen Kohlennot u.a.) nichts besonderes, bis am 21. Februar die mit Bangen erwartete Wiedereinberufung zum Heeresdienst auf Donnerstag den 1. März kam. Alle Lebensfreude war damit hinüber. Mit der üblichen braunen Segeltuchtasche musste ich Beruf, Weib und Kinder wieder verlassen. In Bonames bei Frankfurt am Main war meine neue Garnison. Der preuß. Rekrutenschwindel ging von vorne los, der doppelt empfindlich war wegen der während des ganzen März und April anhaltenden winterlichen Kälte.

Am Dienstag, den 21. März hatte ich zum ersten Mal Urlaub zu Besuch der Meinen.

Es waren herrliche Stunden nur zu wenig. Auch am 1. April war ich zu Hause, während über Ostern Urlaubsverbot herrschte. Dann sah ich meine lieben noch am 15.,22. und 26. April und dann --- auf 8 Monate nicht mehr. Ganz unvermutet kam an letzterem Tag meine Versetzung in das Feldrekrutendepot der 12. Landeswehrdivision nach Breisach. In Gündlingen wurden wir noch 3 Wochen gequält und traten am 17. Mai die Himmelfahrt nach Galizien an. Die ganze Division war dahin verlegt worden. Über Schlettstadt, Karlsruhe, Pforzheim, Ludwigsburg, Stuttgart, Ulm, München, Rosenheim, Salzburg, Wien, Lundenburg (Břeclav), Oderburg, Krakau, Lemberg (Lwiw) erreichten wir Zloczow am 12. Mai früh, wurden dort ausgeladen und mussten noch zwei Stunden nach Sassow marschieren. Am nächsten Tag ging es nach Opaki, meinem künftigen Standort weiter.

Wir bezogen dort ein nicht gerade unfreundlichesWaldlager, waren aber für den ganzen Sommer von der Welt abgeschlossen. Anfangs ging unsere Ausbildung weiter, aber nach 1 ½ monaten wurden wir zum Bau von Reserve-Stellungen verwandt, was auf eine gegen die Russen geplante Offensive schließen ließ. Am 19. Juli morgens drei Uhr begann auch das Trommelfeuer, und schon um 10 Uhr morgens erfuhren wir, dass der Durchbruch von Zwyzyn südlich bis an die rumänische Grenze gelungen war. Galizien war dadurch bis auf kleine Stücke bei Brody und östlich von Tarnopol (Ternopil (ukrainisch polnisch Tarnopol, russisch Тернополь/Ternopol) ist eine Stadt im Westen der Ukraine und ist Hauptstadt der Oblast Ternopil.)

Von den Russen befreit. Wir bauten dann die folgenden Wochen und Monate Hürden, Roste und Straßen, wurden auch zu allen möglichen anderen Arbeitsdiensten verwendet, bis Ende September bekannt wurde, dass unsere Verlegung nach Zloczow (Zolochiv ( ukrainisch : Золочів, Polnisch : Zloczow) zwecks Bildung eine neuen Rekrutendepots bevorstand. Und richtig, am 3. Oktober wandten wir Opaki den Rücken und zogen nach einem 3 ½ stündigen Marsch in der oesterreichischen Landwehrkaserne in Zl. ein. 8 Tage später begann die Ausbildung „ganz von vorne“ von Neuem und verursachte uns viele unangenehme Stunden und Tage.

Mein für den 17. Dezember angesetzter Urlaub brachte für ein paar Wochen Erlösung: Abends  ½ 8 Uhr bestieg ich nach langer Zeit mal wieder den Zug, gelangte in 28 Stunden nach Oderburg, in weiteren 10 über Breslau und Dresden nach Leipzig, von da in 8 Stunden nach Frankfurt und nochmals 2 Stunden nach Mannheim und konnte am 17. Dezember morgens 2Uhr meine lieben wohlbehalten in meine Arme schließen. Glückliche Tage folgten nun, die aber leider zu schnell verstrichen. Die Weihnachtsfeiertage waren kaum vorbei, als ich schweren Herzens, der Verzweiflung nahe, am 29. wieder Abschied nehmen musste. Ich ahnte wohl die Widerwärtigkeiten und den Kummer, der mir 1918 noch bevorstand, und die maßlos lange Trennung von Weib und Kindern. Nach meiner dreitägigen zermürbenden Fahrt, während der mir alle nur denkbaren Hindernisse unerspart blieben, errichte ich trotzdem wohlbehalten, aber traurig und sehnsuchtsvoll am Sylvesterabend Zloczow wieder. ---

 

1918

Schon am 2. Januar ging die Schinderei wieder los. Jetzt in verschärftem Maße. Wir mussten, endlich, in vier Wochen fertig gemacht werden. Was wir in diesen Tagen an Kälte, Quälereien und Schikanen zu leiden hatten, lässt sich nicht annähernd schildern. Eine Erbitterung häufte sich in mir an, vor allem gegen das System, dann aber auch gegen die Politik und die Rücksichtslosigkeit der regierenden Kreise, der ich nur mit Mühe Herr blieb. Nur der Gedanken an meine Familie hielt mich von unbedachten Schritten ab. Da kam plötzlich am 8. Februar unsere Versetzung „ins Feld“. Der sonst so gefürchtete Augenblick ließ sich aber für uns nur im Osten ziemlich formlos an, ja bedeutete eine Erlösung von dem menschenunwürdigen Dasein in einem „Feldrekrutenlager“. Bis Zborow (Sboriw (ukrainisch Зборів; russisch Зборов/Sborow, polnisch Zborów)) konnten wir mit der Bahn fahren, dann kam ein recht ermüdender 3 stündiger Marsch auf der Landstraße bis Olejow (Oliiv) Wir Badener hielten zusammen: Gottmann, Reimann und Gaß aus Schwetzingen und ich. Unsere schlechte Stimmung wurde in einem gemütlichen Quartier bei freundlichen Leuten schnell behoben. Wir waren im Abschnitt der 92.F.D.. Am nächsten Morgen wurden wir dem ersten Bataillon des Landwehr-Infanterie-Regiments 39 zugeteilt. Ein Sergant holte uns ab zur Stellung. Oben genannte außer Gaß blieben auch beim Zug zusammen. Ich schrieb am 9.2.18 nach Hause. Die Szenerie hat sich vollständig geändert: „ Wir sitzen, von keinem belästigt, in einem Unterstand der ersten Stellung allein gemütlich beim Kerzenlicht und wohliger Wärme eines kleinen Schützengrabenofens, 500 m gegenüber der verlassenen russischen Stellung am früher viel genannten Sereth. Leider dauerte die Gemütlichkeit nicht lange. Wir wurden um 4 Uhr geweckt, um unser in Olejow zurückgelassenes Gepäck zu holen. Nach der Rückkehr brauchten wir nicht mehr in den Graben zurück, sondern schlossen uns am 11.2. der bei der Schreibstube vorbeimarschierenden Kompanie ins Vorratlager, unserem künftigen Standort an. Schmalhans war dort Küchenmeister und wir folgten, ein Dutzend, am 20.2. ganz der Abkommandierung nach Troscianiec (Trostyanets) zum leichten MG-Trupp.

Kaum dort angekommen, verbreitete sich das Gerücht, dass die ganze Division zum Vormarsch in die Ukraine, die um deutsche Hilfe gebeten habe, bestimmt sei. Und richtig, wir fassten nun Wäsche und ersatzbedürftige Ausrüstungsstücke und am Sonntag, 24.2. morgens ¾ 1 Uhr ging der „Kreuzzug“ los.

Um ½ 10 Uhr durchschritten wir bei der ganz zerschossenen größeren Ortschaft Zalosce die russischen Stellungen, dann gings mit kurzen Pausen bergauf, bergab bis ??? Ainlo, wo wir ganz erschöpft und erstarrt um ½ 2 Uhr eintrafen. Einer sollte Quartier für zwei Bataillone bezogen werden. Die „Herren“ hatten sich aber „geirrt“, die Ortschaft war viel zu klein!! Die Grenze hatten wir um 12 Uhr überschritten. Wir blieben eine Stunde in der Kälte liegen und dann gings nochmals 4 Kilometer weiter nach Aleksiniec. Mit Ach und Krach konnten wir um 5 ½ Uhr zu 8 in einer Panje-Hütte einziehen. – Der Abmarsch am nächsten Tag wurde schon wieder auf 6.15 Uhr befohlen. Er ging in Matsch, Sturm und Nebel erst die vier Kilometer zurück und dann folgten ohne Ruhepause noch 20 km. Wir über Stock und Stein, Höhen und tiefen und Berge bei Schnee, Regen und Sturm, außer noch einem Stückchen Brot nichts essbares, hinter dem Maschinengewehrwagen her. Dutzende Male musste vorgespannt werden.

Wir standen im Schneewasser drumrum und schnatterten vor Kälte und --- Hunger. Dann wurde es dunkel, wir waren immer noch nicht da, wohin wir sollten. Die „Herren“ hatten sich verfahren. Zum Glück fanden wir wieder um 7:00 Uhr Losatin. (Losyatyn) Ich mußte dann noch von 9 bis 10 Uhr Wache stehen und schlief dann auf dem Boden gut bis 5:00 Uhr. Nach dem Kaffee gingen Gottmann und ich auf Brotsuche. Er hatte Zigaretten und Schnaps. Wir hatten großes Glück, ergatterten einen ganzen Laib Brot, Kartoffeln und außerdem noch eine größere Menge Russenkuchen, der in Säcken anscheinend für die Schweine bereit stand. So herrlich weit sind wir deutschen Soldaten gekommen.  Am 27.2. morgens 6:00 Uhr waren wir wieder marschbereit. Da kam der Befehl " Ladung sichern". Unsere Vortrupps sollten auf Schwierigkeiten gestoßen sein. Ein eigenartiges Gefühl beschlich mich! Das Wetter war kalt und trüb. Um ½ 8 Uhr erreichten wir Novo Poczajew im Schneegestöber. Wegen Vorschicken von Patrouillen und Sicherungen war eine Stunde Aufenthalt. Alles stürzte sich in die Judenläden nach chleba=Brot. Dann  gings wieder hinter dem Wagen her, Gott sei Dank, auf der Landstraße, aber bergauf-bergab, 24 lange km. Unterwegs durchschritten wir nur ein Dorf Dunajew. (DUNAIV) Auffallend und zugleich scheußlich im Anblick waren die überall herumliegenden Pferdeleichen, teilweise mit abgelöstem Fleisch, das irgendwelche Hungrige jedenfalls gegessen hatten. Je mehr wir uns Kremenez (Kremenets) näherten, desto kultivierter wurde die Gegend und auch landschaftlich sehr reizvoll. Um 3 Uhr sahen wir von der Höhe mitten in steilen Bergen Kremenz, unser Ziel, liegen. Rasch ging’s die steile Straße hinab und schon begannen zu beiden Seiten die freundlichen Häuserreihen Auf der Hauptstraße wimmelte es von deutschen und russischen Soldaten und ein schwunghafter Handel mit allen Lebensmitteln hatte schon eingesetzt. Wir erstanden zu viert 2mal 8 Pfund Brote für 10 Mark und ein Pfund Wurst für 5 Mark und haben uns in unserem Quartier mal gründlich satt gegessen.

Am 28.2. war Ruhe. Am 1. März, der Tag, an dem ich vor einem Jahr meinen Leidensweg begonnen hatte, war wider in kritischer erster Ordnung: mit 2 Stunden Unterbrechung ließ man uns unsere Habseligkeiten 35 km schleppen. Bei Dunkelheit um 6 Uhr langten wir in einem scheußlichen Dreck, vollständig erschöpft in Kolonie Straklo an. Quartier war natürlich wieder keines gemacht. Über eine Stunde standen wir frierend herum. Der Feldwebel antwortete uns auf unsere Frage: „Leckt mich am Arsch“. Schließlich wurden wir zu 20 in einem Bauernhaus gesteckt; 7 Mann, darunter auch ich, mussten auf dem kalten Flur schlafen. Am 2. März machten wir nur 4 km bis zur Kaserne ½ Stunde vor Dubnow.

Der nächste Tag, ein Sonntag, brachte uns wieder 17 km Marsch. Das Dorf Mlodawa (Molodava Tretya), wo wir Quartier bezogen lag 4 km abseits der Landstraße. Ich nächtigte mit der Badenergesellschaft in einer zugigen Flechtwerkscheune. Am 4. und 5. war Ruhe, die ich in einem anderen Quartier bei ausnahmsweise recht netten Kameraden, den Minenwerfern, gemütlich verlebte. Am 6. erreichte uns während des Marsches nach Gruszwica (Hrushvytsya) mitten auf der Landstraße dir Feldpost und brachte uns endlich wieder einmal Lebenszeichen von unseren Lieben. In Gruszwica, wo wir 1 ½ Tage verweilten, war das Quartier das erste Mal gut und wir erhielten auch vorzügliche Verpflegung von den Quartierleuten. Nun galt es noch einen letzten Marsch von 16 km nach Rowno (Rivne) zurückzulegen. Wir erreichten es am 8.3. mittags ½ 1 Uhr und wurden in einer geräumigen Kaserne untergebracht. Bis zum 16. hatten wir L.M.G.-Leute täglich stundenlangen Unterricht am Gewehr. Am Sonntag den 17. März kam der Befehl zum Abtransport nach Kiew . Wir wurden mittags um 1 Uhr verladen und rollten abends um 8 Uhr ab. Über Sudilenkow (Sudilkiv), Novorad-Wollinsk (Novograd-Wolhynski /Novohrad-Volynskyi) und Iskarost erreichten wir Borodjanka (Borodyanka) am 19.3. 4.25 morgens. Da hier aber die Proviantierung Schwierigkeiten machte, Wagenmaterial aber nicht zur Verfügung stand, ging am 21.3. die Fußreise wieder los. Wir übernachteten nach 20 km in Plistowice (Blystavytsya) und am nächsten Tag nach weiteren 10 km in Moseirze ???  (Moshchun). 20 km trennten uns nur noch von Kiew, der Hauptstadt der Ukraine, das wir am 23.3. mittags ½ 12 Uhr erreichten. Wir wurden in einer Artilleriekaserne im Westen der Stadt recht mangelhaft einquartiert. Mich zog’s am nächsten Sonntag an den Dnjepr. Über den mit rasselndem Großstadtverkehr belebten Kretschtschatik erreichte ich durch die tief eingeschnittene Schlucht die schmutzig-wirre Handelsvorstadt Podol. Weithin sichtbar grüßen die beiden Wahrzeichen auf den Ausläufern der Höhen, die die Schlucht einrahmen.: das riesige Wladimirdenkmal und die Terrasse des Kaufmannsgartens. Vom Standbild des heiligen Fürsten Wladimir ziehen sich Fäden zum heimatlichen Berlin zurück. Nicht nur, weil es traulich berührt, dass es in der Ukraine genauso schlechte Denkmäler gibt, wie bei uns. Sondern wie der Schöpfer dieses Monuments, der Baron Peter Carlowitsch Clodt, uns als Meister der erheblich besseren Rossebändiger vor dem Berliner Schloss wohlbekannt ist.

Beim Kaufmannsgarten gibt es kein Erinnern an andere Städte. Einzig und unvergleichlich ist die Anlage eines, wie mir gesagt wurde, heiteren sommerlich-gefälligen Bezirks auf steil abfallender Höhe, von dessen Wegen und Brücken und Restauranttischen sich Sichten von schmalzerischer und zugleich fremder und geheimnisvoller Schönheit auf das Djeprtal und das wieder ins Endlose verklingende Land nach Osten hin entfalten. Keine Stadt der Erde hat Ähnliches aufzuweisen. - Drüben an der anderen Seite des Dnjepr ist der langgezogene Badestrand der Truchanow-Insel. Im Sommer recken sich dort pudelnackte Gestalten in marmornen weißen Sande. Junge Mädchen ziehen sich lachend am Ufer aus, bergen ihre Kleider zur Seite, flechten die Haare, stecken sie fest und schreiten in gewandischer Freiheit, den vorbeigleitenden Booten unbekümmert zuwinkend, ins kühlende Wasser des Dnjepr. Wir wanden uns wieder gen Westen. Dort versinkt nun die Stadt hinter den jähen Uferhängen. Und neben der sorgsamen Gepflegtheit des Kaufmannsgartens mit seinen Blumen und Wirtshausbauten und propperen Alleen stürzt, im glänzenden Gegensatz, die unbändige Wildheit der Bergwand zum Flusse hinunter. Und droben wieder Boten der städtischen Kultur; die regelmäßigen Baumreihen des Zarenparks, der vom kaiserlichen Rokokoschloß an der Alexanderskaja bis zum Höhenrand reicht und über eine Schlucht führt, in der Höhe eine schön geschwungene Fußgängerbrücke. Nicht weit vom Zarenpark schimmert eine goldene Zwiebel aus dem Grün: die Nikolauskirche. Dann aber plötzlich steigt auf den Bodenwellen des mählich sich senkende Höhenzuges ein ganzer Schwarm von vergoldeten Kuppeln, von Spitzen und Türmchen und weißem Gemäuer auf: die Kloster- und Kirchenstadt der Lawra, der großartigsten Wahlfahrtsstätte ganz Alt-Russlands. ---

Am 27.3. morgens 2 Uhr wurden wir geweckt: Das Bataillon ist um 5 Uhr marschbereit zum Beziehen des Alarmquartiers in der inmitten der Stadt am Kretschtschatik gelegenen Höhe zwecks Schutz der „Rada“. Es waren sprachlich langweilige und unbehagliche 10 Tage, die wir hier gerade über Ostern verleben mussten. Am 6. April bezogen wir Baracken in der südlich der Stadt gelegenen Citadelle, wo wir wieder täglich unsere Stunden mit exerzieren am „L.M.G“ gequält wurden. Am 16. ging’s weiter ostwärts: zunächst zu Fuß bis Darniza, von da per Bahn über Lubni-Romodan nach dem 400 km südöstlich von Kiew am Dnjepr gelegenen Krementschug. Gleich bei der Ankunft erfuhren wir, dass unser Antransport zweifellos irrtümlich erfolgt sei, und richtig, wir blieben nur 8 Tage, zu meinem Bedauern, denn Krementschug ist eine herrliche Stadt von 120 000 Einwohnern und auf der prächtigen Dnjepr-Promenade verlebte ich genussreiche Stunden. Am 27. April wurden wir wieder verladen. Abermals über Romadan landeten wir in Mirgorod (Myrhorod). Vier herrliche Wochen waren uns dort beschieden, erst im Bürgerquartier im Städtchen, später in freundlichen Offiziersbaracken gegenüber des Bahnhofs, dessen Wache wir zu stellen hatten. Am 16. kam auch die Verordnung heraus, dass jeder Mann wöchentlich eine 10kg Kiste Lebensmittel in die Heimat senden dürfe. Sehr zustatten kam uns dazu die Anweisung der Ukraine-Zulage, die uns am 20.Mai ab 24. Februar nachgezahlt wurde. Große Einkäufe machte ich darauf auf dem stattlich beschickten Markt: Speck kostete damals noch Rbl. 2,70 bis Rbl. 3.-, 10 Eier Rbl 1.- bis 1,30 Rbl, später Rbl. 1,70, Wurst Rbl. 2,20 bis 3,60 u.s.w. zu meinem Bedauern erfolgte unsere Verlegung nach Linowizi (Lynovytsya / Linovicsi) am 26./27. Mai. Im Arbeitersaal der dortigen Zuckerfabrik kampierten wir wieder den ganzen Juni und Juli, standen an der Bahnlinie Wache und machten Expeditionen in die benachbarten Dörfer; sie galten vornehmlich dem Lebensmittel-Einkauf, da die Kompanie in Linowizi Selbstverpflegung hatte. Anfang Juli wurde ich der Bahnhofswache zugeteilt, wo es besonders gemütlich zuging! --- Am 1. August siedelten wir nach Pirjatin (Pyrjatyn), dem Sitz des Bataillons über: Quartier im „Kino“ grauenhaft! Eine Besserung brachte für mich das Beziehen der Hauptwache am 19.August. Vorher machte ich eine 8-tägige Strafexpedition mit, die ekelerregende Eindrücke in mir zurückließ. Am 31./8 bezog ich zu meiner Freude ein wenn auch enges, so doch immerhin gemütliches Bürgerquartier, war abwechselnd mit Exerzieren, Heupressen und Holzsägen beschäftigt und kam am 13. Oktober zur Bahnwache Pirjatin (Pyrjatyn).

So schön, wie da, habe ich es während meiner ganzen Kriegszeit nicht gehabt. Am 9. November telefonierte mir der Feldwebel, dass ich am 11. in Urlaub fahren könne: am 10. trat wegen der Revolution in Deutschland Urlaubssperre ein. Eine bittere Enttäuschung!

Meine Geduld wurde noch auf eine dreimonatliche Probe gestellt. Vom 26. bis 28 November erfolgte unsere Überführung nach Kiew, der preußische Militarismus war gebrochen. Dienst gab’s fast keinen mehr. Da wurde ich am 6. Dezember nochmals abkommandiert: ich war tief unglücklich aber es war mein glück. Ich überstand die vollständige Absperrung von der Heimat und die Dezemberfeiertage leichter in Darniza. (Darnitsa, Darnytsya, Darnicsa, östl. Stadtteil von Kiew)) Ich wurde Schreiber im Materialiendepot Bug II. Dienst war von 9 bis 3 Uhr. Die Verpflegung durch ein Landsturmbataillon war vorzüglich. Durch das Zusammenarbeiten mit der Großmarkttenderei waren uns vorteilhafte „Einkäufe“ möglich. Der Wein ging uns nicht aus. Mit 2 weiteren Schreibern, Kameraden Kaufmann und Richter, hatte ich eine gemütliche „Abteilung“ in der Baracke inne. Der Inspektor-Stellvertreter, unser Vorgesetzter, war ein „feiner Mann“, bei dem ich mich das erste Mal wieder als Mensch fühlte. „Fast glückliche“ Tage hätte ich erlebt, wenn mich nicht das ausbleiben jeglicher Post von der Heimat stark niedergedrückt hätte. So rückte Weihnachten heran. Unser Inspektor schlug uns vor, den Heiligen Abend gemeinschaftlich zu begehen, fertigte Vortragsfolge mit Liedern hektographisch an, während andere für ein gemeinschaftliches Weihnachtmahl sorgten. Ein freier Raum in der Baracke wurde zum „Festsaal“ hergerichtet. Ein herrlicher Weihnachtsbaum stand in der Ecke. An weißgedeckten Tischen nahmen wir einen ff. Schweinebraten mit Kartoffelklößen zu uns. 36 Liter Glühwein sorgten für die Stimmung bei den versammelten „zwölf“. Meine Festrede zündete. Dann folgten Vorträge und allgemeinsame Lieder. Geladene Gewehre und Handgranaten standen während der Feier hinter uns. Es blieb aber draußen alles ruhig. Hochbefriedigt suchten wir unsere Ruhestätten auf. Das gute Gelingen veranlasste mich sofort mit den Vorbereitungen zu einer größeren Sylvesterfeier, gemeinschaftlich mit dem Personal der „Großmarkttenderei“ zu beginnen. Ich hektographierte eine Art Festzeitung. Als Festwein wurden 100 Flaschen Drohner Riesling zur Verfügung gestellt. Ein Festmahl, Rindsbraten und Salzkartoffeln eröffnete die Feier. Die Leitung hatte ich. In ½ Stunde war ich Herr der Stimmung. Von Stunde zu Stunde steigerte sich die Ausgelassenheit. Um ¾ 12 Uhr gab’s das erste Peinliche. Unser Inspektor war erledigt. Wir aßen, 25 Personen, 50 Paar Siedewürstchen mit ff. Heringssalat, dann gings weiter im Toben bis ½ 5 Uhr morgens. Am 1. Januar herrschte allseits Katerstimmung. Ich muß aber gestehen, auch in Friedenszeiten kaum eine gemütlichere Sylvesternacht begangen zu haben.---

 

1919

In den letzten Tagen des neuen Jahres wurde endlich bekannt, dass unser Heimtransport gegen Mitte des Monats erfolgen werde. Und wirklich zum 14. wurden wir zu unserer Kompanie zurückbeordert. Dankbaren Herzens trennten wir uns von unserem Inspektor und der uns lieb gewordenen Stätte. Am Abend stießen wir in Kiew II zur Kompanie. Die Verladung konnte erst am nächsten Tag erfolgen. Am 17. abends ¼ 6 Uhr setzte sich nach großen Scherereien (dem Lokomotivführer mussten wir bis Powursk 2000 Rubel , den Bremsern 1500 Rubel zusagen) unser Zug nach Westen zu in Bewegung. Am 21. wurden wir in Kowel leider nochmals ausgeladen und mussten 14 Tage Bahnschutz übernehmen. Ich bekam wiederum einen Schreiberposten im Pionierpark Altkowel. So ging auch diese Zeit vorüber. Am 4. Februar dampften wir der Heimat zu. Über Brest-Litowsk und Bialostok erreichten wir in Prostken deutschen Boden.

Am Sonntag den 9. morgens 5 Uhr war ich in Berlin-Tempelhof von der Kompanie entlassen und dem Bezirksamt Mannheim zur endgültigen Entlassung aus dem Heeresdienst überwiesen. Ich fuhr mit Gottmann zum Lehrter Bahnhof und konnte um 8.33 Uhr die Heimreise antreten. Über Bebra, Hanau, Babenhausen, Darmstadt und Weinheim erreichten wir Mannheim am 10. Februar abends ½ 9 Uhr. 10 Minuten später konnte ich nach 14 monatiger Trennung meine Lieben gesund und munter in den Arm schließen ------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Am 17. nahm ich meine geschäftliche Tätigkeit wieder auf und fand mich schnell wieder bei allem zurecht. Ich war ja froh, dass ich wieder heil nach Hause gekommen war. Meine Tätigkeiten in Vereinen und der Öffentlichkeit gab ich auf.

Am 2. März begann ich wieder mit meinen Ausflügen. Mit Familie und großer Gesellschaft fuhren wir nachmittags nach Weinheim und wanderten über die Berge nach Lützelsachsen und Hohensachsen. Bei Markmann waren wir bei „koscheren“ und „Neuem“ gut aufgehoben. Auf der Bergstraße gings zurück nach Weinheim. Meinen Antrittsbesuch bei Familie Schwarz in Neuschloß machte ich mit den Meinen am 9. März. Die Lieben hatten mir zu Ehren alles aufgeboten: morgens Kaffee, Kuchen und hausgemachten Schinken, mittags Huhn mit Friedensnudeln, nachmittags noch mal weißen Kuchen und Kaffee.

Eine Tageswanderung hatten wir am 16. März mit Freudenbergers, Bachs, Naumer und Sandritter verabredet. Gegen 8 Uhr fuhren wir nach Neckarsteinach und wanderten bei leider zweifelhaftem Wetter über Darsberg und Grein nach Schönau-Lochmühle. Die Bewirtung war dort im gemütlichen Nebenzimmer vorzüglich. Über Münchel erreichten wir zeitig Ziegelhausen-Schlierbach und fuhren mit Aufenthalt in Heidelberg nach Mannheim zurück.

Bach, Freudenberger, Naumer, Sandritter

Am 23. März war ich mit Trudl und Freudenbergers in Feudenheim-Schützenhaus und am 6. April mit Familie und Genannten durch den Waldpark in Neckarau-Badischer hof. Von dort war Speise und Trank den Verhältnissen entsprechend sehr gut. Ein Schlussschoppen in den „12Aposteln“ beschloß den Tag.

Zum 4. Mal auswärts war ich am 13. April, der leider morgens bis abends verregnet war. Von Weinheim erklommen wir die Wachenburg, frühstückten hier bei billigem Kriegswein sehr gut und wanderten weiter über Buchklingen nach Löhrbach, wo bei Dörsam das Mittagessen bestellt war. Es gab Suppe, 3 Spiegeleier mit Kartoffelsalat und Kaffee für 4 Mark. Durch das liebliche Kallstädter Tälchen über Birkenau und das Tal kehrten wir nach Mannheim zurück.

Am Karfreitag machten wir mit Naumer und Veit einen Spaziergang in den Käfertäler Wald-Stern und über K. zurück. Der Ostersonntag brachte unfreundliches Wetter und veranlasste uns nur zu einem Stadtbummel. Dagegen konnte ich am Ostermontag einen recht genussreichen Ausflug mit Familie von Waldhof durch den Käfertäler Wald über Wasserwerk und Viernheim machen. In der „Rose“ gab’s sogar vorzügliche hausgemachte Wurst. Das schöne Wetter bestimmte uns, auch den Rückweg bis Käfertal zu Fuß zurückzulegen. Einen seltenen Spaziergang unternahmen wir am 27. April. mit Freudenbergers, Naumer, Paula und den Kindern gingen wir links des Neckars hinauf bis Seckenheim, wo wir im „Reichsadler“ gut bewirtet wurden, ließen uns dann nach Ilvesheim übersetzen und kehrten nach Feudenheim zurück. In der „Traube“ beschlossen wir bei einem Viertel Wein den schönen Tag und fuhren erst gegen 9 Uhr nach Mannheim.

Die geplante Maiwanderung ging am 4. vom Stapel. m.P. und ich waren in kleiner gemütlicher Gesellschaft von Freudenbergers und Naumer. Das „Nebenbähnchen“ brachte uns ½ 8 Uhr morgens nach Heddesheim. Sonnenschein und blauer Himmel begünstigte den ganzen Tag. Nach 1 Stunde durchschritten wir Leutershausen und machten ½ 10 Uhr auf der Albertsteige Frühstück. Um ¾ 1 Uhr hatten wir die Höhe des Eichelberges erreicht.

AbkochenAbkochen

 

 

 

 

Großes Abkochen: M.P. und ich Rumpsteak, Salzkartoffeln und Bohnensalat, Kaffee und Kuchen. Nach reichlicher Rast wandten wir uns über Oberflockenbach Weinheim zu, das wir um 7 Uhr erreichten. Im „Ratskeller“ Schluß- und Befriedigungsschoppen. Erst gegen 10 Uhr trafen wir mit der elektr. Bahn in Mannheim ein. Die Wanderung war herrlich, äußerst lustig und genussreich. –

Am 11. Mai nachmittags fuhr ich mit den Meinen, Frau Freudenberger, Naumer und Maulbetsch mit der „Elektrischen“ nach Schwetzingen zum Besuch des Schlossgartens. Nach einem guten Vesper im „Ochsen“, den Freund Naumer angestossen hatte, gingen wir wieder nach Rheinau zurück und fuhren nach Mannheim zu einem Schlussschoppen in den 12 Aposteln. Dort verabredeten wir eine zweite Maiwanderung für den 18. In großer Gesellschaft (11) erreichten wir mit Elektr. und Bahn Rimberg, von wo wir die Tromm erstiegen. Das Wetter war sonnig aber kalt. In einer Felsengruppe zwischen Tr. Und Schimmelburg machten wir Mittagsrast. Bald „brotzelte“ das mitgenommene in den Kochapparaten: in meinigem Rumpsteak, mit Salzkartoffeln und Spargelsalat. Darauf ff. Bohnenkaffee und Kuchen. Annähernd 3 Stunden ruhten wir in der prächtigen Sonne. Dann gings über den Rudi-Münzerturm nach Stollenkandel zur Schäfers-Liesl. Die Bewirtung hat unter den Kriegsverhältnissen stark gelitten: es gab nur ein schlechtes Flaschenbier. Früher als geplant wandten wir uns deshalb Weiher und Mörlenbach zu, von wo uns die Bahn nach Weinheim brachte. Dort waren alle Wirtschaften so überfüllt, sodaß wir noch nicht einmal das übliche Schluß-„Viertel“ einnehmen konnten. Um ½ 10 Uhr waren wir wieder daheim, von den Naturgenüssen hochbefriedigt.

Den 25. Mai benutzten wir zu einem größeren Nachmittags-Spaziergang mit den Kindern von Weinheim ab. In großer Gesellschaft erstiegen wir den Geiersberg, gingen auf prächtigen Waldwegen bis in die Höhe von Unterflockenbach, wo wir das Tal und später Gorxheim zur Vesperzeit erreichten. Auf der Landstraße kehrten wir zeitig  nach Weinheim zurück, um uns im „Ratskeller“ für das am vergangenen Sonntag ausgefallene „VIERTEL“ zu entschädigen. Nach einem guten Abendbrot daselbst (Deutsches Beef mit gemischtem Salat für 3 Mk.) taten wir das recht ausgiebig und kamen in verhältnismäßig gute Stimmung. Erst um 9 Uhr fuhren wir mit der Elektr. heim. Für den Himmelfahrtstag, den 29. war wieder eine Tageswanderung angesetzt, die dieses Mal in Heidelberg begann und uns über Michaelsberg (Frühstück) und Heiligenberg nach dem „Weißen Stein“ führte. Wegen ungeheueren Verkehrs suchten wir in der Höhe ein lauschiges Plätzchen an einem Abhang und hielten dort eine 3stündige Mittagsrast. Zu mitgenommenem Kartoffelsalat bruten wir Beefsteak, aßen nachher noch Pudding und eingemachte Stachelbeeren und tranken zum Schluß einen guten Kaffee. Ein Schläfchen vollendete das Wohlbehagen! In ½ Stunde erreichten wir dann die Strahlenburg bei Schriesheim, wo wir mit Speise und Trank ebenfalls sehr zufrieden waren. Den Weg bis Neckarhausen mussten wir dann noch zu Fuß zurücklegen und kamen mit dem „Bähnchen“ um 8 Uhr in Mannheim an. Das Wetter war den ganzen Tag herrlich gewesen.

Am 1. Juni waren wir im Waldpark-Stern-12 Apostel. Am Pfingstmontag den 7. machte ich nachmittags einen Spaziergang in den Käfertaler Wald- Karlstern. Den ersten Pfingstfeiertag hatten wir alle als Ruhetag bestimmt. Wir tranken mit Fr’s einen gemütlichen Dämmerschoppen im Ballhaus und suchten, nach Hause zurückgekehrt, bald unser Bett auf, weil wir zur nächsttägigen Wanderung um ½ 4 Uhr aufstehen mussten. Das erste Mal beteiligten sich auch Trudl und Walter. Um 5 Uhr trafen wir am Bahnhof mit Freudenbergers und Sandritters zusammen. Um 7 Uhr kamen wir in Heppenheim an, wo die Wanderung begann. Auf herrlichem Waldweg erreichten wir Juhöhe um ½ 10 Uhr. Ein „Äppelwein“-Frühschoppen mundete ausgezeichnet. Wir hatten verabredet hier auf Naumer, Maulbetsch, Veit und Blank, die auf einer Zweitageswanderung von Lindenfels kamen, zu warten. Während wir bei der Zubereitung unseres Mittagessens waren, kamen sie an. Wir vesperten dann noch bis 4 Uhr. Auf dem bekannten Höhenweg nach Weinheim, waren wir gegen 6 Uhr an der „Rothhütte“ zum Kaffee, ½ 7 Uhr auf dem Hirschkopfturm, ½ Stunde später in Weinheim. Am Hauptbahnhof löschten wir in einer Wirtschaft unseren Bierdurst und fuhren gegen 9 Uhr mit der Elektrischen heim. Die Kinder hatten gut durchgehalten und wir waren alle recht befriedigt.

In einer Gesellschaft von 14 „Großen“ und „Kleinen“ trafen wir uns am Donnerstag, den 19. Juni morgens 5 30 am Weinheimer Bahnhof zur nächsten Tageswanderung. Über Windeck erreichten wir die Wachenburg kurz nach 7 Uhr und frühstückten dort bei einem vorzüglichen Viertel „Bergsträssler“ von „Ojust’s“ gespendeter großartiger hausgemachter Leberwurst. Hierauf wandten wir uns Buchklingen zu, rasteten dort auf einer Wiese unter schattigen Bäumen, überquerten bei Unterflockenbach das Gorxheimer Tal und gelangten nach steilem Aufstieg gegen 12 Uhr nach Oberflockenbach, wo wir in der „Rose“ das Mittagessen bestellt hatten. Es war recht „kriegsmäßig“: Haferflockensuppe, Salzbohnen mit Kartoffelbrei und Speck für MK 3.- Trotzdem brachen wir erst ½ 3 auf und benutzten den Höhenweg Eichelberg-Großsachsen, das wir einschließlich einer längeren Lagerung unterwegs um ½ 6 Uhr erreicht. Im gemütlichen Garten der „Krone“ vergingen die Stunden bis zur Abfahrt am Bahnhof Gr.-Heddesheim leider zu schnell. Das Wetter war den ganzen Tag schön aber zu heiß.

Am 22.Juni war ich mit den Meinen in Feudenheim-Schützenhaus.

Eine Herrenwanderung war für den 29. vorgesehen: Freudenberger, Maulbetsch, Naumer und ich. Hirschhorn erreichten wir um 7 Uhr. Es war windig und wolkig. Wir wanderten durch das Finkenbachtal dem „roten Kreuz“ nach auf herrlichem, aussichtsreichen Höhenweg bis Rockenmagd und hinab nach Schimmeldiwoog. Schönmattenwag. In der „goldenen Krone“ (Walter) gab’s hausgemachte Leberwurst (anscheinend anlässlich der Kirchweih) und ein gutes „Viertel“.

Über die Korsika bekommen wir in Schönbrunn Regen, der uns in drei Stunden bis Untersteinach gründlich durchnässte. Bei Wetzel wurden wir nicht gerade schlecht bewirtet, entgegen unseren Vorhaben entschlossen wir uns von hier bis Weinheim die Landstraße über Gorxheim zu benutzen. Unbelästigt vom Regen trafen wir um 5 Uhr im Ratskeller ein. Ein paar „Viertelchen“ taten uns hier besonders gut. Auf dem Weg zur Elektrischen erhielten wir nochmals einen Guß. Schön war’s aber entschieden zu naß. Der Weg war etwa 40 km lang.

Am 6. Juli wanderte ich mit Familie und Frau Freudenberger durch den Käfertaler Wald nach Viernheim. In der Rose tranken wir gut Kaffee und vesperten später noch. Zurück gingen wir wieder durch den –Wald bis Käfertal und fuhren mit der Elektrischen heim. Es war recht gemütlich gewesen.

Die eigentliche Juli-Wanderung musste am 13.ten wegen Regenwetter verschoben werden. An ihre Stelle trat ein Kaffeeklatsch bei mir.

Am 20 fuhren wir morgens mit großer Gesellschaft nach Heidelberg und wanderten von da über den Philosophenweg durch das Mausbachtal (recht langweilig) nach dem „weißen Stein“ und „Schrießheimer Hof“. Das Mittagessen bereiteten wir uns an der Quelle des Eichelbergs, wo wir leider von einem kurzen Regen überrascht wurden. Um ½ 6 Uhr trafen wir im Ratskeller in Weinheim ein, wo durch Spenden noch ein regelrechtes Weingelage anstand, das sich bis 9 Uhr ausdehnte und in ausgelassenste Stimmung versetzte. Freudenberger fühlte sich leider nicht sehr wohl.

Der nächste Sonntag fand uns in kleiner Gesellschaft auf einem Spaziergang nach der Feudenheimer-Fähre-Feudenheim. Im „Prinz Wilhelm“ kehrten wir zum ersten Mal ein und waren mit Speise und Trank sehr zufrieden.

Am 1. August begann mein Urlaub.

Am 2. war ich mit Familie in Neuschloß

Am 3. in großer Gesellschaft von Hemsbach über Juhöhe-Starkenburg, Heppenheim

Am 5 mit Familie Ladenburg-Schriesheim, Leutershausen-Herddesheim

Am 6. „““““ Weinheim-Buchklingen

Am 8.       Heidelberg-Neckargemünd

Am 10. mit großer Gesellschaft ab Heidelberg-Handschuhsheim, Weißer Stein, Münchel-Ziegelhausen.

Am 12. ich allein in Weinheim-Birkenau-Löhrbach-Weinheim

Am 13. mit Familie ab Auerbach, über Auerbacher Schloß nach Jugenheim. Im „Tannenberg“ wurden wir von Weckenmann’s freundlich empfangen. Mittagessen stand für uns bereit, 3 Betten waren auch frei und so hatte ich nach einer halben Stunde Anwesenheit noch für 10 Tage Sommerfrische ausgemacht. Die Kinder waren in vollem Glück. Die nächsten Tage zeigten, dass wir auch mit der Verpflegung zufrieden sein konnten. Und so fuhr Paula und Trudl am 16. nach Hause, um die nötigen Kleider und Wäsche zu holen. Wir machten dann vormittags und nachmittags kleinere Spaziergänge in die herrliche Umgebung, ruhten viel und erholten uns so bei dem prächtigen Wetter vorzüglich. Am 17. besuchten uns Familie Freudenberger und Maulbetsch. Auch sie waren recht zufrieden. Wir bezahlten für den Tag Mk. 36.-; dazu brauchte ich durchschnittlich noch Mk. 10.- Taschengeld. Wir haben uns aber an Obst und Kuchen nichts abgehen lassen. Nur zu schnell verstrichen die schönen Tage, bis wir am Freitag, den 22. abends ½ 7 Uhr wieder in unserer Wohnung anlangten. Auch das bot wieder seine Reize und so beendigte ich vollbefriedigt meinen ersten Urlaub nach 4 Jahren und Kriegsende.

Am 28. August brachte ein besonderes Ereignis in einer Vorstandssitzung der D.H.V. erneuerte ich meine Anhänglichkeit an die „deutschnationalen“ Ideale und trat wieder zur tätigen Mitarbeit an.

Eine seltene Wanderung machten wir „ohne Damen“ am 31. August von Eberbach aus über Burghalde-Freyaquelle nach dem Katzenbuckel. Auf der anderen Seite erreichten wir durch die Wolfschlucht in Zwingenberg die Bahn zur Rückfahrt nach Mannheim, wo wir von unseren Familien freudigst empfangen wurden.

Am nächsten Donnerstag trafen wir uns zu einem gemütlichen Weingelage in der „Badenia“.

Eine Familienwanderung war für den 7. September festgesetzt. Wir fuhren bis Birkenau, wanderten bis zum Götzenstein und machten dort 6stündige Rast auf einem herrlichen Plätzchen. Wir gingen dann über Löhrbach und Buchklingen nach Weinheim in den „Ratskeller“ zu einem gemütlichen „Schlussschoppen“. Erst gegen 10 Uhr trafen wir in Mannheim ein. Zur Feier des Geburtstages meiner Paula besuchten uns Freundinnen und Freunde zu einem „Kaffeeklatsch“ Abends unterhielten wir uns noch einige Zeit im „Kaiserring“

Die diesjährige 25. Wanderung ging am 21. September vonstatten. Die Elektrische brachte uns, m.P., Naumer und Wagner’s nach Weinheim. Das trübe Wetter artete bald einen tüchtigen Regen aus.

Auf dem Weg zum Geiersberg konnten wir uns unterstellen. Nach dem Frühstück hellte es sich bald auf und bei prächtiger Luft konnten wir unseren Weg nach dem Eichelberg fortsetzen. Um 12 langten wir in der Hütte an und fanden noch genügend platz zur Ruhe und Zubereitung unseres Mittagsmahles. Das wenige litt etwas: ich hatte nämlich das Fleisch vor dem Küchenfenster ---liegengelassen. N. half so gut als möglich aus. In gemütlicher Unterhaltung blieben wir bis nach 3 Uhr. Das Wetter war sonnig und luftig. Beim Abstieg wurden wir nochmals durch einen kurzen „Butzer“ überrascht, aber dann schien die sonne wieder. Wir pilgerten über Rippenweier, Rittenweier und Ritschweier-Pfad nach Weinheim- Ratskeller. Da war’s noch einige Stunden recht genussreich.

Am 5. Oktober machten wir, 14 Köpfe stark, eine Spaziergang durch den Käfertäler Wald nach Viernheim. Vesper und Weingelage in der „Rose“ brachten uns in die ausgelassenste Stimmung, sodaß wir uns erst gegen 8 Uhr von der gastlichen Stätte ungern trennten. Die Elektrische brachte uns nach Mannheim zurück.

Lediglich zu einem Nachmittagsspaziergang veranlasste uns ein „Schaufliegen“ über den Rennwiesen am 12. Oktober. Die dort gezeigten Kunststücke an einem vom Flugzeug herabhängenden Trapez waren recht waghalsig, passten aber wenig zum eigentlichen Flugsport. Wir gingen in großer Gesellschaft über die Feudenheimer Fähre weiter nach Feudenheim und wurden im „Prinz Wilhelm“ wieder gut bewirtet. Nach Rückkunft in Mannheim tranken wir noch einen Schlußschoppen in der „Neuen Post“, das erste Mal wieder, seit 3 Jahren.

Am 19.Oktober hatte der D.H.V. eine Tanzunterhaltung im „Kaiserhof“ zu Viernheim. Sie war gut besucht und äußerst gemütlich. Durch den Waldpark wanderten wir am 26. Oktober, 15 Köpfe stark, nach Neckarau. Unser Aufenthalt im Nebenzimmer des „Badischen Hof“ gestaltete sich zu einem äußerst gemütlichen „Familienfest“. Bei Wein, Vorträgen und Gesang kamen wir in die ausgelassenste Stimmung. Erst nach 8 Uhr brachen wir auf.

Am 6. November wurden wir zu Hans Bach’s Geburtstag dort großartig bewirtet. Die ungünstige Witterung ließ leider keine Tageswanderungen mehr zu. Einmal waren wir Sonntag Nachmittags noch im „Pflug“ zu Käfertal und am 2. Weihnachtsfeiertag in der „Rose“ in Viernheim bei Wein und froher Laune. Dann kam der Altjahrestag, den wir in einer D.H.V.-Zusammenkunft in den „12 Apoteln“ äußerst gemütlich und feierlich verlebten. Abgesehen von einem kleine Zwischenfall verlief der Abend bei Gesang, Vorträgen, Musik und ... Tanz recht nett. Unsere engere Gesellschaft war vollzählig zugegen und nahm später noch bei Freudenberger’s den ersten Kaffee und Kuchen im neuen Jahr ein.

 

1920

Mit der Beteiligung an einer Abendunterhaltung des D.H.V. am 8. Januar im Ballhaus leiteten wir das Jahr ein. Trotz dem von der Versicherungsbeamten-Mehrheit beschlossenen Streik, der sich auch gegen mich richtete und meine Gedanken stark beschäftigte, vergaß auch ich unter der Einwirkung mehrer von Herrn Bickenhäuser gestifteter Flaschen Wachenheimer den Ernst der Stunde und unterhielt mich mit großer Gesellschaft ausgezeichnet. Nach Beendigung luden wir die ganze Gesellschaft noch zu einer Tasse Kaffee in unserer Wohnung, wo’s noch bis gegen 3 Uhr hoch herging.

Am Samstag, den 10. folgten wir einer Einladung Bach’s zum Schlachtfest und wurden wieder wie gewohnt köstlich bewirtet. Der folgende Sonntag fand uns zu einem Tanzausflug in Käfertal-Pflug.

Am 25. Januar ging die erste Wanderung vonstatten: Bach’s, Freudenberger’s, Naumer und wir fuhren mit der Elektrischen nach Weinheim und gingen über Geiersberg-Oberflockenbach nach dem Eichelberg. Dort wurde in der Hütte abgekocht und geruht und dann auf dem selben Weg zurückgewandert. Im Ratskeller nahmen wir den Schlußschoppen ein. Die allgemeine Stimmung hätte besser sein dürfen.

Im Februar unternahmen wir nichts besonders, weil wir infolge einer notwendigen Bauchoperation Walters zu nichts Stimmung hatten. Sie verlief am 16. tadellos und am 23. war Walter wieder in unserem Heim. Am 29. machten wir mit ihm wieder den ersten kleinen Spaziergang nach den Kasernen und Luzenberg. Auch die erste Hälfte des März brachte noch keine größeren Ausflüge. Am 20 war ich verbandlich zum Kreistag in Durlach; er trug einen geschäftlichen Charakter. Am 21. gingen wir mit Bachs durch den Waldpark nach Neckarau Bad. Hof, wo wir mit Freudenbergers zusammentrafen und einige recht gemütliche Stunden verbrachten. Endlich am 28. ging die nächste Tageswanderung, die 3te, vonstatten. Wir fuhren in großer Gesellschaft mit dem Nebenbahn-Eilzug nach Heidelberg, erstiegen über Sprunghöhe den Königsstuhl und rasteten später gegenüber dem Kohlhofhotel mehrere Stunden in herrlicher Sonne. Auf prächtigen Waldwegen erreichten wir dann über Waldhilsbach Neckargemünd zur Rückfahrt.

Von Karfreitag bis Ostersonntag war trübes, unfreundliches Wetter und wir verließen unser Heim überhaupt nicht. Am 11. April hielt’s uns aber nicht mehr zu Hause und wir fuhren für uns allein morgens nach Heddesheim, gingen nach Großsachsen, von da auf den Hundskopf mit längerer Frühstücksrast und ab nach Ritschweier- Migols Apfelwein und Rühreier, Apfel- und Streuselkuchen mundeten hier vorzüglich und veranlassten uns zu längerem Verweilen. Über Ritschweier Pfad strebten wir Weinheim zu und wurden beim Kaffeebrauen vom Regen überrascht und bis zur Elektrischen gründlich eingeweicht. Unsere Befriedigung erlitt aber dadurch keine Einbuße.

Am 17. und 18. April beteiligte ich mich am D.H.V.-Gautag in Karlsruhe. Die Begrüßungsfeier am Abend und die Verhandlung am Sonntag-Morgen waren in Anwesenheit des Verbandsvorstehers  ????Bechz ??? Glanzpunkte. Am 25. April wiederholten wir wieder allein mit Gerhard Herkel, die Wanderung Heddesheim-Ritschweier-Weinheim. Das Mittagessen bereiteten wir uns selbst während stundenlanger Rast im Walde.

Eine größer Wanderung unternahmen wir am 2. Mai. Weinheim, Hirschkopf, Juhöhe mit vierstündiger Mittagsrast. Oberlaudenbach, Laudenbach, Hemsbach, von wo wir leider erst um ¾ 8 zurückfahren konnten. Wir hatten uns alle etwas zu viel zugemutet.

Am 16. Mai waren wir schon wieder unterwegs nach Heddesheim. Der Weg nach Leutershausen behagte uns nicht sonderlich und wir nahmen uns vor Heddesheim künftig zu meiden. Über Albertsteige erreichten wir das „Birkenbrünnle, in dessen Nähe wir große Sträuße Maiblumen fanden und auch rasteten und abkochten. Um 3 Uhr waren wir zum Kaffee auf der „Strahlenburg“ ruhten dort 2 Stunden und pilgerten dann gemütlich nach Neckarhausen zur Rückfahrt. Der Tag war wieder ganz nach unserem Geschmack beendet.

Wider Erwarten hatte meine Anfrage bei Weckenmanns zum Pfingstaufenthalt in Jugenheim Erfolg und so fuhren wir am Pfingstsamstag morgens 6.50 dorthin. Herrliche 3 Tage durften wir dort verleben. Die Verpflegung war ausgezeichnet und die Kosten den Verhältnissen entsprechend billige. Wir zahlten Mk. 60.- im Tag Pension und brauchten einschließlich Mk. 46,80 Fahrt Mk. 270.-  Nur ungern trennten wir uns von der gastlichen Stätte.

Eine Gesellschaftswanderung  machten wir wieder einmal am Donnerstag, den 3. Juni. Die Bahn brachte uns nach Heidelberg. Von da wanderten wir über Speyererhof (Frühstück) und Drei Eichen bis in die Gegend von Leimen und gingen nach mehrstündiger Rast über Bierhelderhof nach Heidelberg zurück. Die Stimmung war namentlich nachmittags „geknickt“.

Wie wanderten deswegen am 13. Juni wieder allein: Weinheim, Buchklingen, Lörbach (richtig Löhrbach) (Rast oben im Walde), Birkenau, Fuchs’sche Mühle (Kaffee und Vesper) Weinheim. Der Tag war ganz nach unserem Geschmack.

Am 20. beteiligten wir uns an einer Tanzunterhaltung des D.H.V. im „Pflug“ zu Käfertal.

Der 27. Juni lockte uns zum Heidelbeersuchen wieder hinaus in die Berge. Von Heidelberg erreichten wir über Hirschgasse und Zollstock schnell den Weißen Stein in dessen Nähe wir 4 Pfund Heidelbeeren pflückten. Über Gartenbühl, Ludwigstal und Schrießheim erreichten wir abends Neckarhausen, von wo uns die Nebenbahn nach Hause brachte Die ungewohnte „Tätigkeit“ bekam uns allen aber nicht besonders. Am 4. Juli besuchten wir die Mhm. Regatta.

Eine Einladung Schwarzens folgend pilgerten wir am 11. Juli durch den Käfertaler Wald nach Neuschloß. Wir wurden wie gewohnt dort freundlichst aufgenommen und bedient. Erst um 6 Uhr trennten wir uns zum Heimweg durch den Wald und erreichten um 9 Uhr unser Heim wieder.

Abermals einen Besuch, und zwar der Kollegen Kohl, Trösel, konnten wir am 18. Juli verbinden. Von Weinheim gingen wir um den Geiersberg herum über Oberflockenbach nach der Quelle am Eichelberg. Zwischen dieser und Steinklingen bereiteten wir uns an einem herrlichen Plätzchen unser Mittagessen, Kalbskotelette, Kartoffelsalat, Kaffee und Schneckennudeln, und erreichten nach längerer Rast Trösel um ½ 3 Uhr, freundlich empfangen von der Familie Kohl. Bald stand der „Äppelwein-Krug“ auf dem Tisch, dem sich später frische Butter, hausgemachter Handkäse und Bauernbrot gesellten. Wir labten uns alle köstlich, machten einen Spaziergang in die nähere Umgebung und brachen nach 6 Uhr auf um auf der Landstraße um ½ 10 Uhr Mannheim zu erreichen.

Die nächsten Wochen standen im Zeichen der Vorbereitungen zu unserem Urlaub.

Am Kurhaus Sand

 

Am 6. August stellte ich meine Tätigkeiten im Geschäft ein und am 7. morgens 7.45 Uhr ging’s mit Sack und Pack gen Süden. Über Schwetzingen erreichten wir Karlsruhe gegen 10 Uhr, Bühl um 12, Obertal um 1 Uhr, wo der Aufstieg begann. Wir wandten uns am „Schindelpeter“ vorüber dem Kurhaus Gertelbach zu, wo die berühmten Fälle beginnen. Die Gertelbach-Schlucht wurde erst im Jahre 1899 (Anm. richtig 1889) erschlossen. Die Anlage darf als eine der schönsten und großartigsten des Schwarzwaldes bezeichnet werden. Sie ist von wildromantischer Schönheit. Der Bach stürzt in zahlreichen, oft sehr ansehnlichen Fällen herab. Groteske Felspartien starren dem Wanderer entgegen und schattenspendender dunkler Hochwald umgibt die ganze Anlage. Flechten und Moose bekleiden in üppiger Fülle die gigantischen Felsen und frisches Grün sprosst überall empor. Von dem hochaufgetürmten Emilienfelsen genießt man einen prächtigen Blick auf den gegenüberliegenden Wiedenfelsen und auf die seitwärts entfernter sich hochauftürmenden Falken und Fohrenfelsen. Ein bequemer Fußpfad windet sich durch die Schlucht, über 18 Brücken und über mehr als 400 Stufen steigt man empor. Von mächtigem Eindruck ist die oberste Stelle der Schlucht, wo das Wasser über eine aus härtestem Urgestein aufgebaute Wand stürzt, Vier übereinanderliegende Brücken führen über diesen großartigen Wasserfall, mit dem der malerischste Teil der Schlucht zu Ende ist. –Wir gingen dann über einen Waldweg der Kreisstraße aufwärts und kamen um ½ 5 Uhr in dem daran liegenden „Friedrich-Hilda-Heim“ unserem Aufenthaltsort für die nächsten Wochen an.

Friedrich-Hilda-Heim (Bärenstein)

Nach Erledigung der Formsachen wurden wir vom Bürofräulein in das Zimmer Nr. 33 geführt, das für uns bereitstand. Sauber, hell und geräumig hatte es auch den von uns heimlich ersehnten Balkon mit einer großartigen Aussicht auf Wälder. Berge und Felsen. Als Abends unser Schließkorb ankam und ausgepackt war, fehlte nichts mehr an unserer Bequemlichkeit. Dem trüben Wetter des Vormittags und der verflossenen Wochen war herrliches Sonnenwetter gefolgt, das volle 14 Tage anhielt. Der nächste Tag, der 8. August brachte uns die Gewissheit, dass auch die Verpflegung gut und ausreichend sei und dass nur das „Marmeladebrot“ morgens und nachmittags manchmal einer Abwechslung bedürfen würde. Es wurde gereicht: Kaffee, um 10 Uhr Suppe in Tassen, um 12 Uhr Nudelsuppe, Bohnengemüse, Schalkartoffeln, Roastbeef mit tunke, Himbeer-Eis; um 3 Uhr Tee, um 7 Uhr Griessuppe, Lioner Wurst und Kartoffel- und Kopfsalat. Wir hatten morgens um 9 Uhr den ersten größeren Spaziergang nach der Badener Höhe angetreten und von deren Turm (169 Stufen) einen prächtige Aussicht auf die ganze Umgebung genossen.

 

Wir lernten auch unsere Tischnachbarn die Familie Büchner aus Ludwigshafen kennen und wanderten mit ihnen gemeinschaftlich über die berühmte Waldkolonie Herrenwies (Kurhaus Auerhahn) zum Heim zurück. Nach dem Tee machten wir einen kleinen Spaziergang  nach dem ½ Stunde entfernten „Kurhaus Hundseck“ und tranken dort Kaffee und Kuchen (Mk. 4.-) Abends war im Speisesaal des Heims „Cabaret“ unter fachkundiger Leitung des „Betriebsrates Fries“, dem eine Reihe Heimgenossen mit teilweise glänzenden Leistungen zur Seite standen. (Frl. Schäfer, Herr Geiser u.a.) Vom 9. August ist ein herrlicher Spatziergang über Hundseck, durch das Hundsbachtal nach Hundsbach und zurück bemerkenswert. Abends fand ein Carry-Abend mit Gedankenübertragung (in der allerdings Herr Geiser überragte) statt.

Am 10. August lenkten wir nachmittags unsere Schritte nach „Kurhaus Oberplättig“, Fohrenfelsen, Falkenfelsen mit der idyllischen Hertahütte und waren bezaubert von der Romantik des Felsenweges und der Großartigkeit der Aussicht. Auf dem Weg zum Brockenfelsen hatten wir einen herrlichen Durchblick auf Ober- und Bühlertal. Ein Rundweg am „Löwenstein“ vorüber brachte uns zum Abendbrot wieder ins Heim. Am 11. morgens ging ich mit Herrn Frey aus Höchst abermals auf die Hertahütte, die es mir besonders angetan hatte. Nachmittags fanden wir zwischen dem Gertelbach-Weg und Hundseck ungeheure Himbeerfelder, die uns lange festhielten. Zum Einkauf wanderten wir am nächsten Tag hinab nach Obertal; der Wiederaufstieg war sehr anstrengend. Wir unternahmen deshalb nachmittags nichts Besonderes. Das Mittagsbrot bestand aus Sagosuppe, Kalbsbraten mit Bohnensalat und Salzkartoffeln, zum Nachtisch Obst.

Am 13./8 waren wir nach der Morgensuppe am Sandsee, 10 Minuten unterhalb Sand nach Herrenwies zu. Mittags gab’s Suppe, gebackener Schellfisch mit Tomatentunke, Schalkartoffeln und Zwetschgen. Nachmittags fand vor dem Heim ein großartiges Sportfest für Jung und Alt statt.. Abends: Abschiedsunterhaltung und Tanz. Am 14. morgens machten wir unseren Lieblingsspaziergang nach Hundseck; nachmittags bestiegen wir den Mehliskopf (40 Minuten von Sand) nebst Turm, erfreuten uns an der schönen Rundsicht und kehrten über Hundseck zum Heim zurück.

Am Sonntag, den 15. besuchten wir über Plättig Sanatorium und Kurhaus Bühlerhöhe, eine prunkhafte Gründung der Frau General Isenbarth, von ihr ursprünglich als Offiziersgenesungsheim gedacht, jetzt im Besitz einer Gesellschaft. Zum Mittagessen gab’s; klare Suppe mit Spatzen, Schweinebraten mit bayr. Kraut und Kartoffeln, zum Nachtisch Schokoladen-Eis. Nachmittags folgten wir einer Einladung des Mannheimer Beamten-Erholungsheims Wiedenfelsen zum Kinderfest und machten abends einen Bummel nach Hundseck mit Weinprobe.  Am 16. morgens begleiteten wir die abreisenden Familie Schnepf nach der Hornisgrinde zu und machten einen Rundgang auf dem Badenerhöhe-Weg- Panoramaweg-Plättig-Sand. Der Zweite bietet herrliche Aussicht nach Baden-Baden zu. – Am nächsten Tag war ich mit Herrn Büchner wieder in Obertal zum Einkauf. Zwetschgen kosteten gegen 70 Pfennige schon Mk. 1.- .Abend fand ein „Bunter Abend“ mit großartigem Programm und nachfolgendem Tanz statt. Auch ich beteiligte mich mit einigen Vorträgen. Der 18. August veranlasste uns nur zu einem Spaziergang nach der Hertahütte, weil wir für den nächsten Tag einen Ausflug an den Mummelsee vorgesehen hatten. Bei günstigem Wetter verließen wir um 6 Uhr das Heim, waren 7 ¼ in Untersmatt, um 8 Uhr am alten Turm auf der Hornisgrinde, kurz darauf am Neuen, den wir leider ohne Aussicht bestiegen und bereiteten uns zwischen ihm und dem Mummelsee das Frühstück (Spiegeleier mit Wurst und Brot und Obst) Um 9 ¼ waren wir am, kurz darauf im Boot auf dem See und staunten über uns umgebenden Naturschönheiten. Nur ungern trennten wir uns nach dem kurzen Verweilen von dem herrlichen Fleckchen Erde, aber wir wollten zum Mittagessen wieder im Heim sein; auf dem selben Weg erreichten wir es ohne Anstrengung um 12 ¼ Uhr. Es gab: Suppe, Petersilienkartoffeln mit Gurkensalat und Rindfleisch, geschmorte Kirschen.

Abends: Suppe, Saucekartoffeln, Käse und Brot.

Am 20. morgens war Nebel und Regen, nachmittags wieder prächtiger Sonnenschein, der zu einem Abstecher nach Herrenwies und zurück veranlasste. Abends wurde gereicht: Bohnensuppe nach Belieben und Apfelkuchen. Am 21. morgens bestieg ich abermals den Mehliskopf und ging über Hundseck zurück. Mittagbrot: Suppe, gebackener Kabeljau und Kartoffel und Gurkensalat, Apfelbrei; nachmittags: Kinderfest, abends Abschiedsfeier – Der nächste Tag, ein Sonntag war vollständig verregnet; wir konnten nur einen kleinen Spaziergang nach Hundseck machen. Mittags gab’s Suppe, Kalbsbraten mit Bohnengemüse und Kartoffeln, Eis, abends: Suppe und Lioner Wurst. Nachher folgte ein bunter Abend. Der nächste Morgen fand mich mit den neu angekommenen Herren der Familien Hein und Weiß auf dem Weg über Plättig nach Schwanenwasen, Schneckenfelsen und zurück; nachmittags Badener Höfe-Herrenwies-Auerhahn. Das Abendessen im Heim bestand aus Suppe, Rahmkartoffeln mit Salat und Frikandellen. - Am 24.8. pilgerten wir nach Herrenwies zum Frühschoppen. Mittagessen: Suppe, gebackener Kalbskopf mit Kartoffeln und Rotkraut, Obst. Nachmittags: Spaziergang Bühlerhöhe, Hertahütte, Plättig. Abends fand unter meiner Leitung, da ich inzwischen zum „Betriebsrat“ gewählt worden war, der erste Unterhaltungs- und Abschiedsabend statt, über dessen hervorragendes Gelingen nur eine Stimme des Lobes herrschte. – am 25. waren wir morgens in Herrenwies, nachmittags in Untersmatt. Tags darauf nur in der Umgebung des Heimes. – Eine größere Morgen-Wanderung unternahmen wir am 27. In guten zwei Stunden erreichten wir über Badener Höfe den einsamen, am Nordostabhang des steil abfallenden Eckkopfes, 830 m hochgelegenen Herrenwiesensee. Von der Marienhütte aus konnten wir die eigentümlichen Reiz desselben auf uns einwirken lassen. Auf herrlichem direkten Rundweg gelangten wir über Herrenwies um 12 Uhr wieder ins Heim. Nachmittags: Hundseck.

Da sich nun unser Aufenthalt auf den herrlichen Höhen seinem Ende zuneigte, pflegten wir in den nächsten Tagen, mehr als sonst der Ruhe, wozu uns auch das immer unfreundlichere Wetter veranlasste Wir konnten es gut, denn wir hatten in den drei Wochen alle Schönheiten genügend genossen.

Auf den kleineren Spaziergängen in der Nähe des 5 Minuten vom Heim entfernt gelegenen „Kurhaus Sand“ fühlten wir uns wie in einem großen herrlichen Park und schlürften die gesunde Waldesluft in vollen Zügen ein. Die Erholung war dementsprechend hervorragend, und da auch Verpflegung und Unterkunft nichts zu wünschen übrig ließ, werden wir im nächsten Jahr gerne die Gelegenheit wahrnehmen uns wieder dem wohligen Plätzchen zuzuwenden. Besonders gedacht zu werden verdient der liebenswürdige Verwalter Frommhold und seiner Gattin, die nichts versäumten, um allen den Aufenthalt im Heim so angenehm als möglich zu gestalten.

Am Samstag Nachmittag, den 28.8. veranstaltete ich noch ein Sportfest für Jung und Alt und abends einen Unterhaltungs- und Abschiedsabend, die beide vorzüglich gelangen. Am Montag, den 30. nach dem Mittagessen verließen wir die gastliche Stätte, erreichten bei prächtigem Wetter um ½ 3 Uhr Obertal, von da per Bahn um 5 Uhr Karlsruhe, wo wir zum Vesper 2 Stunden Aufenthalt nahmen, und um 9 Uhr wohlbehalten Mannheim. Mit Droschke gelangten wir nebst Gepäck nach 10 Uhr in unserer Wohnung an, freundlichst empfangen von der Großmutter, die für ein kräftiges Nachtessen gesorgt hatte. Die Gesamtkosten sind unter den bestehenden Verhältnissen gering zu nennen und betrugen:

Für Fahrt und Gepäck  Mk. 123., für Ansichtskarten und Porto Mk. 30.-, für Photographien Mk. 31.-, für Geschenke Mk. 38,30, für 23 Tage Pension und Trinkgeld Mk. 780,50, für Taschengeld Mk. 586,20 zusammen Mk. 1589.-

8 Tage ruhte ich zu Hause und nahm am 6. September meine Tätigkeit im Geschäft wieder auf.

 

Am 12. benutzte ich mit Familie das herrliche Wetter zu einem Ausflug (den 19.) nach Weinheim, Ritschweier, Hohensachsen, Lützelsachsen. Unsere Beute an Äpfeln, Birnen und Trauben war recht erfreulich.

Um (10.10.20) an einer Tanzveranstaltung des D.H.V. im Waldschlösschen Weinheim teilnehmen zu können, fuhren wir schon morgens dahin, machten einen gemütlichen Spaziergang über die Wachenburg und vereinigten uns dann zu frohen Stunden mit der Gesellschaft. Der 31. Oktober fand mich schon wieder in Weinheim zum Kreistag. Es war nichts besonderes.

Meine schon lange in Aussicht stehende geschäftliche Reise nach Hamburg musste ich endlich am 25. November antreten. Der Nachtschnellzug 7.51 brachte mich am anderen Morgen 8.26 nach Hamburg, wo im Palasthotel ein Zimmer für mich bestellt war. Ich war fürstlich untergebracht: elektr. Licht, Dampfheizung, Fern- und Haustelefon, kalte und warme Wasserleitung, Schreibtisch usw. Preis Mk 38.- die Nacht. Um 11 Uhr machte ich meinen ersten Besuch bei der „Nord-Deutschen“. Ich wurde von Hern Direktor Damm freundlichst aufgenommen und mit den Herren mit denen ich in den nächsten Tagen zu tun hatte, bekannt gemacht.. Im „Asiahaus“ ist die „Vorkriegsabteilung“ untergebracht, der Herr Prokurist Witt vorsteht. Dort war in dreißig  Kisten die New-York-Post angekommen. Nach allgemeiner Unterhaltung darüber besuchte ich mit Herrn Witt die Börse, die in ihrem Leben und treiben einen gewaltigen Eindruck auf mich machte. Im Büro der „Nordd.“ Daselbst lernte ich flüchtig Herrn Direktor Kirchner kennen, der uns zum Mittagessen in das Weinrestaurant „Roller“ verwies. Er erschien dort bald selbst und ferner auch Herr Generaldirektor Hans Dunker und bei einem guten Tropfen entwickelte sich eine äußerst interessante Aussprache über wichtige schwebende Fragen. Später musste ich noch einer Einladung des Herrn Dir. K. folgen und nach einigen Rundgängen landeten wir in der „Traube“ einem pompösen Riesen-Weinrestaurant im „Hotel Esplanade“. Hamburger Platte und „Erlesener“ wechselten mit Rotwein, Likör und Mokka ab, und bei den Weisen einer hervorragenden Künstler-Kapelle kamen wir, zu uns hatte sich noch Herr Direktor Damm und Herr Stroth, ein Schwiegersohn Kirchners gesellt, die gehobenste Stimmung. Wegen Krankheit in der Familie musste uns leider Herr K. früher verlassen. Wir wandten uns zur „Forum-Diele“, ein intimes aber immerhin anständiges hochfeines Tanzlokal. Auch da genehmigten wir uns noch „manches“ und zogen erst um ½ 12 Uhr, nicht mehr so ganz sicher, heimwärts. Der andere Tag trug Katerstimmung! Ich beschloß deshalb erst am Montag energisch die Arbeit aufzunehmen. Nachmittags machte ich einen großen Bummel durch Hamburg: Alster, Jungfernstieg, Dammtor, Holstenwall, Bismarckdenkmal, Elbe, (Große) Burstah , Rödingsmarkt, Börse, Rathaus-Siechen, wo ich sehr gut speiste. Da ich Mittwoch auf Donnerstag das letzte Mal richtig geschlafen hatte, suchte ich schon um ½ 9 Uhr mein Bett, nachdem ich vorher im „Alsterpavillon“ noch ein paar „Bier“ getrunken hatte. Sonntags besuchte ich die Familien Karl und Richard Fücks und Emil und wurde freundlichst aufgenommen. Montag und Dienstag brachte außer dem Besuch einiger großer Kaffeehäuser (Vaterland) nichts besonderes. Am Mittwoch war ich abends nach der Arbeit von Herrn Witt nach Blankenese geladen. Das Wetter war leider die ganze Woche nebelig und naß, sodaß ich auch dort wenig sehen konnte. Wir aßen im Heim des Herrn W. mit seiner liebenswürdigen Gattin und Sohn und einer Familie Petersen vorzüglich zu Abend, sprachen und lachten viel und ließen uns zum Schluß einen steifen Grog recht gut munden. Erst um ½ 11 Uhr fuhr ich nach Hamburg zurück und war ½ 12 Uhr hochbefriedigt im Bett. Meine geschäftliche Tätigkeit konnte am Donnerstag Morgen beendet werden. Das Wetter hatte sich etwas aufgehellt und verlockte mich zu einem abermaligen Bummel an die Elbe, St. Pauli-Landungsbrücken, Elbtunnel (!). Später traf ich nochmals die „Fückse“, auch Schmidlin und verbrachte mit ersteren noch einige gemütliche Stunden. Dann begann eigentlich ein ausgesprochnes Heimweh. Ich hatte am Freitag noch einen geschäftlichen Besuch beim Neptunus zu machen, verabschiedete mich dann von den Herren der „Norddeutschen“ und saß um 12.06 am Dammtorbahnhof im D-Zug nach Mannheim. Nachts 2 Uhr konnte ich die Meinen wieder gesund begrüßen. – Es waren herrliche, abwechslungsreiche Tage und für mich ohne Kosten. Den Samstag brauchte ich zur Ruhe.

Am 22. Dezember fand unter meiner Leitung eine äußerst gediegnen Weihnachtsfeier in den „12 Aposteln“ statt, an der auch die Kinder bis zum Schluß teilnahmen. Die Feiertage selbst benutzten wir mit Hubers nur zu kleineren Spaziergängen in und um Mannheim. Das alte Jahr beschlossen wir in trautem Familienkreise bis ¼ 3 Uhr äußerst gemütlich.

 

1921

 

Die für den Neujahrstag geplante Wanderung auf die Kalmit kam leider nicht zustande. Nach einem Frühschoppen morgens in den „12 Aposteln“ machten wir in größerer Gesellschaft einen Kaffeehausbummel, konnten aber nur im „Stern“ einen bescheidenen Platz ergattern. Die Unterhaltung war dort mangelhaft, besser aber am nächsten Tag im „Schützenhaus“ in Feudenheim.

Das große Winterfest des D.H.V. am 12. Januar im Friedrichspalast war erstklassig. Glanznummern waren das Auftreten des D.H.V. Männerchores und des Herrn Karl Buck.

Am 16. Januar ging die erste große Tageswanderung vor sich: Nähere Umgebung Heidelbergs mit Königsstuhl, Schloß, Perkeo.

Am 30 spazierten wir mit Huber’s über Feudenheimer Fähre nach Schützenhaus, wo wir Bach’s u.a. trafen. Einen äußerst lustigen Sonntag erlebten wir am 13. Februar in der „Rose“ in Viernheim, das wir durch den Käfertaler-Wald erreicht hatten. In der Gesellschaft waren Huber’s und Bach’s

Für den 20. war die 2. Tageswanderung festgesetzt. Ziel Neustadt-Kalmit. Das Vorhandensein der „Besatzung“ ließ aber keine richtige Stimmung bei mir aufkommen. Die Ludwigshafener Hütte hat durch den Umbau an Gemütlichkeit sehr gelitten. Auch zu lebhaft ist es oben geworden. Beim Abstieg „verführte“ uns Naumer. Im „Deutschen Haus“ ging’s noch einigermaßen. Aber dann kam der Trubel auf dem Neustadter Bahnhof, der uns vollends alles verekelte! Ich habe mir jedenfalls vorgenommen, nicht so bald wieder in die Pfalz zu gehen. (Anmerkung in 2012 : Überall waren verhasste französische Besatzungstruppen, die gegrüßt werden mussten)

Am 27. Februar folgten wir einer Einladung des D.H.V.-Männerchores in den „Karlstern“-Käfertaler-Wald. Die Darbietungen waren ausgezeichnet und recht genussreich.

Am 6. März ging’s wieder in die Berge: Weinheim, Eichelberg, Trösel, Weinheim, wo wir mit Aug. Schneider im Ratskeller noch einen guten Tropfen tranken.

Ein Familienabend im D.H.V. ging am 9. März unter meiner Leitung vonstatten. Trotz vorher fehlender Vortragsfolge kamen die zahlreich Erschienen auf ihre Rechnung.

Viel Arbeit brachte mir in den folgenden Tagen die Kaufmannsgerichtswahl; sie endete am 16. mit dem Sieg der bürgerlichen Verbände von 13 gegen 11. Während wir am Karfreitag nur einen Spaziergang am Neckar entlang machten, unternahmen wir am 1. Ostertag die 4. Tageswanderung. Das anfangs zweifelhafte Wetter hellte sich in Birkenau auf. Über Niederliebersbach erreichten wir dann auf herrlichem Weg zur Mittagszeit Juhöhe, wo wir im Gasthaus bei lebhafter Unterhaltung einige Stunden rasteten und uns stärkten.

Auf dem bekannten Höhenweg wanderten wir dann gemütlich nach Weinheim zurück und fuhren, ohne dort einzukehren, nach Hause. Wir waren allein gewesen und wieder hochbefriedigt.

Am 10. April mussten wir uns wieder einer größeren Gesellschaft anschließen. Auch Kurt Huber war von der Partie. In der Höhe von Ritschweier ruhten wir stundenlang und verweilten abends im Ratskeller bei einem gemütlichen Weingelage. Eigentlich mit den „fahrenden Gesellen“ beabsichtigt wanderten wir infolge eines Missverständnisses am 24.April von Neckargemünd über dilsberg, Steinernen Tisch, wo wir die „Gesellen“ trafen, die Hauptrast gemütlich mit ihnen verbrachten und auch photographiert wurden, nach Hirschhorn. Es war herrlich, genuß- und abwechslungsreich.

Unerwartet musste ich mich am Donnerstag, den 28. zu einer Reise nach Berlin entscheiden. Die Versicherungsbeamten versammelten sich dort zur 3. Reichstagung. Der Schnellzug 5.20 brachte mich durch das herrliche Neckartal über Würzburg, Erfurt, Halle nach Berlin, wo ich am nächsten Morgen punkt 8.17 eintraf. Im „Hospiz Zentrum“ Holzgartenstraße steig ich ab. Die Verhandlungen begannen um 10 Uhr in der „Hopfenblüte“ unter den Linden und dauerten mit einer Stunde Mittagspause bis 6 Uhr abends. Um 7 Uhr traf ich Herrn Blank, der mir in Kürze die Hauptsehenswürdigkeiten Berlin’s zeigte. Dies hat in seinem äußeren Eindruck und seinem Straßenleben durch die Umwälzung sehr gelitten. Die Friedrichstraße widerte mich direkt an. „Kaffehaus Vaterland“ ist von dem eleganten „Picadilly“ zum Mischmasch-Kaffee geworden. Trotzdem wurden die gemütlichen Stunden mit Herrn Blank ausgiebig zur gegenseitigen Berichterstattung verwandt. – Am nächsten Morgen frischte ich bei einem Rundgang vom Schloß bis Tiergarten die alten Erinnerungen wieder auf und begab mich erneut zu den Verhandlungen, die um 2 Uhr ihr Ende erreichten. Das Mittagessen hatte ich mit Herrn Blank bei „Kempinski“ verabredet, wo es auch in der erwarteten tadellosen Güte vonstatten ging. Eine Flasche “Niersteiner“ diente als Abschiedstrunk. 6.35 Uhr fuhr ich nach Leipzig. Marie und Willy (Schwester/Schwager Schütze) waren am Bahnhof; die Freude war nach 14 jähriger Trennung groß! Am 1. Mai besuchte ich mit Willy das „Völkerschlachtdenkmal“, das einen gewaltigen Eindruck auf mich machte, nahm darauf bei Schützens noch das Mittagessen ein und fuhr 10.20 nach Mannheim zurück, das ich wohlbehalten um 10.48 erreichte. Es waren viel abwechslungsreiche Eindrücke in der kurzen Zeit.

Am 7. und 8. Mai beteiligte ich mich an den Verhandlungen des 19. südwestdeutschen Gautages im D.H.V. in Ludwigshafen a/RH und nahm am Sonntagabend mit Paula am Festball im „Turnervereinsheim-Mannheim“ teil.

Für Pfingsten hatte ich aus gewissen Gründen nichts besonders geplant.

An einem Ausflug mit Besichtigung des Schlossgartens beteiligte ich mich mit Frau und Kindern am 22. Mai. Anschließend war Tanz im „Ritter“

Die 9. Wanderung ging am Donnerstag, den 26. Mai vonstatten. In größerer Gesellschaft wanderten wir über 3 Eichen, Posselsruhe (Anm. richtig Posselslust) und Kohlhof nach dem Michelsbrunnen. Nach 4 Stunden Rast am schattigen Waldesrand kehrten wir über Leopoldstein nach Heidelberg zurück. Es war recht gemütlich und erholend.

Am 5. Juni fuhren wir schon um 6 Uhr mit der Elektrischen nach Weinheim: Wachenburg, Buchklingen, Löhrbach; am Götzenstein war unser Weg. Wir waren diesmal allein, schlugen in der Höhe unser Lager auf und konnten von da aus nachmittags den alten dörfischen Brauch des „Abholens der Kerwe“ beobachten. Ein vorher im Feld versteckter Kranz wurde mit Musik, Gesang und Böllerschießen entdeckt und ins Dorf gebracht, wo das eigentliche Kirchweihfest begann. Geschmückte und maskierte „Mädle und Buwe“ begleiteten den Zug. Das „Oberdorf“ veranstaltete das selbe Fest besonders. Ein heraufziehendes Gewitter zwang uns entgegen unserer Absicht nach Löhrbach zurückzukehren, wo wir beim Schulhaus vorbeikommend von Lehrersleuten zum Unterstellen eingeladen wurden.

Es folgte dann bei gemütlicher Unterhaltung Bewirtung mit Kuchen und „Äppelwein“. Entzückt über die Gastfreundschaft trennten wir uns und nach Niedergang eines heftigen Gewitterregens mit Hagel. Durch das Kallstädter Tal und Birkenau erreichten wir abends Weinheim und leisteten uns in der „Bergstraße“ noch ein paarhervorragende „Vertelcher“.

Für den 19. Juni hatte der D.H.V. eine Wanderung angesetzt. 30 Personen fuhren 7.25 nach Heidelberg. Über Sprunghöhe wurde die Sternwarte erreicht und durch entgegenkommen des Herrn Geheimrat Wolf kurz besichtigt. Dann wandten wir uns dem Königstuhl, Kohlhof zur Posselslust, woselbst die Mittagsrast stattfand.Abwärts berührten wir Waldhilsbach und endeten in Neckargemünd. In der „Pfalz“ entwickelte sich ein „solenner“ Schlußschoppen. Alle Teilnehmer waren hochbefriedigt.

Die 12. Wanderung unternahmen wir allein in der Familie nach dem Eichelberg mit 5stündiger, herrlicher Rast und Rückweg über Ritschweier-Hohensachsen, der wegen der Hitze viel zu schaffen machte.

Am 10. Juli führte ich eine Wanderung des D.H.V. Die Bahn brachte uns mit neuen Jubelkarte für Mk. 7,50 nach Fürth i/O, wo wir 9.05 ankamen und sofort nach Lindenfels aufstiegen. Von 10 bis 11 Uhr ruhten wir auf der schattigem Burg. Abstieg und Aufstieg nach Knoden waren wegen der Hitze recht beschwerlich. Der lauschige Mittagsrastplatz entschädigte aber die 35 Teilnehmer für alles. In gemütlicher Abwärtswanderung erreichten wir in 2 ½ Stunden Bensheim und leisteten uns dort im Garten des „Deutschen Hauses“ noch ein paar gute Tropfen. 7.17 brachte uns die Bahn nach Mannheim zurück. Ankunft ¾ 9 Uhr. Den üblichen Jahresbesuch in Neuschloß machten wir am darauffolgenden Sonntag. Wir fuhren bis Santdorf und brauchten von da nur ½ Stunde bis zu Schwarzens Wohnung. Wie gewohnt wurden wir freundlichst aufgenommen und hervorragend bewirtet. Mittags gab’s Ochsenschwanzsuppe, Bohnengemüse, Gurkensalat, neue Kartoffeln und Beefsteaks, später Kaffee und Kuchen, dann Vanille-Eis und kurz darauf Wurstaufschnitt und Butterbrot und käse. Um ¾ ( fuhren wir von Lampertheim wieder nach Hause.

Nun begannen wir an unseren Vorbereitungen zum Ferienaufenthalt auf „Löwenstein“ zu denken.

Am 30.Juli morgens 5.38 fuhren wir hier ab und erreichten Baden-Baden 9.28. Das Wetter war sehr heiß und drückend, so dass wir unseren Aufenthalt nur auf ein paar Stunden beschränkten.

Etwas Neues für Frau und Kinder war die Thermalquelle in der „Trinkhalle“ und das prächtige „Konversationshaus“ nebst den umliegenden Anlagen. In die Lichtenthaler-Allee warfen wir einen Blick und schlenderten über die Leopoldsbrücke die Sofienstraße entlang bis zum „Kaiserin-Augusta“- und Friedrichs-Bad. Am Leopoldsplatz bestiegen wir hierauf die Elektrische nach Lichtenthal und begannen dort nach einem kräftigen Frühstück unsere Wanderung auf die Höhe. Gegen Mittag ruhten wir am lauschigen Geroldsauer Wasserfall und erreichten immer an Grobbach entlang, die ausgedehnten Himbeerfelder gründlich genießend, über Plättig und Sand, wo uns „Büchners“ aus Ludwigshafen freudig begrüßten, wohlbehalten unser „Standquartier“ für die nächsten 3 Wochen, das Friedrich-Hilda-Heim.

Verwalters entboten uns herzliches Willkommen und führten uns in das unserem wunsche gemäß extra frei gemachte Zimmer Nr. 33. Nun fehlte nur noch das Gepäck und wir waren „im Schuß“. Es kam am nächsten Morgen an. Nun begannen für uns selten glückliche Tage. Wir suchten alle die uns vom Vorjahre lieb gewordenen Stätten auf; die Hertahütte, Panoramaweg, Badener-höfe, Herrenwies, Herrenwiessee, Kirchweg, Ochsenkopf, Mehliskopf, Hundseck, Unterstmatt, Hornisgrinde, Mummelsee, Breitenbrunnen, Wiedenfelsen, Gertelbachfälle, Obertal, Thiergarten und Brockenfelsen usw. Der Ruhe und Erholung in der näheren Umgebung des Heimes widmeten wir einen großen Teil der Zeit, leisteten uns alles zu was wir Lust hatten und ergänzten damit im großen und ganzen gute Verpflegung. Gesellschaftlich herrschte im Heim nicht das Einvernehmen wie im vorigen Jahr, wir verlebten aber äußert gemütlich Stunden mit Wagner’s aus Ludwigshafen, Weimars aus Darmstadt und besonders Walters aus Feudenheim. Manches „Vertelchen“ ist im trauten Gastzimmer des Kurhauses „Auerhahn“ in Herrenwies „geschlotzt“ worden! Nichts trübte unser Wohlbehagen und nachdem Wort „dem Glücklichen schlägt keine Stunde“ flogen die schönen Tage nur zu schnell dahin. Eine von uns gern gesehene Verlängerung unseres Aufenthalts war wegen Überfüllung des Heims unmöglich. Und so mussten wir denn am Samstag, den 20. August wieder abziehen. Abends 9 Uhr fanden wir alles in Ordnung in unserem Heim vor. Verschiedenerlei Kuchen begrüßte uns auf dem Tisch und kurz darauf erschienen die Großeltern mit einem vorzüglichen Abendbrot. – Die Kosten betrugen:

Für Fahrt und Gepäck                       164,40

Ansichtskarten Porto                           52,60

Geschenke                                          50.-

21 Tage Pension und Trinkgeld      1573.-

Taschengeld                                     838.-

Zusammen                                      2678.-

Am Mittwoch den 24. August machten wir noch eine Wanderung in unseren lieben Odenwald. Von Weinheim aus bestiegen wir dir Windeck und gingen unterhalb der Wachenburg nach Buchklingen. Das bei Weber eingenommene Mittagessen verdient festgehalten zu werden. Die Kinder bekamen Milch, wir ff. Erbsensuppe, dann Rühreier mit Bratkartoffeln und Schwarzbrot, dazu ein Liter Apfelwein. Kosten Mk. 17,20. Nach längerer Ruhe wandten wir uns nach Löhrbach zum Besuch der Lehrerfamilie Schüßler.

Groß war die Freude und liebenswürdig die Bewirtung. Außer einem Rucksack voll Fallobst mussten wir noch Karotten und Salat mitnehmen. Erst um ½ 6 Uhr trennten wir uns und kehrten über Birkenau nach Weinheim und Mannheim zurück. Wieder war bewiesen, dass ein Ausflug allein zu den schönsten gehört.

An einer Wanderung des Odenwaldclubs beteiligten wir uns wieder einmal am 4. September. 6.05 brachte uns die Hauptbahn nach Schlierbach, wo der Fußmarsch begann: Münchel, Sitzbuche, Linde, Heiligkreuzsteinach wurden vor der eigentlichen Frühstücksrast berührt. Um 11 Uhr brachen wir in kleiner Gesellschaft auf, verliefen uns unter Naumers Führung „ein wenig“, erreichten aber doch um 1 Uhr im Regen den Lichtenklinger Hof. Abkochen und Rast unter dem Schutze dichter Kastanien uns an dem herrlichen Platz bis 3 Uhr fest. Wir entschlossen uns dann über Siedelsbrunn direkt nach Waldmichelbach zu gehen, und hatten recht daran getan, denn im „Deutschen Kaiser“ waren wir noch einige Stunden gut untergebracht. Dann gings in fürchterlicher Enge in Bahn und Elektrischer wieder heimwärts. Die Wanderung war nach unserer Auffassung für eine Sonntagserholung zu groß aber trotzdem nicht unschön.

Am 16. Oktober statteten wir der Familie Schüßler in Löhrbach wieder einen Besuch ab. Wir nahmen diesmal unseren Weg durchs Gorgheimertal direkt nach Buchklingen. Das Mittagessen bei Weber war entgegen dem letzten mal recht fragwürdig. Desto besser wurden wir bei Schüßlers bewirtet. Außer Kaffee und Kuchen, den wir allerdings selber mitgebracht hatten, gab’s „Äppelwein“, hausgemachten Aufschnitt und Handkäse und Butter. Vollbepackt kamen wir erst in der Dunkelheit nach Mannheim zurück.

Am 23. beteiligten wir uns an einem äußerst gemütlichen Tanzausflug des D.H.V. nach Käfertal-Pflug.

Unverhofft war uns am 30. Oktober, dem Tag der badischen Landtagswahl, ein ganz hervorragender Genuß beschieden. Familie Schwartz-Neuschloß luden zum Schlachtfest ein. 2 Schweine waren geschlachtet und das Wellfleisch duftete uns schon entgegen. Gleich darauf saßen wir beim Schlachtmahl! --- Um 3 Uhr gab’s Kaffee und Kuchen, abends Schweinebraten mit Sauerkraut und Kartoffelbrei. Mit der üblichen „Schlachtfestschüssel“ beladen, kehrten wir um ¾ 8 Uhr von Lampertheim nach Mannheim zurück. Es waren „genussreiche“ Stunden in jeder Beziehung.

Für den 6. November hatten wir eine Wanderung über Juhöhe nach Heppenheim geplant, wo wir uns mit Weimar’s aus Darmstadt treffen wollten. Da das Wetter aber recht ungünstig war, beschlossen wir am Samstag Abend Sonntag-Nachmittag mit der Bahn nach H. zu fahren, um das ausgemachte Zusammentreffen mit W. nicht zu versäumen. Wir tranken im „Halben Mond“ gemütlich Kaffee, warteten aber auf die Darmstädter vergeblich. Wir fuhren deshalb um 4.12. Uhr wieder nach Mannheim und beschlossen den Tag äußerst anregend in der „Liedertafel“.

Am folgenden Sonntag mussten wir infolge einer Einladung der Familie Schüßler in Löhrbach dorthin, um wenigstens einen Teil der für uns gekauften Äpfel zu holen. Der Heimweg war recht hübsch, auch der Aufenthalt dort, aber dann hieß es mit ½ Zentnerlast zurück. Doch auch das ist überstanden worden und wir landeten glücklich wieder in unserem heimischen Penaten.

Der nun mit Macht einsetzende Winter konnte uns zu einer Wanderung nicht mehr veranlassen.

Am Samstag, den 26.November war ein besonderer Feiertag, indem ich mit den Kindern Schlittschuhlaufen ging. Walter versuchte es das erste Mal mit recht gutem Erfolg.

Am Montag, den 28. November wurde ich zum Generaldirektor bestellt und mir wurde in herzlichen anerkennenden Worten eröffnet, dass ich zum Prokuristen der Mannheimer und Continentalen Versicherungs-Gesellschaft ernannt worden sei!!

Die Weihnachtsfeiertage, die uns allen viel Freude brachten, verlebte ich äußerst angenehm im Kreise meiner Lieben.

Damit kam der Schluß des Jahres. Eine Altjahresfeier vom D.H.V: fand schon am 28. Dezember statt und verlief unter meiner Leitung in gewohnter lustiger Weise.

 Am 31 Dezember erwarteten wir nach dem üblichen „Heringssalat mit warmen Würstchen“ bei Punsch und Konfekt den Anbruch des neuen Jahres. Möge es uns endlich einmal eine Beständigkeit der allgemeinen politischen Verhältnisse bringen.

 

"Kaufmannsheim" K.-H.  ab 1932 "Deutsches Haus"   D.H.

 

Zweites Tagebuch

Alfred Heerwagen, Mannheim

 

1922

Der im Vorjahr begonnene strenge Winter nahm auch im Januar seinen Fortgang und hielt uns vorerst von unseren Tageswanderungen ab.

Den Neujahr-Abend verbrachten wir in großer Gesellschaft bei "Wickenhäuser", der sich über den Besuch seiner alten Stammgäste sehr freute und wo es hoch her ging.

Eine Nachfeier im kleinen Kreise fand noch bis 1/2 3 Uhr bei Familie Scholl statt.

Am 14. Januar besuchten wir die übliche Winterveranstaltung des DHV im "Friedrichspark", fanden sie aber nicht so schön, wie in früheren Jahren.

Die nächsten Sonntage benutzten wir zu kleineren Nachmittagsspaziergängen (neu Neckarau-Ratsstübl) meistens mit Bachs und Hubers und mit Schlußschoppen in der Liedertafel, die alle in der üblichen gemütlichen Weise verliefen.

Für den 26. Februar hatten wir die erste Wanderung dieses Jahres vorgesehen. Wir mussten zum größten Bedauern von mir und den Meinen ob des herrlichen Wetters, aber ausfallen, da ich verpflichtet war, der großen Stegerwald-Versammlung im Nibelungensaal anzuwohnen, die einen glänzenden Verlauf nahm.

Am 12. März konnten wir endlich unsere erste Wanderung antreten. Die "Elektrische" brachte uns morgens nach Weinheim. Bei herrlichstem Frühlingswetter durchwanderten wir das Birkenauertal und wanderten dann der "Hohen Hecke" zu, wo Frühstücksrast war. Auf dem weiteren Weg über Kisselbusch bis zu dem Götzenstein konnten wir Wald- und Kätzchensträuße schneiden und kamen gegen 12 Uhr bei Schüßlers in Löhrbach an, wie üblich mit großer Freude empfangen. Wir bereiteten uns trotz Widerstands selbst unser Mittagessen und verlebten später bei "Äppelwein", Kaffee und Kuchen einen äußerst lustigen und gemütlichen Nachmittag. Erst 1/2 6 Uhr wurden wir losgelassen und von Herrn Schüßler noch halbwegs bis Buchklingen begleitet. In Weinheim erreichten wir gerade noch den 1/2 8 Zug zur Heimfahrt.

Zum nächsten Sonntag, einem gleichfalls herrlichen Tag packten wir abermals unsere Rucksäcke. Heidelberg und der südliche Odenwald war unser Ziel. Über "Sprunghöhe" und "Drei Eichen" und Gaiberg kamen wir um die Mittagszeit auf der Höhe zwischen Bammental und Waldhilsbach an und machten dort zum Abkochen längere Rast.

Kaffee und Nachmittagschoppen nahmen wir im "Gaul" in Waldhilsbach (Anmerkung um 2000: vornehmer seit etwa 1960 "Röss'l" genannt) ein. Dann ging's langsam wieder aufwärts über Michelsbrunnen bei Kohlhof und ab über Leopoldstein und Sprunghöhe nach Heidelberg-Bahnhof. Ankunft in Mannheim 7 Uhr in hoher Befriedigung.

Ganz unverhofft setzte am Montag ein eigenartiger Wettersturz ein, der erst Regen und Sturm dann einen 10 stündigen Schneefall mit folgender starker Kälte brachte. Am Sonntag Lätare mussten deshalb die üblichen Sonntagszüge ausfallen und auch wir blieben zu Hause.

Am 2. April schlossen sich uns Bachs nach Löhrbach an. Wir machten wieder den Weg über  Birkenau-Riffelbusch und trafen gegen 12 Uhr bei Schüßlers ein. Gemeinsam bereiteten wir uns dann das Mittagessen und nahmen es auch gemeinsam ein. Die Unterhaltung wurde immer lebhafter und erreichte um die Vesperzeit ihren Höhepunkt. Manche alten Witze und Schnurren sind ausgekramt worden! Um 1/2 6 Uhr wurden wir dann "entlassen" und saßen zum Schlußschoppen um 7 Uhr im Ratskeller in Weinheim. Um 8 Uhr ging's zurück.

Am Karfreitag fand sich die selbe Gesellschaft auf dem Weg nach Heidelberg. Wir wanderten über den Heiligenberg und Zollstock zum Weißen Stein, wo wir eine 3 stündige Mittagspause machten. Der Abstieg erfolgte nach Dossenheim und hatten im "Ochsen" die erhofften "Genüsse" jeglicher Art. Durch das neu erstanden Blütenmeer erreichten wir Handschuhsheim und mit der "Elektrischen" und Bahn Heidelberg und Mannheim.

Am Ostersonntag war Ruhetag, aber am nächsten Morgen zog's uns wieder in den Odenwald. Wir waren allein, fuhren nach Weinheim und begannen dort unsere Wanderung über Hirschkopf nach Juhöhe. An der Nothütte war für die Kinder noch einmal der Osterhase gekommen, was hellen Jubel hervorrief. Bei bedecktem Himmel wanderten wir gemütlich auf dem bekannten, markierten Weg unserem Ziel entgegen und kamen nach 11 Uhr dort an. Unter der Gesangsabteilung des Mannheimer Odenwaldclubs bekamen wir gerade im Nebenzimmer noch Platz und konnten uns an der Unterhaltung und einigen netten Liedern erfreuen. Zur Feier des Tages" hatten wir "Abkochen" nicht vorgesehen, sondern bestellten uns Mittagessen. Markklösschensuppe, Rindsbraten, Tunke und Nudeln für 20 Mark. Nach Kaffee und Kuchen traten wir um 1/2 3 Uhr den Rückweg an und waren über Niederliebersbach und Birkenau zum 6 Uhr-Zug in Weinheim. Wir waren alle hochbefriedigt über den gemütlichen und genussreichen Tag!

Zu Hause angekommen setzte Regen ein, der auch am Ostermontag anhielt. An diesem Tage fasste ich einen bedeutungsvollen Entschluss: Ich legte aus geschäftlichen Rücksichten meine Ämter im DHV nieder.

Am 23. April waren wir mit Bachs nur in Neckarau im "Ratsstübl"

Am nächsten Sonntag hatten wir Schüßlers in Löhrbach wieder einen Besuch versprochen. Bei strömendem Regen verließen wir unser Haus und wurden noch bis Birkenau gründlich eingenässt. Dort hellte es sich nach dem Frühstück auf., sogar die Sonne kam vorübergehend heraus, aber es blieb kühl und unfreundlich. Um 11 Uhr erreichten wir, trotzdem in guter Stimmung, unser Ziel. Man hatte uns nicht erwartet, freute sich aber nun umsomehr. Der Tag verlief in der üblichen gemütlichen Weise und erst 1/2 6 Uhr traten wir, bepackt mit allerhand schönen Sachen (!) den Heimweg an.

Am 4. u. 5. Mai machte uns Frau Schüßler einen Gegenbesuch: abends waren wir im "Karl Theodor".

Ein kleiner Spaziergang am Sonntag, den 7. Mai über Waldhof nach Käfertal endete mit einem langen gemütlichen Aufenthalt im "Pflug" bei den neuen Wirtsleuten. Wir kamen erst um 10 Uhr nach Hause.

Am 14. Mai ging's wieder in den Odenwald. Auf dem Weg nach Oberflockenbach trafen wir Familie Sengewaldt mit der wir den ganzen Tag nicht unangenehm verlebten. Auf der Höhe gegenüber dem Eichelberg verharrten wir stundenlang und kehrten zeitig über Ritschweier nach Weinheim und Mannheim zurück.

Am Donnerstag, den 18. beschloss der Kaufmännische Verein Mannheim seinen Anschluss an den DHV.

Den nächsten Sonntag verbrachten wir mir Bachs wieder in Löhrbach. Es waren bei dem herrlichen Wetter recht genüssliche Stunden. Schlussschoppen in der "Pfalz" in Weinheim, Ankunft in M. gegen 10.

Am Himmelfahrtstag, der außergewöhnlich heiß war, waren wir gegen Abend mit Hubers im Ballhausgarten.

Die schon länger geplante Wanderung auf den Katzenbuckel ging am 28.Mai mit Sandritters vonstatten. Um 7 Uhr waren wir bereits in Eberbach und gegen 8 Uhr frühstückten wir auf der "Burghalde" Von da ging's auf herrlichen Waldwegen aufwärts zur Freyaquelle und kurz darauf zum Gipfel des Katzenbuckel , den wir um 1/2 11 Uhr erreichten. Wir blieben hier bei Essen, Trinken, Rufen und Unterhalten bis 1/2 3 Uhr und wanderten nur ungern uns trennend auf demselben Weg nach Eberbach zurück. Der Sonntagszug 5.30 Uhr brachte uns wieder nach Mannheim zurück. Nach einstimmigem Urteil war es ein äußerst lohnender und prächtiger Tag gewesen.

Pfingsten, das dieses Jahr auf den 3. u. 4. Juni fiel, sah mich wieder einmal mit den Meinen in Stenographen-Kreisen. Der badische Stenographenbund hielt in Mannheim seinen Bundestag, zu dem ich als 25 jähriges Mitglied vom Mannheimer Verein persönlich eingeladen wurde. Wir hatten es nicht zu bereuen, dass wir uns an allen Veranstaltungen beteiligten. Samstags war Begrüßungsabend im Friedrichspark, Sonntag-Mittags Festakt im Rosengarten, abends Festbankett im Turnvereinsheim. Infolge der gediegenen Vorbereitungen gestaltete sich dieser Abend zu einem wahren Genuss. 8 Mitglieder, darunter auch ich, erhielten für 25 jährige Mitgliedschaft ein schönes Diplom, das jetzt den Platz über meinem Schreibtisch ziert. Am Montag in den selben Räumen Preisverteilung, Musik und Tanz.

Am 11. Juni unternahmen wir mit Sandritters eine Wanderung zum Feldberg.

Das Wetter war schon morgens unfreundlich und verdichtete sich in den Bergen von Bensheim nur zu Nebel und Rieselwetter. Trotzdem führten wir unseren Plan aus, besichtigten das Felsenmeer und wurden auf dem Rückweg durch schönes richtiges Wetter für die Unbilden des Vormittags belohnt. Im eleganten "Deutschen Haus" in Bensheim schmeckten uns ein Tropfen alten Rebensaftes und Eis hervorragend und um 7 Uhr waren wir wieder, abermals hochbefriedigt, in Mannheim.

Auf dem Fronleichnamstag hielt es uns nicht in Mannheim. Mit Bachs fuhren wir nach Heidelberg und wanderten über Sprunghöhe nach drei Eichen. Hier schloss sich uns die Familien Rind aus Mannheim an und wir wanderten nun einem gemütlichen Lagerplatz zu, den wir auf der Höhe nach Gaiberg fanden. 4stündige Rast stärkte und erholte uns zum Abstieg über Kohlhof-Königsstuhl nach Heidelberg, wo wir im "Perkeo" noch einen äußerst gemütlichen Schlussschoppen hielten. Wie üblich, mit Bachs, wurde es aber wieder reichlich spät zur Heimfahrt.

Für den 18. hatten wir schon lange die Einladung Schüßlers zur "Kerwe" in Löhrbach. "In Gala" langten wir mit Bachs nach 1 Uhr dort an. Schon um drei Uhr waren wir auf dem Tanzboden und vergnügten uns dort einige Stunden recht köstlich. Abends boten uns Schüßlers das Letzte aus Küche und Keller und ließen uns erst gegen 8 Uhr fort. Eine richtige Stimmung ist aber den ganzen Tag nicht aufgekommen.

Am Sonntag, den 24. Juni kam unvermutet Herr Schüßler zu uns und brachte uns Kirschen. Er blieb bis Sonntag früh und nahm uns dann wieder mit nach Löhrbach. Wir trafen seine Frau nicht in bester Gesundheit an, hatten aber trotzdem einen äußerst gemütlichen und ruhigen Sonntag.

Am 16. Juli machten wir unseren üblichen Jahresbesuch in Neuschloss. Die Familie Schwarz hatte wieder alles aufgeboten, um uns den Aufenthalt so angenehm als nur irgend möglich zu gestalten...

Wir fuhren erst mit dem 8 Uhr-Zug von Lampertheim zurück.

Der 23. Juli fand uns das letzte Mal vor dem Urlaub wieder in Löhrbach bei Schüßlers. Wir hatten den Hinweg über den Kisselbusch genommen und auf dem Weg links in dem Eichengehölz unzählige Pfifferlinge gefunden.

Einen Gegenbesuch macht uns Herr Schüßler am nächsten Samstag und Sonntag, den wir zu ausgedehnten Spaziergängen in Mannheim benutzten. Dann kamen die Vorbereitungen zu unserer Urlaubsreise.

Auf Empfehlung von Frau Gottmann hatten wir Enzhof bei Calmbach-Wildbad gewählt. Angeschlossen hatten sich später Bachs. Wir fuhren am Sonntag, den 5. Aug. mit dem beschleunigten Personenzug 8.20 Uhr hier ab und hatten über Karlsruhe eine äußerst gemütliche Fahrt. Bachs waren 1 Stunde früher über Mühlacker gefahren. In Pforzheim trafen wir zusammen und fuhren in gehobener Stimmung von da aus nach Calmbach. Dort erwartete uns am Bahnhof das Fuhrwerk unseres neuen Aufenthaltsortes. Im Trab ging's durch das malerische gelegene Calmbach, an der Landstraße nach Calw vorbei, südlich in das nunmehr langsam ansteigende herrliche Schwarzwaldtal der kleinen Enz. Zwischen grünbewaldeten Höhen und saftigen Wiesen zu beiden Seiten der Enz schlängelte sich der Weg aufwärts und nach ungefähr einer Stunde erblickten wir nach einer Wegkrümmung das prächtig daliegende Gehöft, den Klein-Enzhof, der für die nächsten 4 Wochen unsere Unterkunftsstätte sein sollte. Kurz darauf hielten wir vor der gastlichen Tür, freundlich begrüßt von der Wirtin, Frau Harter, die Bachs in das alte Gasthaus, und uns in den vorigen Jahr entstandenen Neubau verwies.. Das gab augenblicklich für uns eine kleine Enttäuschung, es stellte sich aber bald heraus, dass wir den besseren Teil erwählt hatten, denn im Neubau war auch die Einrichtung neu und wir bekamen für uns ein zweifenstriges Zimmer mit zwei Betten nach der Ostseite und über den Gang ebenfalls ein solches für die Kinder.

Das unsrige war in Biedermeier und weiß gehalten, sodaß wir uns wie ein Hochzeitspärchen fühlten. Es mag hier gleich gesagt sein, dass das "nachteilige Folgen" nicht mit sich brachte. Vorhanden war ferner elektrisches Licht, Wasserleitung und ein Bad. Nach diesen "zweiten" günstigeren Eindrücken gingen wir auf der geräumigen offenen Veranda zu Tisch, dessen Gebotenes hier festgehalten sei: Einlaufsuppe, Kalbskotelette mit Bratkartoffeln und grünem Salat, Omelette an confiture. - Nach genügender Ruhe fanden wir bei Besichtigung der weiteren Umgebung, dass wir ein idyllisches Plätzchen getroffen hatten, nach einer Grußkarte des Herrn G. v. Haltermann, "so ruft geeignet, den Frieden zu finden und "die erschütternden Ereignis in der Welt "zu vergessen! ---

Abends kam unser Gepäck und damit war alles "im Schuß".

Wir schliefen prächtig und nahmen, wie fast immer morgens, am nächsten Tag, den ersten Sonntag, den Kaffee auf der Veranda ein. Es gab Kaffee, reichlich Milch, Butter, Honig, Weißbrötchen und Schwarzbrot..

Unser erster Spaziergang führte uns dann die Enz aufwärts, wo das Tal immer romantischer wurde. Wir beobachteten an einer versteckten Stelle der Enz eine Familie beim Baden, und beschlossen, es diesen am Montag nachzutun. Das Sonntagsessen war ganz vorzüglich, wie das erste: klare Suppe mit Schaumklösschen, Kalbsnierenbraten mit Blumenkohl und Kartoffeln, Windbeutel. Nachmittags trieb uns die Neugierde nach Wildbad, das wir über die Meisternebene  (Riesenstein) in einer Stunde erreichten. Es herrschte dort ungeheuerer Trubel, der Gesamteindruck war aber ein äußerst günstiger. Wir versuchten das Wasser, besichtigten kurz die Enzanlagen und gingen dann zum Kaffee, wo wir uns etwas an die Wildbader Kreise gewöhnen konnten. Ich bezahlte für 4 Portionen 125 Mark, der Rückweg ist im Aufstieg ziemlich beschwerlich, es gelang uns aber unzweifelhaft und um 8 Uhr saßen wir wieder in "unserem" Enzhof beim Abendbrot. Aufschnitt mit Bratkartoffeln u. Salat, Milch u. Tee mundeten uns vorzüglich.

So begannen die Tage schön und Erholung folgend dahinzufließen, und brachten oft Abwechslung und Neues. Die regelmäßigen Enzbäder seien besonders hervorgehoben. Wir besuchten die Höhen nach Würzbach und Naislach, den Riesenstein nebst Felsen, die Zuflucht enzaufwärts, Calmbach, sammelten Himbeeren, Heidelbeeren, Erdbeeren, Preißelbeeren und Brombeeren, die überall in ungeheuren Massen gediehen, und ruhten und tummelten uns in den herrlichen Wäldern. Ein schöner Garten und die saftigen Wiesen beim Gasthaus luden uns oft zum Verweilen ein, aber auch große Wanderungen ließen uns die herrliche Gegend genießen.

Eine solche Wanderung machten wir am 18.August ostwärts ins Nagoldtal. Über Sprengplatz und Emberg erreichten wir Bad-Teinach in 2 1/2 Stunden. Es liegt herrlich im Teinachtal und ist weltberühmt ob seiner Mineralquellen. Wir versuchten die verschiedenen Quellen, Bachquelle, Lindenquelle und die bekannteste, die Hirschquelle und fanden sie ausgezeichnet. Bei der weiteren Besichtigung hatten wir noch Gelegenheit, die äußerst interessante Tätigkeit in einer Teppichweberei zu beobachten und wandten uns dann bergaufwärts, der kleinsten Stadt Württembergs, Zavelstein zu. Es ist von einer Burg gekrönt, von der man eine schöne Aussicht in das liebliche Teinachtal geniest. Außer seiner Geschichte bietet Zavelstein nichts besonderes. Wir verweilten deshalb auch nur kurze Zeit und gingen anfangs auf der Straße, später auf schönen Waldwegen am Schaffot und den Georgenhöhe vorbei nach Calw. Unterwegs hatten wir schön Ausblick in das Nagoldtal, mit Calw und Hirsau und standen kurz darauf auf dem malerischen Calwer-Marktplatz. Da lud uns die Weinstube von Glück zur Einkehr ein und bei gutem Trunk und dem Rucksackinhalt ließen wir all die schönen Erlebnisse des Tages nochmals an uns vorüberziehen. Mangels anderer günstiger Fahrgelegenheit mussten wir leider schon um 2 Uhr scheiden und erreichten über Brötzingen und Calmbach gegen 7 Uhr den Enzhof wieder.

Eine zweite größere Wanderung machte ich mit Herrn Knoll aus Ludwigshafen nach Schömberg. Wir brauchten über Calmbach 2 1/2 Stunden zum Aufstieg, besichtigten die großen Heilanstalten, kehrten in der "Linde" ein und wanderten in einer guten Stunde über Langenbrand nach Höfen, von wo uns die Bahn nach Calmbach brachte, sodaß wir um 1 1/4 Uhr mittags wieder im Enzhof eintrafen. Es war ein schönes unterhaltsames Unternehmen gewesen.

Nach den vielen Genüssen neigte sich die schöne Zeit allmählich ihrem Ende entgegen und so fanden wir uns auch damit wieder ab, wieder heim fahren zu müssen. Wir hatten die Familie Harter mit ihren 5 Kindern als nette Leute kennen gelernt, und das gefunden, was wir gesucht hatten, gute und reichliche Verpflegung, saubere Unterkunft und eine herrliche Gegend. Am 2. September morgens um 7 Uhr schlug die Abschiedsstunde und noch lange hörten wir im Tal die "Juhu-Rufe" der zurückgebliebenen.

Die Ausgaben betrugen:

Für Fahrt und Gepäck           MK.     394

Familien-Pension                              13254.-

Kleinsachen u. Trinkgelder                3799

Zusammen MK 17447.-

Während der Rückfahrt hatte schon in Pforzheim Regen eingesetzt und als wir nach Mannheim kamen, regnete es in Strömen, so , wie wir es während der 4 Wochen in Enzhof nie erlebt hatten.

Wir fanden aber alles in Ordnung vor und so begann wieder das alltägliche Walten und Wirken.

Am 10. September besuchten wir Schüßlers in Löhrbach und erstatteten ihnen über unsere Erlebnisse Bericht. Zu unseren Ehren hatte sogar mittags ein Hahn daran glauben müssen. Da "Bruder Anton" für einen guten rheinhessischen Rebensaft gesorgt hatte, verlief der Tag in jeder Beziehung genussreich. Das Wetter ließ aber noch viel zu wünschen übrig.

Am 17. und 24. September war Herr Schüßler bei uns zu Besuch.

Eine schöne Herbstwanderung machten wir am 1. Oktober mit Sandritters. Wir fuhren 9.24 nach Heppenheim, gingen an der Starkenburg vorbei nach Norden zu und machten auf der Höhe vor Oberhambach Mittagsrast. Durch eine reiche Obstgegend erreichten wir Zell und kehrten im Deutschen Haus in Bensheim zum Vesper ein. Dort war der "Alsheimer" so gut, dass wir den 5 Uhr-Zug versäumten und erst um 9 Uhr nach Mannheim kamen. Wir hatten einen herrlichen Tag erlebt.

Die Jubelfeier der Ortsgruppe Mannheim des DHV im Nibelungensaal, die großartig verlief, hielt uns am folgenden Sonntag den 8. Oktober von einer Wanderung ab. Wir machten, wie auch am nächsten Sonntag nur einen Stadtspaziergang mit Einkehr in der "Morgenröte".

Zwecks Besichtigung von Schüßlers neuem Heim in Kocherbach unternahmen wir am 22. Oktober von Mörlenbach aus eine Wanderung dahin. Das Wetter war klar bei scharfem Ostwind. Wir wandten uns nach Zotzenbach, von der auf herrlichem Waldweg nach der 571 m hohen Tromm und kamen dann 1/2 Stunde südöstlich nach dem bis jetzt unbekannten Kocherbach. Schon der erste Eindruck auf uns war recht günstig, der sich noch bestärkte beim Betreten des properen Schulhauses. Sie haben unserer Ansicht nach einen sehr guten Tausch gemacht. Sie haben viel mehr Raum wie in Löhrbach und sind ganz für sich. Es gefiel uns bei gutem Essen und Trinken wieder prächtig dort. Die Nachmittagsplauderstunden waren recht gemütlich, und wir machten die Bekanntschaft von Schüßlers Schwester und Schwager, einer Familie Bachmayer, aus Mainz. Erst kurz vor 6 Uhr brachen wir auf zur nächsten Bahnstation Affolterbach. Nach 2 1/2 Stunden Fahrt kamen wir wohlbehalten wieder in Mannheim an.

Am 26. November waren wir wieder in Kocherbach, diesmal ganz per Bahn. Es war ein sonniger Wintertag, der die Kinder und mich aber nicht abhielt, Herrn Schüßler nachmittags auf die Jagd zu begleiten. Wir unterstützten die Treiber und konnten das für uns ungewöhnliche Schauspiel des Erlegens von einem Hasen und eines Rehbocks erleben. Letzteren schoß Herr Schüßler. Unangenehm wie die Hinfahrt, war auch die Rückfahrt.

Das übliche jährliche Schlachtfest in Neuschloß fand am nächsten Sonntag trotz der Ungunst der Zeit statt. Die Sau wog netto 267 Pfund. Wir haben uns wieder einmal ordentlich gelabt. Auch der unterhaltende Teil nur diesmal sehr lebhaft. Anstatt, wie ursprünglich geplant, um 4 Uhr, kamen wir erst um 7 Uhr fort, waren um 8 Uhr in Waldhof und von dort zu Fuß um 9 Uhr zu Hause. Dann ruhten wir zwei Sonntage aus, und das Weihnachtsfest war da. Da der Schnee und Eis fehlten, kam keine richtige Weihnachtsstimmung auf. Unser Ausflug nach Heidelberg am zweiten Feiertag mit Bachs musste sogar im Regen vor sich gehen. Wir kamen nur bis Handschuhsheim, hatten aber bei "Bachlenz" einige vergnügte Stunden.

Regnerisches Wetter war auch noch am Altjahrestag und so schloß das schlimme Jahr 1922 auch äußerlich recht trübe. Leider sind die aussichten für das kommende auch nicht rosig. Hoffen und harren wir.

 

1923

Das deutsche Volk und Vaterland nähert sich mit Riesenschritten dem Abgrunde, in dem es zu versinken droht. Der widerrechtliche Einbruch der Belgier und Franzosen ins Ruhrgebiet bringt die deutsche Wirtschaft zum Erlahmen. Der nun alle Schichten des Volkes entstandene, organisierte Widerstand gegen die Willkür der Eindringlinge ist das einzig Erbauende in diesen dunklen Schicksalstagen. Zu Lust und Frohsinn fehlt die Stimmung, was unternommen wird, dient der Erhaltung der physischen Kräfte, und in diesem Gesichtskreis stehen auch unsere Unternehmungen.

Der Januar hatte nasses, unfreundliches Wetter und ließ keine Wanderung zu. Das Winterfest des DHV fand in Form eines Balles statt, der uns auf einige Stunden den Ernst der Zeit vergessen ließ.

Auch im Februar konnten wir nichts unternehmen.

Am 3. März wurden die Mannheimer Hafenanlagen in die französische Zolllinie einbegriffen. Die Hildaschule erhielt französische Besatzung! Am nächsten Tag, dem Konfirmationsfest von Hans Bach, zu dem wir Einladung erhalten hatten, mussten wir auf dem Kirchgang an dem französischen Posten vorbei! --- Die Feier verlief sehr erhebend und das anschließende Fest bei Bachs war wohl kaum zu übertreffen. Erst um 1 Uhr machten wir Schluss. Anwesend waren 29 Personen.

Nun war die Anfangswanderung für 1923 fällig. Wir unternahmen sie am 18.3. von Weinheim aus über Geiersberg nach Oberflockenbach zu. In der Höhe von Rippenweier machten wir in herrlicher Sonne 3 Stunden Mittagsrast. Über Ritschweier kehrten wir nach Weinheim und von dort 6.05 nach Mannheim zurück.

Am nächsten Sonntag schloss sich unser Freund Sandritter an. Bei herrlichem Wetter wanderten wir dann "roten Strich" entlang nach Juhöhe, nahmen dort unser Mittagessen ein und erreichten über Niederliebersbach wieder Weinheim. Zur Einkehr kamen wir mit der "Elektrischen" vor 7 Uhr in Mannheim an, voll befriedigt über den genussreichen Tag.

Am Karfreitag war Ruhe in Mannheim. Wir waren nachmittags mit Hubers im Luisenpark, nachher in der "Morgenröte"

Am nächsten Morgen mussten wir erfahren, dass die Franzosen die Besatzung in Mannheim ausgedehnt hatten: auf das alte Lanzwerk in der Waldhofstraße und den Neckarbahnhof!

Das herrliche Wetter hielt auch am zweiten Ostertag an. Am ersten nachmittags besuchten wir mit Hubers das Waldparkrestaurant, wo uns das Gebotene, wie immer, wieder enttäuschte. Den Ostermontag benutzten wir zu einem Spaziergang am Neckar entlang bis zur Feudenheimer Fähre und wandten uns dann ins Dorf.

Im "Adler" waren wir recht gut aufgehoben und bekamen bei guter Speise und Trank fast ein "bisschen Stimmung" So beschlossen wir die Feiertage solide und zufrieden.

Am nächsten Sonntag, den 8.April, machten wir allein wieder eine kleine Wanderung von Weinheim aus, wohin wir mit der Elektrischen um 8.15 Uhr gefahren waren. Ein schneidender Ostwind ließ allerdings ein "Lagern" nicht zu und so kamen wir auf dem bekannten Buchklinger Weg nur bis Buchklingen, wo wir bei "Weber" längere Mittagsrast machten. Zurück gingen wir auf dem selben Weg bei prächtigem Sonnenschein aber immer noch kalter Brise und erreichten Weinheim um 1/2 5 Uhr. Um eine Einkehr zu vermeiden, benutzten wir die 5 Uhr Elektrische schon zur Heimfahrt und waren doch recht befriedigt, um 6 Uhr wieder in unserem Heim. Etwas außergewöhnliches muß noch festgehalten werden : Wir lagen alle um 8 Uhr im Bett!

Infolge zweifelhaften Wetters kamen wir erst am 2.April wieder zu einer Wanderung. Zusammen mit Bachs fuhren wir morgens 6.50 Uhr bis Mörlenbach und wanderten von da über Zotzenbach und auf herrlichen Waldwegen bis zur Tromm. Dort blieben Bachs zurück und wir stiegen zu einem Besuch der Familie Schüßler nach Kocherbach ab. Diese hatten das Mittagessen schon bereitet, sodaß wir uns nur an den Tisch zu setzen brauchten. Zum Kaffee erschienen auch Bachs wieder und bei gemütlicher Unterhaltung, Apfelwein und Maibowle gingen die Stunden schnell dahin. Um 1/2 7 Uhr bestiegen wir in Affolterbach den Zug zur Rückfahrt, waren um 1/2 9 Uhr in Mannheim und 1/4 Stunde bei "Wickenhäuser" zum Schlußschoppen. Der Tag war vom Wetter sehr begünstigt gewesen, aber etwas zu lang, was mit den Kindern auch wir spürten.

Nach einigen heißen Tagen im Anfang brachte der Mai leider kühles, verregnetes Wetter, sodaß uns bis einschließlich Pfingsten zu einer Wanderung oder größeren Unternehmungen nicht entschließen konnten. Zudem lastete auf dem Gemüt schwer die Art der Grundhaltung einer verschärften Besatzung halb Mannheims durch die Franzosen. So wurde am Freitag morgens, den 18. Mai, an der Friedrichsbrücke ein Polizeiwachtmeister von ihnen erschossen und in der darauffolgenden Nacht abermals eine größere Schießerei veranstaltet, es fielen 120 - 150 Schüsse, die zwei schwere und einige leichtere Verwundungen harmloser Passanten zur Folge hatte. Daher verging besonders uns die Lust gründlich, an den Posten vorbeizugehen. Wir waren deshalb an allen Pfingsttagen auch nur in Käfertal, hatten aber dort im "Pflug" unverhofft einige recht gemütliche Stunden mit der Familie Schollmayer.

Am 27. Mai veranlasste uns unvorbereitet das schöne Wetter zu einer Fahrt nach Heidelberg, von wo wir über "Drei Eichen" und Gaiberg nach Bammental wanderten. Der uns teilweise unbekannte Weg war herrlich und eine gute Unterkunft im Gasthaus "Zum Elsenztal", wo wir zu Mittag speisten, befriedigte uns sehr. Auf einem anderen Weg erreichten wir Heidelberg wieder und waren um 1/2 7 Uhr in Mannheim.

Wegen Unpässlichkeiten in der Familie mussten am Fronleichnamstag zum nächsten Sonntag die Wanderungen ausfallen. Aber am 10. Juni "gondelten" wir 6.50 Uhr gen Auerbach. Um 1/2 11 waren wir auf dem Melibokus, ruhten dort bis 1/2 1 und nahmen den Abstieg nach Hochstätten zu. Um 3 Uhr saßen wir beim Kaffee im "Deutschen Haus" in Bensheim, genehmigten auch Eis und ff. Wein und fuhren 1/2 6 Uhr nach Mannheim zurück; der Tag brachte uns rechte Erholung! -

Am 24. Juni folgten wir einer Einladung Bachs nach Heidelberg. Es war morgens trüb und schwül und wir wanderten gemütlich bergaufwärts durch die reifenden Obstgärten dem hohen Nistler zu. Am Höllenbachbrunnen kam die Sonne heraus, die uns dann den ganzen weiteren Tag durch ihre Strahlen erfreute. Wir rasteten deshalb für 4 Stunden und stiegen dann nach Dossenheim ab. Im "Ochsen" wurde es recht "feuchtfröhlich" und "weingewohnt" konnten wir erst recht spät von Heidelberg zurückfahren.

Am 21. und 27 Juni leitete ich im DHV mal wieder zwei Herrenabende, die fast in Weltkriegsstimmung verliefen.

Eine nicht alltägliche Wanderung machten wir am 8. Juli allein von Neckarhausen aus. Im kühlen Finsterbachtal aufwärts erreichten wir unseren idyllischen Frühstücksplatz am Haager Weg. Dann hatten wir allerdings über Haag bis Schönbrunn nur Sonne, so uns deswegen der Frühschoppen im Engel besonders gut mundete. An der "Hirschhorner Steige" machten wir später 2stündige Waldrast und erreichten bequem Hirschhorn um 1/2 4 Uhr. Im "Naturschiff" fühlten wir uns bei Kaffee, Vesper und Schlußschoppen recht wohl und kamen mit dem 5.40 Uhr-Zug gegen 7 Uhr wohlbehalten und hochbefriedigt in Mannheim an.

Am nächsten Sonntag waren wir mit Bachs in Heidelberg Posselslust, Königstuhl, Felsenmeer, Wolfsbrunnen, Schlierbach mit Bad im Neckar, dem ein längeres Gelage im "Seppl" folgte. Während dem ging ein ziemliches Unwetter nieder. Erst um 10 Uhr waren wir deshalb wieder in unserem Heim. Der Tag verdient aber als 1a bezeichnet zu werden.

Unseren üblichen Jahresbesuch in Neuschloss machten wir am 22. Juli. Das schöne Wetter veranlasste uns hin und zurück zu Fuß zu gehen. Wir wurden wie gewohnt freundlichst aufgenommen und hervorragend bewirtet. Zum Mittagessen gab es u.a. einen feisten Hahn, dann wurde Eis gereicht und der Kaffeetisch trug fünferlei Kuchen. Mit Gemüse und einem Sack "Gockeln" beladen langten wir immerhin ziemlich ermüdet um 1/2 9 Uhr in Mannheim an.

Am 29., dem letzten Tag vor dem Urlaub waren wir auf dem Friedhof.

Und dann ging's am Sonntag, den 4. August morgens 8.30 Uhr nach dem Enzhof. Herrlicher Sonnenschein lag auf dem uns wohlbekannten herrlichen Fleckchen so da, als wir es auf dem bekannten Waldweg nachmittags um 2 1/2 Uhr erreicht hatten. Unsere Zimmer vom Vorjahr wurden abends frei und so war auf die Hauptvorbedingung für eine gute Erholung erfüllt. Die Verpflegung war wieder recht befriedigend. Wir suchten in den nächsten Wochen alle die uns lieb gewordenen Plätze auf, sammelten viel Himbeeren, die wir mittels eines hin- und herreisenden Eimers verschiedene Male nach Hause schickten, wo sie von der Großmutter zu Gelee verarbeitet wurden. Die Kinder badeten oft in der Enz, während ich davon ablassen musste, da ich mich gleich das erste Mal stark erkältete und deshalb mehrere Tage unter Darmbeschwerden zu leiden hatte. Ab und zu waren wir auch in Wildbad, wo aber die Teuerung einen ganz besonderen Grad erreicht hatte. Nach und nach machte sie sich auch auf dem Enzhof unangenehm bemerkbar. Während sich anfangs die Pension auf Mk. 250.000 stellte, kamen wir in der dritten Woche schon auf 900.000 Mark und sollten von der vierten ab 2.000.000 Mark bezahlen. Das erschien mir zu hoch und so reisten wir unverhofft am 24. August wieder heim. Wir hatten uns ja schon gut erholt, hätten aber die letzte Woche gar zu gerne noch dazugenommen. Die Preise, an die wir uns dann in Mannheim gewöhnen mussten, hätten es allerdings noch gut zugelassen.

Bei gutem kräftigem Essen hat jedoch auch die Nachkur zu Hause ihr Nötiges getan und frischgestärkt konnte ich meine Tätigkeit im Geschäft wieder aufnehmen.

Am Sonntag, den 26. machten wir mit Bachs einen Stadtbummel nebst Dämmerschoppen bei "Ball" wo wir die gegenseitigen Erlebnisse in gemütlicher Unterhaltung austauschten.

In den nächsten Wochen und Monaten versank unser Vaterland immer tiefer in dem Währungsabgrund, und wir konnten uns nicht entschließen, noch irgend welche Ausflüge zu machen. Mit Schuld daran waren aber auch meine wiederholten Unpässlichkeiten, die am 24. November zur Entladung kamen.. Das was ich schon immer angenommen hatte, wurde zur Wirklichkeit, ich war an Blinddarmentzündung erkrankt. Am Montag, den 26. November musste ich mit dem Sanitätsauto in das Diakonissenhaus transportiert werden und noch am selben Abend operiert werden. Da schon Abszesse vorhanden gewesen waren, gestaltete sich die Heilung recht langwierig und erst am 22. Dezember konnte ich zu meinen Lieben zurückkehren. Die vollständige Genesung wird aber wohl verschiedene Wochen in Anspruch nehmen. Besonders wohlgetan hat mir die Teilnahme, die mir während meines Aufenthaltes im Diakonissenhaus von allen Seiten entgegengebracht wurde. Meine Paula und meine Kinder opferten sich fast auf und waren glücklich, mich an Weihnachten wieder zu Hause zu haben. In zufriedener, glücklicher Stimmung feierten wir den heiligen Abend und nahmen am ersten und zweiten Feiertag eine Reihe lieber Besuche entgegen. Und nun geht's mit frohen Hoffnungen dem neuen Jahr entgegen, das hoffentlich recht bald meine völlige Wiederherstellung bringen wird.

 

1924

Am 7. Januar wagte ich die Wiederaufnahme meiner geschäftlichen Tätigkeit.

Es ging besser, als ich geglaubt hatte, wenn ziemliche Schonung auch noch einige Monate notwendig sein wird.

Die allgemeinen Verhältnisse haben durch die Stabilisierung der Mark und das Erscheinen der Rentenmark einige Beruhigung erfahren. Die im Gange befindlichen Verhandlungen müssen aber erst den eigentlichen Frieden bringen. Da England und Amerika das selbe Interesse daran haben, scheinen sie sich aktiv um die europäischen Verhältnisse bekümmern zu wollen.

Ohne allzu optimistisch zu sein, betrachte ich die Lage für nicht so hoffnungslos, als sie sich der verflossene Reichskanzler Stresemann darstellte. Es ist alles zu stützen, was Vertrauen schafft. Und wenn es selbst Irrtum wäre, nur vermöchte das jetzige Dasein ohne ein bisschen Lebenslüge zu ertragen.

Der Winter hält uns fest auch in Süddeutschland hartnäckig umklammert, der Januar war der vierte Kältemonat. Ich warte mit Sehnsucht auf den Frühling, um, wenn auch zunächst in bescheidenem Umfang, meine Wanderungen wieder aufnehmen zu können. Im August letzten Jahres hatte ich zum letzten Mal meinen Sportanzug an.

Am 6. April war das Wetter so, dass wir uns zu einer ersten, wenn auch nur Nachmittagsfahrt in den Odenwald entschlossen. Bachs waren mit von der Partie. Gegen 2 Uhr waren wir in Heidelberg und auf dem Weg über den Bismarckturm nach dem Zollstock. Es ging ganz gut, wenn auch die Ermüdung auf der Höhe noch recht bedeutend war. Nach längerem Ausruhen kehrten wir die Hirschgasse nach Heidelberg zurück und nahmen im "Perkeo" bei gutem "Münchener" unsere Abendbrot ein. Der 8 Uhr-Zug brachte uns wieder nach Mannheim. Ostern konnte uns nicht zu einem Ausflug reizen. Am Karfreitag gingen wir morgens schon um 10 Uhr in den Luisenpark und später in die "Badenia" Zum Essen, das uns sehr befriedigte. Nach dem unternahmen wir noch einen kleinen Spaziergang im Schlossgarten und waren frühzeitig und hochbefriedigt zu Hause. Am ersten Feiertag machten wir es geradeso, trafen mittags noch Setzlers und kehrten zum Dämmerschoppen in der "Landkutsche" ein.

Am Ostersonntag war Konfirmation in Neuschloß. Bei strömendem Regen vollzog sich der Kirchgang und die weltliche Feier bot nichts besonderes für uns. Wir waren um 1/2 7 Uhr wieder in Mannheim.

Am 4. Mai verlebten wir einen recht gemütlichen Nachmittag im "Hirsch" in Käfertal. Bachs und Hubers waren auch dabei.

Und nun kam am 10. u. 11. Mai eine Zwei-Tage-Tour nach Kocherbach. Das Wetter war herrlich und wir haben uns wieder in der gesunden Luft ordentlich erholt. Das Schlafen klappte noch nicht ganz, dafür war aber der "hausgemachte Gockel" am Sonntagmittag umso besser. Bepackt mit Eiern und einer Einladung für Pfingsten kehrten wir mit dem 1/2 7 Zug nach Hause zurück.

Am 18. Mai unternahmen wir die erste, ordentliche Wanderung von Weinheim aus über den Hirschkopf nach Niederliebersbach zu. Auf der Höhe machten wir bei dem herrlichen Wetter stundenlange Rast und kehrten zum Vesper nach Weinheim zurück, wo wir uns in der Bergstraße recht wohl fühlten. Um 7 Uhr waren wir wieder daheim.

Da ich am nächsten Sonntag geschäftlich in Anspruch genommen war, benutzen erst den Himmelfahrtstag wieder zu einer Wanderung. Wir fuhren bis Bensheim und gingen auf dem geben Strich zum Feldberg. Das ursprünglich schwüle Wetter wich dort prächtigem Sonnenschein, in dem wir unter der Kastanie beim Forsthaus ein einfaches aber vorzügliches Mittagessen einnehmen konnten. Dann ging's auf dem selben Wege nach Bensheim zurück und im "Deutschen Haus" fanden wir wie gewohnt alles, nach dem wir verlangten. Ein fast leerer Zug brachte uns um 1/2 6 Uhr nach Mannheim zurück.

Donnerstag ,den 5. Juni morgens 1/2 10 Uhr wurde ich zum Generaldirektor gebeten, wo ich sämtliche Direktoren versammelt fand. Es waren gegenseitige Anklagen über Unregelmäßigkeiten unserer Dresdener Subdirektoren eingelaufen und mir wurde der ehrenvolle Auftrag zu Teil, sofort nach Dresden zu fahren und eine gründliche Revision zu veranlassen. "Sie" sollen natürlich über Pfingsten nicht von ihrer Familie getrennt sein und sie deshalb mitnehmen" erklärte der Herr Generaldirektor.

Ich nahm dankend an, besorgte mir schnellstens alle Unterlagen, telefonierte an Paula, die sich bewundernswerter Weise sofort zur Mitfahrt bereit zeigte, und an die Direktoren der Schulen, die Gertrud und Walter besuchten. In der Mittagspause wurde der Koffer gepackt und abends 7.48 fuhren wir im Schnellzug nach Dresden, das wir nach 13stündiger Fahrt über Frankfurt, Eisenach und Leipzig am Freitag früh punkt 9 Uhr erreichten. Im Hotel "Blasch" nahe des Bahnhofs, erhielten wir ein freundliches Zimmer mit drei Betten, in dem wir uns sofort heimisch fühlten. Wir einigten uns und nahmen im Frühstückzimmer das Frühstück ein.

Ich ging meinen Geschäften nach und Paula machte mit den Kindern den ersten Bummel im herrlichen Dresden. Sie waren überwältigt von den Herrlichkeiten der Stadt. Mittags aßen wir bei Blasch, waren aber mit Preis und Güte nicht zufrieden. Ich war um 2 Uhr wieder im Büro, die Meinen ruhten. Später machten wir gemeinsam einen Spaziergang und besuchten die Löwenschänke zum Abendbrot (Matjeshering und neue Kartoffeln)

Im Reichskaffee genossen wir dann noch einige Zeit gute Musik, hatten aber bald dringendes Bedürfnis zur Ruhe. Am Samstag war ich bis 1 Uhr geschäftlich tätig; währenddessen setzten die Meinen die Besichtigung Dresdens fort. Auf Empfehlung speisten wir im "Waldschlösschen" am Postplatz, das uns noch sehr oft aufnahm, hervorragend., wanderten dann nach der Brühl'schen Terrasse, besuchten die Felsensteine nach Ratschau und gingen zur kurzen Ruhe ins Hotel. Dann besuchten wir den Großen Garten und kehrten zur eingehenden Besichtigung im "Zoo" ein. Wir haben an den Sehenswürdigkeiten und der flotten Militärmusik großartig unterhalten. Abends "W-Schl! (Anm: Waldschlösschen)

Sonntag morgens 9 Uhr fuhren wir bei herrlichem Wetter  mit dem Dampfschiff an all den lieblichen Elborten vorbei nach Wehlen, dem nördlichsten Platz der sächsischen Schweiz. Durch den romantischen Uttenwaldergrund erreichten wir das Bastei-Hotel um 2 Uhr und nahmen in der "Dianahalle" bei einer guten Flasche "Oppenheimer" ein vorzügliches Mittagessen ein. Dann ließen wir prächtige Aussicht von den Felsen herab auf uns wirken, standen staunend auf der Basteibrücke, bestiegen die Bastei-Felsen und wandten uns abwärts nach Rathen, wo wir kurz vor Abfahrt des Dampfschiffes anlangten. Bei dem Gedränge passiert Paula ein unangenehmes Missgeschick, über das wir den Dichterworten hinwegkamen "des Lebens ungemischte Freude ward keinem "Irdischen zu Teil". (Anmerkung Paula hatte ein Schmuckstück verloren). In angenehmer Gesellschaft erreichten wir nach dreistündiger Fahrt Dresden wieder und aßen im W.-Schl (Anm: Waldschlösschen) Erst am nächsten Tag konnten wir die gehabten großartigen Genüsse richtig überschauen, die wir in der Textil-Ausstellung im städtischen Ausstellungsgelände fortsetzten. Wir sahen viel Neues und Interessantes, speisten im Hauptrestaurant nicht gerade hervorragend, beendeten dann unseren Rundgang und hörten ein begeisterndes Militärkonzert vor dem Hauptrestaurant an.. Etwas abgespannt suchten wir später wieder unser "W-Schl" auf, erlangten durchs Abendbrot wieder die notwendigen Kräfte und beendeten den Tag im "Café Blech" bei Konzert und Cabaret. Am Dienstag nahm ich meine Tätigkeit wieder auf, und begleitete 1.55 Uhr die Meinen zur Fahrt nach Leipzig, da ich noch einige Tage dort zu tun hatte. Am Donnerstag war ich fertig und fuhr nach, freudig empfangen von Familie und Schwester, die vorher die Sehenswürdigkeiten Leipzigs schon gezeigt hatten. Zu Haus pflegte ich der Ruhe, begrüßte Schwager Willi, und abends waren wir bei einer Erdbeerbowle gemütlich beisammen.

Am Freitag brachte uns der Schnellzug 9.45 ab Leipzig in gemütlicher Fahrt nach Frankfurt und Mannheim, das wir abends 6.55 erreichten. Damit fand die herrliche Pfingstfahrt 1924 ihr Ende: Vivant squentes!

Am Donnerstag, den 19. Juni machten wir eine gemütliche Wanderung nach Juhöhe von Laudenbach aus. Wir waren um 10 Uhr oben, bestellten das Essen und lagerten dann bis 12 Uhr im Wald. Zum Mittagessen traf auch Herr Schmidt von der "Mannheimer" ein. Über Lee erreichten wir Heppenheim gegen 4 Uhr und konnten im "Gelben Mond" bei vorzüglicher Bewirtung noch ein ganz gutes Gartenkonzert entgegennehmen.

Um 1/4 8 Uhr waren wir hochbefriedigt in Mannheim. Leider hatte ich mir eine Erkältung zugezogen, die uns veranlasste am darauffolgenden Sonntag zu Hause zu bleiben.

Am 29.6. hielt es uns wieder nicht zu Hause. Wir fuhren nach Leutershausen erklommen die Albertsteige und weiter das Birkenbrünnle, von wo wir nach Schriesheim wollten. Wir wechselten aber den Weg und erreichten querfeldien die Landstraße und kurz darauf auch Schriesheim. Da war groß Rummel anlässlich eines Sängerfestes. Wegen des Festzuges bekamen wir aber im "Deutschen Kaiser" gemütlich Platz, speisten vorzüglich zu Mittag und unterhielten uns bei Musik und Gesang mit einer kleinen Gesellschaft stundenlang. In der angeheiterten Stimmung

drängte ich sogar noch auf den Festplatz, was aber gar nicht im Sinne von meiner Paula war, die sich nicht recht wohl fühlte. Der Tag wurde dann, im Gegensatz zu sonst, nicht gerade angenehm (!) beschlossen.

Bei der herrschenden großen Hitze machten wir am 13. Juli einen gemütlichen Ausflug nach Seeheim-Jugenheim. Bis Weinheim benutzten wir die "Elektrische" und die Hauptbahn bis Seeheim. Auf dem oberen Weg gelangten wir in einer Stunde im Tannenberg" in Jugenheim an, begrüßt von der Familie Weckenmann. Frühschoppen und Mittagessen mundeten vorzüglich nachdem wir einen kleinen Rundgang durch das liebliche Dörfchen gemacht hatten. Nachmittags ruhten wir im Wald auf dem Heiligenberg, machten dann gemütlich Kaffe und Vesper im Gasthaus und fuhren hochbefriedigt 6.17 wieder zurück.

Und nun begannen wir uns ernstlich mit den Vorbereitungen zu unserer Urlaubsreise nach München-Schliersee zu beschäftigen.

Der 1. August 1924 war für mich ein Ehrentag erster Ordnung. Ich war 25 Jahre lang in der Mannheimer Versicherungsgesellschaft tätig. Morgens nahm ich die Glückwünsche der Meinen entgegen und begab mich um 1/2 10 Uhr ins Büro. Da war zunächst mein Platz prächtig geschmückt: Die Direktion hatte einen riesigen Blumenkorb voll herrlichster Lilien und Rosen in allen Farben und blauer Moire-Schleife gespendet. Meine Mitarbeiter hatten noch für kleinere Blumen-Arrangements gesorgt und ein messinggehämmertes Raucherservice beigefügt, die Feuerabteilung gedacht meiner durch Zigarren; der DHV durch Glückwunschschreiben und LINFURT'S "Oberlin"; z.Zt. abwesende Kollegen durch Telegramme und schließlich war von Herrn Generaldirektor Haltermann folgender Schriftgruß eingetroffen:" Herzliche Glückwünsche zum heutigen Ehrentage und der Gesellschaft und meinen aufrichtigen Dank für ihre treue überaus ersprießliche Mitarbeit". Freund Huber sandte 2 Kistchen hervorragender Zigarren mit den besten Wünschen. Und dann kam die eigentliche Feier mit der Direktion: Herr Direktor Wolpert fand in Anwesenheit der Prokuristen und Bevollmächtigten kurze aber herzliche Worte und überreichte mir im Namen von Aufsichtsrat und Vorstand die "Silberne Medaille der Gesellschaft" und ein Geschenk von Goldmark (GMk) 2000.- Die Beamten eröffneten mir, dass sie mir einen Bücherschrank gekauft hätten, der noch bei Trefzger stehe.

Die Beglückwünschungen dauerten nun den ganzen Morgen und machten mein Herz zum Überlaufen voll. Der schnell herbeigerufene Photograph hielt mich am geschmückten Platz im Bilde fest, meine Lieben kamen, um meine Freude zu teilen, von der mir leider infolge unserer am Abend zu erfolgenden Abreise nach München nicht die gebührende Genugtuung hatten. Wir besichtigten dann das Beamten-Geschenk, aßen im "Pfau" zu Mittag und ich kaufte für einen Teil des Geldes meinen Kindern ein zu unseren Möbeln passendes Klavier. Dann ging's in Eilschritten heim, um die letzten Reise-Vorbereitungen zu treffen. Meine Paula schenkte mir noch eine Flasche Likör, die schon langersehnte Aktenmappe und eine neue Brieftasche. Freund Schollmayer fand sich ein und überbrachte einen hübschen Weinbecher mit Widmung, vom Geschäft kamen die Geschenke und Blumen, auch Freund Bach erschien noch --- und dann mussten wir alle die Herrlichkeiten im Stich lassen, um rechtzeitig zu dem Ferien-Sonderzug an die Bahn zu kommen.

Kaum hatten wir dort im Wagen Platz genommen, als der Gesamtvorstand der Ortsgruppe Mannheim im DHV auf dem Bahnsteig erschien, um mich noch ebenfalls zu beglückwünschen und meiner Familie und mir Lebewohl zu sagen. Unter ihrem Gesang des Liedes" Wenn sich der Abend mild" fuhr der Zug um 10 Uhr aus der Bahnhofshalle der bayrischen Bierstadt entgegen. In Gesellschaft zweier jüngerer Burschen verlief die Fahrt nicht langweilig und als wir in Ulm in zwei Abteils allein gelassen wurden, konnten wir auf unseren Bänken sogar noch etwas schlafen. Um 6 Uhr morgens trafen wir wohlbehalten in München ein, nahmen im Hotel "Fränkischer Hof", wo wir ein Zimmer mit drei Betten für 9 Mark bestellt hatten, das Frühstück ein, machten uns später in unserm Zimmer frisch, und unternahmen den ersten Rundgang durch München, das Paula und die Kinder noch nicht kannten. Um 11 Uhr hörten wir am Marienplatz das berühmte Glockenspiel an und begaben uns dann ins "Bürgerbräu" zum Mittagessen, das ich von früher her kannte. Und das uns auch diesmal nicht enttäuschte. Nachmittags war Ruhe im Hotel und abends besuchten wir das Hofbräuhaus und den Festsaal, wo wir in gemütlicher Gesellschaft einer jungen Münchener Familie verhältnismäßig lange verweilten.

Nach guter Nacht setzten wir am Sonntag früh die Besichtigung fort, wandten uns durch die Propyläen der Kunsthalle und der Glyptothek zu und besuchten umsonst die "Alte Pinakothek" die auf die Meinen einen gewaltigen Eindruck machte. Darauf schlenderten wir durch die Maximilianstraße an die Isar und zum Maximilianeum und speisten später wieder im "Bürgerbräu". Nachmittags besichtigten die Bavaria von außen und innen, das Ausstellungsgelände mit Vergnügungspark (Kitsch) und gingen über den Sendlingerplatz, den Karlsplatz und die Dachauerstraße in den "Löwenbräukeller" zum Militärkonzert, bei dem eine beängstigende Fülle herrschte. Um 9 Uhr schon hatten wir genug und kehrten ins Hotel zum Abendbrot zurück. 

Am Montag, den 4. August besichtigten wir morgens das Bayr. Armee-Museum, das uns in seiner Vielfältigkeit viel Neues brachte und uns ganz besonders gefiel. Mittags waren wir wieder im "Bürgerbräu" und von da aus direkt nach Nymphenburg. Schloß und Park machten einen günstigen Eindruck auf uns, obgleich wir im Schwetzinger Schlossgarten etwas Ähnliches kennen. Im "Prinzenhof" nahmen wir einen guten Kaffee ein und fuhren dann wieder nach München zurück. Der Wissenschaft halber kehrten wir im "Matthöfer" ein, verließen es unter Zurücklassung des bestellten Essens wegen großer Unsauberkeit sofort wieder! Im eleganten "Augustinerbräu" aßen wir dann nach unserm Geschmack und hatten daselbst eine äußerst gemütliche Unterhaltung mit Hamburgern und einen "Schwob".

Dienstag, 5.8.24 Wir promenierten über den Wittelsbacher-Platz, Odeon-Platz durch den Hofgarten die Prinzregentenstraße entlang zur Friedenssäule, der Isar entlang über die Max-Josef-Brücke durch den Englischen Garten und kehrten zum Mittagessen im "Ratskeller" ein, der dieses Jahr sein 50. Jubelfest feiert. In den eleganten Lokalitäten fühlten wir uns äußerst wohl, speisten hervorragend und leisteten uns eine gute Flasche "Niersteiner". Nach der Ruhe im Hotel nahmen wir Kaffee im pompösen "Hotel Wien" ein, machten dann einen größeren Bummel über Gärtner-Platz und aßen abends im Hofbräuhaus-Restaurant 2. Stock. Ermüdet suchten wir frühzeitig unsere Ruhestätte auf.

Mittwoch, 6.8.24 Wir besuchten das bayrische Nationalmuseum, dessen Sammlungen uns wieder viel Angenehmes und Anmutendes genießen ließ und wandten uns dann unserer Haupt-Erholungsstätte in München, dem "Löwenbräu" zum Mittagessen zu. Nachmittags tranken wir im "Kaiserhof" Kaffee und pausierten dort und beschlossen unseren Münchener Aufenthalt abends im Hotel.

Donnerstag, den 7.8.24 einem besonders schönen Tag, fuhren wir 9.32 in München ab und erreichten Schliersse 11.37. Der Sohn unserer künftigen Wirtin, Frau Rauffer, nahm uns am Bahnhof in Empfang und führte uns in die 1/4 Stunde vom Bahnhof Schliersee, in dem dazugehörigen Westenhofen, gelegenen "Villa Rauffer" Obgleich einfach in der Ausstattung war der erste Eindruck kein ungünstiger. Wir gingen am herrlichen, im Süden von der majestätischen Brecherspitze überragten See entlang gleich wieder nach Schliersee zurück. Und nahmen im "Maßner" ein einfaches und nicht besonders zufriedenes Essen ein. Hier hatten wir die erste Aufregung durch einen, Gott sei Dank, schnell vorübergehenden Ohnmachtsanfall unseres Walters. Auf einem anschließenden Rundgang lernten wir das anmutige Dörfchen kennen, nahmen im Garten des "Kaffee Mayer" den Kaffee ein und machten dann eine herrliche 1 1/2 stündige Bootsfahrt auf dem ganzen See, um die Insel herum, an Fischhausen vorbei, zurück an den Kur- und Badestrand von Schliersee. Das Abendbrot nahmen wir in unserem neuen Heim ein.

Freitag, den 8.8.24  Der leider in der Nacht eingesetzte Sturm und Regen dauerte morgens bei tiefhängenden Wolken noch an. Wir gingen zum Einkauf verschiedener Sachen nach Schliersee und kehrten frühzeitig im "Fischerstübl" (1a Blaufelchen) ein. Bei einer nach dem "Kaffee zu Hause" unternommenen Kahnfahrt wurden wir wieder vom Regen überrascht und mussten uns nach Hause begeben, wo wir ein "mießes" Abendbrot einnahmen.

Samstag, 9.8.24 Es war trüb und regnete und hellte sich manchmal auf. Wir machten einen kurzen Spaziergang nach Tegernsee zu, kehrten aber bald zurück und besuchten die in geringer Höhe über Schliersee gelegene "Hofburg" Mittagessen im "Fischerstübl" Nachmittags Ruhe und darauf zum Kaffee bei "Hofhaus". Von hier aus wohnten wir einer Vorstellung von "Amerikaseppl" in Terofals Bauerntheater an, waren aber nicht besonders befriedigt. In unserem Stammlokal fanden wir ein einfaches Abendbrot.

Sonntag, 10.8.24 Das Wetter hatte sich kaum geändert. Zum 75. Gründungsfest der Gebirgsschützen-Kompanie krachten morgens die Böller. Später fand eine Feldmesse und anschließend ein Festzug statt, der infolge der verschiedenen Trachten und auswärtiger Beteiligung nicht uninteressant war. Wir aßen im "F" Brathuhn und Rehschlegel, was beides vorzüglich war. Darauf hörten wir uns das Kurkonzert in den "Anlagen am See" an und machten einen Spaziergang nach Fischhausen, den wir nach dem herrlich gelegene Neuhaus und Joseftal ausdehnten. Dieses liegt in herrlicher Gebirgsszenerie zwischen Nagel- und Brecherspitz auf dem Weg zum Spitzingsattel und Valepp. Im "Kaffee Brunnhof" waren wir recht zufrieden. Noch besser schmeckte uns das Vesper im Gasthof zu Fischhausen. Da sich das Wetter inzwischen günstig gestaltet hatte, machten wir eine 1/2 stündige Kahnfahrt, gingen nach Schliersee zurück, versuchten den teueren "Terofalls Gasthof Seehaus" und speisten abends wieder im "F".

Montag, 11.8.24 das schöne Wetter verlockte uns zu unserer ersten Wanderung nach Tegernsee, die leider unseren zweiten schweren Schicksalsschlag durch ernstliche Erkrankung unserer lieben Mutter brachte, und fernerhin wie ein trüber Schatten über unserem ganzen Schlierseeaufenthalt lag. Frohgemut hatten wir morgens 3/4 8 Uhr unser Heim verlassen und uns seitlich des "Prinzenwegs" der Gindelalm zugewandt, die wir auch ohne größere Beschwerden erreichten. Oben in 1242 m Höhe nahmen wir vor der ersten Hütte Platz, bestellten Milch, Butterbrot und Limonade und erfreuten und an der herrlichen Aussicht auf die gegenüberliegenden Berge, wie Wendelstein, Kaisergebirge, Brecherspitz u.a.

Die Kinder und ich bestiegen noch die 1330 m hohe "Schneid" mit noch günstigerer Fernsicht und kehrten zu unserer unten wartenden Mutter zurück. Auf dem Weg nach Neureut klagte sie über heftige Schmerzen in der Magengegend, sodass wir außerordentlich länger rasten mussten. Es gelang uns aber, wenn auch langsam, sie nach Tegernsee herunter zu bringen und glaubten, dass das Ärgste überstanden sei. Wie sollten wir uns aber darin täuschen. Im "Schandl"??? wo wir zum Mittagessen eingekehrt waren, erfolgte ein neuer ohnmachtsähnlicher Anfall, sodass unsere Mutter nicht in der Lage war, etwas zu sich zu nehmen. Glücklicherweise besserte sich dieser Zustand, und wir konnten, wenn auch äußerst bedrückt, eine beschränkte Besichtigung Tegernsees unternehmen. Vorher kauften wir die Auto-Karten zur Rückfahrt nach Schliersee, taten gut daran, die Leute mussten lange auf spätere Fahrgelegenheit warten. Der Strand bot herrliche Blicke und wir hielten uns längere Zeit im Schlosskaffee auf. Der Zustand meiner Paula war erträglich. In prächtiger Fahrt in einem amerikanischen Postautobus erreichten wir in 35 Minuten, teilweise am See entlang über Hausham Schliersee. Abends aßen wir im "Fischerstübl" und waren glücklich, dass unsere Mutter anscheinend etwas wohler war.

Dienstag, 12.8.24 Wir ruhten lange, fuhren von 10-11 Kahn und aßen im "F". Nachmittags planten wir das erste Baden, das aber zum Teil missglückte, da das Baden vom Ufer aus am ganzen See verboten war. Wir gingen nach Fischhausen weiter. Bei Paula machte sich zunehmende Verschlimmerung ihrer Schmerzen über und seitlich des Magens nach dem Rückgrat zu bemerkbar. Wir gingen schnellstens nach Hause, aßen dort Abendbrot, brachten u.M. ins Bett und machten ihr heiße Wickel. Aber auch am Mittwoch, dem 13.8.24 war keine Besserung zu bemerken, sodaß wir trotz des schönen Wetters nichts unternehmen konnten.

Unsere Mutter blieb (m.P.) im Bett, Trudl leistete ihr Gesellschaft. Walter und ich gingen 3/4 Stunden auf die Schlierbergalm, wo wir uns bei guter Bewirtung und herrlicher Aussicht auf die und umliegende Berge sehr gut gefiel. Nach dem Abstieg nahmen wir das Abendbrot im "F" ein. Zu Hause mussten wir eine Verschlimmerung ihres Leidens feststellen. Es folgte für sie eine furchtbare Nacht, die mich veranlasste morgens 1/2 7 Uhr in strömenden Regen den Arzt zu holen. Er kam um 8 Uhr (Dr. Ashton) und neigte nach längerer Untersuchung zu einer Gallenblasenentzündung, die durch die auf der Gindlalm genossenen, zu Molken verwandelte Milch ausgelöst worden sei. Wir konnten also zu dritt zum Essen gehen, während m.P. auch die folgenden 'Tage nur mit Tee, Zwieback und Schleimsuppe fürlieb nehmen musste. Eines mag auch eingefügt sein, dass uns das oberbayrische Essen überhaupt nicht zusagte. Das viele, dauernde Fleisch konnte uns nicht befriedigen; wir vermissten ungeheuer Gemüse und Kartoffeln, d.h. eine pikante abwechslungsreiche Küche.

Freitag, 15.8.24 Nach guter Nacht von m.P. und uns strahlte morgens wieder die liebe Sonne. Wir verspürten aber keine Lust zu irgendwelchen Unternehmungen. Am Sonntag, 16.8.24 wanderte ich mit Walter durchs Dufftal zur "Bodenschneid". Wir erreichten auf prächtigem, teilweise hochromantischem Weg in 2 1/4 Stunden das "Haus", aßen und tranken dort vorzüglich und stiegen dann in 3/4 Stunden zum Gipfel empor. Wir waren überwältigt: die ganze Alpenkette mit ihren in den Himmel ragenden Schneegipfeln lag vor uns, von links nach rechts der Wendelstein, das Kaisergebirge, im Hintergrund die Berchtesgardener Spitzen, der Groß-Klockner, der Groß-Wendiger, der Ortler, weiter von der Jägerkamp, die Rotwand, die Brecherspitze, der Schinder, Karwendel, Wetterstein und Zugspitze, ganz nah dabei der Wallberg bei Tegernsee. Wir konnten uns nicht satt genug sehen an den herrlichen Naturschönheiten. Beim Abstieg lag links der Tegernsee in seiner majestätischen Ruhe vor uns und rechts unten herauf grüßte das Bodenschneid-Haus. Singend und jodelnd strebten wir ihm wieder zu, nahmen unseren Kaffee ein und kehrten durch das Dufftal wieder zurück. Wir trafen unsere Mutter wieder nicht wohl an, gingen aber dann zu dritt ins "F" zum Abendbrot.

Sonntag, 17.8.24 fühlte sich m.P. nach langer Ruhe wieder etwas wohler und ging mit uns zum Essen. Nach dem stiegen wir langsam zur Schlierseebergalm hinauf, wo es auch unserer Mutter recht gut gefiel. Die Aussicht durch ein Fernrohr auf die nächste Gegend war recht interessant. Leider verspürte m.P. beim Abstieg wieder den Beginn ihrer Schmerzen, ging deshalb mit Trudl nach Hause, während ich mit Walter es einmal in der "Seerose" versuchte. Das Abendbrot war gut zubereitet, aber etwas teurer wie im "F".

Montag, 18,8,24. Die Berge waren bedeckt, weshalb wir das geplante Besteigen der "Brecherspitze" unterließen und bis zum Mittagessen im "F" zu Hause blieben. Dort gab's Forellen mit Butter und Kartoffeln für 2 Mark, die wir uns einmal leisteten. Der einsetzende Regen gestattete uns nachmittags nichts mehr. Dämmerschoppen im "Prinzenweg", Abendbrot zu Hause.

Dienstag, 19.8.24 Trotz zweifelhaftem Wetter hielt es uns nicht zu Hause. Walter und ich fuhren 7.34 nach Neuhaus und begannen den Aufstieg auf die Brecherspitze". Bis zur Ankelalm ging's recht nett, aber dann hieß es den Grat zu erreichen, der uns zur Spitze bringen sollte. Infolge des steilen und manchmal gefährlichen Weges überlegten wir uns öfters, ob wir umkehren sollten, aber der Ehrgeiz siegte und wir gelangten wohlbehalten, 1669m an. Der Platz um das Kreuz misst einige m². Gerade als wir oben waren hüllte uns eine Nebelschwade ein. Wir versuchten auf der anderen Seite abzusteigen, als mir ein Schild ins Auge fiel "Abstieg nur für Schwindelfreie". So zeichneten wir uns dann in dem in einem Blechkästchen aufbewahrten Gipfelbuch ein und stiegen auf dem steinigen, gänzlich ausgewaschenen Weg, wenn man überhaupt von einem Weg reden kann, schleunigst abwärts. Unterweg merkte ich, dass ich in der Aufregung meinen Mantelriemen oben am Kreuz liegen gelassen hatte. Eine gerade aufsteigende Familie versprach mir, ihn mit herunter zu bringen. So waren wir dann glücklich, als wir mit heiler Haut die Ankelalm wieder erreichten.

Fröhlich ging's weiter herab in das Kurheim "Josefstal", wo wir bei verschiedenen "Viertelchen" ein gutes schmackhaftes Essen einnahmen. Im Café Bauer (!) erhielt ich meinen verlorenen Riemen wieder und dann mussten wir leider im Regen heimwärts wandern.

Mittwoch 20.8.24 begleitete ich m.P. zum Arzt, der eine kleine Besserung feststellte. Das Wetter war leidlich, weshalb Walter und ich nach dem Essen im "F" die Ruine "Hohenwaldeck" besuchten. Sie bietet in ihrer Verwahrlosung nichts besonderes, nur der vorliegende, anscheinend ehemalige Burgfried, einen schönen Blick auf den See. Über Fischhausen und westlich des Sees gelangten wir wieder nach Hause, wo wir wegen Regen auch zum Kaffee und Abendbrot bleiben mussten.

Donnerstag 21.8.24 Es hatte die ganze Nacht hindurch in Strömen geschüttet; wir mussten deshalb die Wendelstein-Tour immer noch verschieben. Von 9 Uhr ab war der Himmel blau bei westlichen Winden. Mittagessen im "F". Nach dem, Walter und ich, in Hausham, dann ruderten wir alle vier eine Stunde lang und gingen zum Kaffee mit Konzert ins "Fischerstüberl" am See. Abends war ich im "Prinzenweg", die anderen zu Hause.

Freitag, 22.8.24 Walter und ich fuhren 7.34 Uhr nach Bayrisch-Zell. Bei herrlichem Wetter vollzogen wir von 3/4 9 - 11 Uhr den Aufstieg zum Wendelstein-Haus und auf einem Kunstweg in 1/2 Stunde gleich weiter zum Gipfel. Er ist unbeschreiblich schön da oben in 1840 m Höhe, aber das Wetter war nicht so sichtig, wie auf Bodenschneid. Wir zeichneten uns in das in der Kapelle liegende Gipfelbuch ein und kletterten wieder hinab ins Hotel zum Mittagessen. Inzwischen war's lebhaft da unten geworden, denn fahrplanmäßige und besondere Züge der Bergbahn hatten von Brannenburg herauf ganze Scharen "Bergsteiger" in Nagelschuhen und Tiroler hüten gebracht. Uns kam ein Lachen über diese Faxerei     ! Wir aßen bei Zithermusik recht gut, ließen uns auf den"Trolaner" vorzüglich munden, gedachten wieder mit Kartengrüßen und nahmen dann eine umfassende Besichtigung der ganzen Sehenswürdigkeiten, der Bergbahn, der Kapelle, der Höfe usw. vor, den herrlichen Blick auf Bayrischzell nochmals genießend wandten wir uns um 2 Uhr wieder abwärts, waren aber mit dem eingeschlagenen Weg nach Fischbergau-Hammer gar nicht zufrieden. Dafür war der Kaffee und Vesperschoppen im Gasthof-Hammer umso gediegener. Das "Zügle" landete uns 6.50 Uhr wieder in Schliersee, wo uns Trudl, leider mit der Mitteilung, dass Mutter wieder nicht wohl sei, zum Abendbrot im "F" abholte. Es war ein besonderer unverhofft genussreicher Tag gewesen.

Samstag 23.8.24 In der Nacht hatte wieder Regen eingesetzt. Vom Arzt wird uns wegen des Zustandes von m.P. geraten, schnellstens nach Hause zu fahren. So war es denn aus mit dem geringen Schliersee Genüssen. Wir setzten unsere Rückfahrt auf Dienstag fest.

Der Sonntag und Montag verlief meistens bei Regen mit Packen und Reisevorbereitungen, vor allen Dingen plagen unsere Mutter (heiße Umschläge), die am Montagnachmittags anscheinend den Erfolg hatten, dass m.P. seit 14 Tagen das erste Mal einen Wunsch nach Essen äußerte und nur Camembert verlangte.

Er ist ihr auch sehr gut bekommen und wir fassten neuen Mut zur Rückreise.

Dienstag, 26.8.24 standen wir um 4 Uhr auf und fuhren wohlgemut von 5.33 bis 7.05 nach München. Dort ging das Umsteigen glatt vonstatten und um 8.10 Uhr brachte uns der D-Zug in schöner Fahrt über Stuttgart und Heidelberg nach unserem "Mannem", das wir um 4 Uhr erreichten. Paula hatte sich wacker gehalten, hatte aber abends wieder unter der Reaktion zu leiden.

Alles in Allem: "Es wär' so schön gewesen, es hat nicht sollen sein"! Schliersee ist als Ausgangspunkt bei schönem Wetter vorzüglich, sonst langweilig. Unsere Wohnung war mangelhaft, das oberbayrische Essen uns nicht zusagend; die Fresserei der Norddeutschen und Sachsen ekelerregend.

Wir werden nicht in der Lage sein, für unsere künftigen Ferien geeignetere Plätze ausfindig zu machen.

Die Unkosten betrugen:

Für Fahrt         GMK   118.-

Wohnung, Essen und Vergnügen 851,60.-

Zusammen 969,60 oder GMk 34.- im Tag.

Die Einzelheiten sind dem "Album 1924" bildlich festgehalten, weshalb ich darauf verweise.

Da sich m.P. wieder etwas wohler fühlte, fuhren wir am 7. September nachmittags mit Bachs nach Heidelberg. Das Wetter war herrlich und wir konnten einen schönen Spaziergang über das Schloss nach dem Wolfsbrunnen machen. Nach Vesperrast daselbst fuhren wir mit der "Elektrischen" nach Heidelberg und von da mit der Bahn nach Mannheim zurück. Es war klein aber fein.

Unsere 14. Wanderung in diesem Jahr machten ohne die Damen am 21.September. Von Heppenheim aus besuchten wir die Starkenburg und verfolgten dann den Gronauer Weg bis dorthin, wo der Oberhambacher Weg einmündet. Durch prächtiges Obstgebiet erreichten wir Oberhambach und früher Zell (Mühle gut), wo wir erfuhren, dass in Bensheim, wo uns die Damen erwarten wollten, anlässlich des 60. Gründungsfeier der kath Gesellenvereins ein historischer Festzug mit 50 Gruppen stattfinde. In der ausgemachten Weinwirtschaft am Markt trafen wir die Unsrigen, speisten zum zweiten Mal vorzüglich zu Mittag bei einem guten Viertel Paulusberg" und konnten dann den wirklich schönen Festzug zweimal vorbeiziehen sehen. Bei gemütlicher Unterhaltung, Kaffee und Wein blieben wir dann fast noch bis zur Abfahrt, kehrten nochmals kurz im "Deutschen Haus" ein und waren um 1/2 8 Uhr hochbefriedigt wieder in Mannheim.

Am 28. September fuhren wir wieder einmal nach Kocherbach zu Familie Schüßler. Wir wurden, wie immer freudig empfangen und hofften einen ungestörten Tag zu erleben, da das Wetter herrlich war. Bis zum Mittagessen, zu unseren Ehren ein "Gockel" auffuhr, ging's auf, aber dann kamen bei m.P. wieder die hässlichen Schmerzen, die sie den ganzen Nachmittag an das Sofa fesselten, sodaß ich den geplanten Spaziergang auf die "Tromm" mit Herrn Sch. Und den Kindern allein machen musste. Die Heimfahrt ging verhältnismäßig glatt vonstatten.

Am nächsten Sonntag konnten wir nachmittags mit Bachs nach Heidelberg fahren, von wo wir über Siebenmühlental-Höllenbach Dossenheim und den "Ochsen" besuchten. Der Wein dort, fand leider nicht unseren Beifall. Wir kehrten zeitig wieder nach Mannheim zurück.

Einen genussreichen Spaziergang machten wir am 12.Oktober mit Hubers den Neckar entlang nach Feudenheim- Prinz Wilhelm. Wein und hausgemachte Wurst waren daselbst vorzüglich.

Am 26. Oktober waren wir mit Bachs und Hubers in Käfertal und daselbst im "Hirsch" gut aufgehoben.

Das Stiftungsfest des Stenographen-Vereins im Friedrichspark am 8.11. war recht mies, umso angenehmer der Spaziergang am nächsten Tag mit Bachs und Hubers durch den Waldpark nach Neckarau. Im "Lamm" wo wir früher schon viel verkehrt hatten, waren wir recht zufrieden.

Am darauffolgenden Mittwoch besuchten wir das Schulkonzert des Realgymnasiums, bei dem Walter gesanglich mitwirkte und das sehr schön verlief. Namentlich die Leistungen des Orchesters und am Klavier waren hervorragend.

Eines sei eingefügt, dass ich als nachträgliches, erst fertig gewordenes Geschenk von Bachs zu meinem Geschäftsjubiläum einen herrlichen, zu meiner messingnen  Rauchservicen passenden Rauchtisch erhielt, der nun mit den anderen großen Erinnerungen mein Zimmer schmückt.

Die drei letzten Sonntage vom November verbrachten wir gemütlich zu Hause.

Am 7. Dezember verlockte uns das herrliche Wetter zu einem Stadt- und Parkbummel, der in der "Badenia" angemessen endigte, wo wir Bachs trafen.

Über Weihnachten unternahmen wir nichts besonderes, und den Altjahrestag verlebten wir gemeinsam mit Bachs bei uns. Leider zeigte von meinen Lieben nur Trudl einigermaßen Verständnis für die Stunde der Jahreswende, sodaß ich mir vornahm, keine Familienfeier mehr an diesem Tag zu veranstalten. ----

 

1925

Unsere sonntäglichen Unternehmungen im neuen Jahr wurden mit einem recht netten Spaziergang in Gesellschaft Hubers nach Neckarau eingeleitet. Im "Lamm" holten wir das nach, was wir in wehleidiger Stimmung versäumt hatten. Es war selten so gemütlich und lustig.

Die Fortsetzung davon bot das Winterfest des DHV im Friedrichspark 11.1.25. Erst nach langem Zaudern und nachdem m.P. das sehnlichst gewünschte neue Ballkleid noch zu kurz vor Torschluss erhalten hatte, entschlossen wir uns zur Teilnahme, die wir auch wirklich nicht bereuten. In unserer engeren Gesellschaft waren Bachs, Frau Suhner (Gottmanns Schwägerin, der uns gelegentlich der Beerdigung der Familie Dohmann einmal wieder besucht hatte) und Schollmayers. Das Programm war direkt hervorragend; die Festansprache des Kollegen-Vorsitzenden Schmidt ein Erlebnis. Der anschließende Ball brachte vermutlich für Paula und mich viele heitere und gemütliche Episoden. Wir waren zweites Paar bei der Polonaise. Fast als die Letzten verließen wir die gastliche Hütte.

Bis zur Fastnacht, den 22. Februar haben wir heuer vom Winter noch nichts gespürt. Abgesehen von einigen kälteren Tagen im November waren der Dezember, Januar und Februar schön und eisfrei. Das Wetter war fast durchweg herbstlich mit Stürmen, Regen und Nebel. Jetzt scheint sich der Frühling schon zu wagen, die Sträucher zeigen Knospen, Schneeglöckchen und Schlüsselblumen blühen. Auch die Obstbäume zeigen schon Blütenansätze. Hoffentlich kommt kein Rückschlag! Bei Paula macht sich das vorjährige Leiden immer noch bemerkbar. Wir mussten uns deshalb von größeren Unternehmungen fernhalten.

An Fastnacht-Dienstag machten auch wir im DHV seit 10 Jahren den ersten Versuch wieder mit einer karnevalistischen Veranstaltung. Ich konnte als Leiter der Ausgelassenheit nicht, wie ich gewünscht hätte, Herr werden und musste mich deshalb mit dem Verlauf, den der Kappenabend nahm, zufrieden geben. M.P. hatte für den nächsten Tag eine Gallenstein-Radikalkur vor, die anscheinend den gewünschten Erfolg gebracht hat.

Jedenfalls konnten wir am Sonntag, den 1.März seit langer Zeit wieder einmal einen Spaziergang wagen, der uns in den Käfertäler-Wald führte und im "Löwen" in Käfertal, wo uns nur die Ungemütlichkeit des Lokals beengte, bei ausgezeichneter Verpflegung nicht unbefriedigend endete. Noch bei Tageshelle waren wir um 3/4 7 zu Hause.

Die erste Wanderung in diesem Jahre ging am 5.April vom Stapel. Das Wetter war herrlich; kein Wölkchen zeigte sich am Himmel. Wir fuhren um 7 Uhr mit der Elektrischen und mit der Hauptbahn bis Hemsbach und wandten uns von da dem Kreuzberg zu. Nach 1 1/4 Stunden Steigung fanden wir ein sonniges Plätzchen inmitten einer kleinen Felsgruppe, wo wir unser Frühstück einnahmen. Dann ging's auf dem bekannten "roten Strich" der Juhöhe zu, die wir um 1/2 11 erreichten. Da war schon sogar Leben, der Odenwaldclub Offenbach und später der Schwarzwaldverein Franfurt a/M. Nachdem Ruhe eingetreten war, nahmen wir ein einfaches, aber gutes Mittagessen ein, ruhten noch bis 1/2 2 Uhr und begannen dann den Abstieg über Erbach nach Heppenheim. Unterwegs hatten wir Gelegenheit, prächtige Veilchen, Schlüsselblumen und Waldmeistersträuße zu pflücken und kamen hochbefriedigt um 3/4 4 Uhr im "Gelben Mond" in Heppenheim an.

Kaffee, Kuchen, Wasser und Wein mundeten sehr vorzüglich, und nach reichlicher Rast brachte uns der Zug 5.41 nach Weinheim und Mannheim, wo wir um 3/4 7 Uhr wohlbehalten und neu gestärkt anlangten. Wir haben noch selten einen solch schöne und gemütliche Wanderung gemacht, die auch Paula mühelos überstand.

Gelegentlich eines Besuches meines alten Bekannten Gottmann im Januar des Jahres hatten wir zu Ostern eine Reise nach Frankfurt a/M. verabredet, das die Meinen noch nicht kannten. Wir fuhren also am Karfreitag-Morgen mit dem beschleunigten Personenzug auf Sonntagskarte dorthin und trafen um 10.50 ein. Im "Kölner Hof" waren zwei nette Zimmer für uns belegt und nachdem wir uns besuchsfähig gemacht hatten, suchten wir Gottmanns in der Hohenstaufenstraße 15 auf, wo wir herzlich empfangen wurden. Der Einladung zum Mittagessen konnten wir nicht ausweichen und beschlossen dann nachmittags in den Zoologischen Garten zu gehen. Ein Rundgang überzeugte uns von dem prächtigen und zahlreichen Tiermaterial, woran vor allem die Raubtiere, die Affen und der neue Ameisenbär hervorgehoben zu werden verdienen. Zum Kaffee auf der Terrasse des Hauptrestaurants konnten wir die nachkommende Familie Gottmann begrüßen und viele alte Erinnerungen austauschen. Wegen der Kleinen und einer Unpässlichkeit Gottmanns infolge seines Sturzes am vorhergehenden Tage gingen wir frühzeitig  zum Abendbrot und verlebten bei einigen Flaschen Sekt einen äußerst gemütlichen Abend im Kreise der alten Bekannten. Erst gegen 12 Uhr konnten wir unser Hotel aufsuchen.

Für den nächsten Tag hatten wir einen Ausflug nach Nauheim geplant, wo sich Hubers besuchsweise aufhielten, die uns eingeladen hatten. Das Wetter war wohl etwas trüb, aber wir fuhren guter Dinge 8.42 in Frankfurt ab und waren 9.40 in Nauheim. Hocherfreut begrüßten und Hubers am Bahnhof und eröffneten uns, dass wir Gäste ihrer Verwandten, der Familie Lindemann, sein müssten. Beim Rundgang durch die umfangreichen Bade und Kuranlagen machte das Bad einen großartigen Eindruck auf uns, der sich noch durch das einsetzende herrliche Wetter erhöhte. Der Sprudelhof, die Badehäuser, die Trinkquellen, die Hotels, die Parkstraße, die Anlagen, das Kurhaus, die Teiche mit dem Tierhaus sind Glanzpunkte des lieblichen Badeortes. Wir schlenderten stundenlang darin herum und waren um 12 Uhr in der etwas tiefer gelegenen Villa der Familie Lindemann, freundlichst begrüßt von der sympathischen Hausfrau. Die Tafeln waren freundlich gedeckt und bald mundete uns ein vorzügliches Mahl, gewürzt durch ein paar Tropfen guten Weines. Hell schien die warme Frühlingssonne zu den Fenstern herein und versetzte uns in richtige Feiertagsstimmung. Nach dem Kaffee mussten wir die anderen Verwandten von Hubers begrüßen und wurden überall freundlichst aufgenommen. Dann ging's aufwärts auf den 286 m hohen Johannisberg, der einen umfassenden Überblick über die ganze Gegend gewährte. Nach kurzer Rast stiegen wir wieder hinab, hatten unterwegs noch eine kleine Aufregung wegen unserer herumlaufenden Jungen und eines heraufziehenden Gewitters, die sich aber bald wieder legte, und kehrten zum Abendbrot bei Lindemanns ein.

Es war wieder ohne Tadel und nur ungern nahmen wir von den gastfreundlichen Besitzern Abschied. Von Allen zur Bahn begleitet, verließen wir hochbefriedigt das schöne Nauheim 9.07 und waren 9.55 wieder in Frankfurt.

Am ersten Feiertag morgens besichtigten wir Alt-Frankfurt mit dem Römer, den Dom u.v.m. bei herrlichem Wetter und dann der abermaligen Einladung G.s zum Mittagessen Folge. Anna G. hatte zu unseren Ehren alles aufgeboten. Einer sehr guten Suppe folgte Kalbfleisch mit verschiednen einlagen, dann Welschhuhn mit Salat. Ein gutes Tröpfchen fehlte auch nicht. Bis nach dem Kaffee saßen wir in gemütlicher Unterhaltung zusammen, die wir immer wegen eines Gewitterregens noch etwas dehnen mussten. Dann ging's gemeinsam in den Palmengarten zur Besichtigung der Gewächshäuser. Prächtig war die Palmenausstellung und die Azaleensammlung! Wir wohnten noch kurze Zeit dem Abendkonzert an und beendeten den Tag mit Essen und trinken bei Gottmanns. Wieder knallten die Pfropfen!!

Am 2.Feiertag war eine Besichtigung des Stadtwaldes vorgesehen. Gottmanns fuhren ohne unser Wissen um 1/2 10 Uhr mit einem neuen 6-Sitzer Auto vom Hotel weg, nun ging's in herrlicher Fahrt an all die schönen Plätze des Waldes, wie Oberforsthaus, Gasspitze, Mitteldick, Buchschlag, Sprendlingen, vorbei nach Isenburg.

Im "Frankfurter Haus" nahmen wir unseren Frühschoppen ein und fuhren dann zum Oberforsthaus zurück, das wir zum Mittagessen vorgesehen hatten. In der gemütlichen Weinstube ging das in einfacher Weise vonstatten. In reger Unterhaltung über die früheren Zeiten und Bekannten verbrachten wir hier ein paar Stunden und wandten und dann wieder Frankfurt zu, da die Zeit unserer Nachhausefahrt immer näher rückte. Wir tranken noch bei Gottmanns Kaffee und gingen dann zur Bahn, um frühzeitig zu unserem 5.42 abfahrenden Zug zugegen zu sein. Nach diesen glücklichen Tagen fiel uns der Abschied besonders von der kleinen Helga und Ellen recht schwer und wir waren erst wieder im Gleichgewicht, als sich der Zug in Bewegung setzte. Mit einiger Bummelei aber sonst recht froh und guter Dinge waren wir 9.15 in Mannheim und fanden auch in unserem Heim alles in Ordnung vor. Wir werden gern an die schönen Ostern 1925 zurückdenken. Die Kosten betrugen für Fahrt 24.- Hotel 54.-, Verschiedenes 97.-, zusammen 180.-

Am Freitag, den 17.April besuchte uns unverhofft Herr Schüßler aus Kocherbach, weil wir auf seinen letzten Brief nicht geantwortet hatten, in dem er uns zum 19. in den Odenwald eingeladen hatte. Er blieb bis sonntagfrüh bei uns und wir fuhren dann zusammen nach Kocherbach. Das Wetter war herrlich, sodaß wir einen in jeder Beziehung genussreichen Tag verleben konnten. Nachmittags waren wir auf den umliegenden Bergen und erst um 1/2 7 Uhr fuhren wir wieder nach Hause, wo wir hochbefriedigt um 1/2 9 Uhr anlangten.

Nachdem wir am 26.April unserer Pflicht zur Reichspräsidentenwahl genügt hatten, fuhren wir, um aus dem Mannheimer Trubel herauszukommen, trotz trüben Wetters um 11 Uhr nach Weinheim. Auf einem kurzen Spaziergang überraschte uns Regen und zwang uns schon zum Mittagessen einzukehren. Wir wählten den "Schwarzen Adler" und trafen es sehr gut dort. Als Wahllokal des Reichsblocks war dort ziemliches Leben, und auch in unserem Nebenzimmer ging's bei Wein, Musik und Gesang recht lustig zu. Um 4 Uhr beabsichtigten wir etwas Luft zu schnappen, aber kurz darauf fing es wieder zu regnen an. Wir suchten deshalb früher als vorgesehen die neue Weinstube des "Pfälzer Hof" auf, waren aber mit dem Gebotenen nicht besonders zufrieden. 5.45 Uhr brachte uns der Eilzug wieder nach Mannheim zurück. Am nächsten Morgen erfuhren wir die Wahl Hindenburgs zum Reichspräsidenten!

Für Sonntag, den 3.Mai hatten wir mit Bachs eine Wanderung verabredet, die trotz dem am Samstag durchstandenen zweifelhaften Wetter glänzen vonstatten ging. Wir fuhren bei prächtigem Sonnenschein mit der Elektrischen und der Hauptbahn bis Heppenheim. Den bekannten Knodener Höhenweg verfolgten wir bis in die Höhe von Oberhambach, wandten uns dann nördlich und erreichten mit einigen Rasten gemütlich um 1/2 1 Uhr Zell. In der "Mühle" wurde uns ein sehr gutes Essen aufgetragen und auch der Wein und der spätere Kaffee mit Käsekuchen waren gut und nicht teuer. In gehobener Stimmung bestiegen wir dann noch den Gemsberg, das erste Mal seit unseren langjährigen Odenwaldwanderungen, der uns mit Turm und Aussicht sehr gut gefiel und konnten gegen 4 Uhr in Bensheim bei Schallenburg zum Vesper einkehren. Dort waren wir nicht so zufrieden, sodaß wir unsere Absicht, bis zum letzten Zug zu bleiben, änderten, und um 1/2 6 Uhr nach Hause fuhren. 7 1/2 Uhr waren wir hochbefriedigt wieder am Messplatz.

In der Nacht vom Samstag auf Sonntag, den 10 Mai war starker Regen eingetreten; trotzdem machten wir die geplante Fahrt nach Leutershausen. Bei Ankunft war es noch trüb aber die Luft äußerst rein. Wir erklommen die Albertsteige, unseren Frühstücksrastplatz. Hier hellte es sich immer mehr auf und zum Birkenbrünnle schien die Sonne. Wir konnten nur bescheiden Maiblumensträußchen pflücken, da wir eine Woche zu früh dran waren. Auf dem herrlichen Rundweg gelangten wir 1/2 1 Uhr nach Schrießheim. Im "Deutschen Haus" wurden unsere Erwartungen etwas enttäuscht. Umso schöner und genussreicher bei Kaffee und Kuchen und Wein war es nachher auf der Strahlenburg. Um 6 Uhr fuhren wir zurück und waren 7 1/4 in Mannheim. Klein, aber da allein, mein immer, sein!

Am 17. Mai schlossen sich uns Bachs zu unserer Melibokuswanderung an. Um 1/2 9 waren wir in Auerbach und 3/4 Stunde später zum Frühstück auf dem Schloß. Nach reichlicher Rast erklommen wir den Melibokus und erreichten die Spitze gegen 11 Uhr. Freund Bach ging von hier hinab nach Alsbach, wo er geschäftlich zu tun hatte, und wir auf dem bekannten Weg nach Jugenheim. Gerade noch vor einem aufgezogenen Gewitter konnten wir im "Tannenberg" einziehen. Das war von einem Hanauer Verein stark besetzt, leerte sich aber innerhalb einer Stunde, sodaß wir gemütlich unser Mittagessen einnehmen konnten. Um 3 Uhr kam Freund Bach, aß sein Mittagbrot und anschließend mit uns Kaffee und Kuchen und nach weiterer Ruhe brachen wir um 1/5 Uhr auf, um über Alsberg  Zwingenberg zu erreichen. Im "Löwen" mundete uns Vesper und Dämmerschoppen vorzüglich, und um 7.13 Uhr brachte uns der Zug und die Elektrische wieder nach Mannheim. Wir hatten diese herrliche Wanderung dem vom Parkverein veranstalteten Mai und Abendfest am Friedrichsplatz vorgezogen.

Am Himmelfahrtstag machten wir nur kleinere Spaziergänge in die nähere Umgebung, speisten im "Hotel-Zentral" nicht befriedigend und waren abends längere Zeit bei Ding.

Trotz zweifelhaften Wetters fuhren wir am 24.Mai morgens 7 Uhr nach Weinheim , wo wir von einem Platzregen empfangen wurden. Auf dem Weg nach der Wachenburg wurden wir deshalb ziemlich durchnässt und fanden zu allem Missgeschick auch noch die Restauration von einem Verein vollständig besetzt. Als kürzesten Abstieg wählten wir den in die "Fuchs'sche Mühle", wo wir auch einige Stunden gut aufgehoben waren. Als dann gegen 12 Uhr die Sonne herauskam gingen wir nochmals auf die Wachenburg und stärkten uns an der würzigen Luft. Kaffee und Vesper nahmen wir später anstelle des Mittagsbrots im "Schwarzen Adler" in Weinheim ein, machten in der Sonne noch einen netten Spaziergang durch das freundliche Städtchen und fuhren um 3/4 6 Uhr mit dem Eilzug heim. Da die Kinder die Leuchtfontäne noch nicht gesehen hatten, zogen wir uns nach dem Nachtessen nochmals um, machten einen Spaziergang rund um Mannheim und ließen am Friedrichsplatz beinahe 3/4 Stunden das herrliche Schauspiel der Leuchtfontäne auf uns wirken. Der Schlussschoppen ging dann im "Weinhaus Ding" vor sich!

Für Pfingsten hatten wir in der "Post" in Schönmünzach zwei Zimmer belegt und fuhren bereits am Samstag, den 30. Mai morgens 5.37 Uhr dorthin. Im Zuge trafen wir Bachs, die nach Herrenalb-Dobel wollten. In angenehmer, wenn auch langsamer Fahrt kamen wir zuletzt mit dem Auto gegen 11 Uhr in der "Post" an, freundlich begrüßt von dem sehr sympathischen Sohn und dem Besitzer, Herrn Hagenmeyer. Die für uns vorgesehenen Zimmer lagen zu ebener Erde, was uns zuerst nicht zusagen wollte. Wir fanden aber später, dass wir durch vollständige Abgeschlossenheit recht gut gefahren waren. Das Wetter war herrlich und zeigte uns bei unserem ersten kurzen Rundgang Schönmünzach in seiner anmutigen Lieblichkeit. Unser Hotel ist das erste am Platz und hielt auch das, was es von außen versprach. Der Speisesaal in heller Holzverkleidung, geschmückt mit einer Unzahl von Jagdtrophäen, wirkt äußerst anheimelnd. Der Vorraum gilt als Diele. Wir hatten einen schönen Wandplatz im Hintergrund. Und nun kam das erste Mittagessen: Nudelsuppe, Ochsenfleisch mit Lauchkartoffeln und verschiedenen Beilagen, Spinat auf Ei, Reispudding. Es zog sich bis 2 Uhr hin. Dann ruhten wir bis zum Kaffee, nahmen diesen in der Frühstücksstube ein und machten einen Spaziergang auf den Karlsberg. Er liegt rechts beim Eintritt des Schönmünzachtals in das Murgtal. Von einer Bank aus hatten wir das ganze, herrliche Panorama vor uns. Der Abstieg führte uns noch etwas weiter in das romantische Tal hinein. Im Hotel wartete auf uns das Abendessen: Sagosuppe, Kalbsfilet mit gemischtem Salat, Butterbrot und Käse. Vom "Gaubickelheimer" leisteten wir uns verschiedene Viertel, während die Jugend der anwesenden Gäste auf der Diele die modernen Tänze vom Stapel ließ. Erst um 11 Uhr suchten wir unsere Lager auf. Am nächsten Morgen war der Himmel etwas bedeckt, ließ aber die sonne noch durch. Wir waren nach dem Kaffee um 1/4 10 Uhr auf dem Weg nach dem Schurmsee. Um 1/2 11 standen wir davor; er weicht von anderen, anmutigen Gebirgsseen nicht ab. Den Abstieg nahmen wir durch das Seebachtal, das zwischen Schönmünzach und Zwickgabel in das Schönmünzachtal mündet.

Rechtzeitig zum Pfingstmenue waren wir wieder im Hotel: Ochsenschwanzsuppe, Forellen blau mit frischer Butter und Kartoffeln, Rindsfilet und Stangenspargeln und Blätterteigkroketts, Pfirsicheis mit Waffeln. Der Nachmittagskaffee im "Waldhorn" (das zweite Hotel) befriedigte uns nicht. Wir erklommen den Verlobungsfelsen, der einen herrliche Übersicht über ganz Sch. bietet, wandten uns andererseitig abwärts und ruhten an der Murg. Abends gab es Grünkernsuppe, Schweinebraten mit Kartoffelbrei und Kopfsalat, geschmorte Aprikosen. Ermüdet hielten wir es an dem Abend nicht lange aus. Am 2.Feiertag gingen wir nach Huzenbach zu, sahen auf der gegenüberliegenden Höhe Schwarzenberg und erreichten über Karlshütte wieder unsere Bank am Abhang. Im "dolce far niente" verging die Zeit bis zum zweiten Festessen: Tomatensuppe mit Spagetti, Omelette à la reine mit Blumenkohl und holländischer Soße, Junge Gans mit gemischtem Salat und Baumkuchen. Nach Ruhe und Kaffee gingen wir wieder in die Höhe, waren zeitig zurück und nahmen durch ein kleines Unwohlsein Walters etwas bang, ein vorzügliches Abendessen ein: Einlaufsuppe, Roastbeef mit Makkaroni und verschiedenen Salaten, Butterbrot und Käse. Am 2. Juni suchten wir morgens die Klarahöhe auf, weilten dort lange in der Sonne und gingen wieder hinab zur Henkersmahlzeit: Gerstenschleimsuppe, Backfisch mit Remouladensoße, Kalbsnierenbraten mit Weißkraut und Kartoffeln, Schwarzbrotpudding mit Weinsaucen.

Kosten im Hotel RM 172.-

Fahrten              RM 30.40

Kleine Spesen   RM 23,60

                           RM 226.-

Von 2 -1/2 4 Uhr ging der erste Regen während unseres ganzen Aufenthalts hernieder, dann tranken wir Kaffee und konnten bei grellblauem Himmel zu Fuß Raumünzach erreichen. In Rastatt standen Gewitter bis Mannheim, wo es auch noch schüttete, aber wir kamen gut nach Hause. Das waren wieder mal herrliche Feiertage gewesen!

Am Sonntag, den 6. Juni besuchten wir die Ludwigshafener Ausstellung die uns infolge ihrer Rufartigkeit arg enttäuschte.

Sonntags waren Gottmanns von Frankfurt hier. Wir spazierten morgens gemeinschaftlich nach der Rennwiese und trafen uns nachmittags mit Bachs im Ballhaus-Garten. Abends nach Abfahrt des Besuchs gemütlicher Herren-Schoppen mit Abendbrot bei "Ding"

Der Fronleichnamstag verlockte uns zu einem Tagesausflug nach Heidelberg und näherer Umgebung. Im Weinhaus Berlinghof in Schlierbach fanden wir ein gastliches Plätzchen, das uns bei hervorragender Speise und Trank von 12 - 8 Uhr (!) "umklammert" hielt. Wie üblich wurde die "kleine" Tour dadurch recht kostspielig.

Der zweite Reichsjugendtag war für den 20. bis 21 Juni nach Heidelberg einberufen. Um schon beim Empfang und dem Begrüßungsabend anwesend sein zu können, begab ich mich schon am Samstag nachmittags nach Heidelberg. Hier besuchte bereits die Kaufmannsjugend aus allen deutschen Landen das Straßenleben.

Abends waren wir in der Stadthalle 1000 Jungmannen vereinigt. Es waren erhebende Stunden. Wir schliefen bei Roggarts.

Am Sonntag Morgen kamen unsere Lieben. Gemeinschaftlich wohnten wir der Kundgebung im Schloß an. Dann ging's in die Ausstellungen. Nachmittags ließen wir den unübertrefflichen Festzug an uns vorüberziehen und gingen dann nicht zum Festplatz, sondern in die Stiftsmühle. Vom Gewitterregen wurden wir dadurch verschont. Auch bis zur Schlossbeleuchtung regnete es noch; sie ging aber doch, wenn auch nicht so glänzend vonstatten. Um 12 Uhr waren wir wieder zu Hause und um ein Erlebnis reicher. Ausführliche Berichte enthalten die besonders aufbewahrten Zeitungen.

Am 5. Juli fuhren wir wieder, diesmal alleine nach Bensheim, wandten uns auf dem bekannten Weg dem Feldberg zu, überquerten dann nach rechts zwei Täler bei Elmshausen und Gronau und waren zur Mittagszeit in der "Mühle" in Zell. In dem gemütlichen Nebenzimmer waren wir mit Küche und Keller sehr zufrieden und verweilten dort über drei Stunden. Von nun ab wetterte es , wir kamen aber doch ziemlich ungeschoren ins "Deutsche Haus" in Bensheim zum Vesperschoppen, wo sich zum Zeichen der Befriedigung über den genussreiche Tag unsere Stimmung noch mehr hob. Um 3/4 7 Uhr waren wir wieder zu Hause.

Am darauffolgenden Sonntag aßen wir bei "Ding's" und wanderten dann gemütlich am Neckar entlang nach Seckenheim. Im "Schlösschen" konnte es uns im Gegensatz zur Weltkriegszeit immer noch nicht gefallen und wir kehrten deswegen im "Ochsen" ein, wo wir recht freundlich aufgenommen und bewirtet wurden. Später setzten wir nach Ilvesheim über, gingen über den neuen Kanal nach Feudenheim und fuhren von dort mit der Elektrischen nach Hause. Der Tag war billig und genussreich.

Der 19. Juli begann schon morgens heiß zu werden. Wir beschlossen deswegen mit Bachs einen gemütlichen Tag im Freien, fuhren nach Weinheim und hielten uns bei Buchklingen stundenlang auf.

Mit Mittagessen und Kaffee bei Weber waren wir diesmal ganz zufrieden, wozu auch noch die freundliche Bedienung einer jungen Frau Weber wesentlich beitrug. Nach dem Kaffee schlenderten wir auf dem bekannten Buchklinger Weg nach Weinheim zurück und nahmen den Schlußschoppen und Abendbrot in der "Bergstraße" ein. Um 1/4 9 waren wir wieder zu Hause.

Nach langer zeit besuchten wir am darauffolgenden Sonntag wieder einmal Ludwigshafen und kehrten im "Storchen" und später noch in der "Traube" ein.

Am 1. August fuhren wir 9.24 in den Urlaub nach Bad Mergentheim, um unserer Mutter eine gründliche Kur zu ermöglichen. In einem besonderen Album "Das Taubertal" sind alle Einzelheiten festgehalten, weshalb ich darauf verweise.

Am 30. August machten wir mit Bachs wieder einen Stadtbummel und erzählten unsere Erlebnisse beim Vesper und Dämmerschoppen in der "Landkutsche"

Zur Vorfeier des Geburtstages unserer Mutter waren wir am 13.September nachmittags in Heidelberg. Über Philosophenhöhe und Mausbachtal erreichten wir die Stiftsmühle, wo wir den Kaffee einnahmen. Am Neckar entlang kehrten wir nach Heidelberg zurück und waren dann in den "4 Jahreszeiten" bei einem guten Glas Wein und einem vorzüglichen Abendbrot einige Stunden gemütlich beisammen. Erst der Zug 8.45 brachte uns wieder nach Mannheim.

Am Sonntag, den 20 September, folgten wir wieder einmal einer Einladung der Familie Schwarz nach Neuschloß und wurden dort in gewohnter Weise glänzend bewirtet.

Am Dienstag, den 28.September verabschiedeten wir in der Dorfschenke unseren seitherigen Landtagsabgeordneten August Schneider, der in die Krankenkassen-Verwaltung nach Hamburg versetzt worden ist. Trotzdem oder gerade auch weil die Damen (m.P.) dabei waren, dehnte sich die Nachsitzung im "Bleistift" bis 1 1/2 Uhr aus. Es war aber recht fidel. Die Gründungsfeier der Ortsgruppe fand am darauffolgenden Sonntag im Turnvereinssaal statt. Sie bot leider wenig Erhebendes. Ich durfte 14 Jubilaren für 25jährige Mitgliedschaft mit dem Ehrenbrief und der silbernen Verbandsnadel auszeichnen. Die Nachfeier am Sonntag nachmittags im "Pflug" zu Käfertal dagegen war äußerst gemütlich und brachte uns einige schöne Stunden im Kreise alter Freunde und Bekannten.

Sonntag, den 11. Oktober aßen wir mittags im "Kaufmannsheim" (Ding) und machten dann bei dem herrlichen Wetter einen Spaziergang durch den Waldpark nach Neckarau mit Vesper im "Lamm".

Zum Dienstag, den 13. Oktober hatte Herr Direktor Müller anlässlich seines 25jährigen Geschäftsjubiläums zu einem Bierabend im "Kaufmannsheim" geladen. Der Abend verlief unter meiner Leitung glänzend. Generaldirektor Haltermann war 3 1/2 Stunden unter uns. Küche und Keller boten Hervorragendes. Erst um 1/2 2 Uhr trennten wir uns.

Unsere 21 Wanderung machten wir am 1.November mit Bachs von Weinheim aus. Der Himmel war bedeckt und doch war uns ein herrlicher Herbsttag beschert. Auf der bekannten roten Markierung, die über den Hirschkopf und dem Waldeners-Turm führt, waren wir in drei Stunden auf der Juhöhe. An unbeschreiblichen Herbstbildern durften wir vorüberziehen. Bei Höfle nahmen wir ein einfaches aber gutes Mittagessen ein und wanderten später durch die "Lee" nach Heppenheim, wo wir im Halben Mond" bei Kaffee und Kuchen noch einige Zeit gemütlich beisammen waren. Der 1/2 6 Uhr-Zug brachte uns nach Weinheim, und die Elektrische von hier nach Mannheim zurück.

Am 8. November wollten wir eigentlich nach Kocherbach. Schüßlers schrieben aber ab, und so entschlossen wir uns, den Tanzausflug des DHV nach Seckenheim mitzumachen. Im "Löwen" herrschte bei guter Bewirtung bald eine gemütliche Stimmung, die uns bis zum späten Abend zu verweilen bestimmte.

Am 15.11.25 aßen wir mittags um "Roten Hahn" fanden es aber dort nicht wie erwartet. Nach einem Spaziergang im Luisenpark begaben wir uns zum Kaffee nach Hause und machten abends noch einen Dämmerschoppen bei Walkers, wo wir wieder einmal unseren alten Freund Fritz Müller trafen.

Der Scheer-Vortrag am darauffolgenden Donnerstag im Musensaal verunglückte gründlich und war eine große Enttäuschung.

Am 22. November besuchten wir zum ersten Mal das Bootshaus der "Amacitia", in die ich am 1. Oktober eingetreten bin. Paula und die Kinder saßen nachmittags im kleinen Saal beim Kaffee, ich in der Gesellschaft des Kollegen Fuchs im großen Saal bei der Generalversammlung. Abends waren wir mit den Familien zusammen. Es war in jeder Beziehung recht schön da draußen, sodaß uns die freundlichen Räume noch öfter aufnehmen werden.

Zu "Nikolaus" am 6. Dezember waren wir wieder dort.. Der Besuch war ungleich stärker durch die vielen "Kleinen", dadurch aber auch trubulöser und nicht so gemütlich. Trotzdem unterhielten wir uns in der Gesellschaft der Familien Fuchs und Stein recht gut, die Kinder nahmen die kleinen Nikolausspenden entgegen und wir erfreuten uns an den modernen Tänzen. Nach 9 Uhr waren wir wieder zu Hause.

Eine Anfang Dezember begonnene Kälte-Welle hielt bis zum 8. Dezember an, es wurden bei uns bis zu -13 Grad erreicht. Gebirgsplätze meldeten 24 und 30 Grad.

Am Sonntag, den 13.Dezember aßen wir bei Ding's vorzüglich und machten dann einen netten Spaziergang nach Neuostheim und am Neckar zurück. Den Rest des Tages verbrachten wir gemütlich in unserem Heim.

Zu meinem Geburtstag wurde ich, wie üblich mit Blumen und kleinen Geschenken meiner Lieben erfreut. Da es Sonntag war, gingen wir nachmittags zur Bescherung der Stellenlosen und Kinder des DHV und feierten abends noch ein wenig bei "Dings" in Gesellschaft von Bachs und Sandritters.

Glückliche Stunden verlebten wir am Heiligen Abend im engsten Familienkreise. Das Christkind hatte uns alle reichlich bedacht. Hervorzuheben ist die Konfirmantenausteuer für unsere Kinder. Mit dem neuerhaltenen Mah-Jong-Spiel beschäftigten wir uns stundenlang. Am nächsten Abend waren die Großeltern bei uns, denen wir einen Teil unserer Freude genießen lassen konnten. An beiden Abenden war es bis nach 12 Uhr, ehe wir uns zur Ruhe begeben konnten. Am zweiten Feiertag besuchten wir das "Kaufmannsheim" und waren dort in großer Gesellschaft einige Stunden gemütlich beisammen. Das unfreundliche Wetter ließ keine anderen Unternehmungen zu. Am dritten Tag, den 27.Dezember, einem Sonntag, war ein vorgesehener Ruhetag zu Hause. Das trübe Wetter ließ uns das nicht schwer fallen.

Das alte Jahr beschlossen wir gemütlich im engsten Familienkreise bei dem üblichen Heringssalat, warmen Würstchen, Wein, Punsch und Neujahrsweck. Beim Mah-Jong ging die Zeit schnell dahin. Um 12 Uhr krachte es wieder an allen Ecken - und das neue Jahr war angebrochen! ---

 

 

1926

Schon frühzeitig begab ich mich zum Frühstück und den historischen Neujahrsfrühschoppen des DHV ins "Kaufmannsheim". Kapellmeister Backer war mit seinen Musikern schon anwesend. Die anderen kamen nach und nach. Beglückwünschungen von und nach allen Seiten folgten. Um 1/2 12 Uhr waren 40 Kollegen anwesend. Bei lustigen Weisen und Gesängen flog die Zeit schnell dahin. Später erschienen auch die Meinen und Bachs, um den Neujahrsfestschmaus bei "Dings" einnehmen zu können. Freund Maulbetsch schloß sich uns an. Es war recht gemütlich und genussreich. Nachmittags machten wir gemeinsam einen Spaziergang auf den Lindenhof, tranken bei Gmeiner Kaffee und waren zum Dämmerschoppen wieder im "R-G" (Rosengarten), wo wir wieder unsere Bekannten, auch Hubers, trafen. Nur mit Mühe konnten wir uns von der lebhaften Gesellschaft trennen, waren aber schließlich doch um 9 Uhr zu Hause.

Früher, als es sonst möglich gewesen war, konnten wir am 10. Januar das herrliche Wetter zu unserer ersten diesjährigen Wanderung benützen. Nachdem die Kinder den Gottesdienst besucht hatten, fuhren wir um 10 Uhr nach Weinheim und gelangten auf der sonnigen Straße über Lützelsachsen gegen 12 Uhr nach Sachsenhausen, wo wir bei Markmann ein sehr gutes Mittagessen einnahmen. Später gingen wir zwischen Bergen nach Ritschweier, den "Pfad" aufwärts und der roten Bezeichnung nach über den Geiersberg nach Weinheim zurück. Im "Schwarzen Adler" trafen wir um 4 Uhr ein, tranken Kaffee und vesperten bei einem guten Glas Wein und waren gegen 1/2 7 Uhr mit dem Eilzug der Elektrischen hochbefriedigt wieder in Mannheim.

Wegen der bevorstehenden Konfirmation unserer Kinder und der zu erwartenden großen Kosten waren wir in der Zwischenzeit recht bescheiden in unseren Unternehmungen. Wir machten Samstags und Sonntags kleinere Spaziergänge in Mannheimer Umgebung und nahmen öfters bei "Dings" unser Sonntagsessen ein. Das Wetter war auch zu Ausflügen noch nicht geeignet

Am Samstag, den 13.März trafen wir uns in großer Gesellschaft im "Kaufmannsheim" zur Weinprobe, die sich zu einer ausgesprochenen Vorfeier zur Konfirmation entwickelte! Am Samstag darauf konnten wir Onkel und Tante Schütze aus Leipzig begrüßen. Und dann kam der große Festtag, der 21.März 1926. von morgens 1/2 10 bis 1/2 12 Uhr wurden Trudl und Walter in Anwesenheit aller Geladenen in der Lutherkirche durch Stadtpfarrer Dr. Lehmann eingesegnet. Dann fuhren wir mit Autos in das Kaufmannsheim, wo die weltliche Feier stattfand. Gärtner Kocher und der "Ober" hatten aus dem Saal einen feierlichen Festraum mit einigen Nischen geschaffen, in dessen Mitte die festlich geschmückte Festtafel prangte. Für die musikalische Unterhaltung hatten wir den Musiklehrer unserer Kinder, Herrn Nullmeyer nebst Frau, geladen, der seiner Aufgabe in hervorragender Weise gerecht wurde. Wir waren zum Mittagstisch 20, zum Kaffee 24 und zum Abendessen 23 Personen. Infolge der hervorragenden Darbietungen aus Küche und Keller bekam eine feierlich-gemütliche Stimmung bald Oberhand und gewürzt durch gute Reden und Vorträge vergingen die 12 Stunden der Anwesenheit in dem gemütlichen Haus wie im Fluge. Erwähnt seien einige auf das Fest zugeschnittene Lieder unseres Freundes Huber. An Blumen und Geschenken war von den Freunden und Geladenen das Prächtigste gewidmet worden, und Glückwunschkarten sowie Telegramme kamen von allen Seiten.

In einem Umschlag "Zur Konfirmation unserer Kinder" sind alle betreffende Schriftstücke gut verwahrt! Ein Ehren- und Festtag in des Wortes wahrhafter Bedeutung gehört mit ihm der Vergangenheit an, der allen Teilnehmern noch lange in Erinnerung bleiben wird. Die Gesamtkosten betrugen RM 581,80

 

(Anm./Einfügung Speisekarte : Hühnersuppe mit Einlage, Zander mit gebr. Butter und Kartoffeln, Roastbeef garniert, Poularden mit Salat u. Komp., Eisbomben.

1922er Gimmeldinger Schild, 1922er Deidesheimer -Kimmig)

 

Am Montag machten wir mit Schützens, leider bei kühlem Wetter, einen Ausflug nach Heidelberg, am Dienstag Abend versammelten sich noch einmal alle Teilnehmer zum Abschiedsschoppen, und am Mittwoch früh fuhren die Leipziger wieder nach Hause. Paula und ich wechselten am Samstag, den 27. März beim Dämmerschoppen, noch unsere Eindrücke mit Bachs und Hubers u.a. aus, die Kinder empfingen am nächsten Tag das erste Abendmahl, und dann war Schluß mit der herrlichen Familienfeier! Jetzt haben wir die Ostertage vor uns, die uns zur richtigen Erholung von allen Strapazen dienen sollen.

Vorher erlebten wir noch unvermutet die Erfüllung unserer langjährigen Wünsche: Ich "erwarb" vom 29. bis 31.März eine herrliche Wohnung in der Elisabethstraße. 6

 

Mannheim Elisabethstrasse 6

Am Karfreitag aßen wir mittags bei Dings, abends waren Bachs bei uns und wir dann gemeinsam zum Dämmerschoppen wieder im "R.-G". Die dritte Wanderung machten wir zusammen mit Bachs am Ostersonntag von Weinheim, halbwegs Oberflockenbach nach Ritschweier, mit Schlußschoppen im "Adler" in Weinheim.

Dann hatte m.P. wieder einmal, nach fast 1jähriger Pause, eine Woche lang ihre Gallensteinanfälle, die am Sonntag, den 11. April vor unserem Umzug ihren Höhepunkt erhielten. Der Umzug ging deswegen ohne sie vonstatten, sie hatte sich zu Hubers begeben und sich dort recht gut erholt, und wurde auch glücklich zu Ende geführt.

Und nun sind wir in unserem neuen Heim, mit vier großen Zimmern in einer Flucht und zwei Balkonen, einem Bad, einer Küche mit Speisekammer, einem 11 1/2 m langen, 1,50 breiten Korridor mit 3 Fenstern nach der Augustaanlage zu, elektrisches Licht usw. Vom Balkon haben wir links die herrliche Aussicht auf den Friedrichsplatz, rechts auf den Werderplatz mit der Christuskirche. Mit einem Wort: wir sind ein Stück vorwärts gekommen. Nur die finanziellen Belastungen müssen noch ausgeglichen werden!

Am 18. April besichtigten unsere nächsten Freunde unser jetziges "Schloß" und wir alle vereinigten uns dann zum Abendschoppen bei Ding’s.

Den 23. Gautag des DHV in Heidelberg machte ich als Stimmführer mit. Abends durften wir, ich wieder in Mannheim, von unserer Wohnung aus, leider bei strömendem Regen, das erste Mal die Leuchtfontaine auf dem Friedrichsplatz bewundern und ein schönes Abendkonzert vom Wasserturm her hören.

Das kühle Wetter hielt den ganzen Mai über an, sodaß es uns nicht schwer fiel, unser Vorhaben, keine kostspieligen Ausflüge oder Reisen zu unternehmen, auszuführen. Auch Himmelfahrt und Pfingsten verlebten wir diesmal gar nicht unschön in Mannheim. Das Feuerwehrfest brachte übrigens mit ungezählten Fremden viel Abwechslung in unsere Stadt, vor allen den historischen Festzug, den wir uns von Nullmeyers-Wohnung bequem ansehen konnten. Das Zugprogramm lässt seine Gediegenheit und Großartigkeit erkennen. Die üblichen Dämmerschoppen nahmen wir bei "Ding’s" und im "Arkadenhof" ein, wo wir am zweiten Feiertag die Familie Walther unverhofft trafen, mit denen wir 1921 auf "Löwenstein" so schöne Stunden verlebt hatten.

Am Sonntag, den 30. Mai beendeten wir einen Spaziergang im Park nicht unangenehm im "Bootshaus" in Gesellschaft der Familie R.H. Müßig.

Die 5. Tageswanderung in diesem Jahr führte mich und Walter mit Sonderzug des Odenwaldclubs nach dem Donnersberg-Gebiet. Bei hellem Sonnenschein begannen wir in Winnweiler, fast 900 Personen stark, die Wanderung. In langsamer Steigung, auf prächtigen Tal- und Waldwegen, mit einigen Ausblicken nach rechts und links, erreichten wir durch die Falkensteiner Schlucht um 1/2 10 Uhr Falkenstein zur Frühstücksrast. Das schmucke Dörfchen wird von der imposanten Ruine der Burg Falkenstein überragt. Von hier aus hatten wir eine herrliche Waldwanderung bis auf den Königstuhl, der höchsten Erhebung des Donnersberges. Es war 12 Uhr, als von Westen ein schweres Gewitter aufzog, das infolge der beschränkten Verhältnisse die gemütliche Rast im "Waldhaus" unmöglich machte. Wir wandten uns deshalb bald abwärts und erreichten am Moltkefelsen vorbei noch kurz vor dem richtigen Ausbruch des Unwetters Dannenfels und die Wirtschaft "Mühlbach", wo wir uns bei einem vorzüglichen Mittagessen die nächsten paar Stunden trocken, von außen wenigstens, aufhalten konnten. Nach 4 Uhr ließ der Regen nach und auf einer herrlichen Allee und Landstraße waren wir gegen 6 Uhr in Kirchheimbolanden, dem Ende der Wanderung. Mit der Verpflegung dort trafen wir es nicht besonders, weil wir uns von dem Besuch der uns als erstklassig empfohlenen "Alten Post" hatten abhalten lassen. In unserer engeren Gesellschaft befand sich wieder einmal Freund Maulbetsch und Naumer. Bei schönem Wetter bietet die Wanderung unbedingt großartige Genüsse. Verabschiedet von der kirchheimbolandener Bevölkerung verließ der aus 14 Wagen bestehende Sonderzug um 8 1/4 Uhr den Bahnhof und langte über Monsheim und Worms gegen 10 Uhr wohlbehalten in Mannheim an.

Den nächsten Sonntag verdarb eine Kneiperei am folgenden Sonntag bei Dings. Wir waren auch abends da.

Die übrigen Sonntage im Juni benutzten wir nur zu kleineren Spaziergängen, so auf den neuen Flugplatz, bis wir am 4. Juli die schon lange geplante Pfalzreise und zwar nach Bad Dürkheim unternehmen konnten. Mit der Rhein-Hardtbahn waren wir um 3/4 11 Uhr dort und begaben uns sofort zu dem Frühkonzert in den Kurpark. Das Wetter war sonnig und warm. Unsere Absicht im Kurrestaurant zu speisen gaben wir wegen der unpassenden Menüs auf und trafen es dafür im Café Müller am Schlossplatz sehr gut. Nach einem vorüberziehenden Gewitter machten wir einen herrlichen Spaziergang auf die Limburg, wo wir den Kaffee einnahmen. Abwärts über Grethen waren wir um 5 Uhr wieder in Dürkheim, stärkten uns im Terminus noch schnell und waren um 7 Uhr hochbefriedigt wieder in Mannheim.

Am Sonntag den 11.Juli holten uns Hubers (Frau Huber war auf 14 Tage nach Sachsen verreist) und Rosemanns ab und wir machten zusammen einen Spaziergang über den Flugplatz-Neuostheim nach Neckarau. Im Lamm verlebten wir einige in jeder Beziehung genussreiche Stunden und kamen erst nach 9 Uhr nach Hause.

Den nächsten Sonntag verbrachten wir wegen der Hitze in Mannheim; auch den 25.Juli.

Am 2. August begann mein Urlaub. Wir hatten schon am 1. mit Rosemanns und Freund Huber in toller Ausgelassenheit das Feurio-Volksfest auf den Rennwiesen besucht und wiederholten es am Montag. Es war auch da wieder einzig schön, brachte uns aber in dem großen Weinzelt einen ordentlichen Kater ein. Das Feuerwerk am Abend war großartig.

Bei herrlichem Wetter besuchten wir am Mittwoch dem 3.August von Gernsbach aus die Juhöhe und trafen nachmittags zum Kaffee und Vesper im "Gelben Mond" in Heppenheim ein. Wir fanden die Preise ziemlich gesteigert und werden uns in Zukunft davon fern halten.  - Nachts um 1.16 Uhr nahmen wir auf dem Mannheimer Hauptbahnhof Emil Fücks mit seiner Frau aus Hamburg in Empfang und beherbergten sie drei Tage. Da Paula während des ganzen Urlaubs nicht kocht, nahmen wir unsere Mahlzeiten auch mit ihnen im Kaufmannsheim ein. Am Donnerstag machten wir gemeinschaftlich über'm Neckar die nötigen Besuche, am Freitag verschiedene Rundgänge durch Mannheim und Ludwigshafen, am Samstag einen Ausflug nach Heidelberg.

Am Sonntag, den 8. August wollten wir den Besuch nach Landau begleiten, mussten aber wegen schon einige Tage währender Unpässlichkeit unseres Walters zurückbleiben und benützten dann alle den Tag zu der notwendigen Ruhe.

Am Montag, den 9. August trat ich meine schon längst geplante Rheinreise an. Bei herrlichem Wetter fuhr ich morgens 6.08 in Mannheim ab und erreichte über Dornberg Mainz um 8.47 Uhr. Ganz durch die Stadt bekam ich noch das Niederländer Boot "Chriemhilde", wo ich es mir auf dem Aussichtsdeck gemütlich machte. Und nun zog die herrliche Gegend panoramagleich an mir vorüber: 9.45 Biebrich, 10.00 Walluf, 10.15 Eltville, 10.25 Hattenheim, 10.35 Oestrich, 10.50 Geisenheim, 11.00 Rüdesheim, überkrönt von dem ewig-prächtigen Nationaldenkmal auf dem Niederwald; links Burg Klopp und die Rochuskapelle. Ein Geiger spielte "Strömt vorbei ihr Völkerscharen" und "das muss ja der Himmel auf Erden sein", was bei allen tiefe Rührung hervorrief. 11.15 Bingen, rechts Burg Ehrenfels, 11.30 Aßmannshausen, gegenüber Burg Rheinstein, Sooneck, 11.55 Niederheimbach, Ruine Hohneck, gegenüber Lorsch, im Rhein die Inseln, die für das Reichsehrenmal vorgesehen sind., 12.05 Bacherach, 12.15 Kaub, Ruine Gutenfels, im Rhein "die Pfalz", 12.30 Oberwesel mit der Schönburg, rechts die vielbesungene "Lorelei", 12.45 St. Goarshausen, St. Goar, links Ruine Rheinfels, später rechts Ruine "Maus", 1.05 Bad Salzig, rechst die feindlichen Brüder, Ruine Sterrenburg und Liebenstein, unten Kloster Bornhofen, 1.15 Boppard, 1.40 Rhens, Braubach mit der Marxburg , 1.50 Oberlahnstein, 2 Uhr rechts Schloss Lahneck, links Schloss Stolzenfels bei Kappellen, gleich darauf links die ehemalige Feste Ehrenbreitstein. 2.15. Ankunft in Koblenz. Ich kehrte in der "Traube" ein und bekam dort für RM 4.- ein nettes Zimmer. Nach dem Kaffee machte ich einen Rundgang durch die Stadt, die einen guten Eindruck auf mich machte. Herrlich, wohlgepflegt sind die Anlagen am Rheinufer mit dem Weindorf und am Zusammenfluss des Rheins und der Mosel das Kaiser Wilhelm I. Denkmal am deutschen Eck. Hier war ich in Betrachtungen versunken, als mir plötzlich jemand von hinten auf die Schulter schlug. Es war Herr Rabe aus Mannheim mit seinen zwei Jungen. Die Freude war groß und wurde kurz darauf im Klosterbräu gründlich begossen. Wir machten dann noch gemeinschaftlich einen größeren Bummel und löschten im Stadtgarten unseren erneuten Durst. Um 9 Uhr trennten wir uns, ich speiste im Hotel (Lendenbraten 2.80) und ging dann zur Musik in den Fürstenhof.

Der nächste Tag brachte die unvermeidliche Reisestimmung. Das Kölner Boot "Drachenfels" ging bei dichtem Nebel um 8 Uhr ab, musste aber in Bendorf anlaufen und bis 9.5 Uhr liegen bleiben, wo der Himmel wieder in prächtigem Sonnenschein erstrahlte. 9.30 Weißenturm- Neuwied, 9.50 Andernach, 10.10 Brohl-Rheinbrohl, Schloß Rheineck, rechts im Hintergrund Schloss Marienfells, 10.20 Niederbreisig, 10.30 Sinzig. Gleich darauf die Ahr-Mündung (Bad Neuenahr), dann rechts Linz, 10.45 Erpel mit der Erpeler Wand, links Remagen, 11.00 Unkel, 11.10 Rolandseck. Herrlicher Blick auf die Siebengebirge mit dem Drachenfels, rechts Bad Honnef, 11.30 Königswinter, d.h. 1 Stunde Verspätung infolge des erwähnten Nebels. 11.50 Bahnhof, an Drachenfels 12.30. Auf der Hotel-Veranda Essen nach der Karte, darauf Schwinden des Katers und lebhafte Unterhaltung mit einer Dortmunder Familie. Ab 3.15, an Bahnhofhotel 4 Uhr, Vesper und Fahrt nach Köln-Düsseldorf mit Eilzug 5.03, Ankunft 6.56 Im Europäischen Hof, den mir der DHV empfohlen hatte war alles besetzt, weshalb Nachweis eines Privatquartiers erfolgte, wo ich bei einer Familie Blank, Friedrichstr. 17 sehr zufrieden war. Preis mit reichlichem Frühstück RM 6.-pro Tag. Darauf kurzer Spaziergang auf der Königsallee und Abendbrot in dem pompösen Musik-Bier-Restaurant des Europäischen Hofes.

Am nächsten Mittwoch-Morgen regnete es in Strömen. Ich sollte mir auf der Geschäftsstelle des DHV die ermäßigten Gasolei-Karten und trat um 1/2 10 Uhr meinen ersten Rundgang durch die Ausstellung an. "Gesolei" sind die Anfangsbuchstaben der Worte "Gesundheitspflege, soziale Fürsorge und Leibesübungen". Der erste Eindruck ist ein gewaltiger. Gleich am Haupteingang liegt der Bahnhof Haupttor der Liliputbahn, die ihren Passagieren schnellen Überblick über das weite Gelände und seine Anlagen und Bauten ermöglicht. Links erreicht man durch eine Allee den gewaltigen Rundbau der Rheinhalle, deren Kupferkuppel das Planetarium enthält. Außerdem dient die Rheinhalle als Festraum für besondere Veranstaltungen. Vom Vorplatz hat man einen überwältigenden Blick auf den kunstvollsten Außenteil der Ausstellung, den Ehrenhof, den man auf einer breiten Freitreppe erreicht. Nun reihen sich die anderen Hallen und Gebäulichkeiten der Ausstellung auf dem sich über 3 km am Rhein dahinziehenden Gelände aneinander, davon Einzelheiten "der kleine Gesolei-Führer" vermitteln mag. Höhepunkte sind die Ausstellungen "der Mensch", "die freien Wohlfahrtsverbände" anschließend daran die gelungene Ausstellung des DHV, das öffentliche Fürsorgewesen, die militär- und Kolonialhygiene, Feuerlöschmaßnahmen, Wasserversorgung, Verkehrswesen und anderes mehr. Ich habe in 2 1/2 Tagen nach Möglichkeit alles Wissenswerte und für mich Interessante besichtigt und war davon sehr befriedigt. Kurze Stärkungs- und Erholungspausen boten das Hauptrestaurant, das Schützenhaus, das Volksspeisehaus, das Fischrestaurant und das bayrische Alpendorf. --- Mein alter Freund Rudolph, den ich in Düsseldorf besuchen wollte, war, es mag als Kuriosum angeführt sein, gerade nach Mannheim gefahren. Die Abende verbrachte ich bei Musik, Speise und Trank nicht unangenehm im - Europäischen Hof und trat am Freitag, dem 13. August mit den B.P. 8.45 die Rückfahrt nach Frankfurt a./M. an. Das Rheinpanorama zog nochmals in seiner majestätischen Schönheit an mir vorüber und gegen 3 Uhr nachmittags stand ich im Laden von Freund Gottmann in Frankfurt. Freund Schnall, der mir vorher geschrieben hatte, war leider verhindert. Abends 9.07 war ich wieder in Mannheim, wo sich die Meinen von einem Tagesausflug nach Landau, um den Hamburger Besuch zurückzuholen, leider noch nicht zurückgekehrt waren. Sie kamen erst gegen 12 Uhr. Samstag und sonntags unternahmen wir nicht viel, und Montag früh 5.30 fuhr der Besuch wieder nach Hamburg zurück. Nach der notwendig gewordenen Ruhe wanderten wir am 19.August nach Neuschloß zum unverhofften Besuch der Familie Schwarz, machten an den übrigen Tagen morgens und abends Spaziergänge und nahmen bis zum 22. unsere Mahlzeiten im Kaufmannsheim ein. Am Montag, den 23. begann der langsame Übergang in die geregelten Verhältnisse. Das Wetter war herrlich und veranlasste uns am Dienstag, den 24. nochmals zu einer Tageswanderung in den Odenwald. Von Heidelberg aus erreichten wir in 2 Stunden über Zollstock, den weißen Stein, wo wir im neuen Restaurant nicht gerade schlecht zu Mittag speisten. Von 1/2 3 bis 4 1/4 brauchten wir dann zum Gang nach der Strahlenburg bei Schriesheim. Mit Kaffee, Kuchen und Wein waren wir wie immer recht zufrieden. Das "Bähnchen" brachte uns 6.52 nach Heidelberg zurück, wo wir im "Bayrischen Hof" den Tag in jeder Beziehung angenehm beschlossen. Verhältnismäßig spät, nämlich 1/2 11 Uhr waren wir wieder zu Hause. Sonstige Unternehmungen von Bedeutung fanden an den folgenden Tagen nicht statt. Wir aßen sogar wieder zu Hause mit Ausnahme des letzten Sonntags, wo die Urlaubs-Henkersmahlzeit bei Dings stattfand. Die Gesamtkosten des diesjährigen Urlaubs einschließlich Unkosten für den Hamburger Besuch und meine Fahrt nach der Gesolei betrugen RM 741,81 d.h. über RM 500 weniger, wie voriges Jahr. Der Zweck der Übung war also erreicht. ---

Am 5. September waren wir wieder einmal in der "Amacitia" und unterhielten uns verhältnismäßig gut. Am 13. wurde Walter vom Realgymnasium in das "Institut Sigmund" umgeschult.

Die Pfalz war am 19. unser Ziel. Bachs waren mit von der Partie, während Paula und die Kinder zu Hausse blieben. Durch das Kaltenbrunnertal erreichten wir in 1 3/4 Stunden die herrlich gelegene Hellerplatz-Hütte des PWV. Speise und Trank waren hervorragend. Um 11 Uhr wanderten wir weiter über den Totenkopf nach der kleinen und großen Kalmit, wo wir gegen 1 Uhr ankamen. Die Ruhe da oben war recht genüsslich, weniger der Wein. Um 1/2 4 Uhr verließen wir die Höhe und waren über Kühungerquelle um 1/2 6 Uhr im "Deutschen Haus". Infolge der glänzenden Bewirtung in Gesellschaft der Familien Honig und Poppel kamen wir bald in die feuchtfröhlichste Stimmung und trennten uns nur ungern von der gastlichen Stätte. Um 10 Uhr war ich erst zu Hause.

Ein gutbesuchter Abendschoppen fand am Samstag den 25. September statt, an dem auch Robert Setzler und Frau wieder einmal teilnahmen. Die ganze Gesellschaft war am nächsten Tag im "Löwen" in Käfertal, ohne aber die Stimmung des Vortages zu erreichen.

Im ganzen Oktober verlebten Paula und ich schöne Stunden an den jeweiligen Samstags-"Dämmerschoppen" im Kaufmannsheim, die sich oft bis weit nach Mitternacht ausdehnten. Sonntags unternahmen wir des zweifelhaften Wetters wegen nichts größeres. Am 3. Oktober sprach Kollege Zimmermann, Hamburg, der Schriftleiter des DHV, hier anlässlich eines Familien-Abends, der sehr stimmungsvoll verlief. Am 24. hielt Kollege (unleserlich) einen politischen Vortrag in der Harmonie. Das Ortsgruppengründungsfest fand am 30. in hervorragender Weise im Rosen-Garten- statt. Ich nahm die Auszeichnung von 8 Jubilaren, darunter Freund Brauer und Setzlar vor, am nächsten Tag beteiligte ich mich am DHV-Kreistag in Ladenburg. Es wurden recht schöne Stunden, die wir dort verleben durften.

Die Gesangsabteilung feierte ihren 6. Geburtstag am 6. November in dem wenig anheimelnden "Gesellschaftshaus F3". Am 5. Dezember machte ich mal wieder eine Wanderung mit dem Odenwald-.Club die so wunderbar verlief, dass ich mir vorgenommen habe, mich künftig jeden Monat zu beteiligen. In Gesellschaft von Naumer und Maulbetsch u.v.m. waren wir gegen 9 Uhr in Heddesheim. Dann ging's nach Leutershausen, hinauf zur Albertsteige, zum Birkenbrünnle und von da den Leichtweg weiter. Hier begann eine überwältigende Winterlandschaft, die bis kurz vor Oberflockenbach anhielt. In der "Krone" stärkten wir uns so gut es ging und ruhten bis 2 Uhr. Gegen 4 Uhr waren wir auf dem bekannten Höhenweg über Geiersberg und dem neuen Gefallenendenkmal des O. Cl. vorbei gegen 4 Uhr in der "Bergstraße" in Weinheim. Da ging's bald recht hoch her, und die Heimfahrt wurde von Stunde zu Stunde verschoben, bis wir uns 8.05 Uhr doch von der gastlichen Stätte trennten. Um 9 Uhr war ich hochbefriedigt zu Hause.

Am 18. Dezember feierten wir R.S. mit dem DHV Weihnachten. Den Höhepunkt bildete die Nachtsitzung, die sich in unglaubhafter Stimmung bis gegen 3 Uhr morgens hinzog.

Zu Hause sollte es ein Ereignis geben: Die Montage unseren neuen Bade-Einrichtung hatte begonnen. Leider funktionierte der Automat infolge des geringen Wasserdrucks nicht gleich, was uns viel Ärger und Verdruß bereitete. Erst nach Weihnachten ging es so leidlich. Trotzdem betrachten wir das Bad als ein langersehntes Geschenk.

Den heiligen Abend verbrachten wir äußerst gemütlich im engsten Familienkreis. Das Christkindchen hatte doch außerdem noch allerhand schöne, nützliche Sachen gebracht.

Am ganzen ersten Feiertag waren die Großeltern unsere Gäste. Am 2. aßen wir bei Ding's, besuchten dann Hubers und trafen uns abends mit ihnen und Setzlers im Weinhaus Schlugg. Entgegen der ersten Zusammenkunft dort vor 14 Tagen war es diesmal nicht besonders.

Nun kam der Altjahrestag, den wir in gewohnter Weise im engsten Familienkreise, das erste mal in der Elisabethstraße 6, recht gemütlich verlebten. Mit unseren Bekannten standen wir nach 12 Uhr in telefonischer Verbindung.

 

1927

Geschäftlich trat am 1. Januar eine bedeutsame Änderung ein: Herr Generaldirektor Haltermann zog sich ins Privatleben zurück und an seine Stelle trat Herr Dr. Weiß. Wir beglückwünschten ihn dazu an Sylvester.

Als ich zum üblichen Neujahrs-Frühschoppen um 1/2 12 Uhr im Kaufmannsheim anlangte, war der große Saal bis auf den letzten Platz besetzt. Man wartete nur noch auf mich, und so musste ich abermals die Leitung übernehmen. Später aßen wir im vorderen Lokal gemeinschaftlich, machten dann einen Spaziergang und trafen uns abends wieder im R.G., wo es bis 1 Uhr lustig zuging. Herr Ding spendete "heimlich" verschiedene Flaschen Sekt. Wir beschlossen den Neujahrstag im "Stern".

Die erste Wanderung mit dem O.-Cl. in Begleitung der Kinder machte ich am 9.1.27 von Mörlenbach, über Kreiswald, Kirschhausen nach Heppenheim. Hier fand im "Gelben Mond" die Wandereraßung statt. Wir trennten uns um 1/2 6 Uhr von der Gesellschaft und waren um 7 Uhr wohlbehalten daheim.

Die nächsten Wochen hielten uns wegen Erkrankung unseres Großvaters in Mannheim fest. In der Woche mehrmals und jeden Sonntag besuchten wir ihn im Krankenhaus. Anfang Februar war eine wesentliche Besserung festzustellen, sodaß wir in Kürze mit seiner Entlassung rechnen können.

Eine glänzende Schneewanderung machte ich am 6.2.27 mit dem O.Cl.. die Bahn brachte die 400 köpfige Schar nach Zotzenbach. In 2 1/2 Stunden war von hier bei anhaltendem Schneefall die Tromm erreicht. In der Wirtschaft Keil fand Frühstück und Mittagessen statt; mit beidem waren wir recht zufrieden. Unsere engere Gesellschaft, Naumer, Maulbetsch, Freudenberger, Köhler u.s.w. brach um 1/2 1 Uhr auf. Das Schneetreiben hatte aufgehört. Über dem prächtigen Höhenweg nach dem Schimmelberg erreichten wir Waldmichelbach gemütlich gegen 3 Uhr. Im "Engel" entwickelte sich bald unter meiner Leitung und der Assistenz der netten Töchter des Hauses, die äußerst musikalisch sind, ein lebhaftes Treiben, das uns die vielen Stunden nur zu schnell verstreichen ließen. In Hochstimmung fuhren wir 3/4 7 Uhr ab und waren um 9 Uhr wohlbehalten in Mannheim.

Am 12.2.27 war DHV-Maskenball im Friedrichspark. Paula ging als Gärtnerin, Trudl als Parletta, ich im Frack. Der Saal war recht nett dekoriert und schon zu Beginn entwickelte sich darin ein fröhliches Faschingstreiben. Um 10 Uhr konnte die berühmte Stecknadel nicht mehr zu Boden fallen. Ich war in der Gesellschaft von Aug. Bach und Rosemann. Wir hatten bald überall zu "tun" und waren bei der Preispolonaise schon in gehobener Stimmung. Ich fungierte mit als Preisrichter. Durch einstimmigen Beschluß des Kollegiums erhielt auch Trudl einen 3. Damenpreis, bestehend in einer großen Schachtel Pralinen. Meine fernere Tätigkeit spielte sich meistens in der Taktbude ab, wo ich ein Menge gleichgesinnter Männlein und Weiblein traf. M.P. war natürlich auch dabei. Im Laufe der Zeit bin ich dort in die richtige Maskenball-Stimmung gekommen und muß sagen, dass ich ein richtiges Vergnügen gehabt habe. Nach Schluß kehrten wir noch im "Stern" ein und traten um 6 Uhr den Heimweg an. Ohne das Bett aufzusuchen, machten wir um 10 Uhr Sonntag früh einen Spaziergang zu den Großeltern und aßen dann später in Gesellschaft von Frau Satzler, deren Gatte infolge einer 3 fachen Operation im Krankenhaus lag, bei Ding's zu Mittag. Nun verlangte der Schlaf sein Recht und nachdem wir gegen 4 Uhr nach Hause gekommen waren, hatte wir keine Lust mehr zu weiteren Unternehmungen. Ich schlief mit kurzen Unterbrechungen bis Montag früh 7 Uhr. Am Dienstag beging ich mit Paula im R.G die Nachfeier.

Von den Fastnachtstagen war nur der Samstag schön. Vom Weinberg pilgerten wir ins R.-G. und von dort ins Palastkaffee, wo ich noch ziemlich Betrieb machte, zum Leidwesen m.P. --------

An der dritten Wanderung des O.Cl. beteiligte ich mich mit Walter. Um 8 Uhr waren wir in Neustadt. Über die Berge ging's dann auf nach Gimmeldingen. Wo sich in der Winzergenossenschaft bei einem glänzenden Tropfen und gutem Frühstück bald ein lustiges Treiben entwickelte. Die weitere Wanderung über den Pavillon nach dem Stabenberg war bei hellem Sonnenschein hervorragend. Durch die Weinbachspring erreichten wir Deidesheim gegen 3/4 2 Uhr. Wir wurden vom Pf.W.V. und einer Kapelle begrüßt. Das Gros kehrte in der Kanne ein, wir dummer Weise in der "Sattlas" Es war aber auch dort mit der Zeit recht hübsch. Wir nahmen ein einfaches Mittagessen ein und labten uns an einem hervorragenden Tropfen. Das setzten wir gegen 4 Uhr im "Winzerhaus" in Forst fort!!! Zwischen 6 und 7 Uhr pilgerten wir auf der Landstraße nach Dürkheim, beschlossen den in jeder Beziehung herrlichen Tag bei Speise und Trank im Restaurant Müller. Der Sonderzug brachte uns in einer guten Stunde nach Ludwigshafen, wo wir in der Hochstimmung noch den dummen Streich machten, den "Bayr. Sindl" (Frommhold) zu besuchen. Darauf landeten wir erst gegen 11 Uhr in der Elisbabethstraße. In unserer engeren Gesellschaft befand sich Freudenberg, Maulbetsch, Köhler, Naumer u.s.w. "Fröhlich Pfalz, Gott erhalt's"

Einen äußerst gemütlichen Spaziergang machten wir am 20 März mit Hubers durch den Waldpark nach Neckarau-Lamm. Der vorzügliche Karlsruher Stoff brachte uns bald in die gehobene Stimmung, sodaß wir erst nach 8 Uhr an die Heimfahrt dachten.

Vom 28. -30.März war ich geschäftlich in München anlässlich eines wichtigen Termins vor dem Reichsfinanzhof. In der freien Zeit besuchte ich das hervorragende "Deutsche Museum". In meinem alten Absteigequartier dem "Fränkischen Hof" war ich auch dieses Mal wieder hervorragend und preiswert untergebracht.

Eine recht hervorragende Wanderung machten wir alle zusammen am 10. April mit dem O.-Cl.. Schon nach Verlassen der Bahn in Neckarhausen bei Ladenburg begann es zu rieseln und hörte bis Dossenheim kaum auf. Trotzdem war das Frühstück in der Rose im Schmerbachheimerhof recht gemütlich. Nachher besichtigten wir die praktische Vorführung der Staustufe Wieblingen des Neckarkanals und erfuhren viel Neues und Interessantes. Eine Wassermenge von 10560 cbm wird in 20 Minuten ab und wieder zugelassen. Um 11 Uhr waren wir noch verhältnismäßig trocken in der "Krone". Das Mittagessen und der Wein waren recht gut. Wir mussten uns wegen des andauernden Regens bis 4 Uhr dort aufhalten, gingen aber dann doch noch auf dem Rundweg nach der Strahlenburg bei Schrießheim. Dort brachte uns ein vorzüglicher 1926er bald in gute Stimmung, sodaß wir den Tag recht angenehm beschlossen. Um 1/2 9 Uhr waren wir mit dem Sonderzug wieder in Mannheim.

Am Karfreitag war das Wetter recht zweifelhaft, sodaß wir unseren geplanten Odenwaldausflug unterließen. Wir aßen bei Ding's und machten dann Frommholds im "Bayr.Hinsl" in Ludwigshafen einen Besuch.. auch der Samstag sah uns mittags bei Ding's. Abends war der übliche Dämmerschoppen, der sich infolge der Ankunft von Aug. Bach's Bruder bis 11/2 Uhr ausdehnte. Wir beteiligten uns deswegen auch nicht an Bach's Ausflug am ersten Feiertag nach Heidelberg, sondern besuchten nach einem hervorragenden Essen bei Ding's die Großeltern und leisteten ihnen bei guter Speise und Trank den ganzen Nachmittag Gesellschaft, worüber sich die alten Leute sehr freuten. Abends kamen Bach's zu uns, was bis nach Mitternacht eine kleine gediegene Feier zur Folge hatte.

Am Montag, den 18.April machten wir einen Ausflug mit Hindernissen in die Pfalz. Erstens standen wir zu spät auf, wurden aber schließlich doch noch rechtzeitig fertig und verließen unsere Wohnung. Als ich als letzter die Abschlusstür zuschließen wollte, musste ich zu meinem Schrecken wahrnehmen ,dass innen der Schlüssel von der Nacht her stecken geblieben war, sodaß ich nicht mehr auf- und auch nicht zuschließen konnte. Nach vielem Probieren brachte ich endlich die Riegel der seitlichen Türhälfte mit einem Schürhaken auf, wodurch sich die Tür nach innen aufdrücken ließ. Nun war aber die Abfahrtszeit verdammt nahe gerückt und es kam auf jede Minute an, weil wir zum Bahnhof Ludwigshafen mussten. Am Wasserturm fuhr uns der "Vierer" vor der Nase weg. Genauso ging es uns mit dem "Dreier" am Paradeplatz. Es war 11.10 Uhr, 11.25 ging der Zug. Da kam der zweite "Dreier". Wann sind sie in Ludwigshafen-Bahnhof? 11.25 Uhr geht mein Zug. Auf meine Bitte veranlasste er nun den Führer etwas schneller zu fahren. 11.24 stand ich am Schalter, 11. 25 waren wir durch die Sperre, gleich darauf setzte sich der Zug in Bewegung. Bachs hatten uns noch vorbeirennen sehen. Doppelt groß war die Freude in Neustadt. Das Wetter war herrlich. Wir wanderten nach Gimmeldingen, genossen dort den ersten guten Tropfen und machten es später in Königsbach genauso. In der Winzergenossenschaft war Konzert und Hochbetrieb. Nach zwei Viertel kehrten wir auf dem mittleren Weg nach Neustadt zurück und im "Deutschen Haus" ein. Auch hier war, wie immer, Speise und Trank hervorragend. Gegen 8 Uhr waren wir wieder in Ludwigshafen. Das war ein befriedigender Abschluß der für mich im ganzen nicht teuren Osterfeiertage.

Für Sonntag, den 24. April hatten wir mit Hubers einen Besuch Weisenheim's vorbereitet. Morgens 10.18 Uhr fanden sich am Bahnhof Ludwigshafen noch weiter ein: Familie Koblat und Rosemann. Von Lambsheim aus nahmen wir den Weg durch die Obstfelder; die Blüte war leider schon meistens vorüber. Punkt 12 Uhr waren wir in Weisenheim und kehrten bei Hubers Verwandten im Restaurant Müller ein. Speise und Trank ging so ziemlich, aber nachmittags im Ludwigsheim, das auch von Herrn M. bewirtschaftet wird, war der Wein viel süffiger. Nur das Wetter war zu kühl und später auch regnerisch, sodaß wir trotz trotz schmissiger Blasmusik schon gegen 5 Uhr wieder ins Dorf zurückkehrten. Da ging's dann noch lustig zu bis gegen 8 Uhr, der Abfahrt des Heimzuges. Nach 9 Uhr waren wir recht befriedigt zu Hause, wo uns Trudl empfing, die wegen Lore's Geburtstag und Abschiedsfeier zu Hause geblieben war.

Am 7. u. 8. Mai war Gau- und Kaufmannsgehilfentag in Karlsruhe. Ich wohnte im "Europäischen Hof" gut und preiswert. Der Begrüßungsabend in der Festhalle war recht hübsch. Am nächsten Morgen besuchte ich mit unseren Kollegen den herrlichen Stadt- und Tiergarten. Um 10 Uhr war die große Kundgebung wieder in der Festhalle. Nachmittags war ich beim Konzert im Stadtgarten und abends um 1/2 7 Uhr in Mannheim.

Den seit zwei Jahren fälligen Besuch in Kocherbach hatten wir Schüßlers für den 15.Mai versprochen. Mit durchgehendem Zug erreichten wir Rimbach gegen 9 Uhr. Das Wetter war herrlich. Um 1 Uhr saßen wir zum Frühschoppen bei Reil auf der Tromm. Am 12 Uhr zogen wir im Schulhaus in Kocherbach ein. Ein einfaches, aber gutes Mittagessen schmeckte uns vorzüglich, nachdem Herr Schüßler und ich das in Affolterbach stattfindende Feuerwehrfest, anlässlich des 32. Stiftungsfestes nebst besuchten. Die Feier war recht erhebend. Nachher gingen wir zum Kaffee wieder nach Kocherbach. Die Stimmung war gehoben und veranlasste uns, in der Gesamtheit nochmals auf den Festplatz zu gehen. Da sahen wir den Wahlener Zug einfahren und bemerkten zu unserer Überraschung, dass der Fahrplan noch die Winterzüge aufwies. Es reichte uns nicht mehr zu 6.10 Uhr und wir mussten bis 8.01 Uhr aushalten. Es ist uns das aber bei Müller nicht schwer gefallen. In Weinheim hatten wir dann gleich Anschluß und waren um 1/2 11 Uhr wohlbehalten in Mannheim.

Am Montag begann die Tanzstunde(!) zuerst Paula und ich, am Donnerstag auch noch Trudl. Mit "One Stepp" fing es an, dann kam "Tango" Für mich eine Tortur!!

Am 23.5. morgens begleitete Trudl die Großmutter ins "Schwobenländle"

Am Himmelfahrtstag und den zwei Pfingsttagen unternahmen wir des kalten und regnerischen Wetters wegen nichts besonderes. Als Neuheit besuchten wir den "Malepartus, wo es wohl es etwas teuer war, wo es uns aber sehr gut gefiel und das "Fürstenberg" zum Mittagessen. Am nächsten Sonntag waren wir wieder mal im Waldpark-Stern und mit dem dort gebotenen und dem Spaziergang sehr zufrieden.

Am 13. Juni erfuhr ich von meiner notwendigen Geschäftsreise nach Wien und Brünn. Wegen der üblichen Passformalitäten war ich am Mittwoch in Stuttgart und trat am Donnerstag, den 16.6.27 meine Reise an, die mich an dem Tage bis München brachte. Ich stieg wieder im "Fränkischen Hof" ab und benutzte nachmittags das herrliche Wetter zu einem Ausflug an den Starnberger See. Ein äußerst lebhaftes Segel-Ruder und Badeleben herrschte auf ihm. Im See-Restaurant sah ich stundenlang dem interessanten Treiben zu. Ich frischte meine Erinnerungen von 1906 wieder auf und fuhr gegen 7 Uhr abends hochbefriedigt nach München zurück.

Am nächsten Tag ging um 8.45 mein Zug nach Wien. Bald tauchten im Süden der Wendelstein, die Tiroler Alpen und das Kaisergebirge mit seinen majestätischen Zinnen auf. Nach Rosenheim grüßt rechts der Simsee, links der Chiemsee, dann kommt das liebliche Traunstein., rechts wird der Untersberg sichtbar und gleich darauf Hohensalzburg, der Mönchsberg, der Kapuzinerberg und der Gaisberg. Es ist um Mittag. Die Zollformalitäten gehen rasch vonstatten, ich gedenke den Meinen mit einer Grußkarte und dann geht's weiter durch eine anmutige Gegend über Vöcklabruck, Wels, Linz, St. Pölten nach Wien, das punkt 6 Uhr erreicht wird. Die Fahrt war in Gesellschaft eines ungarischen Juden recht kurzweilig. Ich lasse mich mit dem Auto in das "Imperial" bringen, wo ich großmütig für S. 26.- noch ein Zimmer bekomme. In Wien ist Hochbetrieb aus Anlaß der "Festwoche". Kurz darauf bin ich auf dem netten Bummel über die glänzenden "Ringe", stehe staunend vor dem Massenverkehr und erreiche nach einigen Irrfahrten das mir anempfohlene "Reisenberger Stübl" wo mir das den ganzen Tag entbehrte warme Essen und ein vorzüglicher Wachauer "Dirmsteiner1926er" vorzüglich mundeten.

Am nächsten Morgen erledige ich auf der Filialdirektion Wien die Brünn betreffenden Geschäfte verhältnismäßig schnell, speise im Wiener Ratskeller hervorragend und setze die Besichtigung Wiens auf dem Weg zum "Imperial" fort. Herr Dr. Dietrich treffe ich gegen 5 Uhr im Opernkaffee und lasse mir von ihm, leider im Regen, Wien Altstadt zeigen. Der mächtige Stephansdom, die Hofburg, die Museen u.s.w. fesseln meine Bewunderung. In der Ausstellung "Wien und die Wiener" finden wir Geist und Körper Lebender und beendigen den Tag in Doktor's Stammkneipe in Wien VII.

Für den nächsten Tag verabredeten wir den Treffpunkt um 1/2 10 Uhr im Hotel.

Prächtiger Sonnenschein weckte mich. Dr. Dietrich war pünktlich zur Stelle. Wir besichtigten noch den interessanten Karlsplatz mit der Karlskirche und fuhren dann mit der Untergrundbahn nach Schönbrunn, dem Lustschloss des früheren Kaisers. Herrliche Anlagen umgeben den majestätischen Bau, der im Hintergrund von der Glorinette, einer Ruhmeshalle gekrönt wird. Der dabei befindliche Tiergarten bot viel des Interessanten und Lustigen. Wir machten einen umfassenden Bummel durch alle die Herrlichkeiten und begaben uns dann nach einem Frühschoppen zu Doktor's Eltern, die zum Mittagessen geladen hatten. Die alten Herrschaften boten alles auf und strahlten vor Freude über einen reichsdeutschen Besuch. Später brachte uns die Elektrische nach dem Weinort Grinzing im Norden Wiens, von wo aus das Kobenzl und den Kahlenberg begrüßten, die beide eine Gesamtansicht über die ganze Stadt bieten. Einem heraufziehenden Gewitter konnten wir gerade noch ausweichen und probierten dann einige Stunden beim Guttmann's Gustl den hervorragenden "Heurigen". Nach der Rückfahrt fanden wir das Hotel von einer Menge Menschen belagert, die den dort abgestiegenen Flieger Chamberlain und seinen Begleiter Lavine begrüßen wollten. Ich hatte dafür kein großes Interesse, sah aber die Abenteurer doch noch im Hotel und ging zeitig schlafen.

Am Montag, den 20 Juni, 8.05 brachte mich der Schnellzug nach Lundenburg, wo ich meine Zigarren mit KC 50. verzollen musste und weiter nach Brünn, wo ich von Herrn Pschikwill freundlich empfangen wurde.. Ich stieg im "Europäischen Hof" ab und begab mich dann sofort in die Büros unserer General-Repräsentanz, außerhalb der Stadt, in freundlicher Gegend an der Schwarzawa. In Frau Psch. lernte ich eine energische Geschäftsfrau kennen, die den ganzen inneren Betrieb leitete, während Herr Psch. Den Außendienst versieht. Eine 19jährige Tochter und ein 5jähriger Sohn, die gesellschaftlich einen hervorragenden Eindruck machten, gehören außerdem zur Familie. Meine Arbeiten und die Verhandlungen mit dem Anwalt zogen sich mit einer kurzen Unterbrechung zum Mittagessen, zu dem ich geladen wurde, bis gegen 8 Uhr abends hin. Dann machte ich mit Herrn Psch. einen Bummel in der einfachen, tschechisch stark durchsetzten Stadt und landete später im deutschen Restaurant Hannak, wo ich mit Speise und Trank recht zufrieden war. Um 11 Uhr zog ich mich ins Hotel zurück.

Am nächsten Tag ging's geschäftlich wieder bis 5 Uhr. Dann waren wir im Deutschen Haus zum Kaffee und abends in großer exquisiter Gesellschaft im Grand Hotel zum Abendbrot. Mit dem Direktor der Brünner Theater hatten wir darauf noch viel Spaß. Um 12 Uhr war ich aber trotzdem im Bett.

Am Mittwoch, den 22.6.27 suchte ich morgens die DHV-Geschäftsstelle auf und verabredete abends mit dem Geschäftsführer Möldner eine kleine Zusammenkunft bei Hannak. Tagsüber hielt ich Revisionen im Büro ab. Möldner brachte seine Frau und den Obmann der Ortsgruppe mit und bei Abendbrot und später Kaffee, das ich bestritt, verlebten wir einige gemütliche Stunden.

Donnerstags waren erneute Verhandlungen mit dem Anwalt notwendig, sodaß ich meine Abreise nach Wien auf abends 1/2 9 Uhr verschieben musste. Das Abendbrot und den Abschiedsschoppen musste ich in dem Gartenhaus der Familie Psch. einnehmen und damit war Schluß meines Brünner Gastspiels. 1/2 12 war ich wieder in Wien und stieg diesmal im "Hotel Höller" das erheblich einfacher und billiger war.

Am nächsten Morgen traf ich die Herren auf der Filial-Direktion wieder, erstattete kurz Bericht und verhandelte noch einige Stunden mit dem Buchhalter. Zum Mittagessen begab ich mich wieder in den Ratskeller, fuhr nachmittags hinaus in den weltberühmten Prater, der so ungeheuer viel des Sehenswerten bietet, dass ich nur kurze "Stichproben" machen konnte und fuhr darauf zum Abschiedsbesuch und Einkauf einiger Mitbringsel für die Meinen nochmals zu den alten Dietrich's, er ist Goldschmied, wo ich auch den Doktor wieder traf. Er hatte mit Prokurist Drosch eine Abschiedszusammenkunft im Hotel Höller verabredet, wohin wir uns später begaben und recht gemütlich zusammen waren. Die Unterhaltung drehte sich um die allgemeine geschäftliche Lage in Wien und Mannheim.

Am Samstagmorgen verließ ich das herrliche Wien mit dem durchfahrenden Zug Stambul-Ostende um 9.05 Uhr, war gegen 1 Uhr in Wels, gegen 3 Uhr in Passau über Regensburg gegen 7 in Nürnberg und punkt 9 Uhr in Würzburg, wo ich übernachten musste, da der Zug nach Frankfurt weiterging. Im Hotel National speiste und trank ich vorzüglich (Boxbeutel Ranaskeia) schlief vier Stunden und dampfte mit dem Schnellzug 4.05 Mannheim entgegen., das ich um 1/2 9 Uhr morgens erreichte. Zu Hause war man erstaunt, als ich eintrat, aber voller Freude, mich wieder zu haben.

Ruhebedürftig unternahmen wir an dem Sonntag nichts mehr und am Montag ging's wieder in die Tretmühle.

 

Das diesjährige ganz eigenartige Sommerwetter nahm auch im Juli seinen Fortgang.

Der 110er-Tag am 3. verregnete morgens gründlich. Trotzdem bewegte sich der imposante Festzug von 12000 Teilnehmern durch die festlich geschmückten  straßen der Stadt zur Einweihung des 110er-Denkmals an der Ecke Collinistraße-Ring. Nachmittags konnte bei leidlichem Wetter das Fest auf den Rennwiesen vor sich gehen. Wir waren alle miteinander draußen und haben herrliche Stunden verlebt. Ein Glanzpunkt war das Feuerwerk und die vaterländischen Konzerte von 4 Kapellen.

Am Freitag verabschiedeten wir die Kaufmannsjugend des DHV, die sich zum 3. Reichsjugendtag nach Hamburg begab. Es war erhebend, die Begeisterung von hunderten Jungkaufleuten miterleben zu dürfen.

Am 10. Juli beteiligte ich mich an der Wanderung des O.C. nach Zwingenberg-Eberbach, wohin ich die Meinen bestellt hatte, um mit ihnen die 7000 Jahrfeier der Stadt begehen zu können. Als ich von Schollbrunn aus mit Bachs um 1 1/4 in Eberbach eintraf, hatte Paula mit den Kindern in der "Krone" schon gespeist. Wir holten es dann nach. Der nachherige Bummel durch die Straßen zeigte uns eine glänzend geschmückte Stadt, in der sich nur einer und der eine "neue" Reichsfahne zeigte. Kein Haus war ohne rot-gelb, blau-weiß (Stadtfarben) oder schwarz-weiß-rot.

Bei leichtem nieselwetter musste der äußerst gediegene Festzug vor sich gehen. Aus dem braunen Wegweiser sind die einzelnen Gruppen ersichtlich. Durch Vermittlung von "Ojust" konnten wir den Zug von der Wohnung der Familie Eiermann ansehen.

Nach schluß strahlte die Sonne von einem wolkenlosen Himmel. Wir hatten im Bahnhof-Restaurant zum Kaffeee und Vesper Platz gefunden, machten dann nocheinmal einen Rundgang durch die Stadt, besuchten den Festplatz und hörten uns in der Gastwirtschaft am Bahnhof ein sehr gutes Konzert an. Der Zug 6.48 brachte uns wohlbehalten nach Hause.

Der nächste Sonntag fand uns alle zusammen mit Bachs wieder auf der Bahn zur O-W.-Wanderung ab Neckargemünd. Das Wetter war ausnahmsweise mal schön. Der Aufstieg auf den Dilsberg brachte uns ordentlich in Schweiß. Die Stimmung war deshalb keine ergötzliche. Auf Zickzackwegen führte man uns wieder ins Tal. Unterwegs versuchte Walter eine photographische Aufnahme. Im Neckarhausener-Hof ergatterten wir ein gemütliches Plätzchen im Nebenzimmer und aßen dort einfach aber gut zu Mittag. Mittels Fähre errreichten wir das andere Ufer und mussten teilweise im Regen einen ungeschickten Weg nach Neckarsteinach zurücklegen. Gegen 2 Uhr waren wir an der zur Einweihung bestimmten neuen Hütte des O.W.V. Mannheim am Galgenberghang. Dort an dem idyllischen Plätzchen entwickelte sich bald ein lebhaftes Treiben. Lustige Weisen einer Bauernkapelle wechselten mit Gesangsvorträgen und Reden ab und bei der verhältnismäßig guten Verpflegung in eigener Regie kamen auch bei wir noch etwas in Stimmung, umsomehr als die Sonne wieder warm herniederschien. Wir wollten ursprünglich der "Erschießung" Dilsbergs anwohnen, kamen aber davon ab und erreichten gerade noch vor einem plötzlich einsetzenden Gewitterregen die "Frische Quelle" in Neckarsteinach, wo wir uns noch einige Zeit aufhielten und stärkten. Der Zug 7.18 Uhr brachte uns wohlbehalten nach Mannheim zurück.

Wegen des bevorstehenden Urlaubs unternahmen wir im Juli nichts mehr. Am Freitag, den 29. nahmen wir abdends zum Abschied der Eltern bei "Dings" und fuhren am nächsten Morgen mit dem B.P. 8.28 Uhr über Schwetzingen und Freiburg nach Aha durch das romantische Höllental und an Titisee vorbei erreichten wir es um 3/4 4 Uhr und fanden das bestellte Auto zur Fahrt nach Menzenschwand vor. Auf schleifenreicher, herrliche Ausblicke bietender Gebirgsstraße kletterten wir nach Aule und dem Aulener Kreuz empor und raste jenseits hinab ins albtal. Bald erblickten wir die wie Schildkröten daliegenden Schwarzwaldhäuser von Vordermenzenschwand und nach Durchfahrt verschiedener Waldstücke hielten wir vor dem Gasthaus zum "Hirschen", unserem Aufenthaltsort für die nächsten vier Wochen. Wir wurden von dem Herr des Hauses, Herrn Primus Kaiser und der Bedienung freundlich begrüßt und in die bereitstehenden drei Zimmer geführt. Der erste Eindruck war wegen der geringen Höhe beängstigend, wir gewöhnten uns aber bald daran und haben uns auch darin wohlgefühlte. Die Koffer waren morgens schon eingetroffen. Wir nahmen den Nachmittagskaffee mit zwei Brötchen, Butter und Marmelade ein, guckten aus und machten den ersten Rundgang durch das freundliche Hinter- und Vorderdorf, die beide echten Schwarzwaldcharakter haben. Sie liegen in einem prächtigen Hochgebirgstal, an den Quellen der Alb, dicht am Südfuße des Feldbergs, der nach Norden hin seine gewaltigen Felsmassen vorlagert, zwei große Höhenzüge nach Süden sendet, die wie mit schützenden Armen das Tal umfassen. Die Wiesen im flachen Talgrund mit ihrem saftigen Grün, die junge Alb mit ihrem kristallklaren, frischen Bergwasser, die sich in steten Krümmungen durchwindet, ein endloser Hochwald als dunkler Rahmen das Ganze umfassend, geben ein friedvolles, anmutiges Bild.

Nach unserer Rückkehr gab's Suppe, Kalbsschnitzel auf Müllerin-Art und Bratkartoffeln, Apfelkompott. Ein sehr guter Markgräfler für 60 Pfennige wurde unser Lieblingsgetränk.

Am ersten Sonntag standen wir zeitig auf und gingen nach dem Kaffee auf dem markierten Weg Herzogenhorn-Spießhorn. Herrlicher Wald umfing uns bald uns so kamen wir auf den Sattel zwischen zwei Bergen. Der alpine Character machte einen tiefen Eindruck auf uns. Wegen vorgeschrittener Zeit mussten wir, ohne einen Gipfel erreicht zu haben, umkehren und kamen 1/2 1 Uhr wieder im Gasthaus an. Das Mittagessen bestand aus Nudelsuppe, jungem Hahn mit Mangold und Kartoffeln, Vanille-Creme mit Waffeln. Wir ruhten dann bis zum Kaffee, wozu Torte gereicht wurde. Unser Spaziergang führte uns auf einem Wiesenweg zur Schlucht, einem idyllischen Wasserfall, wo wir die ersten zwei Aufnahmen machten. Am Weg nach dem Feldberg ruhten wir lange und kehrten abends zum Hirschen zurück. Aufschnitt mit Butter und Brot und gemischten Salat u. Tee, mundeten uns vorzüglich. Wir gingen dann nochmals ins Vorderdorf und beschlossen den Tag gemütlich bei einem Glas Wein im Hirschen.

Am Montag-Morgen schlenderten wir nach dem Kaffee das Tal abwärts bis zur Menzenburg und dem Bad, ruhten uns dort aus und kehrten auf dem selben Weg zurück. Mittagessen: Suppe, Kalbsbraten mit Erbsen und Salat, Ananas. Um 1 Uhr traten wir unsere Wanderung nach dem Feldberg an; um 2 1/2 waren wir am Feldbergerhof, um 3 1/4 auf dem Seebuck und um 3 3/4 wieder auf dem F'hof, wo wir zum Kaffee und Vesper lange verweilten. Die auf der stolzen Höhe erhaltenen Eindrücke waren auch für Paula und die Kinder überwältigend. Walter hielt uns am Hotel im Bilde fest. Um 6 Uhr verließen wir das herrliche Fleckchen und waren um 7 Uhr wieder im Gasthaus.

Abendessen: Suppe, Rühreier mit Kartoffeln und Salat, Schinkenbrot. Ein dann niedergehendes heftiges Gewitter veranlasste uns länger als gewollt, beim Wein sitzen zu bleiben.

Der Dienstag ließ wegen Gewittern nur kleiner Spaziergänge nach Aule und an die Bernauer Brücke zu.

Am nächsten Nachmittag wanderten wir der Alb entlang auf prächtiger Fahrstraße nach St. Blasien, das wir über "Tannhäuser", ein Waldkaffee, in rund zwei Stunden erreichten. Von Weitem machte es einen äußerst vorteilhaften Eindruck, schon wegen der großen Kuppelkirche. Das Städtchen selbst wirkt gegenüber Menzenschwand bedrückend. Der Postautoverkehr nach allen Richtungen ist beängstigend, der Kurgarten recht bescheiden. Wir erledigten unsere Geschäfte beim Photographen und tranken später bei "Ell" gut und billig Kaffee. Das Kursauto brachte uns für 90 Pfennige die Person in einer halben Stunde nach Menzenschwand. Nach dem Abendessen blieben wir in gemütlicher Unterhaltung mit den benachbarten Damen (Frl. Nau) bis 1 1/2 Uhr sitzen.

Der Donnerstag brachte kleinere Spaziergänge nach Aule, dem Vorderdorf und in die bedeutenden Himbeerfelder am Fuße des Spießhorns.

Am Freitag, den 5. gingen wir nachmittags 1/4 2 nach dem Herzogenhorn und trafen 3/4 3 in dem äußerst ansprechenden Gasthaus ein. Kaffee, Kuchen, Vesper u. Wein waren vorzüglich. Währendessen setzte sich Familie Georg vom Hirschen zu uns, mit der wir schnell Freundschaft schlossen und mit der wir von jetzt ab regelmäßig zusammen waren. Auch ihr Hund "Asta" der uns seither immer geärgert hatte, wurde unser Freund. Gemeinschaftlich bestiegen wir hierauf den Gipfel, nahmen die im prächtigsten Sonnenschein unter uns liegende Aussicht in uns auf und ließen uns von Walter am Kreuz (14 m) photographieren. Die Alpen sahen wir nicht, aber die näher gelegenen Berge, wie Feldberg, Blauen, Belchen, Höchenschwand, Bernau, Titisee, Schluchsee usw.

In gemütlichem Abstieg erreichten wir den Hirschen um 1/2 8 Uhr zum Abendbrot gab's Suppe, Königsberger Klops mit Nudeln und Salat.

Nach erquickendem Schlaf verbrachten wir den Morgen auf einer Bank an dem Weg nach Aha im herrlichsten Sonnenschein. Das Mittagessen bestand aus Griesssuppe, Kalbsschnitzel mit Kartoffeln und Karotten und Aprikosenkuchen.

Bis zum Kaffee war Ruhe, dann wanderten wir abwärts bis zum Bad, wo Regen einsetzte. Abends Suppe, Rindsbraten und Salat und gemütliche Unterhaltung bis 11.

Am Sonntag, den 7. besuchten wir morgens die Schlucht und machten auch nachmittags nur kleine Spaziergänge. Abends bot der Kirchenchor und die Kapelle Menzenschwand einen Unterhaltungsabend, dessen nachfolgender Tanz bis 1/2 2 Uhr dauerte.

Am Montag schliefen wir lange und gingen dann zur Menzenburg, einem Pavillon im Tal nach St. Blasien. Nachmittags wanderten Mutter und ich, Familie Georg und Fräulein Nau auf dem Zeiger und Zickzackweg zum Feldbergerhof, dem Seebuck und dem Turen, wozu wir 2 1/4 Stunden brauchten. Von Freiburg zogen schwere Gewitter herauf. Wir dehnten das äußerst gediegene Vesper im Gasthaus als wie beabsichtigt aus, gerieten aber dann auf dem Felsenweg, der um den Seebuck herumführt, in so heftigen Regen, dass wir alle bis auf die Haut durchnässt im Hirschen in M. ankamen. "Mensch ärgere Dich nicht" hielt uns nach dem Abendbrot noch längere Zeit zusammen.

Der nächste Tag galt der Ruhe und kleineren Spaziergängen.

Mittwochs bestiegen wir mit das Spießhorn (1349 m). Auf dem Gipfel steht ein Pavillon, der einen günstigen Ausblick auf Menzenschwand und St. Blasien gewährt.

Eine photographische Aufnahme von mir ist leider nicht gelungen. Unten im Gasthaus warteten meiner einige Geschäftsbriefe, die ich bis zum Kaffee erledigte. Nachher gingen wir wieder zur Menzenburg und dem Bad, wo ich nach dem Photographieren beinahe ins Wasser gefallen wäre. Unsere gute Stimmung litt aber nicht darunter.

Am Donnerstag war's regnerisch; wir pilgerten deshalb zum Frühschoppen in die Linde. Zum Mittagessen gab's Suppe, Rehbraten mit Kartoffelbrei und Salat, Eis. Nachmittags äußerst gemütlicher Dämmerschoppen im Waldeck. Abends unter uns im "Hirschen" ein improvisierter Pfälzer Abend mit Musik, Vorträgen und Tanz. Müllers aus Speyer mit dem "Kurdirektor" Schneider schlossen sich uns näher an. Unter seiner Führung wanderten am nächsten Nachmittag wieder auf das Herzogenhorn. Im Gasthaus war bald Hochbetrieb. Walter photographierte die ganze Gesellschaft auf der Galerie. Der Abstieg erfolgte über den Menzenschwandblick, Kringshalde und Schlucht. Nach dem Abendbrot wohnten wir einer Vorführung von Herr Ali Rergs, der nach schlechter Schäffer-Art allerhand bot, bei und kamen recht spät ins Bett.

Am Samstag, den 13. verabschiedete sich Frl. Nau, die wir infolge ihres lustigen Wesens recht lieb gewonnen hatten. Ich musste nach St. Blasien, da meine Taschenuhr krank geworden war. Dabei konnte ich auch Platten zum Entwickeln mit hinunter nehmen. Im Ochsen war Speise und Trank gut. Abends war ich um 9 Uhr im Bett.

Unser Sonntag-Morgen-Spaziergang führte uns wieder nach Aule zu. Unterwegs hatten wir herrliche Alpen-Fernsicht auf das Berner Oberland, Jungfrau, Eiger, Mönch waren deutlich zu sehen. Unten erfuhren wir dann, dass diese Fernsicht Regen bedeute, was auch leider für den Rest des Urlaubs in erschreckender Weise eintraf. Mittags gab's wieder Huhn, abends gemütlich Unterhaltung.

Am Montag Nachmittag wanderten ich, Walter, Herren Eckurt und Schmitt übers Köpfle und Fernermitte nach dem Zuwiesenblick.  Titisee hatte volle Sonne, Schluchsee Regen. Den Rückweg nahmen wir auf der Feldbergstraße und über Aulener Kreuz.

Nach diesem wieder prächtige Alpensicht. Dauer der Wanderung 3 Stunden. Zu Hause trafen wir Paula nicht wohl an, sie machte sich aber in den nächsten Tagen wieder.

Am Mittwoch, den 17. schien die Sonne wieder. Wir gingen nach Aule hinüber und fühlten uns beim Frühschoppen im "Rössle" recht wohl. Vermerkt sei hier, dass Georg's am Montag abgereist waren. Nachmittags waren wir auf dem Karpfenberg, erreichten aber, wie beabsichtigt, Bernau infolge der schlechten Wege nicht. Fräulein Zoggi, die sich uns neuerdings angeschlossen hatte, zu der wir aber in keine intimeren Beziehungen zu treten vermochten, war mit von der Partie, auch die nächsten Tage.

Donnerstag-Nachmittags waren wir wieder auf dem Herzogenhorn, abends war Konzert mit Tanz bis 1 Uhr.

Am Samstag, den 20. traf uns nach dem Mittagessen wie ein Blitz aus heiterem Himmel die Nachricht vom Ertrinken Otto Rast's im Bodensee !! ----.

Später fuhren Paula und Trudl wegen Geschäften nach St. Blasien, während ich wieder geschäftliche Korrespondenzen zu erledigen hatte.

Am Sonntag war das Wetter noch einmal ungängig, denn regnete es aber so ziemlich Tag und Nacht bis Freitag Abend. Wir konnten deshalb außer kleineren Spaziergängen nichts Bedeutendes mehr unternehmen. In unserer lustigen Gesellschaft haben wir aber trotzdem auch in der letzten Woche viel Spaß gehabt. Besonders die Ausgelassenheiten Schneider's werden uns in steter Erinnerung bleiben. Abschied feierten wir der Abwechslung halber zweimal, donnerstags in intimem Kreise, während Freitags auch noch Maier's von der Sägemühle da waren; dadurch ist es wieder 12 Uhr geworden. In unserem Zimmern hatte die Bedienung Abschiedssträuße und Silberdisteln aufgebaut, was noch allerhand Unruhe gab. So sah man uns überall ungern scheiden.

Alles in Allem: auch wir haben uns in Menzenschwand sehr wohl gefühlt und werden gerne an den schönen Flecken Erde denken.

Die kosten betrugen

Für Fahrt und Gepäck   RM   96,20

Pension, Trinkgeld u. dergl.  595,32

Nebenausgaben                    324,38

 

Zusammen  RM                     1015,90

Am 27. August fuhren wir mit dem Auto nach Aha und 7.45 mit der Bahn bis Freiburg, wo wir ausstiegen, um uns diese Stadt anzusehen. Ich kannte sie, die Meinen waren recht entzückt. Nur unsere Rastplätze seien angeführt: In der "Alten Börse" frühstückten wir sehr gut, im "Fesenberg" enttäuschte uns das Mittagessen nicht und der Kaffee bei "Schanz" war erstklassig.

Der B.P. (Anm. beschleunigter Personenzug) 4.56 brachte uns in glatter Fahrt 9.17 nach Mannheim. In der Wohnung begrüßten uns von der Großmutter Blumen auf allen Tischen, ferner drei gebratene Täubchen, Kartoffelsalat, Obst und Kuchen.

Am nächsten Tag leiteten wir im K.-H. das regelmäßige Leben wieder ein. Einer Einladung der Familie Schwarz in Neuschloß, die dort seit Juni eine Wirtschaft eröffnet haben, folgend, fuhren wir am 11.927 morgens dorthin und wurden mit Freude empfangen. Die uns wohlbekannten Räume sind geschmackvoll umgestaltet, nur fehlen vorläufig noch die notwendigen Besucher. Das Wetter, das morgens regnerisch war, heiterte sich nachmittags auf, so daß wir einige recht schöne Stunden verleben konnten. Speise und Trank befriedigten sehr, nur mit dem Unterschied, dass wir diesmal und auch in Zukunft alles bezahlten. Auf dem Heimweg kamen wir in einen gründlichen Regen, der aber unserer Befriedigung keinen Abbruch tat.

Am Geburtstag meiner Paula waren wir mit größerer Gesellschaft recht lange beisammen. Am Vorabend hatte ich mit Großvater schon gefeiert.

Die nächsten Sonntag fanden uns wegen des zweifelhaften Wetters in Mannheim. Am 2. Oktober war es zwar schön, aber da ein Großflugtag stattfand, gingen wir auch nicht auswärts.

Erst am 16. Oktober entschlossen wir uns wieder zu einer Wanderung, weil Schüsslers in Kocherbach zu einem Besuch eingeladen hatten. Um 9 Uhr waren wir mit der Bahn in Kreidach und wanderten von dort auf prächtigem Weg und herrlicher sonne nordwärts nach der Tromm. Um 11 Uhr saßen wir zum Frühschoppen bei Keil und um 12 Uhr zogen wir im Schulhaus in Kocherbach ein. Wegen Malerarbeiten war der Schulsaal zum Aufenthaltsort umgewandelt worden. Es war dort recht gemütlich. Bald dampfte Suppe und Essen auf dem Tisch und in anregender Unterhaltung vergingen die Stunden. Walter machte später einige photographische Aufnahmen, nachher kam der Kaffee und das Vesper um 1/2 / Uhr fuhren wir ab Afolterbach wieder nach Hause. Wir waren von dem Tag in jeder Beziehung hochbefriedigt.

Am 30. Oktober besuchten nach dem Mittagessen im Schlosshotel, das uns nicht besonders befriedigte, in großer Gesellschaft die Kochausstellung im Ebertpark in Ludwigshafen. Sie war recht nett, bot jedoch nichts Außergewöhnliches. Der Schlußschoppen fand im K.-H. statt.

An den Allerheiligentagen überraschten uns Müller's aus Speyer mit dem Menzenschwander "Kurdirektor" Schneider mit einem Besuch. Wir waren abends zunächst im "Pschorr", später im K.-H. recht lange gemütlich beisammen.

Eine Geschäftsreise führte ich am 3. November nach Frankfurt a/M. wo ich nachmittags Georg's und 'Gottmanns aufsuchte. - Die nächste Woche brachte Versammlungstätigkeit wegen der Wahlen zur Angestelltenversicherung.

Am Sonntag, den 6. erwiderten wir den Besuch bei Müller's in Speyer, der die Kinder noch nicht kannte. Nach einem ausgedehnten Rundgang folgten wir einer Einladung in Müller's Wohnung, wo alles aufgeboten war, was zu unserem Wohlbehagen und der Gemütlichkeit beitragen konnte. Wir waren hochbefriedigt und kehrten erst mit dem 8 Uhr-Zug nach Mannheim zurück.

Am 12. November besuchten wir mit Trudl und Bachs den Ruderball im Nibelungensaal, der außer der schönen Dekoration nichts besonderes bot. Am 19. waren wir in der "Germania" zum Ball der Gesangsabteilung des DHV.

Spaziergänge nach Neckarau ins "Lamm" machten wir am 20 und 27. November.

An den Dezember-Sonntagen waren wir immer in Mannheim. Gelegentlich der Weihnachtsfeier des DHV wurde auch meines Geburtstages offiziell gedacht, und wir haben alle zusammen recht schöne Stunden erlebt. Am heiligen Abend erhielten wir unverhofft eine Einladung der Familie Brümmer im dritten, wo auch Fürst's (Anm. Juden, Trudl’s Freundin Lore) waren und wo es recht gemütlich war. Am ersten Weihnachtstag waren wie gewöhnlich die Schwiegereltern bei uns und fühlten sich wieder recht wohl. Der Weihnachtsball der "Amacitia" am zweiten Feiertag befriedigte uns gar nicht. Sylvester wollten wir im engsten Familienkreis verleben, wurden jedoch von Brümmer wieder hinuntergeholt und sind dort recht ausgelassen ins neue Jahr hineingepurzelt.

 

1928

Der historische Neujahrsfrühschoppen des DHV im Kaufmannsheim war unter meiner Leitung wieder äußerst lustig. Zum Mittagessen daselbst gesellten sich zu uns Bachs und noch einige andere bekannte Familien, was nochmals eine kleine Nachsitzung bis 3 Uhr mit sich brachte.

Abends beschlossen wir dann den Neujahrstag auch im K.-H. in fideler Stunde. Und nun haben wir uns vorgenommen, ein recht "solides" Jahr zu verleben.

 

Die erste diesjährige Wanderung mussten wir unverhofft am 29.Januar machen. Im Auftrag des Herrn Dr. Weiß sollte ich in Afolterbach ein zum Verkauf stehendes Haus besichtigen, das er bei Eignung für ein Beamtenerholungsheim zu kaufen beabsichtigte. Die Besichtigung fiel negativ aus und so pilgerten wir mit Herrn Schüßler, der uns am Bahnhof abgeholt hatte, nach Kocherbach, wo wir recht gut zu Mittag speisten. Das herrliche Wetter verlockte uns gleich darauf zu einem Spaziergang auf die Tromm und daran anschließend zu einem Nachmittagsschoppen bei "Keil". Zum Kaffee und Vesper waren wir wieder in K. und fuhren um 1/2 6 Uhr nach Mannheim zurück.

Am 3. Februar war DHV-Maskenball in der "Germania", der viel Vergnügen aber auch müde Knochen brachte. Um 6 Uhr morgens stiegen wir erst in unseren Kahn.

Am Fastnacht-Sonntag ging das erste Mal wieder seit 1914 ein glänzender Karnevalszug der Feurio durch die Straßen der Stadt.

Abends und am Dienstag war auch ich einmal in rechter Narrenstimmung.

Zu einem Ausflug kamen wir im ganzen Februar nicht. Dafür brachte uns der Jubiläums-Gautag des DHV herrlich erhebende Stunden. Ich war als Vorsitzender des Empfangs- und Begrüßungsausschusses in der "Obersten Tagungsleitung" tätig.

Den zweiten Tagesausflug in diesem Jahr machten wir am 18. März nach Heidelberg. Es war ein prächtiger Vorfrühlingstag. Im "Augustiner" speisten wir vorzüglich zu Mittag und gingen dann auf dem Philosophenweg nach der Stiftsmühle zum Kaffee, wo wir uns lange wohlfühlten. Abends führte uns der Weg am Neckar nach Heidelberg zurück, wo wir den Tag im Perkeo beschlossen.

Und nun rückte die Abreise unserer Trudl nach Leipzig, wo sie ein Jahr lang die "Höhere Schule für Frauenberufe" besuchen soll, immer näher. Die Vorbereitungen steigerten sich zur Siedehitze und am Mittwoch nach dem 4. April ging der Koffer auf die Bahn. Am nächsten Morgen begleitete ich Paula, Trudl und Walter dorthin und um 5.02 Uhr entschwand der Zug mit ihnen meinem Blicken. Entgegen meinen Befürchtungen war der Abschied ruhig aber um so herzlicher. Ich muß also die Feiertage allein verbringen!

Ich habe es mir recht gemütlich gemacht. Da das Wetter meistens schön war, ging ich viel spazieren und nahm alle Mahlzeiten im K.-H. ein. Am Ostersonntag war ich mit Bachs in der Pfalz. Wir fuhren nach Lambrecht und gingen dann auf äußerst prächtigen Waldwegen nach Lambertskreuz, von da nach Rotsteig mit Mittagsrast bei gutem Tropfen und weiter über Silbertal, Pfälzerwaldhaus nach Gimmeldingen, Haardt, Neustadt. Im Winzerverein und im Deutschen Haus fanden wir, was wir suchten und kehrten erst um 8 Uhr nach Mannheim zurück. Am Montag war für mich Ruhetag und abends konnte ich m.P. und Walter wieder in Empfang nehmen.

Es fehlt aber seit der Zeit etwas bei uns und wir werden uns noch daran gewöhnen müssen!

An den übrigen Sonntagen im April waren wir in Mannheim, weil das Wetter meistens unbeständig war. Wir aßen mittags einmal im Arkadenhof, wo wir sehr zufrieden waren und abends einmal auch sehr gut im Wartburghospiz.

Am 6. Mai fuhr ich mit Walter nach Weinheim. Wir gingen bei prächtigem Wetter über den Hirschkopf nach dem Waldnerturm zu und stiegen über Rothütte hinab ins Birkenauertal. In der Fuchs'chen Mühle war Kaffee und Vesper. Dann gab's nochmals einen kleinen aufstieg nach der Wachenburg und darauf kehrten wir in der "Bergstraße" zum Abendbrot ein. Um 1/2 9 Uhr waren wir hochbefriedigt wieder bei unserer Mutter.

Einen schon lange geplanten Ausflug konnten wir am Pfingstsonntag mit Bachs ausführen. Wir fuhren morgens bis Heppenheim, besichtigten wieder einmal die Starkenburg mit dem neuen, im entstehen begriffenen Bergfried und wanderten dann auf dem Knodener Weg über Oberhambach nach Zell. In der "Mühle" wartete ein tadelloser Pfingstschmaus, (Gemüsesuppe, Roastbeef mit Spargeln und Kartoffeln und Pudding für Mk. 1,50) auf den später ein nicht minder guter Kaffee und Kuchen folgte. Nach genügender Ruhe gingen wir nach Bensheim, nahem bei "Mühlum" einen ff. Vesperschoppen ein und fuhren um 1/2 6 Uhr nach Mannheim zurück. Das Wetter war den ganzen Tag herrlich gewesen. Wir beschlossen ihn auf Veranlassung von Bachs im "Keglerheim" nicht uninteressant. Um 10 Uhr lagen wir in der Klappe und unternahmen dafür am nächsten Tag nichts mehr.

Am 3. Juni rief der O.-C. zu einer Wanderung in die Südpfalz. Ich beteiligte mich mit Bach’s daran. Naumer und Maulbetsch führten.

Um 5 50 Uhr fuhren wir in Ludwigshafen ab, um 1/2 8 waren wir in Rinntal, wo die Wanderung begann. Eine Stunde später hatten wir vom Buchholzfelsen einen herrlichen Blick auf die Trifels-Gruppe bei Annweiler. Auf dem Weg nach Spirkelbach war Waldrast. Ein dahersausender Rehbock fiel auf den Buckel des ahnungslosen "Gustl". Bei ihm und Male Entstürzung, bei den Anderen Gelächter. In Spirkelbach kehrten wir zum Frühschoppen ein. Dann ging's durch Feld bei glühender Sonne auf den Hühnerstein. Die herrliche Aussicht auf die vielen Felsenringe entschädigte wirklich. Mittagstisch waren wir in Entweiler bei "Staab" und dann kam der Höhepunkt die Dahner Schlösser! Nach eingehender Besichtigung der Ruinen und der prächtigen Umgebung wandten wir uns, den Hochstein, eine ähnliche Felsenbildung links liegen lassend, direkt Dahn zu, einem anmutigen Städtchen am Fuße des Jungfernsprungs, das wir gegen 4 Uhr erreichten. Das Wetter war anhaltend prächtig. Im Hotel Hartmann nahmen wir Essen ein, machten einen längeren Rundgang und landeten dann nochmals bei "Schanz", dem zweiten für uns vorgesehenen Gasthaus. Auf der um 8 Uhr angetretenen Rückfahrt zeigten sich uns noch manche neue Herrlichkeiten und um 1/2 11 Uhr waren wir in bester Stimmung wieder in Ludwigshafen. Die Gegend ist sehr empfehlenswert, aber für einen Tag etwas weit von Mannheim. Die Sonntagskarte kostete RM 3,90, wozu noch 50 Pfennige Elektrische kamen. Einige wunderbare Ansichtskarten finden sich in der 1928er Sammlung einverleibt.

Der beabsichtigte Ausflug an Fronleichnam unterblieb wegen des zweifelhaften Wetters.

Am darauffolgenden Sonntag feierten wir bei Bachs Male's Geburtstag. Da am 18. Juni der Umbau im K.-H. begonnen worden war, feierten wir in kleiner, gediegner Gesellschaft am Dienstag, den 19. den "Grundstich"

Am 23. und 24. hatte der Pfälzerwaldverein Ludiwgshafen sein 25. Stiftungsfest. Samstags beteiligten wir uns am Bankett in der Ausstellungshalle im Ebertpark, das recht nette Momente aufwies. Die Fülle und die Hitze und die dann einsetzenden Gewitter wirkten aber ungemütlich. Der Festzug am nächsten Tag war ein Glanzstück! In Mannheim war auch Hochbetrieb und beim Abendfest am Friedrichsplatz und der Augustanlage erst recht. Eine hervorragenede Beleuchtung mit Konzerten und Feuerwerk war veranstaltet, an ein Durchkommen aber leider nicht zu denken. Wir zogen deswegen mit Bach’s einen Schoppen im "Arkadenhof" vor. ---

Am 1. Juli besuchten wir die neugeöffnete Reißinsel ohne jedoch etwas besonderes an ihr zu finden. Im "Stern" war's dann gemütlicher.

Am 5. abends wurden wir durch heftiges Läuten vom Abendbrot aufgeschreckt. Trudl kam, von Lore und Marga begleitet, die Treppe herauf. Sie hatte sich eine Woche früher Ferien geben lassen und war und war k.H. (Anm. kurzer Hand) nach Hause gefahren. Die Freude war groß. Den ganzen Abend erzählte sie uns dann ihre Erlebnisse, die oft eines gewissen Humors nicht entbehrten. Sie geht aber nach den Ferien trotz mancher Misshelligkeiten mit Schützens, die wir übrigens zum Urlaub in Thüringen treffen, wieder nach Leipzig, da es ihr in der Schule sehr gut gefällt. Am Samstag überraschte sie den Stammtisch im K.H. ebenso wie uns.

Eine für den 8. Juli gemeinsam geplante Wanderung von Neustadt aus musste ich mit Bachs allein machen., da die Meinen kein Lust hatten. Wir gingen gemütlich auf's Weinbiet, frühstückten und ruhten dort in dem anheimelnden Weinbiethaus der O.G.-Gimmeldingen des Pf.W.V. und waren zum Mittagessen wieder unten im "Deutschen Haus" Nachmittags besuchten wir die Tischler-Ausstellung im Saalbau und verbrachten den Rest des Tages in gemütlicher Neustadter Gesellschaft auf der Waldmannsburg. Um 1/2 9 Uhr war ich hochbefriedigt wieder zu Hause.

Am Freitag und Samstag und Mittwoch der nächsten Woche waren wir mit Trudl aus und am Sonntag Abend zum Tanz in Käfertal. Die Hitze hatte sich in diesen Tagen fast zur Unerträglichkeit gesteigert. Am Montag, den 16. trat durch Gewitter die ersehnte Abkühlung ein.

Am 22.Juli machten wir mittags einen Ausflug nach Heidelberg, wohnten dem Frühkonzert im Stadtgarten an und speisten dann im "Augustiner". Am Scheffeldenkmal trafen wir uns später mit Bachs und gingen gemeinschaftlich nach dem Wolfsbrunnen zum Kaffee und Vesper. Das Wetter war herrlich und unsere Stimmung recht gehoben. Den Dämmerschoppen nahmen wir in der Reichspost in Heidelberg ein. Am darauffolgenden Sonntag verabschiedeten wir uns von den Großeltern und Bachs zu unserer Urlaubsreise. Bei der Henkersmahlzeit im K.-H. am Dienstag begrüßten uns herrliche Blumengebinde des DHV anlässlich meiner 30 jährigen Mitgliedschaft. Abends 6 Uhr brachte uns der Feriensonderzug nach Eisenach, wo wir punkt 12 Uhr eintrafen. Wir begaben uns in den "Goldenen Löwen", wo wir uns noch etwas stärkten und dann unsere Betten aufsuchten. Paula und ich bezogen ein freundliches, geräumiges Zimmer mit Himmelbetten, die Kinder zwei kleinere, aber nicht weniger nette.

1.Tag Bummel durch Kurpark und Eisenach. Vom Marktplatz aus Aufstieg zur Wartburg. Mittagessen (Lendengoulasch) nach der Karte, da das Menü unpassend und ungeheuer teuer (RM 4.-) war. Nachher Besichtigung der Wartburg, die sich zu einem Erlebnis einer Erbauung gestaltete. Näheres im " Amtlichen Führer". Beim Abstieg kamen wir an der Reuter-Villa vorüber und ruhten später im Hotel noch etwas aus. Den Kaffee nahmen wir im "Alt-Heidelberg" am Karlsplatz (türkische Kaffeestube) ein, wo es uns bei diskreter Musik sehr gut gefiel. Nach dem Abendessen im Hotel gingen wir frühzeitig zur Ruhe.

2. Tag. Durch das Marien- und Ammental, die Landgrafen und Drachenschlucht (äußerst romantisch) zur hohen Sonne, einem erstklassigen Gasthaus mit prächtigem Ausblick auf die Wartburg. Über den Promenadenweg erreichten wir die Elektr. Haltestelle im Marienthal zur Rückfahrt nach Eisenach. Mittagessen im Hotel: Griessuppe (süß), Rinderroulade mit Gurkensalat und Kartoffeln, Käse (RM 2.-)

Nachmittags um 4 Uhr besuchten uns Schützens von Heiligenstein (Ruhla)) aus.

Wieder in "Alt Heidelberg" gab es gemütliche Unterhaltung und ernste Aussprache über ihr Verhältnis zu Trudl, die aber kaum zu einer Besserung beigetragen haben dürfte. Abends waren wir wieder allein und gingen zu einem Ehren- und Sommernachtsball im Kurgarten (bei der herrschenden Frische gründlich verunglückt)

3. Tag. 9.18 nach Heiligenstein zum Besuch von Hildegard Hocker, jetzige Frau Bohnes. Die Freude war groß und herzlich. H. hat eine kleine Gastwirtschaft als Eigentum, wo Schützens ihren Urlaub verbringen. Bei einem Spaziergang lernten wir die nette nähere Umgebung Heiligensteins kennen. Mittags wurden wir durch ein glänzendes Mittagessen überrascht: Gänsebraten mit Rotkraut und Kartoffeln, geschmorte Pfirsiche. Bei ein paar guten von mir gestifteten Flaschen Wein machte dann die ganze Gesellschaft Schmollis. Später gab's Kaffee und Kuchen und dann kam der Schwiegersohn (Zaleicke) der Herr Bohnes (Wilhelm) mit seiner Gattin und Kind, mit denen wir schnell Freundschaft schlossen. Im Bilde ist die ganze Gesellschaft festgehalten worden. Ansonst schnell verronnen die gemütlichen Stunden und um 7.05 trennten wir uns hochbefriedigt und mit dem Wunsche, uns während unseres Thüringer Aufenthalts nochmals zu sehen. Nach Eisenach zurückgekehrt, nahmen wir das Abendbrot (Schlachtfest) in der sehr sauberen "Harmonie" ein und gingen dann frühzeitig schlafen.

4. Tag Aufstieg zum Burschenschaftsdenkmal, gewaltiger, monumentaler Bau mit hervorragender Aussicht auf Eisenach und die Wartburg; zurück nach dem Lutherkeller zum Mittagessen. Interessantes altdeutsches Restaurant mit bezauberndem mittelalterlichen Räumen und der Lutherstube, wo Luther bei Frau Lotter als Kürrandeschüler wohnte. Besichtigung und Erklärung einer alten Dame fesselten sehr. Nach einiger Ruhe im Hotel, Kaffee bei "Barts"; später Abendessen im Hotel und frühzeitig zu Bett.

5. Tag. Wecken um 5 Uhr. 6.54 Abfahrt nach Wangenheim; daselbst Ankunft 3/4 9 Uhr. Ein uns abzuholender  "ganz moderner Break " stimmte uns heiter und veranlasste Trudl zu der scherzhaften Bemerkung "Familie Raffke fährt in Urlaub". Wir kamen aber wohlbehalten nach Tüngeda und wurden von Clothilde Hocker, Alfa, Alma und Frau Storch aus Köln herzlich empfangen. Ein herrliches Häuschen nennen die beiden Damen ihr eigen und auch wir fühlten uns sofort heimisch. Fleischbrühe und belegte Brote wurden aufgetragen und alte Erinnerungen aufgefrischt. Alma war eigens von Gräfenhain herübergekommen, um mich nach 42 Jahren wieder einmal zu sehen. Zum hervorragenden Mittagessen gab's einen 1921er Plattensee, der uns bald in die nötige Stimmung zur Familienchronik brachte. So kam die Kaffeezeit, Walters photographieren, ein Besuch von Tante's Grab, kurze Teilnahme am gerade stattfindenden Keglerfest u.s.w. Nach dem Abendbrot gingen die "jungen" Damen nochmals kurz zum Tanz, während ich mit Clothilde plauderte. Alma war um 6 Uhr wieder in ihren Wohnort gefahren. Da kam die Ruhezeit, zu der uns in drei Zimmern 4 prächtige Betten zur Verfügung standen., in denen wir bald in Morpheus Arm fielen.

6. Tag. Nach glänzendem Frühstück und kurzem Beisammensein galt's wieder scheiden. Wir fühlten, dass wir gerne gesehene Gäste gewesen waren. Clothilde versprach uns , uns in Friedrichroda nochmals zu besuchen und hat's auch gehalten.

10.50 bestiegen wir in Wangeheim wieder den Zug und gegen 3/4 12 Uhr waren wir in Gotha. Dies machte auf uns bei der kurzen Besichtigung einen günstigen Eindruck. Bei "Gans" frühstückten wir hervorragend, kamen durch Zugverspätung in Gotha mit einem durchfahrenden Zug 1/2 3 Uhr in Friedrichsroda an. Wir fanden ohne Mühe das kleine aber feine Hotel Hoffmann, wo wir uns drei Wochen lang recht wohl fühlten. Vom ersten Bummel durch das reizende Städtchen nach dem Kaffee im Hotel waren wir hochbefriedigt. Das Abendessen steigerte den Grad noch. Wir hatten nach der Karte Auswahl bis RM 2.- für jede Mahlzeit, trotzdem wir RM. 6.- in Pension bezahlten. Trudl zu Liebe gingen wir dann noch in das gegenüberliegende Hotel Lange zum Tanzabend bis 12 Uhr, der uns für das erste Mal recht nettes Vergnügen brachte.

7. Tag. Nach ausreichendem Schlaf spazierten wir nach dem Schlosspark Reinhardtsbrunn und zurück nach dem Kurpark zur Ruhe in seinen Anlagen. Dann kam das erste Mittagessen im Hotel: Nudelsuppe, Schmorbraten mit Kartoffelbrei, Nierenbraten mit Blumenkohl und Kartoffeln, Pudding und Käse. Nach dem bleiben die Damen zu Hause, Walter und ich gingen über den Gottlob bis zum Spießburghaus (711 m). Nach Rückkunft besuchten wir alle zusammen das Kurkonzert, machten über die Parkpromenade noch einen Bummel in die Stadt hinab. Das Abendbrot bestand aus Suppe, Eisbeinen mit neuem Sauerkraut, Kartoffeln, Zunge mit Erbsen und Kartoffeln, Tartar mit Butter und Brot und Käse.

8. Tag. Nach dem Kaffee über den Burgweg nach der Schauenburg; unterwegs gewaltige Himbeerfelder, später zurück, ich Frühschoppen im "Stern", dann Mittagessen im Hotel: Blumenkohlsuppe, Rindsroulade mit Salat, gefüllte Kalbsbrust mit Wirsing und Kartoffeln, Cremeschnitten. Nachmittags Ruhe, dann Kaffee im hotel, wegen Regen nur kleiner Bummel. Abendbrot: Suppe, Kalbshaxen mit gemischtem Salat, Spezialplatte, Hammelkeule mit Bohnen und Kartoffeln. Darauf Teilnahme an einem Tanzturnier im Hotel Lange bis 1 Uhr.

9. Tag. Spaziergang durch Oberbüching auf herrlichen Waldwegen nach dem 1 Stunde entfernt vor den Bergen, am Eingang des Lauchagrundes liegenden Kurort Tabarz. Dieses gilt als wenig judenfreundlich. Vor dem größten Hotel, "Zum Schießhaus" wird im "Garten" mit folgenden Worten gewarnt: "Jüdischen Gästen ist vom Besuch dringend abzuraten" (!) Nach Rückkunft gab's zum Mittagessen: Gemüsesuppe, Rinderbrust mit Bohnen, Kartoffeln, Schmorbraten mit Tomaten und Kartoffel, Johannisbeerkuchen. Um 3.16 fuhren wir nach Waltershausen. Das Haus in dem wir in den 80er Jahren wohnten, erkannte ich ganz genau. Die Schwester des damaligen Hauswirts Malchen Hornschuh, eine Dame in den 60er Jahren wohnte noch dort. Der Empfang bei ihr war freundlich, aber zurückhaltend, jedenfalls wünschte sie nicht, meine untenstehenden Angehörigen zu sehen. Wir haben dann einen kurzen Bummel durch die Stadt gemacht, wobei ich die alten Erinnerungen wieder auffrischte, bei Kastner Kaffee getrunken und sind über die Schnepfenthaler Straße (unterwegs war Wachtmeister Stiefel, der sich meines Vaters noch erinnern konnte unser sehr angenehmer Führer und Erzähler.) und die Klostermühle nach Reinhardtsbrunn zu einer Gondelfahrt auf dem idyllischen Weiher zurückgegangen.

Abendbrot: Suppe, Kalbsleber mit Zwiebeln und Kartoffeln, Tartar, Käse, Butter und Brot.

10. Tag. Morgens bummeln in den Grund. Dort auf einer Bank Damentasche mit größerem Geldbetrag gefunden; den Verlierern später ihr Eigentum wieder ausgehändigt. Den kühlen Grund, der nach dem Heuberg führt, aufwärts bis zu einem bescheidenen "Wasserfall", dann zurück. Mittagessen: Königinsuppe, gebackener Schellfisch mit Remouladesauce, Kartoffelsalat, Wiener Roastbraten mit verschiedenen Gemüsen und Kartoffeln, Pudding und Käse. Sofort nach Beendigung Abmarsch nach dem großen Inselsberg. Kurz vor 2 Uhr an Tanzbuche mit entzückendem Blick auf den I. dort Ankunft über Grenzwiese (kleiner Inselsberg) 3 1/4 Uhr. Im "Preußischen Hof", Verpflegung gut. Hotel Gotha größer und teurer. Aussicht herrlich, aber durch nebeliges Wetter die sonst vielgerühmte Fernsicht beschränkt. Nach 2 stündiger Ruhe (bei der sich Paula durch die Unvorsichtigkeit des sonst sehr liebenswürdigen "Ober" leider einen steifen Hals holte) und gründlicher Besichtigung alles Sehenswerten, auf dem selben Weg wieder zurück.

An Hotel Hoffmann 7 1/2 Uhr. Abendbrot: Omelette mit Leber, Rühreier mit Bratkartoffeln, Bratwurst mit Sauerkraut und Kartoffeln, Camembert mit Butter und Brot. Wegen allgemeiner Müdigkeit frühzeitig ins Bett.

11. Tag. Nur kleineren Bummel, dann Mittagessen: Königinnensuppe, Sauerbraten mit Kartoffelklössen, Aprikosen. Nachher lange geruht. Kaffee bei Saß (nicht besonders) und Spaziergang nach Reinhardtsbrunn und zurück. Abendbrot: Suppe, gemischter Kalbsbraten mit verschiedenen Salaten, Gänseleber, Sülzkotelett mit Bratkartoffeln.

12. Tag. Sonntagsbummel auf den Promenaden, Kurkonzert, Mittagessen: Ochsenschwanzsuppe, Gänsebraten mit Thüringerwaldklössen, Filet mit Pfifferlingen, Ananaseis. Nachmittags zum Konzert ins Kurhaus und später über Herzogsweg ins Hotel. Abendbrot: Spiegeleier mit Kartoffelsalat, Restaurationsbrot, Thüringer Käse, dann sehr gemütlichen Abendschoppen (Sanitäter Blumentag)

13. Tag. Trüb, später Regen. Trotzdem Walter und ich über Regenburg (steiler Aufstieg) nach dem Heuberghaus, an 10 Uhr. Ruhe bis 11 Uhr, dann durch den kühlen Grund zurück. Mittagessen: Suppe, Roastbeef mit Tomatensalat, Eisbeinchen mit Sauerkraut, Gänseklein mit Petersilienkartoffeln, geschmorte Birnen. Wegen Regen nur im Kaffee Schlinke, dann zurück ins Hotel. Abendbrot: Beeftartar und neue saure Gurken, Thüringer Käse mit Butter und Brot. Trudl darauf ins Kino, wir bis zum Schluss beim Abendschoppen.

14. Tag. Nach dem Kaffee bei herrlichem Wetter nach dem Körnberg mit Kämpf's Ruhe (Aufnahme) und Adolfsblick, Gottlob-Tempel; Klinkenstein-Tempel ; auf der Kurpromenade zurück nach Fr. Mittagessen: Kraftbrühe mit Einlage, gespickter Kalbskeule mit Blumenkohl und Kartoffeln, rote Grütze mit Vanilletunke (hervorragend). Nach kurzer Ruhe Abmarsch zur Kaffeestation Spießberghaus, an 4 Uhr, ab 5 Uhr; über Heuberghaus und kühlen Grund zurück nach Fr. Abendbrot: Suppe, Kalbshaxen mit gemischtem Salat, gekochter Schinken und Käse. Abendschoppen.

15. Tag. Nach dem Kaffee Walter und ich nach Tabarz, durch den Lauchagrund zum Aschenburgstein (Aufnahme) mit herrlicher Aussicht auf den Inselsberg, weiter am Löwenbruchstein vorbei über Tanzbuche zurück nach Fr. (3 1/2 St) Mittagessen: Blumenkohlsuppe, Rindsroulade mit Kartoffeln und Salat, Deutsches Beef mit Wachsbohnen und Kartoffeln, Cremeschnitten. Nachmittags kamen von Heiligenstein Familie Bohnes und Schütze. Kaffee im Hotelgarten bei gemütlicher Unterhaltung, dann Spaziergang und Fahrt nach Reinhardsbrunn, Bootsfahrt und Dämmerschoppen im Schlossparkhotel. Zurück ins Hotel zum gemeinschaftlichen Abendessen. Um 8 1/4 Uhr Autorückfahrt des Besuches. Wir zogen uns schnell um und gingen zum Tanzabend im Kurhaus, der recht gemütlich war, aber bis 1 Uhr dauerte.

16. Tag. Lange geschlafen; nach dem Frühstück Bummel ins Unterbüchig und weiter nach Reinhardsbrunn zur Gondelfahrt, die besonders genussreich war. Mittagessen nach Rückkunft ins Hotel: Königinnensuppe, Lammbraten mit grünen Bohnen und Kartoffeln, Schnitzel mit verschiedenen Salaten, geschmorte Pflaumen.

Um 2 Uhr empfingen wir Clothilde von Tüngenda am Bahnhof Reinhardsbrunn. Wir gingen ins Hotel zum Kaffee im Garten und machten einen netten Spaziergang mit ihr auf den Gottlob und den Klinkensteintempel und zurück zum gemeinsamen Abendbrot im Hotel: Kalbsfilet mit Kartoffeln und Salat, Tee, Um 8.15 Uhr fuhr der Besuch unter herzlicher Verabschiedung nach Gotha ab, wo sich Alfa zur Reise nach Dresden noch aufhielt. Wir kehrten zum Nachschoppen nochmals im Hotelrestaurant ein.

17. Tag. Nach dem Kaffee leider bei Gewitterregen in den Grund bis zum Wasserfall, dann zurück zum Mittagessen: Tomatensuppe, gebackener Schellfisch mit Remouladensauce und Kartoffelsalat, Schweinerippchen mit Sauerkraut und Kartoffeln, Lendenbraten mit Pfifferlingen und Kartoffel, Griesspudding.

Ruhe bis 4 Uhr, Spaziergang zur Klostermühle, daselbst Kaffee und später zurück ins Hotel zum Abendbrot: Suppe, Schweinelende mit Gemüsen, kalter Braten mit Kartoffelsalat.

18. Tag. Walter und ich um 9 Uhr nach der Dammühle, Schweizerhof, Engelbach (Paradies) auf dem Philosophenweg zurück nach Fr. Mittagessen: Gemüsesuppe, Sauerbraten mit Kartoffelklößen, gemischtes Kompott. Nach Ruhe Kaffee bei Leibold (sehr gut), Spaziergang nach dem Sporn zu, unterwegs Mannheimer Kinder getroffen, die hier zu zur vierwöchigen Erholung (Haus Iris) verweilen, gewaltige Himbeerfelder.. Zurück zum Abendbrot: gemischter Aufschnitt (vorzüglich) mit neuen sauren Gurken und Tee. Darauf äußerst gemütliche Unterhaltung mit dem benachbarten Tisch, einer Familie ... Abschiedsschoppen für Trudl.

19. Tag. Frühzeitig aufgestanden, weil Trudl packen musste, Bummel um 11 Uhr Mittagessen: Suppe, Kalbsbraten in Sahne, Salate und Kartoffeln, Eis. 12 Uhr Abfahrt nach Fröttstädt. Dort nach schwerem Abschied Abfahrt Trudls mit Schützens nach Leipzig! Wir fuhren traurig nach Reinhardtsbrunn zurück und suchten durch Ruhe im Hotel unser Gleichgewicht wieder zu erlangen. Dann zum Kaffee und Konzert im Kurgarten, Bummel und frühzeitig zum abrendbrot im Hotel: Gänsebraten mit Kartoffelsalat, Thüringer Käse mit Butter und Brot, Tee.

20. Tag. Lange geschlafen, beim Kaffee schon Karte von Trudl, dass sie gut angekommen sei, und andere Karten von unseren Mannheimer Freunden. Spaziergang über den Burgweg nach dem Abtsberg zu, zurück zum Mittagessen: Blumenkohlsuppe, Schweinerücken mit Rotkraut und Kartoffeln, Flammeri. Ruhe, Kaffee im Hotelgarten, dann Spaziergang nach Engelsbach zu, zurück zum Abendbrot: Tartar, Rühreier mit Bratkartoffeln.

21. Tag.  Gleich nach dem Kaffee nach Tabarz, den Lauchagrund, Rotalihölle, halbwegs Torstein und zurück zum Mittagessen: Suppe, Schnitzel mit Pfifferlingen und Kartoffeln, Himbeereis. Ruhe. Spaziergang nach dem Kurhaus und weiter und zurück zum Dämmerschoppen in das "Brauhaus" (nett, aber nichts außergewöhnliches) Abendbrot im Hotel: Lendengoulasch mit Kartoffeln.

22. Tag. Lange geschlafen; nach dem Kaffee Spaziergang nach Finsterbergen; Frühschpoppen im "Waldschlösschen" zurück Mittagessen: Kraftbrühe mit Einlage, gespickter Lendenbraten mit Gemüsen, Rinderbrust mit Wirsing und Kartoffeln, geschmorte Pflaumen. Nachher lange geruht, dann Spaziergang nach Reinhardtsbrunn usw. im Schlossparkhotel schlechten Kaffee getrunken, weiter nach dem Tisch, Reinhardtsberg, Kurhaus und zurück zum Abendbrot: Aufschnitt, Eisbeinchen mit Sauerkraut und Kartoffeln. Anschließend langer Abendschoppen mit Hern Mitz...

23. Tag Nach dem spät eingenommenen Kaffee Spaziergang in den Grund, nach dem Schaumburgsee über Burgweg zurück: Mittagessen: Legierte Gemüsesuppe, Sauerbraten mit Kartoffelklößen, Apfelkuchen. Ruhe. Kaffee im Hotel. Ausflug über gottlob nach dem Spießberg. Unterwegs unseren "Ober" getroffen, mit ihm und zwei Damen weiter zum Haus. Daselbst Schnapsstation und Vesper (Aufnahmen) zurück auf der Chaussee ins Hotel, an 3/4 8 Uhr. Abendbrot: Kalbs- und Geflügelleber mit Omelette und Kart. Salat, Appetitsbrot und Tee, Abendschoppen.

24. Tag. Spaziergang nach dem Abtsberg, Sporn, Gänsekuppe, Landgrafenring und zurück zum Mittagessen: Reissuppe, Schellfisch mit brauner Butter und Kart., gemischtes Obst und Käse. Ruhe, Einkauf der "Mitbringsel" bei Kollegen Witzorky. Kaffee im Hotelgarten und dann nach Reinhardsbrunn zum Rudern; zurück über Reinhardtsberg ins Hotel. Abendbrot: Kalbsleber, Bratwurst und Kartoffelsalat, Thüringer käse mit Butter und Brot. Nach dem Abendessen Paula und ich zu "Lange" zur Bier- und Tanzmusik.

25. Tag. Regnerisch, deshalb lange geschlafen. Nach dem Kaffee Bummel in Stadtanalgen. Einkäufe. Dann Mittagessen: Kraftbrühe mit Einlage, Hühnerfrikassee mit Spargel und Kart., rote Grütze und Käse. Geruht bis 1/2 5 Uhr, Kaffee bei Binhold, dann nach dem S...burgsee und dem Bismarckfelsen mit herrlichem Blick in den Grund und zurück zum Abendbrot: ff. Aufschnitt mit Butter und Brot, Beef-Tartar, Tee.

26. Tag. Letzter Sonntagspaziergang an dem Friedhof vorbei nach der Gimsruhe, Hermannstein, Insels- und Höhenbergblicke, zurück nach dem Kurhaus und Wilhelmsplatz mit Promenadenkonzert (Blumentag das Vereins für das Deutschtum im Ausland)  Mittagessen: Ochsenschwanzsuppe, Damwild mit Erbsen- und Spargelgemüse und Kartoffeln, Schokoladeneis und Käse. Dann "Packen". Nachher nach der Klostermühle zum Kaffee. Anschließend zum letzten Mal Rudern auf unserem geliebten Teich! Zurück ins Hotel; daselbst Henkersmahlzeit: Kalbsschnitzel mit Pfifferlingen, Lendengoulasch mit Kart., Aufschnitt mit Butter und Brot, Tee, Liköre, Eier usw.

27. Tag. Um 7 Uhr aufgestanden fertiggemacht und ich Koffer nach Reinhardsbrunn gebracht. Zurück um 1/2 9 Uhr, zusammen gefrühstückt, dann Verabschiedung und ab nach R. 10.02 nach Eisenach, an 11.02. Bummel und Einkehr im "Rinbackbräu". Mittagessen: legierte Blumenkohlsuppe, Schmorbraten mit verschiedenen Salaten und Kart.. Ab Eisenach 13.25 Uhr mit Schnellzug direkt nach Mannheim, wo wir punkt 18.57 ankamen. Unser Koffer kam erst am nächsten Morgen. Zu Hause war alles festlich geschmückt, nur der übliche Imbiss der Großmutter fehlte, sodass wir nochmals in den Arkadenhof zum Abendbrot gehen mussten, der recht gut ausfiel.

Am 28. Tag blieb ich noch zu Hause, um die Privatangelegenheiten zu regeln und am 29. August nahm ich meine regelmäßige Tätigkeit wieder auf. Nach einstimmigem Urteil der Meinen haben wir diesmal einen einwandfreien, herrlichen Urlaub verlebt !! ---

Die Kosten betrugen insgesamt 1323 RM.

Am 5. September morgens 5.42 Uhr musste ich geschäftlich wieder nach Wien und Brünn. Ich kam in herrlicher Fahrt durch den sonnigen Spätsommertag über München und Salzburg abends 10 Uhr in Wien-West an, wurde zu meiner Überraschung von Herrn Pschikril und von Herrn Dr. Dietrich nebst Gemahlin begrüßt und konnte später im Hotel (ich wohnte in ????Xamerand????) auch Frau Psch. begrüßen.

Wir haben dann gemeinsam nach einem gemütlichen Abend verlebt, und fuhren am nächsten Morgen an der Wiener Sängerhalle vorbei per Auto nach Brünn. In Wolkensheim (Anm.: richtig Wolkersdorf) war Mittagspause. Über Nikolsburg waren wir gegen 4 Uhr in Br. Am Freitag besichtigte ich flüchtig die Ausstellung für "zeitgenössische Kultur", machte am Samstag Nachmittag mit Psch. Einen gemütlichen Auto-Ausflug nach Schloß Eichhorn und besuchte am Sonntag in großer Gesellschaft die gewaltigen, imposanten Tropfsteinhöhlen in der Macocha bei Blansko.

Am Montag war das große Eisenbahn-Unglück bei Saitz, 1 Stunde von Brünn, das mich veranlasste wieder per Auto nach Wien zurückzufahren. Die Heimreise nahm ich über Attnang-Puchheim, Gemünden über den herrlichen Traunsee mit dem Traunstein und anderen Bergriesen und Traunkirchen nach und weiter mit der Bahn nach Ischl, dann Paradies des Salzkammerguts. Die Lokalbahn brachte mich nachmittags am St. Wolfgangssee, dem Mondsee und all den Herrlichkeiten (St. Gilgen) nach Salzburg, von wo ich den direkten Abendschnellzug 7.35 benutzte und wieder über München und Heidelberg am Samstag, den 15. September, morgens 4.52 Uhr in Mannheim eintraf.

Erwähnt sei hier, dass wir seit Beginn der Spielzeit einen langgehegten Wunsch entsprechend im Nationaltheater einen Platz haben (2. Rang, Mitte, 3.Reihe 46, Preis 180.- für 40 Vorstellungen)

Am 25. September war ich geschäftlich in Frankfurt/Main. Herr Generaldirektor Dr. Weiß nahm mich in seinem Auto bis Offenbach mit.

Einen netten Nachmittags-Ausflug hatten wir in großer Gesellschaft am 7. Oktober von Sandtorf durch den Wald nach Neuschloß und Besuch der Familie Schwarz. Es war in dem kleinen Nebenzimmer bei guter Speise und gutem Trank recht gemütlich.

Am 23. Oktober fand in der Germania eine sehr dezente Ortsgruppen- und Verbandsgründungsfeier des DHV statt, bei der ich 12 Jubilare auszeichnen konnte und woran wir uns in fröhlicher Gesellschaft bis zum Schlusse beteiligten.

An einer Wanderung des Odenwaldclubs nahmen Paula, Walter und ich am 4. November wieder einmal teil. Die Fahrt ging bis Weidenthal in der Pfalz. Über Isenach erreichten wir in dreistündiger herrlicher Wanderung das idyllisch gelegne Höningen, wo wir im Kurhaus Bürky Einzug hielten. Durch hervorragende Erzeugnisse des Schlachtfestes und einen süffigen Herxheimer kamen wir bald in die richtige Stimmung, die aber wegen des Weitermarsches nicht bis zum Höhepunkt ausgekostet werden konnte. Wir hatten noch weitere drei Stunden vor uns und erreichten Leistadt über den Ungeheuersee um 4 Uhr. Das Vesper war hier wieder sehr gemütlich, aber in der Winzergenossenschaft in Kallstadt, wohin wir gegen 1/2 6 Uhr gelangten, war es schon recht ausgelassen. Um 1/2 7 Uhr zogen wir als Nachzügler im Winzerverein Freinsheim ein. Da uns die Abfahrt der Gesamtgesellschaft um 8.40 zu spät war benutzen wir den 7 Uhr-Zug und waren um 1/2 9 Uhr wieder in unserem Heim. Die allgemeine Ansicht war, das die Wanderung zu groß gewesen sei, was vor allem Paula die nächsten Tage zu spüren hatte. Sonst war's aber recht genüsslich.

Das Lamm in Neckarau besuchten wir allein am 18.November, wo sich später Flach's zu uns gesellten.

Vom 30. November bis 3. Dezember fand in Mannheim ein Lichtfest statt, das sehr gediegen veranstaltet war. Die bedeutendsten Gebäude waren angeleuchtet, darunter auch die Christuskirche, deren geschmackvolle Architektur prächtig aus dem Dunkel hervorleuchtete. Planken, Breite- und Kunststraße trugen Lampenketten. Die großen Geschäfte hatten teilweise wunderbar illuminiert.

Vom 5. Dezember ab war unser Stammlokal, das K.-H. wegen Renovation geschlossen. Wir waren deswegen einmal im "Keglerheim" und einmal im "Hospiz".

Am 14. Dezember gab die DHV-Ortsgruppe zur Wiedereröffnung des K.-H. der Presse, einigen Honoratioren und dem Vorstand einen Empfangsabend, der in fast allen Mannheimer Zeitungen ausführlich und sehr lobend besprochen wurde. Am nächsten Samstag war Festabend der Ortsgruppe bei überfüllten Räumen, über deren Ausstattung alle eines Lobes voll waren.

Kinderweihnachten mit erstklassigen Darbietungen feierten wir am 16. im Kolpinghaus und am 18. kamen die Gehilfen und Stellenlosen zum selben Zweck im K.-H. zusammen.

Zu meinem 50. Geburtstag wurde ich von allen Seiten reich beschenkt und beglückwünscht.

Am 22. abends traf unsere Trudl wieder von Leipzig bei uns ein und wird nun wieder ganz hier bleiben. Den heiligen Abend verlebten wir bescheiden im Familienkreise.

Am ersten Feiertag waren, wie gewöhnlich, die Großeltern bei uns und fühlten sich recht wohl. Am 2ten waren wir zum Essen im K.-H. und danach zum Kaffee und Konzert im Pfalzbau in Ludwigshafen.

Sylvester feierten wir bei uns mit Bachs recht lustig.

 

1929

Wie üblich begann auch dieses neue Jahr mit dem historischen (32.sten) Frühschoppen des DHV im K.-H. Der Besuch im neuen Saal war befriedigend, und die Stimmung unter meiner Leitung wieder gut. Das Mittagessen nahmen wir gemeinschaftlich dort ein und waren auch abends zu einem von Ding’s veranstalteten Konzert dort. Bei Musik und Tanz ist's recht spät geworden.

Festgehalten sei auch in diesen Blättern, dass Tinchen E. am 3. Januar eines nicht freiwilligen Todes starb; sie wurde am 5. Januar verbrannt.

Am 13. Januar machte ich allein die erste Tageswanderung in diesem Jahr mit dem Pf. W. V. Auf der Elektrischen traf ich den "Hittler-Müller" vom DHV (Anm. Hitler mit zwei „t“ geschrieben), der den ganzen Tag mein Begleiter war. Wir fuhren nach Neustadt und wanderten über Hardt nach Gimmeldingen. Das Frühstück im Hammel sollte sich programmgemäß 2 Stunden ausdehnen. Das war uns zu lange. Wir brachen nach einer halben Stunde auf und gingen bei hellem Sonnenschein in herrlicher Winterlandschaft bei 10 Grad Kälte über Silbertal nach Rotsteig, wo wir um 3/4 12 Uhr eintrafen. Äußerst gemütlich war die Mittagspause, bei hervorragendem "Wachenheimer" bis 2 Uhr. Wir stiegen dann nach dem Eckkopf zu, wandten uns oben rechts und erreichten über eine sonnige, unbewaldete Höhe in starken 2 Stunden Königsbach, wohin die Hauptgesellschaft über den Rabenberg schon nach 2 Uhr gelangt war. Der Vesperschoppen im vorderen Lokal des Winzervereins war recht gemütlich und um 6 Uhr fuhren wir hochbefriedigt wieder nach Hause. Um 8 Uhr war ich bei den Meinen, die gar nicht ausgegangen waren.

Am darauffolgenden Samstag waren wir im K.-H. und Arkadenhof zum Kappenabend und am sonntag Abend im K.-H. zum Konzert.

Am 27. Januar machte ich nachmittags bei herrlicher Winterlandschaft einen Spaziergang durch den Waldpark, an der Silberpappel vorbei und über den Damm nach Neckarau (Lamm).

Der DHV-Maskenball in der Germania am 2. Februar war mäßig. Wir verbrachten den Rest der Nacht äußerst gemütlich bei "Balbe". Am Sonntag war Nachfeier im K.-H.. Am 9.2. waren wir zum Karnevalsrummel in großer Gesellschaft im "Weinberg". Infolge einer dabei und durch die wahnsinnige Kälte (das Thermometer stieg am Fastnacht-Dienstag auf 23 Grad) mir zugezogenen Erkältung musste ich die ganze Woche das Bett hüten.

Ein DHV-Film lief am 19.2. in der "Gloria".

Am 3. März machte ich meine zweite Wanderung. Der O.-Cl. Führte von Laudenbach aus über den Kreuzberg und die weiteren herrlichen Schneegefilde nach Juhöhe, wo Frühstücksrast stattfand. Die Sonne lockte uns bald weiter, hinab über Sonderbach nach Kirschhausen und wieder aufwärts zur Starkenburg. Gegen zwei Uhr waren wir in Heppenheim, tranken im "Halben Mond" Kaffee und fuhren 3.10 nach Weinheim, um in der Bergstraße Vesper und Abendbrot einzunehmen. Ich trennte mich um 6 Uhr von der Gesellschaft (Naumer usw) und war um 7 Uhr zu Hause. Die Meinen waren nach einem Stadtbummel im "Thomasbräu" gewesen und kamen erst um 9 Uhr.

Am 10. März waren wir zur Konfirmation von Hubers Kindern geladen. Die Einsegnung fand in der Konkordienkirche statt, das gemeinschaftliche Essen im "Hospiz" und die eigentliche, weltliche Feier in Huber's Wohnung. Es ging überall "hoch" her, und erst um 12 Uhr wurden wir losgelassen. Die Gesellschaft bestand aus 25 Personen.

Am nächsten Sonntag machten wir einen Spaziergang nach dem Strandbad, tranken im "Stern" Kaffee und waren zu einem "ausgedehnten" Abendschoppen anlässlich der Anwesenheit von Rosemann's Vater im K.-H.

Das sonnige Wetter verlockte uns am 24. März zu einem Nachmittags-Ausflug nach Weinheim. Wachenburg, Fuchs'sche Mühle und "Bergstraße", wo wir in Gesellschaft bis 9 Uhr sitzen blieben. Am Karfreitag waren wir in Heidelberg, Kohlhof, "Seppl".

Zur üblichen Ostersonntags-Wanderung schlossen sich uns Bach's an: Neustadt, Heller-Platz, Totenkopf, St. Martin. Es war überall hervorragend, vor allem im "Wolf" in St. M.

Im Neustadter "Pfalzgrafen" mussten wir auf Empfehlung von Herrn Koblat, den wir auf der Straße trafen, leider ein teures Abendbrot einnehmen. Wir waren trotzdem aber voll befriedigt, erst um 1/2 10 Uhr zu Hause.

Am Ostermontag speisten wir im K.-H. ebenso am nächsten Sonntag, an dem wir noch zum Konzert in den Pfalzbau gingen.

Mit dem O.Cl. ging ich allein am 14.4. von Eberbach über Neunkirchen (Einweihung der Auguste Pattberg-Gedenktafel) und Minneburg nach Neckargerach.

Auch am 28.4. beteiligte ich mich an der Wanderung des O.Cl. zur Einweihung des Gefallenen-Denkmals am Feldberg. Wir fuhren bis Auerbach und von Bensheim zurück. Nachdem Frühstück im Forsthaus Feldberg besuchten wir wieder einmal das Felsenmeer mit Altar, Riesensäule in deren Nähe Naumer uns im Bilde festhielt.

 

Felsenmeer bei Heppenheim Dann ging's zum Denkmal, einer gewaltigen Felsgruppe, an der der Gesamtclub in Metall das Clubzeichen mit der Unterschrift "Unseren Gefallenen 1914-18" hat anbringen lassen. Hunderte waren von allen Seiten herbeigeeilt. Weißert- Mannheim hielt die Weiherede, die von Musik- und Gesangsvorträgen umrahmt war. Von Behörden und Vereinen folgten noch andere Ansprachen. Um 4 Uhr waren wir in unserer Gesellschaft bei Muslum in Bensheim, wohin uns Aug. Bach zum Kundschaftstrinken dirigiert hatte. Es ist dann dort noch recht feucht geworden. Um 1/2 11 Uhr waren wir in Mannheim, ich nach einem Schlusstrunk im "Bahnhof I.Klasse" 3/4 12 Uhr zu Hause, nicht sehr gnädig aufgenommen von meiner Paula.

Am Himmelfahrtstag machte ich eine sehr schönen Wanderung von Weinheim auf dem "roten Strich" nach Juhöhe, wo wir das Mittagessen einnahmen. Währendessen zogen dichte Regenwolken herauf, die sich schließlich auch entluden und uns zwangen, auf dem kürzesten Weg über Laudenberg die Bahn zu erreichen. In der "Bergstraße" in Weinheim haben wir dann noch einige gemütliche Stunden verbracht und waren frühzeitig zu Hause.

Am 12. Mai fuhren wir alle zusammen zum Spargelessen nach Schwetzingen. Im "Erbprinzen" wurden wir recht gut bedient, besichtigten dann wieder einmal den Schlossgarten, nahmen bei "Gaßler" den Kaffee ein und fuhren zum Schlußschoppen ins K.-H. nach Mannheim, der sich recht lange ausdehnte.. Der Tag war schön, abwechslungsreich und ... teuer.

Der Pfingstsamstag Morgen sah mich wieder vereinlich in Schwetzingen zur Vorbereitung des Ausflugs des DHV am 2.6.

Wegen zweifelhaftem Witterung schlossen wir uns der Pfalzwanderung von Bachs am ersten Feiertag nicht an, fuhren aber dafür am 2. nach Ladenburg, aßen im "Ochsen" recht gut und wanderten dann nach Schriesheim auf die Starkenburg. Nach Kaffeerast stiegen wir wieder abwärts, stärkten uns noch kurz im "Lamm" und waren um 7 Uhr wieder an der Elektrischen in Neckarhausen, die uns recht schnell nach Hause brachte.

Am 26. Mai fuhr ich allein mit dem P.W.V. nach Edenkoben, besuchte über das Kriegerdenkmal wieder einmal die Kropsburg, deren Wirtschaft sehr gut ist und wanderte nach längerem Aufenthalt unter der großen Linde auf der Terasse alleine über Kalmit nach der Hoheloog-Hütte zur Mittagsrast. Später war ich in einer Stunde in Neustadt und wie in früheren Jahren beim "Hasenfenker" (Cornelius) sehr gut aufgehoben. Das warem Wetter hatte allerdings viel Feuchtigkeit erfordert, ich war aber doch um 3/4 8 Uhr zu Hause.

Am 2. Juni waren wir alle zusammen mit dem DHV. in Schwetzingen, wo sich unter meiner Leitung alles glänzend abwickelte. Die Chronik wäre unvollständig, wenn nicht die am 8. Juni erfolgte Eröffnung des Palast-Hotels "Mannheimer Hof" erwähnt würde.

Nun kamen die Vorbereitungen zu meinem diesjährigen Urlaub, in dem mich Trudl begleitete, weil meine Paula sich wegen der Sorge für Walter, der sich seit 2. April 1929 in der kaufmännischen Lehre (VAG, Anm. Vereinigte Armaturen Gesellschaft –Bopp & Reuter) befindet, zum Mitgehen nicht anschließen konnte.

Wir fuhren am Sonntag, den 16.6. von Ludwigshafen nach Kreuznach, wo wir um 1/2 10 Uhr anlangten. Wir besichtigten den herrlichen Kurpark und das Kurhaus und schlenderten an der Nahe entlang durch die prächtigen Anlagen und Gradierbauten nach Münster am Stein. "Zum Hüttental" am Fuße des mächtigen Rheingrafensteins machten wir den ersten Urlaubsfrühschoppen. Nur ungern trennten wir uns von dem herrlichen Plätzchen, aber wir mussten, unsere beschränkte Zeit ausnutzen, weiter nach Ebernburg. Dort fesselte uns vor allem die historische alte "Schänke zur Schwarzen Katze", wo wir aßen und eine Weinprobe vornahmen. Ein Heftchen bei der Sammlung enthält alles Wissenswerte und Interessante.

Von den Zinnen der Burg nahmen wir dann das reizende Panorama in uns auf und stiegen frohen Mutes am Hutten-Sickingen-Denkmal vorbei hinab. Die Elektrische brachte uns nach Kreuznach und der Zug in einer Stunde nach Bingen. Wir stiegen im "Starkenburger Hof" ab, waren mit den Zimmern recht zufrieden, fanden aber das "Zwangs"-Frühstück für RM 1,75 reichlich teuer.

Um 1/2 6 Uhr saßen wir schon auf der "Burg Klopp", die sich in geringer Höhe über der Stadt erhebt, zum Kaffee und Vesper. Bei einem nachherigen bummel durch die Stadt gerieten wir in den "Vater Rhein", wo wir uns bei Musik und Tanz wohl sehr gut unterhielten, aber auch bald merkten, dass das lokal gesellschaftlich nicht auf der Höhe ist. Am nächsten Morgen waren wir um 1/2 9 Uhr am Rhein, um mit dem staatlichen Trajektboot nach Rüdesheim zu fahren. Majestätisch erhob sich auf dem gegenüberliegenden Niederwald das Nationaldenkmal, unser nächstes ziel. Der Weg durch die Weinberge verursachte viel Schweiß, aber durch die Macht und Größe und die künstlerische Ausführung des deutschen Volksmals wurden wir für alle Anstrengungen entschädigt. Hätten wir doch 1918 ein ähnliches Mal errichten können!

Durch herrlichen Eichenwald auf der Höhe, erreichten wir die "Roffel", eine Ruine mit hervorragender Aussicht auf den Rhein und später das Jagdschloß am Abstieg nach Assmannshausen. Nach kurzer Besichtigung und Erfrischung kehrten wir auf einem anderen Wege zum Denkmal und nach Rüdesheim zurück, sahen uns das interessante alte Städtchen an und besuchten den berühmten "Drosselhof" in der Drosselgaß. Wir waren fast die einzigen Gäste, trotzdem spielte eine Kapelle ihre allerdings schläfrigen Weisen, die die "Anstrengungen" des vorhergehenden Sonntags deutlich erkennen ließen. Die Preise für Wein und Essen waren auf Fremdenverkehr eingestellt! Wir machten später noch einen längeren Bummel am Rhein entlang und fuhren nach Bingen zurück um uns von den fast im Übermaß genossenen Eindrücken seit unserer Abfahrt etwas auszuruhen. Später entdeckten wir auf unserem erneuten Bummel durch Bingen einen hervorragendes Garten- und Speiserestaurant "Zum Sächsischen Hof", wo sich der Wirt Herr Klunker, zu uns gesellte, und viel erzählte und uns abends zum Tanz einlud. Wir haben dann dort in Gesellschaft seiner Tochter und einiger Herren einige recht vergnügte Stunden verlebt.

Dann kam am nächsten Morgen ein Erlebnis, die Rheinfahrt von Bingen bis Koblenz. Worte sind nichts gegen die Wirklichkeit!

Wir wurden um 12 Uhr von Kollegen Merger (früher Mannheim) im Auftrag des Herrn Flach empfangen und zum Essen in den "Franziskaner" geleitet. Später kam Herr Flach, bedauerte, dass seine Frau krank zu Hause liege, und brachte uns auf unseren Wunsch in ein Hotel am Bahnhof "Bender". Wir haben uns da recht wohl gefühlt und verabredeten um 4 Uhr Treffpunkt am Bahnhof. Wir machten allein einen Bummel zum "Deutschen Eck" mit dem pompösen Kaiser Wilhelm-Denkmal, weiter nach den Rheinanlagen, zum Weindorf, das leider geschlossen war, durch die Stadt wieder zum Bahnhof und fuhren gemeinsam mit Herrn Flach auf den "Rittersturz" einem hoch am Rhein gelegenen Restaurant mit Garten und anschließendem Wald und hervorragender Aussicht nach allen Seiten. Zu richtiger Stimmung konnten wir allerdings nicht kommen. Wir haben später der Frau Flach einen Besuch abgestattet und uns den Rest des Tages im Hotel aufgehalten.

Am Mittwoch morgen fuhren wir durch die herrlichen Kirschewälder und Weinberge an der Mosel entlang nach Cochem, wo wir um 1/2 11 Uhr anlangten. In der "Stadt Köln" wurden wir vom Besitzer, Herr Kehren, freundlichst begrüßt und in unsere Zimmer geführt. Wir machten Pension für RM 6.50 aus und sind dabei glänzend gefahren. Die Besichtigung zeigte uns ein freundliches, anmutiges Moselstädtchen mit vielen engen Gassen und alten Türmen, Toren und Mauern, überragt von der imposanten Burg "Cochem", die von dem Juden Ravené in den 70ger Jahren fast nach alten Plänen aus einer Ruine wieder aufgebaut worden ist.

Gegenüber, verbunden durch eine Betonbrücke, liegt das berühmte Weindorf Cond mit der "Brixiaden-Stube", die wir auch besuchten.

Moselaufwärts steigt die "Brauselay" die Loreley der Mosel zu imposanter Höhe empor und gegenüber liegt das freundliche Dorf Sehl, von dem sich bis Cochem die Moselanlagen- und Kai's erstrecken. An diesen liegen eine Menge Hotels mit freundlichen Terrassen, die zur Rast und Erquickung einladen. Wir haben im Laufe unserer Anwesenheit manche besucht, z.B. Hotel Union, Hotel Vohs, Germania. Weiter zurück am Enderttor befindet sich die berühmte Thorschänke, eine historische Weinstube, wo besonders Trudl ihre Cochemer Bekanntschaften machte, die ihr viel Vergnügen eintrugen.

Am ersten Nachmittag schlenderten wir durch den Stadtwald, der sich an den Bergen im Enderttal hinzieht, um die Ruine Minneburg zu erreichen. Infolge der Hitze erschien uns aber der Weg zu weit und wir kehrten wieder um, uns an der Mosel ein schattiges Plätzchen suchend. Abends war der übliche Bummel auf der Moselpromenade und dann Einkehr und Weinprobe.

Donnerstag, den 20.6. machten wir eine "Rekordtour". Wir fuhren 7.36 Uhr durch den 4200 m Langen Kaiser Wilhelm-Tunnel an Eller und Neef vorbei nach Bullay, dem Beginn der Moselbahn; daselbst Ankunft 7.56, zu Fuß zur Marienburg an 8.26, Besichtigung, Rast bis 8.45; dann zum Aussichtsturm auf dem Prinzenberg mit der bekannten Aussicht auf die sich, durch Berge und Krümmungen bedeckt, verschiedentlich zeigende Mosel mit den lieblichen Örtchen daran. Abwärts 9 Uhr, an Alf 9.20, ab mit dem Auto nach Bad Bertrich durch das romantische Tal, Besichtigung in einer halben Stunde, zurück mit dem Auto nach Bullay, wo wir durch Zufall gerade noch den 11 Uhr Zug nach Cochem erreichten, der 20 Minuten später dort war. Das Ganze wird sonst in einem Tag gemacht; wir waren aber auch von unserer Halbtagswanderung hochbefriedigt. Nachmittags und am nächsten Morgen, Ruhe und Bummel, Besichtigungen, Weinproben, Musik, Tanz u.s.w.

Am 21.6. nachmittags 12.03 fuhren wir mit dem Schnellzug nach Wengerohr und mit dem Anschlussbähnchen nach Bernkastel, das wir um 1/2 2 Uhr erreichten. Es liegt herrlich an der Mosel und wird von der Ruine Landshut überragt. Gegenüber, durch eine gefällige Brücke verbunden liegt Cues. Wir staunten über die alten Fachwerkbauten am Marktplatz und das geschmackvoll erneuerte Rathaus und schlenderten durch enge Gässchen der "Doktorstube" zu. Sie ist ein vornehmes Weinrestaurant mit vielen alten Erinnerungsbildern und dem großen Relief von der Heilung des Fürsten durch den Doktor-Wein. Ihn selbst habe ich wegen der Höhe des Preises (RM. 10) nicht probiert, wohl aber eine hervorragende Flasche Branneberger-Juffer getrunken. Wir sind dann bei dem herrlichen Wetter über den Berg nach Trarbach-Traben gewandert, wo wir eine halbe Stunde vor Abgang des Zuges nach Cochem ankamen. Abends das übliche, lustige Beginnen.

Am nächsten Tag, Samstag, war Ruhe. Wir sind nur nach Sehl, Ebernach promeniert, haben größeren Stadtbummel gemacht, sind dann dort zum Kaffee in der Thorschänke zum Dämmerschoppen eingekehrt und abends wieder im Hotel gelandet. Trudl war in ihrer Cochemer Gesellschaft.

Wir haben während unseres Aufenthalts auch die Lascher Linde, die drei Kränze, das Pinner Kreuz, die Wackeburg und die Außen Burg Cochem besucht, und überall herrliche Eindrücke und Aussichten gehabt.

Sonntag den 23.6. verregnete in C. ein großangelegter Flugtag.ereignte sich ein. Wir hatten uns den Besuch Trier's vorgenommen und haben ihn mit großen Kosten auch ausgeführt. Die römischen Überreste sind hervorragend, sonst ist die Stadt wenig ansprechend. Wir haben uns deshalb auch nur 2 Stunden dort aufgehalten und waren um 1/2 8 Uhr wieder in Cochem. Dort hatte sich das Wetter wieder gebessert, sodaß die Burg-Beleuchtung vor sich gehen konnte. Durch die Eigenart übertrifft sie fast die von Heidelberg. Trudl brachte später die ganze Gesellschaft von der Thorschänke mit in's Hotel, wo es bis spät nachts noch recht ausgelassen herging.

Leider mussten wir am nächsten Morgen von der uns lieb gewordenen Stätte scheiden. Wir hatten uns an die Familie Kehrer sehr gewöhnt, die es uns an nichts fehlen ließ.---

Um 1/2 12 Uhr waren wir wieder in Koblenz und 12.19 auf dem Dampfer nach Bonn. Da das Wetter etwas unbeständig war, hielten wir uns während der Fahrt im Salon auf, von wo wir aber die Sehenswürdigkeiten doch glänzend überblicken konnten. Ich habe mir ein paar Fläschchen Laubenheimer 1926er gestiftet und in rheinischer Gesellschaft eine schöne Fahrt verbracht. Um 15.23 landeten wir in Bonn, leider bei Regen, freundlich begrüßt von Fräulein Neu, die aber unseren Besuch nicht richtig vorbereitet hatte. Ihre Empfehlung des "Löwen", als unruhige Studentenkneipe, und wie es uns schien, ab und zu auch als "Absteigequartier" war entschieden ein Mißgriff. Da aber das Essen im allgemeinen für den Pensionspreis von RM 5.50 gut war, sind wir geblieben und haben uns mit den Unbequemlichkeiten abgefunden.

Den Dienstag verwandten wir trotz des kühlen regnerischen Wetters zu einer Besichtigung Bonns. Von den vielen prächtigen Anlagen fällt vor allem die Poppelsdorfer-Allee mit dem Kaiserplatz und Denkmal, dann die Universität mit dem Hofgarten und die Anlagen am Rhein mit Zollfreiheit und Arndt-Denkmal auf.

Sehenswert ist ferner die Rheinbrücke, das Beethovenhaus, das Münster u.s.w.

Wir waren auch auf dem Venusberg und der Raffelsruhe mit herrlichem Blick nach Godesberg zu. "Hühnchen" und "Kaffee Frinpgs" sind einladende Gaststätten.

Am 26. nachmittags fuhren wir mit Frl. Neu nach Königswinter und stiegen sogleich zum Drachenfels empor. Der Jahrmarktsrummel auf dem Wege dahin interessierte besonders Trudl, aber auch wir gerieten in Stimmung und ließen uns im "Flugzeug" photographieren. Oben auf der Terrasse war die Aussicht herrlich, aber infolge des trüben Wetters beschränkt. Wir haben uns aber bei einer guten Musik den Kaffee gut schmecken lassen. Nach dem Abstieg war Vesper mit Wein bei "Ballinghausen" vorzüglich. Abends war ich im Gasthaus, Trudl auf dem Studentenbummel.

Am nächsten Tag besuchten wir nachmittags das herrliche Godesberg, tranken auf Godesburg Kaffee, spazierten dann nach den Rheinanlagen mit herrlichen Ausblicken auf das gegenüberliegende Siebengebirge und kehrten später in der Stadt bei der "Lindenwirtin" ein, die den Inhalt zu "keinen Tropfen im Becher mehr" gegeben hat. Wir haben die jetzt noch lebende "Änne Schumacher" als 68jährige in ihrem jetzigen Häuschen nebenan flüchtig gesehen.

Nach Bonn zurückgekehrt, erfuhren wir, dass Frl. Neu für abends einen Tanzausflug wieder nach Godesberg vorgesehen hatte, an dem sich aber nur Trudl beteiligte, während ich mit dem DHV im " ???" vereinbart hatte. Es ist dann an dem Abend recht spät geworden.

Am 28. fuhren wir mit der Rheinuferbahn nach Köln, waren um 10.20 Uhr dort und wurden im Hotel "Obladen" frdl .aufgenommen. Umgehend fuhren wir in die Goebenstraße zum Besuch des Kölner DHV-Heimes, dass in seiner Innenausstattung hervorragend, die Fassade der modernen Sachlichkeit gefiel uns nicht. Nach einem vorzüglichen Mittagessen besichtigten wir die "Hohe Straße", den mächtigen "Dom" und seine Umgebung und gingen am Rhein entlang nach dem "Zoo". Wir haben darin auch bei gutem Konzert viel Spaß gehabt. Abends waren wir wieder zum Konzert im "Handelshof" und "Stapelhaus".

Am Samstag setzten wir die eingehende Besichtigung fort, waren im Volksgarten und nachmittags im "Messe"-Gelände, wo noch überall mit Ausnahme der Ausstellungshallen Betrieb war. Kinderbelustigung im Vergnügungspark und Konzert im Parkhaus ließen die Zeit schnell verrinnen und zum Abendbrot waren wir wieder in unserem Hotel. Der Abendbummel führte uns wieder durch die Hohe Straße und ins "Löwenbräu", wo wir bei den Weisen einer schneidigen Kapelle und in Gesellschaft von 2 älteren Kölner Herren (ein Elferratsmitglied) in wahre Hochstimmung gerieten.

Am nächsten Tag (3. Sonntag) fuhren wir nach Düsseldorf, besichtigten die schöne Stadt in großen Zügen und nahmen später im Europäischen Hof das Mittagessen ein. Nach dem gesellte sich ein Düsseldorfer Herr, den Trudl in Cochem kennen gelernt hatte, zu uns, der uns später in den "Mattheiser Garten" führte, wo bunte Bühne und Tanz stattfand. Wir haben uns dabei einige Stunden recht gut amüsiert. Um 1/2 9 waren wir wieder in Köln, wo ein heftiger Gewitterregen eingesetzt hatte, der uns veranlasste, den Abend im Hotel zu bleiben. Dort leistete uns der Besitzer, Herr Obladen, angenehm Gesellschaft, sodaß wir doch erst gegen 11 Uhr das Bett aufsuchen konnten.

Am Montag, den 1. Juli machten wir nochmals einen größeren Bummel durch die Straßen Köln's, nahmen im Weinrestaurant "Bekmann" den Frühschoppen ein und begaben uns dann zur Henkersmahlzeit, Pökelkamm mit Sauerkraut, ins Hotel. Nach freundl. Verabschiedung, Trudl hatte von Herrn Obladen sogar eine Schachtel Sarotti bekommen, strebten wir dem Bahnhof zu, bestiegen den Eilzug 14.06, waren 15.20 in Mainz und 16.32 in Ludwigshafen. Ab dort über die Brücke 16.48, an Mannheim 16.57; um 7 zu Hause.

Bis Samstag war zu Hause Ruhe.

Am Sonntag, den 7.7. morgens 5.50 Uhr ging's mit dem DHV unter Naumer's Führung nach Elmstein, Johanniskreuz, Karlstal, wo wir überall viel Erholung und Spaß hatten. Einige Photos zeigen die kleine aber feine Gesellschaft. Nach einem Schlußschoppen im "Bürgerbräu" Ludwigshafen, war ich um 1/2 11 Uhr zu Hause.

Für den nächsten Tag standen die kleinen Koffer schon bereit. Nach langem Hin und Her hatte ich Paula bestimmen können, mich nach dem "Enzhof" zu begleiten. Der Eilzug ging 7.43 über Heidelberg nach Mühlacker. Pünktlich 11 Uhr waren wir in Calmbach. Wir gingen den selben Weg und wurden dann von Harter's Wagen aufgenommen. Das Wetter wurde immer besser, sodaß wir während unseres ganzen Aufenthalts die Sonne nicht entbehren mussten. Wir wurden auf dem Enzhof herzlich empfangen, erhielten wieder das Zimmer Nr. 2 im Neubau. Von Bekannten waren da: Familie Ruff aus Mannheim, Familie Kolb aus L'hafen, Familie Schmidt, dazu lernten wir noch Familie Kaltschmidt kennen. Abends kam "Ojust", voller Freude darüber, dass Paula dabei war.

Wir haben in den nächsten Tagen alle die lieben Plätzchen von vor 6 Jahren wieder besucht, öfters Erdbeeren zur Bowle gesammelt, gelacht und gescherzt, überhaupt einige herrliche Tage erlebt. Ein nettes, zahmes Rehchen erfreute sich vor allem P.'s Obhut. Am 6. Tag hatte Ojust keine Ruhe mehr und fuhr heim. Ich blieb mit P. noch bis Sonntagnachmittag. Wir sind dann gemütlich nach Calmbach gelaufen, haben im Bahnhofhotel gemütlich Vesper und Dämmerschoppen gemacht und sind um 6.13 nach Hause gefahren, wo wir über Mühlacker und Graben 9.19 ankamen, von Walter freundlich begrüßt. Er war während der Zeit mit Trudl gut ausgekommen, die ihm den Haushalt geführt hatte.

Damit war mein vierwöchiger Urlaub zu Ende und am 15. Juli saß ich wieder an meinem Schreibtisch. Wir waren außer Walter, der erst nächstes Jahr manches nachholen kann, alle befriedigt ! -

Am 4. August besuchten wir mit dem DHV wieder einmal das "Seckenheimer Schlösschen". Es war recht nett, aber wegen der Größe des Saales kam keine richtige Stimmung auf.

Eine schöne Pfalzwanderung machten wir am 11. August mit Bachs. Wir fuhren bis Edeenkoben, frühstückten in der Winzergenossenschaft (Rießling 40 Pfennige) und wanderten dann über das Siegesdenkmal nach der Kropsburg. Dort nahmen wir das Mittagesen ein und ruhten darauf längere Zeit in dem nahen Wald. Der Abstieg führte uns nach -St. Martin, wo wir im "Goldenen Wolf" noch einige gemütliche Stunden verlebten. Um 1/2 8 Uhr waren wir in L'hafen und um 9 Uhr zu Hause.

Am Montag begrüßten wir in der Weisenburgstube des "Mannheimer Hofs" Familie Krause aus München. Am Sonntag den 18. Aug waren wir im "Ebertpark" in L'hafen, wo die schönen Anlagen unser Entzücken errregten. Am darauffolgenden Sonntag fuhren wir nach Weinheim und wanderten nach Hohensachsen. Bei Markmann war das Mittagessen wieder sehr gut. Über Ritschweier kamen wir dann wieder nach Weinheim, wo wir im Ratskeller zu Vesper und Dämmerschoppen einkehrten. Um 8 Uhr waren wir wieder zu Hause. Am Samstag, den 31. August nahmen wir an der 30. Gründungsfeier der Ortsgruppe Lu'hafen im DHV teil.

Am 8. Sept beteiligte ich mich an der Fernwanderung des O.Cl. nach Kirn-Oberstein-Idar. Die Wege ließen zu wünschen, aber Dhaun, Kallenfelsen und die Felsenkirche in Oberstein waren recht sehenswert. Im Allgemeinen lohnte der Ausflug die großen Kosten nicht. Einige nette Aufnahmen von Fritz Naumer sind der Sammlung einverleibt.

Am 21. September beerdigten wir unseren alten Freund Schollmeyer in Käfertal!

In den nächsten Wochen nahmen mich die Vorbereitungen zu dem großen Oktoberfest-Rummel im K.H. ungeheuer in Anspruch. Ich hatte aber die Genugtuung, dass die Tage vom 5.-7.Oktober wahre Festtage wurden, die allen gefielen. Das K.H. war von vorn bis hinten stets überfüllt.

Zur Erholung gingen wir am 12.10 mit Bachs in die Pfalz. Von Dürkheim aus wanderten wir nach Rotsteig und nach Rast daselbst wieder nach Wachenheim, wo wir den "Graf Zeppelin" in den Lüften wieder einmal bewundern konnten. Das Abendbrot nahmen wir in der Winzergenossenschaft Dürkheim ein und gingen dann nach Rückkunft nochmals zur Nachfeier ins K.H. Da war unter meiner Leitung bis 12 Uhr erneut Hochstimmung.

Zu einer weiteren Wanderung oder einem Ausflug kamen wir leider in der nächsten Zeit nicht mehr. - Bei der Landtagswahl am 27.10.29 wurde Herr Wenth auf der Liste der Deutschen-Volkspartei gewählt. Am 3.11.29 waren wir alle miteinander zur Gratulation beim Großvater, der seinen 70. Geburtstag beging.

Ein gediegener Morgentrunk mit und bei ihm war recht gemütlich. Nachher aßen wir im K.H. und machten später einen Spaziergang nach Mundenheim und zurück. Im Pfalzbau-Kaffee war Dämmerschoppen bei Konzert.

Die Gründungsfeier des DHV am 9.11.29 im Friedrichspark stand unter meiner Leitung und verlief glänzend. Leider waren anstatt der erwarteten 1000 nur 550 Besucher anwesend.

Am 16. November waren wir zum Ball beim DHV Lampertheim, wo es bis 3 Uhr recht lustig zuging. Die Rückfahrt erfolgte per Auto.

An den üblichen Weihnachtsfeiern im DHV, die nichts besonderes boten, beteiligten wir uns im Dezember und feierten Weihnachten in hergebrachter Weise, am ersten Feiertag beim Besuch der Großeltern, in der Familie. Den wirtschaftlichen Verhältnissen entsprechend war der Weihnachtsmann sehr bescheiden.

Sylvester folgten wir einer Einladung Bachs, bei denen es bis 2 Uhr morgens recht lustig zuging. Nicht gerade in gehobener Stimmung sehen wir dem neuen Jahre entgegen.

 

1930

Der 33. Neujahrsfrühschoppen des DHV spielte sich in gewohnter Weise im K.H. ab, war diesmal besonders feierlich. Nachher speisten wir im K.H. sehr gut und machten nachmittags infolge einer Einladung einen Besuch bei der Familie Flach, die für uns und eine sehr nette Familie Hofmann alles nur mögliche aufgeboten hatte. Abends waren wir zu Hause.

Am 5. Januar stieg die erste Wanderung mit dem O.-Cl. von Heidelberg über 3 Eichen nach Leimen und zurück über den Bierhelderhof. In der "Krone" in Leimen und den "3 Eichen" in Heidelberg war bei vorzüglicher Speise und Trank Hochstimmung. Nur Walter hatte mich begleitet; die "Damen" waren zu Hause geblieben. Um 8 Uhr waren wir hochbefriedigt wieder zu Hause.

Am 2.1. machten wir einen sehr netten Spaziergang am Neckar entlang nach Seckenheim und nahmen im "Löwen" den Kaffee ein. Rückweg mit der Elektrischen.

In der Jahreshauptversammlung des DHV vom 14.1. legte ich mein Amt als Geselligkeitsobmann, das ich für 1929 innegehabt hatte, wieder nieder.

Wegen der bedrohten Sicherheit meiner Stellung konferierte ich am 19.1. mit Herrn Generaldirektor Dr. Weiß. Die Auswirkung muß sich noch zeigen. (Ab 1.1.30 20% Gehaltskürzung)

Eine glänzend verlaufene Büromaschinen-Ausstellung mit rund 4000 Besuchern veranstaltete der DHV am 25. und 26.1. im K.-H.

Die zweite Wanderung dieses Jahres machte ich am 2.2. mit dem O.Cl.; sie ging von Weinheim über Nächstenbach nach Liebersbach und zurück nach Weinheim, wo in der "Bergstraße" kurzer Dämmerschoppen stattfand.

Abends waren wir auf dem DHV-Maskenball im Friedrichspark. Trudl's Befinden, die schon vorher über Schmerzen an einem Hühnerauge geklagt hatte, hatte sich im Laufe des Abends so verschlimmert, dass ich sie wegen befürchteter Blutvergiftung um 1/2 4 Uhr nachts ins Krankenhaus bringen musste. Unter fachkundiger Behandlung wandte sich aber alles nochmals zum besten, und nach 5 Tagen konnte sie das Krankenhaus wieder verlassen. Der Fall hat uns viel Aufregung und Sorgen gemacht!

An Trudl's Geburtstag machte ich nachmittags einen Spaziergang mit Walter in den Käfertaler Wald, der recht genussreich war, nachher fand die interne Familienfeier statt. Eine lustige Nacht verlebten wir am 15.2. in der "Morgenröte", Fortsetzung am nächsten Abend im K.-H.

Die dritte Tageswanderung unternahm ich am 23.2. mit Walter. Von Neustadt aus stiegen wir aufwärts bis zum Hohelooghaus, wo ein gediegenes Frühstück stattfand. Von hier aus hatten wir 4 Stunden nicht unbeträchtlich Schnee. Luft, Aussicht, Erholung waren dadurch hervorragend. Um 12 Uhr waren wir auf Forsthaus Heldenstein. Das Mittagessen, Grünkernsuppe, Schweinekotelett mit Bratkartoffeln und Sauerkraut mundete großartig. Nach zweistündiger Rast besuchten wir die Denkmäler auf dem Schänzel und gingen den markierten Weg weiter nach Edenkoben, wo wir um 5 Uhr anlangten. Nach kurzem Vesper-Aufenthalt im "Deutschen Haus" fuhren wir mit der Elektrischen nach Neustadt zurück und mit dem 7 Uhr-Zug nach Hause. Einige Aufnahmen von Walter zeigen, wie herrlich es war.

Ausnahmsweise brachte mir diesmal Fastnacht einige Stimmung. Der Kappenabend des DHV war, wie immer, mieß, aber bei Lelbe, wo wir zu viert bis 6 Uhr morgens waren, war's "klar". Am nächsten Tag, Fastnachtssonntag, brachten die verschiedenen Umzüge trotz den Menschenmassen keine Stimmung auf. Wir machten im K.-H. einen sehr fidelen Dämmerschoppen. Auch am Fastnachtsdienstag ging's dort um die Zeit los und setzte sich im "Casino" mit Wenth's bei "Burgeffgrün" bis 5 Uhr fort.

Am 16.März machte ich mit dem O.Cl. die Unglückswanderung auf den Eichelberg mit. Es war oben sehr kühl und ich holte mir einen ordentlichen Luftröhren-Katarrh, der schlimmer und schlimmer werdend, mich am 12. April ins Bett zwang. An Lätare waren wir aber mit Bachs und Freudenbergers trotzdem in Heidelberg gewesen. Am 22. April, am Tage, an dem ich dies niederschreibe, bin ich noch unter ärztlicher Behandlung des Herrn Dr. Brumm, zu Hause.

Am 27. April waren wir mit Bachs in Weinheim, Windeck- Wachenburg-Sattel, Fuchs'sche Mühle und bei Böhler.

Vom nächsten Tag ab waren die unangenehmen Verhandlungen mit Herrn Dr. Weiß, die erst Anfang Juni endeten (Kaltstellung Dir. Müllers) !!-

Am 4. Mai besuchte ich mit meiner Paula den Ebertpark in L'hafen, sonst geschah in ganzen Zeit nichts Besonderes.

Wider Erwarten konnte ich meinen für den 7. Juni geplanten Urlaub antreten. Herr Dr. Weiß stellte mir das Geschäftsauto zur Verfügung, das uns zusammen mit Lore Fürst am Samstag, den 7. Juni in herrlicher Fahrt nach Bergzabern brachte, wo wir um 8.30 Uhr morgens im "Rössel" freundlichst empfangen wurden. In dem freundlichen, sauberen Hotel fühlten wir uns sofort wohl, frühstückten und traten unseren ersten Rundgang an.

Wir verfolgten das herrliche Kurtal mit den verschiedenen Kurhäusern, auf dem abseits liegenden "Westenhöfer" an dem Kurhaus Pfälzerwald" und der "Villa Karcher" vorbei in seiner Verlängerung bis zur Gastmühle" einem evang. Kindererholungsheim und kehrten auf der Straße an der "Augspurger Mühle" vorüber ins "Rössel" zurück. Dort war an dem von uns gewünschten Tisch gedeckt. Es gab: Nudelsuppe, Ochsenfleisch mit Kartoffelgemüse, Meerrettich, Gurken, Rettich und Eiersalat und Preißelbeeren, zum Nachtisch 2 Stück Mirabellenkuchen; dazu Bergzaberner Steinbühl für 30 Pfennige das Viertel.

Nachmittags gingen die Kinder in das hervorragende städtische Schwimmbad, wir auf dem Martinspfad in den Wald und zurück zum Bummel in dem Städtchen. Abendbrot: Für 5 Personen 11 Wiener Schnitzel mit Bratkartoffeln und Kopfsalat. Abendschoppen, Spaziergang und um 10 Uhr ins Bett.

8.6. Wecken 7 Uhr. Lore brachte beim Kaffee einen prächtigen Pfingstrosenstrauß, dann Spaziergang nach Dörrenbach, herrlich inmitten von Bergen mit essbaren Kastanien gelegen und berühmt durch die befestigte Kirche und die schönen Fachwerkbauten. Zurück und Mittagessen: Ochsenschwanzsuppe, Zander mit holländischer Soße und Salzkartoffeln, Roastbeef mit Leipziger Allerlei und Croquettes, Vanille-Eis. Hierauf Ruhe, Kinder ins Bad, wir Philosophenweg nach Kurhaus Pfälzerwald (Besitzer ein Mannheimer Bäckermeister Wegmann) Kaffee und später mit den Kindern über Martinspfad ins Hotel.

Abendessen: Kalbsleber, pikant mit Bratkartoffeln und Salat. Gemütliche Unterhaltung mit einer größeren Karlsruher Gesellschaft, dann zum Tanz ins "Westenhöfer" Saal und Veranstaltung nicht sehr einladend.

9.6. Nach dem Frühstück Morgenspaziergang nach Weißenburg zu, dann zur Wappenschmiede über den Wald; sehr romantischer und interessanter Platz (fehlende Ordnung) mit oberschlächtigem Wasserrad betriebenen Hammerschmiede (300 Schläge in der Minute)

Frühschoppen - 1 Liter Pleisweiler RM 1.-

Zurück und Mittagessen: Grüne Kernsuppe, Geflügel-Pastete, Kalbsbraten mit Tomaten-Spaghetti und Salat, Haselnußeis.

Ruhe, Kinder ins Bad, wir im Kurhaus Behret zum Kaffee (gut). Abends: Russische Eier, Aufschnitt mit Butter und Brot, dann Lore zur Bahn begleitet. Wir Abendschoppen und Unterhaltung mit dem sozialen Wirt (Küchenchef) Sommer bis 11 1/4 Uhr. Bei nötiger Bettschwere hervorragender Schlaf.

10.6. Walter und ich um 1/2 9 auf Umwegen und dem Prinzregentenpfad auf den Stäffelsberg mit hervorragender Aussicht nach Westen; der Osten war leider bedeckt. Abstieg nach Dörrenbach, Frühschoppen im "Lamm" zurück und Mittagessen: Suppe, Frikadellen mit Spargelgemüse und Kartoffeln, Torte. Ruhe bis 4 Uhr, Kaffee im Hotel, Rundgang: Festplatz, Liebfrauenberg, Schöne Aussicht und zurück. Abendessen: Lendenbeef mit Ei, Bratkartoffeln und Salat. Abendschoppen und Unterhaltung mit dem Erbauer des Kriegerdenkmals Kern aus Speyer.

11.6. Nach dem Frühstück Kinder ins Bad; wir Philosophenweg, Finstertal zurück. "Pfälzerwald" Frühschoppen, im Hotel Mittagessen: Einlaufsuppe, 8 Rindsrouladen mit Kartoffelbrei und Salat, Erdbeeren. Um 2 Uhr mit Privatauto nach Berwartstein, von außen und die Gegend herrlich, innen verwahrlost (der dänische Besitzer renoviert erst); zurück nach dem Seehof, auch nicht wie erwartet, aber aufwärtsstrebender, neuer Besitzer, 3/4 5 Uhr wieder in Bergzabern. Später Abendessen: 12 Spiegeleier, eine Platte gekochten Schinken mit Bratkartoffeln und Salat (alles aufgegessen) Fideler Abendschoppen mit den anwesenden Reisenden und Herrn Kern.

12. 6. Nach dem Kaffee auf Umwegen nach Dörrenbach, dort Frühschoppen und zurück. Mittagessen: Hirnsuppe, Rehbraten mit Erbsen und Karotten und neuen Kartoffeln, Vanilleeis. Ruhe bis 4 Uhr. Kinder ins Bad. Dann zur Wappenschmiede und über Pleisweiler zurück. Abendessen:: Rumpsteak mit neuen Kartoffeln und Salat.

13.6. Nach dem Frühstück nach dem Späthbrunnen und weiter gegen Blankenborn zu; ab nach Augspurgermühle, wo uns ein Gewitter überraschte. Frühschoppen und zurück zum Mittagessen: Erbsensuppe, Stangenspargel mit Omelette und Kartoffeln, Schneeier; Ruhe und zum Vesper in den "Pfälzerwald". Abendessen im Hotel: Schweinekotelett mit neuen Kartoffeln und Salat.

14.6. Das Hauptereignis: Ich wurde per Auto zu Herrn Dr. Weiß geholt. In 2 Stunden haben wir die Bilanz endgültig fertig gemacht und um 8 Uhr war ich wieder im "Rössel".

15.6. Spaziergang nach Dörrenbach und Frühschoppen im Kurhaus Waldruhe (Spies), sehr gut, zurück und Mittagessen: Königinnen Suppe, garnierte Fischmayonnaise, Rehrücken mit neuen Kartoffeln und Salat, Erdbeereis. Ruhe, Packen. Vesperschoppen im Pfälzer Hof-Garten (gut). 1/4 8 Uhr Abfahrt von Paula und den Kindern nach Mannheim.

16.6. Ich war nun allein und machte in den nächsten zwei Wochen die alten und eine Menge neuer Spaziergänge: Kolmerberg-Kapelle- Dörrenbach, Höhenweg über Kurhaus Wolf nach Gleiszellen. Gurrenberg - Böllenborn (Löwen, gut) Birkenhördt- blankenborn.- Petronell: Hohe Eiche.-Rechtenbach- Ruine Guttenberg -3 Eichen Kolmerkapelle (mit Fäulein Sommer im ersten Teil stark eingeregnet) usw. Vom Essen ist folgendes hervorzuheben: Pilzpasteten, Rehkeule mit Spaghetti und Salat. Roastbeef mit jungen Gemüsen; junger Hahn mit Salat, Erdbeereis. Matjeshering mit neuen Kartoffeln, Butter und Brot, Wiener Rostbraten mit neuen Kartoffeln und frischen Erdbeeren. Boef à la tartar (prima), kalter Braten mit Eiern, Butter und Brot, Kalbsbraten und Zunge in verschiedenen Zubereitungen. Kalbs- und Rindsgoulasch (äußerst pikant). Suppe mit Geflügeleinlage, junger Hahn mit Gemüsen und Salat und Gurken. Schweinerücken mit Wirsing u. neu. Kart. Bei auch guter Unterkunft kostete die Pension RM. 5.-

Die Befreiungsfeier am 30.6. war in Bergzabern selbst bescheiden. Sie setzte abends 6 Uhr mit der interessanten Beflaggung fast jeden Hauses ein. Ich zählte in einer Straße auf 100 m 15 weiß-blaue, 11 schwarz-weiß-rote und 1 Kurpfalzflagge, sonst nichts anderes. Das Stadthaus hatte gehisst: eine weiß-blaue, eine schwarz-rot-gelbe und ... eine schwarz-weiß-rote!

Um 10 Uhr wurde es auf den Straßen lebhaft. Um 1/2 12 Uhr begann die Beleuchtung des Marktplatzes und das Glockengeläute. Später Radio-Übertragungen, Gesangsvortrag und die 50 Minuten lange (langweilige und gehässige) Festrede des Dekan Born. Nach dem Gesang des Deutschland-Liedes liefen die Massen teilnahmslos auseinander. In anderen Städten waren es wirkliche Freudenfeste. Auf den Höhen brannten Freudenfeuer entsprechend der Stimmung war auch der Nachtschoppen im "Rössel" ruhig und kurz.

Zusammenfassend: Wir haben uns in Bergzabern und im Rössel sehr wohl gefühlt und Ruhe, Erholung und Stärkung gefunden.

Am 2.7. morgens brachte mich das Geschäftsauto wieder nach Mannheim. Ich habe mich dann noch einige Tage wieder daran gewöhnt und am 7.7.30 meinen Dienst angetreten. Gesamte Urlaubskosten RM 435

Den nächsten Ausflug machten wir am 13.7. nach Weinheim und beteiligten uns an den unterhaltenden Veranstaltungen des Schweinetages, erst in der Fuchs'schen Mühle, und nachher in der "Bergstraße" bis 11 Uhr.

Anlässlich der Befreiungsfeiern konnten wir am 19.7. in Ludwigshafen unseren Hindenburg begrüßen und Sonntags, bei einer Tageswanderung mit Bachs nach Neustadt-Weinbiet, den "Graf Zeppelin", der morgens schon über Mannheim geflogen war. Es waren an beiden Tagen erhebende Stunden!

An einer Fernwanderung des O.Cl. beteiligte ich mich mit Bachs am 3. August. Ein Sonderzug brachte uns mit Abfahrt um 5 Uhr über Ludwigshafen, Worms, Biblis, Goldstein, Höchst nach Königstein i/T. Um 8 Uhr begann die Wanderung über Adolftempel, Dettweilertempel, Falkenstein, Lipstempel, Fuchstanz und endete in ihrem ersten Teil um 1/2 11 Uhr auf dem "Großen Feldberg" (880m) Wir konnten sofort unser Mittagessen einnehmen und genossen dann die Herrlichkeiten von da oben. Über Sandplatten waren wir um 3 Uhr auf der Saalburg, besichtigten sie eingehend und nahmen im Hotel den Kaffee ein. Die Elektrische brachte uns um 4 Uhr nach Homburg v.d.H.. Wir besichtigten den Schlossgarten, das Schloß, die Erlöserkirche, die Stadt, den Kurpark und waren zum Vesper im DHV-Lokal gut aufgehoben. Kurz vor Abfahrt trafen wir noch Gottmann's. die zur Kur in H. weilten und fuhren über Rödelheim und dann den selben Weg wie herzu nach Hause. Die Tour war bei herrlichstem Wetter großartig aber durch Länge des Aufseins sehr ermüdend.

Am 9. und 10. waren wir wegen des Turnertages in Feststimmung. Die beiden Festzüge waren sehr erhebend. Auf der Rennwiese und in der neu eröffneten Rhein-Neckarhalle war Hochbetrieb.

Auf 16. war ich im Auftrag der Firma zur Bestattung des Vertreters Meyer in Frankfurt a/M.. Ich verbrachte auch einige Zeit bei der Familie Gottmann. -Am nächsten Tag machten wir mit Ojust die Mundenheimer Kerwe im Riesen mit.

Am Sonntag, den 24.August waren wir mit Rosemanns im neuen Schießhaus, wohin wir nach einem genussreichen Spaziergang am Neckarkanal gelangt waren.

Das herrliche Wetter verlockte uns am 31. August zu einer Pfalzfahrt. Von Dürkheim aus erstiegen wir den Peterskopf mit dem Bismarckturm und gingen dann 5 Minuten abwärts zur Lindemannsruhe. Die mitgebrachten Hähnchen mundeten uns dort bei einigen hervorragenden Schoppen Freinsheimer ausgezeichnet, und in gehobener Stimmung blieben wir 4 Stunden dort. Um 5 Uhr waren wir auf dem selben Weg wieder in Dürkheim, wo wir im Schlosskaffee den Tag bei guter Tanzmusik recht angenehm beschlossen. Nach 9 Uhr waren wir wieder in Mannem!

Die nun beginnende Regenperiode ließ gar keine größeren Unternehmungen mehr zu. So war auch der Kreistag des DHV in Durlach am 5. Oktober stark von der Witterung beeinflusst. In kleinerer Gesellschaft fuhren wir deshalb nach Schluß der Verhandlungen nach Karlsruhe und machten bis zur Rückfahrt einen gemütlichen Dämmerschoppen im "Moninger"

Am 18.10 folgten wir einer Einladung des jungen Ehepaars Naumer, wo es recht nett war; am nächsten Tag landete "Graf Zeppelin" auf dem Flugplatz in Anwesenheit von 100 000 Menschen.

Anläßlich des Vortrages ???Hagenwald??? am 4. November trat von 2 - 3/4 5 morgens das "Kaffee Heerwagen" wieder einmal in Tätigkeit.

Am 21.11. war ich geschäftlich in Frankfurt und besuchte bei dieser Gelegenheit auch Gottmanns, die infolge Zahlungsschwierigkeiten einen Vergleich schließen mussten.

Eine schon verschiedene Male verschobene Pfalzwanderung konnten wir am 30. November durchführen. Mit der Rh.-H.-Bahn waren wir um 10 Uhr in Dürkheim. Wir frühstückten zunächst in den "4 Jahreszeiten" und wanderten dann auf dem weiß markierten Weg über 3 Eichen nach Rotsteig, wo wir um 12 1/2 Uhr anlangten. Nach 2 ff Stärkung und Ruhe bei einem hervorragenden 28er Wachenheimer Gockel kehrten wir auf dem selben Weg wieder zurück, hatten aber leider unterwegs längere Zeit Regen, der jedoch unserer guten Stimmung keinen Abbruch tun konnte. Um 1/2 5 Uhr saßen wir bei Musik im Schlosskaffee und später bei Müller zum Abendbrot und Schlußschoppen (28er Dürkheimer Feuerberg). Um 9 Uhr waren wir hochbefriedigt wieder in unserem Heim. Bachs und die andere Gesellschaft hatten sich an der Odenwaldwanderung nach Waldzimmerbach beteiligt.

Im Dezember fand nichts Besonderes statt. Wie üblich waren die Großeltern am 1. Weihnachtstag unsere Gäste. In recht gemütlicher Stimmung hielten sie bis 1/4 11 Uhr aus. Den Sylvesterabend verbrachten wir gemütlich zu Hause und begrüßten das neue Jahr mit dem üblichen Punsch.

Die vielen Enttäuschungen des abgelaufenen Jahres finden hoffentlich im neuen keine Wiederholung!

 

1931

Am Neujahrstag machte ich erst die übliche "Gratulationskur" bei Dr. Weiß und begab mich dann zum 34. hist. Frühschoppen des DHV ins K.-H., das jetzt Herr Hartrich von der Liedertafel bewirtet. Der Besuch war sehr gut. Becker konzertierte. Menth hielt die große Neujahrsrede. Die Stimmung stieg, bei manchen bis nachts 1 Uhr. Paula kam mit den Kindern um 1 Uhr von den Großeltern. Wir speisten dann im K.-H. und hielten uns noch bis 4 Uhr dort auf. Abends war ich zum Schoppen wieder da, Walter mit den Damen zum Ball.

Am 11.1.31 waren wir nachmittags in Heidelberg, Philosophenweg, Harlaß, Perkeo (Fam. Köhler) Rückkehr 10 Uhr.

Die erste Wanderung dieses Jahres machte ich am 1.2. mit dem O.Cl. Bei herrlichem Wetter ging's von Waldhof aus über Karlsstern, Jägerhaus nach Neuschloß. Dort hatte die Familie schwarz für Großbetrieb gerichtet. Rippchen und Bratwürste mit Kraut, dazu ein vorzüglicher Kallstadter mundeten hervorragend. Leider brachen Naumers und Bachs zu früh nach Lampertheim auf, wo trotzdem der Kaiserhof schon überfüllt war. Wir haben uns aber dann bei Hügle gegenüber kurze Zeit recht wohl gefühlt und sind um 1/2 6 Uhr nach Mannheim gefahren. Dummerweise ließ ich mich verleiten, noch mit ins Neckarfloß zu gehen, wo es dann noch "recht ausgelassen" wurde!

Von Fastnachtsveranstaltungen machten wir mit: den Kappenabend des DHV (besser), den Familienabend des Sängerbundes und den Dienstags-Kehraus, alles im K.-H. Die Kinder waren auf dem Maskenball des Schubertbundes und der Liedertafel im Rosengarten. Durch alles dies waren die Moneten recht knapp geworden, sodaß es für den Rest des Monats hieß bremsen.

Am 7. und 8. u. 9. März war nochmals ein großer Rummel im K.-H. in Form eines Bockbierfestes, den wir an den zwei ersten Tagen kräftig mitmachten.

Dann kamen schmerzliche Wochen durch die zunehmende Verschlimmerung des Leidens unseres Großvaters und für mich persönlich durch meine Unpässlichkeit am rechten Vorderfuß. Paula und die Kinder besuchten den Großvater jeden Tag und am Sonntag den 22. abends hielt ich es nach Berichten für ratsam, ihn auch nochmals aufzusuchen. Ich tat das mit Auto, da ich schlecht gehen konnte. Es sollte der letzte Besuch sein. Morgens 1/2 2 Uhr ist unser Großvater entschlafen. Am 25. März haben wir ihn in feierlicher Weise feuerbestattet und am 28. seine Asche im Birkenhain beigesetzt.

Im Geschäft kam nun der schon üblich gewordene Durcheinander wegen des Abschlusses bis zum Gründonnerstag, der Abreise des G.D. (Anm. Generaldirektors)

Ich muß mich Ostern, wie die vorhergehenden Sonntage, nur der Pflege meines Fußes widmen und von allen Unternehmungen Abstand nehmen.

Am Sonntag, den 12.4. wagte ich das erste Mal wieder einen größeren Spaziergang u. zus., am Möhlblock vorbei nach Neckarau. Dort trafen wir uns in größerer Gesellschaft im "Ochsen", der jetzt vom früheren Lammwirt Roth bewirtschaftet wird. Wir haben dort recht nette Stunden verlebt.

Die weiteren Zusammenstöße mit Dr. Weiß ließen mir keine frohe Stunde mehr, sodaß ich bis Anfang Mai zu nichts Lust verspürte. Nur das "Blütenfest" im K.-H. ließ mich für ein paar Stunden mein Elend vergessen.

Am 1. Samstag waren wir im Waldpark und abends mit Hubers im Saalbau, am Messdienstag mit Paula in Neckarau. Schwetzingen besuchten wir wieder einmal am Himmelfahrtstag, von Rheinau aus durch den Wald. Im "Erbprinzen" war langer Aufenthalt zur Stärkung.. Mit der Hauptbahn fuhren wir wieder zurück und kehrten zu einem Schlußschoppen noch im Bahnhof ein.

Am Pfingstsamstag war ich morgens an der "Silberpappel" zum Dämmerschoppen im "Arkadenhof" und abends bei Schlupp". Sonntag morgens besuchten wir die Großmutter und waren abends im K.-H.; am Montag "Rennwiese" und "Arkadenhof". Das Wetter war recht sommerlich geworden, weshalb wir von größeren Unternehmungen absahen. Wir waren abends einige Male mit Huber’s und Rosemann’s im Lehrerheim (Bach’s streikten seit einigen Monaten). Bei kühlerem Wetter fuhr ich am Sonntag, den 7. Juni geschäftlich nach Berlin (4.40 an 15.39) und stieg im "Grünen Baum" ab. Auf dem ersten Rundgang über Linden, Siegessäule - Allee, Tiergarten, Postdamer Platz frischte ich meine erinnerungen wieder auf und nahm den Dämmerschoppen im "Kaffee Werterland" ein. Abends war ich zum Abendbrot im "Krausenhof" und um 10 Uhr im Bett.

Am Montag morgen 9 Uhr Treffpunkt mit Dr. Weiß und Schneider auf dem Büro der Mannheimer Lebensversicherung, dann Verhandlungen vor dem Aufsichtsamt, die günstig verliefen, gemeinsames Mittagesen bei Kempinski auf dem Kurfürstendamm, Arbeit bis 4 Uhr und meine Flucht nach Potsdam-Sanssouci. Nach der Rückkunft Besuch der großartigen Kempinski-Betriebe im "Vaterland" und Zusammentreffen mit Schneider. Schluß 12 Uhr.

Am Dienstag um 1/2 11 Uhr wieder bei Dr. Weiß und infolge günstiger Nachrichten vom "Amt", um 1/2 12 Uhr entlassen. Darauf Besuch der "Nautischen Museen" mit dem "Pergamon-Museum, Essen im "Löwenbräu" und Fahrt mit der Stadtbahn nach dem "Zoo". Um 1/2 6 zurück mit U-Bahn ins Hotel, Abendbrot (Kalbshaxen mit Spargelsalat für RM 1,90) und Rückfahrt mit dem Schnellzug 19.20 über Würzburg nach Mannheim, an 8.06. Ruhe bis 12 Uhr und dann wieder ins Geschäft.

Am 14.6. reisten unsere Kinder nach Stuttgart und wir speisten auf der Rennwiese. Abend fad, da ohne Gesellschaft! Die ganze Woche waren wir wegen der Abwesenheit unserer Kinder vielfach aus.

Meinen Urlaub trat ich am 22.6.31 an. Das Geschäftsauto brachte mich bequem in 1 1/2 Stunden nach Bergzabern, wo ich herzlich empfangen wieder im "Rössel" Wohnung nahm. Nach Stärkung fuhr ich noch nach Lindelbrunn, von wo sich eine herrliche Rundsicht bot. Nach Rückkunft traf ich auf einem Bummel im Städtchen Klinkharts, mit denen ich die nächsten 4 Tage manchmal zusammen kam. Die nächsten 10 Tage wickelten sich wie im Vorjahr ab: ich besuchte alle die schönen, lieben Plätze und machte einmal mit Herrn Dr. von Kennel auch eine neue Wanderung vom Landhügel, wohin wir mit dem Postauto gefahren waren, über Hohe Tanne" und Petronell zurück nach B.

Am Sonntag den 5. Juli kamen die Meinen mit Rosemann’s per Auto an, das leider entgegen der Verabredung gleich wieder zurück musste. Wir besuchten im Laufe des Tages die schönsten Stellen auch Dörrenbach, speisten hervorragend. Rehschlegel mit Spaghetti, junger Hahn mit neuen Kartoffeln und Salat, Himbeereis; abends kaltes Geflügel mit Butter und Brot, wir Rumpsteak.

Um 8.06 fuhr Frau Rosemann mit den Kindern nach Hause, während meine Paula und Rosemann dablieben.

Wir haben dann zu dritt eine herrliche Woche verlebt, und am Sonntag den 12.7. Herrn Rosemann wieder verabschiedet.

Inzwischen war im Bergzaberner Tageblatt und in der Kurzeitung mein Artikel in der "kaufm. Gewerkschaft" über "Sommerfrische in der Südpfalz" erschienen und ich dadurch in den Mittelpunkt des Interesses gerückt worden. In allen Gaststätten, wo ich mich blicken ließ, hatte man anerkennende Worte für mich, die sich schließlich zu einem Dankschreiben der Kurverwaltung verdichteten.

Infolge des bei uns in Mannheim eingetroffenen Besuches und auch weil die Moneten etwas knapp wurden, setzten wir unsere Heimfahrt auf den 16.7. fest, fuhren 5.10 ab und waren 7.04 in L'hafen. Ein Auto brachte uns in einer Viertelstunde in unser Heim, das wir auch wieder freudig begrüßten.

Die Gesamtkosten betrugen für fast vier Wochen RM 370 (Pension RM 4,50)

Zu Ehren Elsa Franke's, Trudl's Leipziger Freundin, machten wir am 26.7. eine Pfalzwanderung, der sich Bach's und Naumer's anschlossen. Nach Ankunft der Elektrischen in Dürkheim besichtigten wir es und marschierten dann auf die Limburg. In der Klosterwirtschaft mundete das Frühstück hervorragend. Das Wetter war bedeckt und dadurch für die Rundwanderung besonders günstig. Wir erreichten über Berg und Tal gegen 1 Uhr die Wachenburg oberhalb Wachenheims, wo wir uns zur Mittagsrast fast drei Stunden aufhielten.Dann galt noch unser Besuch der sehr sympathischen Winzervereinigung in Wachenheim und darauf ging's zurück nach Dürkheim und Mannheim.

Die nächsten Wochen brachten fast nur Regen. Die Odenwaldwanderung am 9.8. von Altrip nach Otterstadt und Speyer war davon verschont. Ich beteiligte mich alleine daran.

Am nächsten Sonntag war ich mit Walter, Bachs und Naumer in Weinheim; am 23.8. wir 4 zur Kerwe in Neckarau -Ochsen. Der Tag war sonnig und versprach allgemeine Besserung, jedoch am Montag regnete es wieder in Strömen. Der Mittwoch endlich war ganz trocken und am Donnerstag erstrahlte der Himmel bei völligem Windwechsel in herrlichem Blau.

Eine Tageswanderung machten wir am 30.8. von Neustadt aus nach dem Hellerplatz. In der Hütte verbrachten wir einige gemütliche Stunden und kehrten dann nach Neustadt zurück. Im Kurhaus Kohler beschlossen wir den Tag recht angenehm.

Am Dienstag, den 8.9. trat ich eine Geschäftsreise nach Brünn an. Mittags 12.40 war ich in München, stieg im Fränkischen Hof ab und benutzte den Nachmittag zu einem umfassenden Bummel. Im Hofbräuhaus bekam ich zum Dämmerschoppen in gemütlicher Gesellschaft die richtige Stimmung und beschloß den Tag im Hotel-Restaurant recht angenehm. Am nächsten Tag kam ich um 15.43 in Wien an. Im Hotel ????? Erfuhr ich, dass Familie Pschikil aus Brünn da waren, mit denen ich abends gemütlich im "Griechenbeisel" zusammen war. Am Donnerstag hatte ich auf dem Wiener Büro zu tun und fuhr um 2 Uhr mit Herrn Psch. Nach Brünn. Abstieg im Hotel "Astoria". Die nächsten Tag brachten viel Arbeit, Verhandlungen aber auch Erfolge. Am Sonntag, den 13.9. besuchten wir per Auto das südmährische Weingebiet zwischen Dürnholz und Nikolsburg.

Am Freitag, den 18.9. konnte ich mit Herrn Psch. Nach Prag fahren. Die Geschäfte waren am nächsten Morgen bald erledigt, sodaß Zeit blieb, die schöne Stadt in großen Zügen zu besichtigen. Sie hat deutschen Charakter, ist aber total vertschescht. Nachmittags waren wir in Pilsen, abends deutschen Eger-Hotel Welzel.

Der Sonntag-Morgen-Bummel durch das trauliche Städtchen war ein Erlebnis. Wir besichtigten die Kaiserburg Friedrich Barbarossas, das Rathaus mit dem Wallensteinzimmer und kehrten zum Frühschoppen im Egerer Braustübl ein. Nach dem Mittagessen brachte uns der Schnellzug in zwei Stunden nach Nürnberg. Auch hier Bummel durch die bekannten, lieblichen Gässchen und Einkehr im Tucherbräu. Abends waren wir im Apollo, anschließend in der Weinstube "Nassauer Keller"

Am Montag morgen besichtigten wir das germanische National-Museum und trennten uns dann nach dem Essen, indem Herr Psch. nach Eger und ich nach Mannheim heim fuhr.

Das Wetter war die ganze Zeit sehr schön gewesen, sodaß sich die Geschäftsreise eigentlich zu einem sehr einträglichen Nachurlaub entwickelt hatte.

Am Sonntag, den 27.9. fuhren wir nachmittags mit Bach’s und Rosemann’s nach Dürkheim Wachenheim und blieben im Dürkheimer Schlosskaffee bei Musik und Tanz bis 10 Uhr.

Am 3. Oktober hatte der DHV im K.-H. eine sehr gemütliche Gründungsfeier; tags darauf fand die Wanderung des O.Cl. von Dürkheim über Rotsteig- Weinbiet nach Neustadt statt. Der "Einkehrgelegenheiten" waren dabei viele! Aber es war recht nett!

Am 11.10. besuchten wir mit Bachs wieder einmal Schwarzens in Neuschloß, wo wir recht ausgelassen waren.

Das Wetter ist andauernd prächtig.

In der dritten Oktoberwoche wurde es veränderlich. Trotzdem, und obgleich wir tags zuvor mit Bachs bei "Ackermann" gewesen waren, führten wir mit Lore und deren Vetter  am 25.10 die geplante Wanderung nach Hemsbach, Juhöhe, Heppenheim durch. Bei Höfle waren wir die einzigen Mittagsgäste; es war aber recht lustig. Der Abstieg durch die farbliche "Lee" war hervorragend; Vesper im "Gelben Mond" in Heppenheim nicht minder.

Um 7 Uhr waren wir wieder am Wasserturm.

Am 8. November war ich per Autobus auf dem Kreistag in Wiesloch. Das nette Städtchen hat mir recht gut gefallen. Die Bewirtung im "Hotel Pfalz" war 1.a. und billig.

Während der Woche gehe ich nur noch aus, wenn ich muß. Am Sonntag, den 15.11. waren wir in großer Gesellschaft in der "Rose" in Neckarau.

Wir haben uns dort lange und glänzend amüsiert. Nach Rückkunft erfolgte noch Schlußschoppen im "Fürstenberg".

Am Samstag, den 21.11. sah ich mir im Theater den "Hauptmann von Köpenick" an, und fand das Stück äußerst gelungen. Tags darauf war morgens "Helden-Gedenken" im DHV, nachmittags Stadtbummel mit Paula und Dämmerschoppen im "Saalbau".

Am 29.11. war ich mit Walter am Kanal entlang nach Feudenheim und am 5. Dezember durch den Waldpark usw. auf der Rennwiese bei Ding's.

Trotz schlechtem Wetter unternahmen wir alle zusammen am 6.12. einen Ausflug nach Dürkheim-Lindemannsruhe. Dort war's recht gemütlich, aber auf dem Rückweg regneten wir gründlich ein. Wir erreichten aber in guter Stimmung das Schlosskaffee, wo wir bei guter Musik noch einige Zeit verweilten. Auf dem Heimweg wurden wir noch einmal gewaschen und holten uns alle eine kräftige Erkältung, die über Weihnachten anhielt, ja sich bei Paula noch verschlimmerte.

Die DHV-Weihnachtsfeier am 19.12. machten wir aber trotzdem mit, waren nachher bei Ackermann und am Tag darauf bei Bach's zum Vesper. Schluß im K.-H. - Über nacht war hoher Schnee gefallen, der Trudl schließlich die schon lange gewünschte Ski-Ausrüstung eintrug. Am heiligen Abend fuhr sie mit Lore nach dem Ruhestein. Infolge eintretenden Tauwetters war sie am 2. Feiertag wohlbehalten wieder zurück. Wir hatten am 1. wie gewöhnlich die Großmutter zu Besuch, und vermissten sehr unseren lieben Großvater. Im Allgemeinen war's aber recht gemütlich. Das Christkind hatte mehr gebracht, als wir uns träumen ließen. Nur der "Vater" hatte stark gebremst. Paula war gar nicht aus dem Haus, ich zweimal (einmal gründlich) zum Dämmerschoppen. Das Wetter ist trüb und warm.

Kurz vor Jahresschluß fiel wieder Schnee, wodurch der Wintersport erneut auflebte. Am Sylvestertag schlossen wir das Geschäft um 1 Uhr. Ich hatte lange Verhandlungen mit der Hauswirtin wegen Änderung des Mietvertrages. Ganz einig bin ich noch nicht geworden. Darauf sah ich mir ein paar neue Wohnungen an, die mir aber nicht gefielen. Die unsrige ist vorsorglich auf 31.3.32 gekündigt. Ich leistete mir noch einen Dämmerschoppen im K.-H., nahm zu Hause den üblichen Sylvesterschmaus ein und war um 10 Uhr im Bett. Das war der Schluß des verhängnisvollen Jahres 1931 !

 

1932

Die misslichen wirtschaftlichen Verhältnisse, die seit Juli v.J. eine immer beängstigendere Form angenommen hatten, verdichteten sich am 8.12.31 zur 4. Notverordnung des Reichspräsidenten, die am 1. Januar in Kraft trat und einschneidende, für jeden drückende Bestimmungen enthielt.

Trotzdem fand wie üblich der Neujahrsbesuch im Geschäft und der 35 hist. Frühschoppen im K.-H. statt. Er wickelte sich, jedoch bei geringerer Teilnahme der Mitglieder, alles in gewohnter Weise ab.

Abends waren wir in großer Gesellschaft wieder im K.-H. Am nächsten Tag brachte ein kurzer Schneefall gründliches Tauwetter. Das Thermometer stieg von -12 Grad auf + 10 Grad.

Den ersten Ausflug im neuen Jahr machten wir mit Bachs am 10.1. Die Elektrische brachte uns nach Dürkheim. Bei herrlichem Sonnenschein spazierten wir über Wachenheim und Forst nach Deidesheim. Im "Schlößl" fand die erste Weinprobe (1928er Hassert Riesling) statt. Auf dem Rückweg kehrten wir im Winzerverein Forst ein, wo es bei einem guten Vesper und 1931er recht lustig wurde. Mit dem Kursauto fuhren wir dann nach Dürkheim und beschlossen den Tag recht angenehm im Schlosskaffee bei Musik und Tanz. Erst um 11 Uhr waren wir zu Hause.

Am nächsten Samstag verlockte mich das abermals schöne Wetter zu einem Spaziergang am Neckar entlang nach Neckarau mit Vesper und Dämmerschoppen im Ochsen. Am Sonntag Morgen waren Walter und ich bei prächtigem Sonnenschein im Waldpark, nachmittags regnete es!

Unseren Bedarf an Faschingsunterhaltung deckten wir am 23. Januar im K.-H. am Fastnachts-Samstag im DHV und am Fastnachtsdienstag im K.-H. und Halbe bis 4 Uhr. Das Vergnügen entsprach dem Aufwand jedoch nicht.

Dagegen war es auf dem Familienabend des Pfälzer Waldvereins am 24.1. in Mundenheim, mit Nachtsitzung im "Riesen" und im "Saalbau" recht nett.

Die zweite diesjährige Wanderung unternahm ich am 7.2. mit dem O.Cl. um Heidelberg herum. In prächtiger Sonne gingen wir über Zollstock und Mausbachquelle nach Ziegelhausen, wo im "Ochsen" eine gediegene Mittagsrast stattfand. Im Wolfsbrunnen war Kaffee-Station, und über die Höhe erreichten wir um 5 Uhr Heidelberg - Perkeo. Fast gleichzeitig mit uns kam Paula mit den Kindern an, die nachmittags gefahren waren und nach dem "Harlaß" zu gegangen waren. Wir haben im "Perkeo" recht viel Fez gemacht, sind aber um 1/2 9 nach Hause gefahren.

Am Fastnachtsdienstag gab's Schnee und Kälte., die am 10.2. 10 Grad erreichte.. Abends waren wir im K.-H. und dann bei Halbe bis 4 Uhr!

Am 14. Februar machte ich allein die Wanderung des Pf.W.V. mit. Bei herrlichem Wetter ging's über Weinbiet nach Lindenberg-Schönung zur Mittagsrast; später über die Wolfsburg nach Neustadt, wo ich mich bis zur Rückfahrt nicht unangenehm im Winzerkeller aufhielt. Das Wetter war andauernd winterlich und sonnig. Deswegen veranlasste ich unsere ganze Gesellschaft am 28.2. zu einem Spaziergang über die Silberpappel nach Neckarau-Ochsen, wo wir herrliche Stunden verlebten.

Am 6. März ging der O.Cl. von Neckarhausen über Schriesheim nach Altenberg und zurück. Ich war mit Bach’s per Auto gefahren, deshalb schon zum Frühstück in Schriesheim-Pflug.

Abends gab's dann dort und später bei Laumann eine recht fidele Nachtsitzung, die mir ungewollt einen "kleinen" Stieber einbrachte, der zu Hause ein ganz hübsches Theater veranlasste. Über Einzelheiten schweigt des Sängers Höflichkeit!!

Am Karfreitag war ich mit Paula in Mundenheim "Riesen" und abends mit allen zusammen in der "Weihenstephanstube". Einen recht netten Spaziergang machte ich am Ostersonntag mit Walter auf die Friesenheimer Insel mit Frühschoppen bei Dehus.

Am Ostersonntag waren wir in großer Gesellschaft in der Pfalz. Von Dürkheim wanderten wir auf dem bekannten Weg nach rotsteig, wo längere sehr gemütliche Mittagsrast stattfand. Sodann ging's weiter über den Eckkopf und Odinstal nach Wachenheim-Winzervereinigung. Während anfangs infolge ungünstigen Platzes die Stimmung nicht besonders war, steigerte sie sich später in sehr netter Gesellschaft zum Höhepunkt bei verschiedenen von "Ojust" veranlassten Troll-Schoppen. Erst 9.07 fuhren wir von Dürkheim wieder zurück. Nach dem herrlichen Wetter der letzten Wochen brachte der Ostermontag den allerdings notwendigen Regen, der uns jedoch nicht stören konnte, da wir nichts mehr vorhatten. Abends war ich mit meiner Paula im Thomasbräu.

Am 3.4. beteiligten wir uns beide wieder an einer Wanderung des O.Cl. Mit Sonderzug erreichten wir Dürkheim nach 9 Uhr. Bei herrlichem Sonnenschein ging's über Sanatorium, Teufelsstein und Schlagbaum auf den Peterskopf und dann abwärts zur Lindemannsruhe, wo wir gegen 11 Uhr eintrafen. Die genussreiche Mittagsrast dauerte dort bis 1/2 3 Uhr. Auf aussichtsreichem Höhenweg wanderten wir in 2 Stunden über Weisenheim nach Herxheim, wo bei Kinkel (früher Schäfer) Vesperpause stattfand. Weiter abwärts kamen wir um 6 Uhr nach Freinsheim-Winzerverein und verbrachten dort bei gemütlicher Unterhaltung den Tagesabschluß recht angenehm bis zur Rückfahrt des Sonderzuges um 8.20 Uhr. Um 1/2 10 Uhr waren wir wieder zu Hause. Die Kinder hatten sich auf ihre Art, aber anscheinend nicht so gut wie wir, amüsiert.

Nach einem fidelen "Dämmerschoppen" von 1/2 9 bis 1/2 3 Uhr in der Pfalzstube ging ich bei trübem Wetter am 17.4. mit dem O.Cl. in den Käfertaler Wald-'Viernheim. Am 30.4. war aus Anlaß von Geburtstagen lange Sitzung in der "Hütte". Zu Hause noch Nachfeier mit den Kindern bis 4 Uhr! Der Maimarktschoppen im Thomasbräu dauerte bis 1 Uhr.

Am Himmelfahrtstag nahm Paula und ich an der Sternwanderung des O.Cl. nach Wiesbaden teil. Ein Sonderzug brachte uns von 1/2 7 bis 1/2 9 Uhr dorthin. Mit Autobussen ging's "Unter die Eisen", wo bei zunehmend schönem Wetter der Aufstieg auf die "Platte" begann. Dort waren wir zum Frühstück um 10 Uhr. Die frischen grünen Buchenwälder hoben die Stimmung. Um 12 Uhr hatten den Neroberg erreicht, mit seiner hervorragenden Aussicht auf Wiesbaden. Dann kam das Gefallenendenkmal, die griechische Kapelle und die lieblichen Straßen und Anlagen der Bäderstadt. In der "Walhalla" war gemeinschaftliches, nicht besonderes Mittagessen. Darauf folgte der Festzug aller anwesenden Wandervereine mit 6000 Teilnehmern und Kundgebung auf dem Schlossplatz, nachher gemütliches Beisammensein im Paulinenschlösschen. Unsere engere Gesellschaft schritt zur Besichtigung der Hauptsehenswürdigkeiten, dem großen Kurhaus, den Anlagen, dem Kochbrunnen, von wo Paula und ich allein die feudalen "Lonsch's Weinstuben" zur Stärkung aufsuchten. Wir waren mit dem Gebotenen und netter Unterhaltung sehr zufrieden und suchten erst gegen 7 Uhr die andere Gesellschaft im Domhotel auf. Punkt 8 Uhr ging der Sonderzug wieder ab und um 1/4 11 Uhr waren wir am Hauptbahnhof Mannheim. Wir haben von Wiesbaden nur die besten Eindrücke mit nach Hause genommen.

Am Pfingstmontag waren wir nur auf der Rennwiese zum Mittagessen und wegen später einsetzendem Gewitterregens abends zum Schlußschoppen in der Weihenstephanstube.

Im Laufe der dann folgenden Woche verdichtete sich ein Angebot von Ilse Franke, Leipzig, zur Mitwirkung Trudls in einer neueröffnenden Haus-Bergmann-Strickstube in Halle an der Saale zur Abreise Trudls dahin am 22.5. morgens 4.40 Uhr. Walter und ich machten anschließend an die Begleitung leider teilweise in Regen einen Morgenbummel bis zur Silberpappel, ruhten dann zu Hause und aßen wieder hervorragend auf der Rennwiese.

Während der Landwirtschaftlichen Ausstellung, die sehr sehenswert war und 100 000 von Fremden nach Mannheim brachte, waren wir öfter im Palasthotel und nahmen Anteil an der Zufriedenheit der Fremden mit Mannheim.

Am 12. Juni nahm ich an der Autofahrt zum 50. Jahresfest des O.Cl. in Erbach teil. Das Wetter war hervorragend, der Trubel aber zu groß, sofdaß eine richtige Befriedigung nicht aufkommen konnte. Das schönste war die Sternwanderung von der Wegscheide, wo wir die Autos verließen, über Lärmfeuer und Obermossau nach Erbach. Die rückfahrt dauerte 4 1/4 Stunden!

Als Ausgleich für die Meinen machten wir am 19.6. bei herrlichem Wetter eine gemütliche Wanderung von Dürkheim über den Peterskopf zur Lindemannsruhe, wo wir uns zur Mittagsrast 3 Stunden aufhielten. Der Abstieg erfolgte über Leistadt, Kallstadt (Henniger gut aber teuer) Ungstein, nach Dürkheim zurück, wo wir um 7.07 Uhr die Elektrische bestiegen und 1/2 9 Uhr hochbefriedigt wieder zu Hause waren.

Am Dienstag morgens 4.40 Uhr fuhr Walter nach Halle und Berlin in einen kurzen Urlaub, bevor er bei Barbarino als Volontär eintritt.

 

Meinen diesjährigen Urlaub trat ich am 4. Juli an. Paula und ich fuhren mit dem Eilzug 9.11. Uhr nach Wiesbaden, wo wir um 10.57 Uhr ankamen. Ein Auto brachte uns in das von uns gewählte "Hotel zur Börse" in der Mauritiusstr. 8. Klein aber fein, schönes Zimmer, freundliche Leute, er Metzger, daher etwas plump, sie sehr geschwindig mit in der Küche, die verheiratete Tochter mit im Buffett. Schon beim Mittagessen zeigte es sich, dass wir für RM. 4.50 glänzend untergebracht waren. Wir konnten von Menues und Einzelspeisen wählen, was wir wollten. Das erste Mittagessen bestand aus: Einlaufsuppe, ital. Salat, Kalbsfilet garniert mit Pilzen, dann Kopfsalat und Spinat und Kartoffeln, Makkaronis. Alzeyer 1928er 2/10 Ltr. 30 Pfennige- Kurtaxe: Hauptkarte für 14 Tage RM. 16.- Beikarte 9.-

Nachmittags Bummel in den prächtigen, breiten Straßen, zum Kochbrunnen, zum Konzert, tanzten auf der Kurhausterrasse (Gedeck RM. 2,80 !!), Wilhelmstraße, Taunusstraße, Röderstr., Adlerstr., Römertor und zurück ins Hotel. Abendessen: ff. kalte Platte, Eier, Wein, Tee, dann Abendbummel in die Rheinstraße etc.

Vom nächsten Tag ab regelmäßig vor dem Frühstück zum Kochbrunnen, abwechselnd "Unter die Eichen", Nerotal, Neroberg, Dambachtal, Sonnenberg-Goldsteintal mit Schützenhaus.

Dazwischen die vielen, prächtigen Verbindungswege und an ihnen schöne geschmackvolle Gedenkstätten an verdiente Wiesbadener. Eine weitere Wanderung war die zur Platte, einem hoch gelegenen Jagdschloß, und nach dem Versprechen des Herrn Konrektor Freund, über Chausseehaus leider bei zweifelhaftem Wetter nach dem idyllischen Schlangenbad; Rückweg über Eltville, wo in der Weinpump Abendschoppen stattfand. Näheres über die hervorragende Verpflegung und unser Beginnen während der ersten 14 Tage enthält das Notizbüchlein unter "Wiesbaden 1932".

Am Sonntag, den 17.7. kam Walter um 9.15 in Wiesbaden an. Wir gingen ins Hotel zum Kaffee und Frühstück, bestand wie immer aus ff. Aufschnitt mit Butter und Brot. Dann gemeinsamer ausgedehnter Stadtbummel zur Besichtigung der vielen Sehenswürdigkeiten. Mittagessen im Hotel: Tagessuppe, Zander mit Butter und Kartoffeln, Rehrücken mit Salaten und Gemüsen, Vanille-Eis. Nach kurzer Ruhe mit Autobus "Unter die Eichen", Kaffee im "Orient", Bummel nach der "Platte" zu, ab ins Nerotal, wieder auf nach dem Neroberg über Hoffmannshütte, Besichtigung, ab nach Griech. Kapelle und weiter durch das Dambachtal in die Wilhelmstraße und Anlagen; Dämmerschoppen und Eis im Kaffee Europa, zurück ins Hotel, Abendessen: Ital. Salat, junger Hahn mit Salaten und Gemüsen. Kurz darauf per Auto zum Bahnhof und Rückfahrt von Paula und Walter mit dem Sonntagszug 7.52. Ich allein zurück ins Hotel bis 10 Uhr.

18. Juli. Durchs Nerotal über Schappelweg nach Herrneichen (Wenk-Hermann-Hütte), weiter nach dem Platte-Weg zu, ab zur Weggandthütte und Rabengrund, Lauchtenweishöhe, Nerotal zurück ins Hotel: Gemüsesuppe, geb. Rotaugen mit Rum-Soße, Rahmschnitzel mit Salat, Kohlrabi und Kartoffeln, gelbe Kirschen. Später zur Tanztee-Musik. Dort nette älteren  treibende aus Krefeld getroffen, Dämmerschoppen im Europa. Im Hotel: Kalter Braten mit Butter, Brot und Gurken, Unterhaltung mit Racky's den Hotelbesitzern.

19.Juli. 8.26 mit Autobus nach Nauroder Höhe, 1/2 Stunde bis Kellerskopf; (abgebranntes Unterkunftshaus wird erstellt) vom Turm prächtige Aussicht auf Rhein, Rheingau und östlichen Taunus usw. Mit schwarzem Punkt in 5/4 Stunden nach der Platte, Frühschoppen, ab um 1/2 12 Uhr auf rotem Punkt in schwarzem Ring (Graf Sülfen-Weg) durchs Dambachtal ins Hotel, an 1 Uhr: Klare Suppe mit Einlage, Rindsroulade mit Bayr. Kraut und Kartoffelbrei, Pudding. Ruhe. Zum Konzert ins Kurhaus, Dämmerschoppen in Lösch's Weinstuben, Bummel ins Hotel: kalter Hahn mit Butter und Brot und neue Gurken. Um 9 Uhr ins Bett.

20.7. Durch Lahnstraße über Fasanerie und Germanenpfad in 1 1/4 Stunden auf den Schlüferskopf, herrliche Gaststätte mit glänzender Fernsicht auf Rhein und Odenwald. Lange gesessen; um 15 Uhr wieder im Hotel: Erbsensuppe, Aal blau mit B. u. K., Lendenbeef mit Spinat und Kartoffeln, Eingemachtes.

Später zum Konzert im Kurhaus, Dämmerschoppen im "Europa". Abendessen im Hotel: Gemischte Käseplatte mit Radieschen, neuen Gurken, L u. Br. (hervorragend).

Unterhaltung mit Frau Breiden, der Tochter der Wirtsleute bis 1/2 11 Uhr.

21.7. Nach Stadtbummel mit Autobus nach Sonnenberg und auf die Burg zum Frühschoppen (Regen), durch den Park zurück ins Hotel: Boullion, gefülltes Weißkraut, Poularde mit Salat und Gemüsen, Vanille-Eis.

1/2 3 Uhr mit Autobus bis Fasaneriestraße und auf Germanenpfad wieder auf den Schlüferskopf. Wegen Gewitter bis 6 1/2 dort festgehalten, dann in 1 1/4 Stunden ins Hotel: ff. Kalbsleber mit Kartoffeln und Salat und neuen Gurken, Abendschoppen bis 10 Uhr.

22.7. Wegen Regen auf dem Zimmer Postkarten geschrieben, dann Stadtbummel und zurück zum Essen: Kart.-Suppe, Kabeljau mit Rumsoße, Schnitzel mit Gemüsen und Salaten, Stachelbeeren. Nach Ruhe Bummel und Dämmerschoppen im "Europa", Abendessen im Hotel: ff. Tartar mit Butter und Brot. Abendschoppen bis 9 Uhr.

23.7. Nach den Eichen zurück durchs Nerotal zum Kochbrunnen-Konzert. Mittagessen im Hotel: klare Suppe mit Einlauf, junger Hahn mit Salaten, Omelette an confiture. Unterhaltung mit einer Duisburger Familie. Ruhe bis 4 Uhr. Bummel und im "Europa" Stuttgarter Herrn getroffen und gut unterhalten. Im Hotel: Spiegeleier mit gekochtem Schinken, Salat und Bratkartoffeln. Die wiedererschiene Duisburger Familie begleitete ich bis zur Rheinstraße und gehe dann ins Walhalla, wo Hilda Rings, die im Hotel wohnt, als Violin-Virtuosin auftritt. Glänzend. Im Hotel Abendschoppen bis 11 Uhr.

24.7. Nach den Eichen, Spaziergang nach der Platte zu, Frühschoppen im "Orient", ab nach dem Nerotal, zum Kurhaus-Konzert. Im Hotel: Tomatensuppe, Königin-Pastetchen, Gänsebraten mit verschiedenen Salaten und Kartoffeln. Haselnusseis. Lange geschlafen und noch Kaffee getrunken. Später zum Kurhauskonzert und nach Bummel Dämmerschoppen im "Europa". Im Hotel: Kalter Braten und Geflügel mit Butter und Brot, Gurken. Um 10 Uhr bei Hilda Rings, im Hotel Abendschoppen bis 11.Uhr.

25.7. Mit Autobus ins Nerotal, auf zum Neroberg, Ruhe, ab über Melibuokuseiche und Dambachtal zum Frühkonzert im Kurhaus mit Frühschoppen auf der Terrasse. Im Hotel: Suppe, Gänsebraten mit Kart. und Salaten, Käse. Wegen der vielen Sänger von Frankfurt Sonntagsbetrieb. Nachmittags bei herrlichem Wetter nach Klostermühle, Klarental, Klosterschenke und zurück. Im Hotel: Kasseler Rippenspeer mit Sauerkraut und Kart. Versuch zum volkstümlichen Abend ins Kurhaus zu gehen. Wegen 50 Pfennigen Zuschlag an den Schaltern recht ungehalten geäußert, dann wieder zurück ins Hotel und Abendschoppen bis 1/2 11 Uhr; in den Morgenstunden heftiger Regen.

26.7. Mit Autobus nach den Eichen, bei herrlichem Wetter zur Platte, dann weiter auf dem Rheinhöhenweg nach der "Eisernen Hand", idyllisches Plätzchen auf der Passhöhe und Bahnstation. Nach Frühschoppen mit der Bahn über Dotzheim zurück. Im Hotel: Blumenkohlsuppe, Schellfisch mit B. und Kart., Deutsches Beef mit Ei, Schweizer Käse. Nachher mit der Kurdirektion lange verhandelt und die verschiedenen Beschwerden vorgebracht. Nach Bummel zum Dämmerschoppen ins "Europa". Im Hotel Besuch der Familie Freund, die dann zum Konzert ins Kurhaus gehen. Ich Abendschoppen bis 1/2 10 Uhr.

27.7. Wegen Regen nur kurzer Bummel möglich. Mittagessen: Gänseklein, während dem kommt Herr Freund und lädt mich ein mit seinem Schwager Schoemack mit nach Rüdesheim zu fahren. Kurz entschlossen sage ich zu und habe einen herrlichen Tag verlebt. Das Auto brachte uns in 1/2 Stunde nach R., Besuch bei Asbach, von bekannten Wanderfreunden in den Kellereien herumgeführt, Asbach-Privat versucht, dann zum Kaffee in die "Rheinhalle",. Auf dem Rückweg bei den Geschw. Petry in Oestrich 1929er getrunken und Selbstgekauftes gegessen, im Tempo nach Wiesbaden ins Hotel: ff. hausgemachte Bratwürste mit Kartoffelsalat, dann mit Herrn Sch. gelumpt bis 1/2 2 Uhr. 

28.7. ------------Frühschoppen im Bahnhof. Im Hotel: Suppe, Schleie blau, Roastbeef garniert. Geschlafen bis 6 Uhr, dann Kurbummel bis 1/2 8 Uhr im Hotel: Junger Hahn mit Salaten (Ia) und Abendschoppen bis 10 Uhr.

29.7. 3/4 9 Uhr zum Schlüferskopf und weiter zur "Eisernen Hand", Frühschoppen (1228er Binger Rochusberg) direkt ab nach W. an Hotel 1/2 2 Uhr. Mittagessen bei Frau Breidert am Tisch: Kalbsleber mit bayr. Kraut, Pfifferlingen usw. später noch Kaffee. Dann gepackt und darauf Kurbummel "Europa". Im Hotel nochmals Familie Freund getroffen, die sich für ihnen übersandte Blumen (Gladiolen) freudigst bedankten. Abendessen ff. Aufschnitt mit jungem Hahn und neuen Gurken. Abendschoppen bis 3/4 12 Uhr.

30.7. Nach herzlicher Verabschiedung mit Blumen und Tränen ab W. 9.11. an Mannheim 10.58, zu Hause um 11 Uhr herzl. Empfangen von meiner Paula.

Pension für die ganze Zeit.    RM   180,50

Fahrt, Spesen, Kurtaxe und Trinkgelder RM 294,50

Zusammen                                              RM 475,-

Am 21. August machten wir die erste Wanderung nach dem Urlaub mit dem O.Cl. Um 7 Uhr brachte uns ein elektr. Sonderzug nach Dürkheim. Zum guten Glück war der Himmel nach den vorangegangenen 3 heißen Wochen bedeckt und erleichterte uns den 2 //4 St. Weg nach Lambertskreuz über 3 Eichen und Hammelbrunnen.

Während der herrlichen Waldrast kam die Sonne wieder und verließ uns den ganzen Tag nicht mehr. Um 1/2 1 Uhr waren wir auf Rotsteig rasteten dort bis gegen 2 Uhr und pilgerten dann durch das herrliche Burgtal nach Wachenheim. In der Winzervereinigung war es wieder recht gemütlich bis das Kursauto um 1/2 7 Uhr kam, mit dem wir schnell nach Dürkheim gelangten. 7.20 ging der Sonderzug zurück nach Mannheim, wo ich noch einen Nachschoppen im "Fürstenberg" machte. Die ganze folgende Woche war ich zu Hause. Im Geschäft rumorte wieder der Abbau-Geist. Bei uns "Leitenden" wird wohl auch eine erneute Gehaltskürzung nicht ausbleiben!

Den öfteren Besuch der Pfalzstube im Hotel haben wir auch nach der Rückkehr vom Urlaub fortgesetzt.

Am 1. September kann Trudl unverhofft von Gera zurück, was bei uns große Freude auslöste. Anläßlich des darauf folgenden Besuchs ihres Haller Freundes, Herrn Graubner, machten wir am 4. eine Pfalzwanderung von Dürkheim aus. Nach dessen Besichtigung aßen wir in der "Römerkellerei" sehr gut und billig und spazierten dann auf die Limburg und weiter über den Mundhardter Hof nach Wachenheim. Dort kehrten wir mal ausnahmsweise in der Genossenschaft ein, wo uns das Gebotene recht befriedigte. Später waren wir noch kurz im Schlosskaffee in Dürkheim und um 8 Uhr wieder in Mannheim zum Abendbrot und zur Leuchtfontaine.

Am Samstag den 10.9.war ich nachmittags auf dem "Derkemer Worschtmarkt" und frischte die Erinnerungen an vor 30 Jahren wieder einmal auf. Es hat mir bei dem gewaltigen Betrieb, der nur etwas moderner geworden ist, sehr gut gefallen. Nach der Rückkehr war ich noch mit den Meinen und größerer Gesellschaft in der Pfalzstube.

Unsere übliche Jahreswanderung auf die Juhöhe machten wir mit Male Bach am 25.9. Bei herrlichem Wetter erreichten wir von Laudenbach aus die Höhe gegen 12 Uhr, wo wir nicht gerade besonders gut das Mittagessen einnahmen. Beim Abmarsch auf dem roten Strich nach Weinheim wurde es trüb und regnete dann in Strömen den ganzen Nachmittag. Gründlich durchnässt kamen wir gegen 5 Uhr bei "Löfler" an, wo wir "Ojust" wie erwartet trafen. Der gute Tropfen verschaffte uns schnell eine gute Stimmung, sodaß wir erst um 8 Uhr nach Hause fuhren.

Am darauffolgenden Sonntag, 2.10. rief der O.Cl. zu einer Pfalzwanderung, die hervorragend verlief. Ein Sonderzug brachte uns nach Dürkheim. Wir gingen direkt nach Wachenheim, Wachtenburg, Odinstal wo wir zum Frühstück die Hauptgesellschaft trafen. Um 3/4 11 Uhr marschierten wir weiter auf den Eckkopf, weißer Strich, Madenburg und waren schon um 1/2 3 Uhr in der Kurpfalz-Terrasse" Gimmeldingen.

Dort konnten wir uns von den Strapazen gemütlich ausruhen.

 Und uns wohlfühlen. Gegen 5 Uhr pilgerten wir dann nach Neustadt und nahmen im Winzerverein und Bahnhofrestaurant Abendessen und Schlußschoppen ein. Punkt 7 Uhr brachte uns unser Sonderzug in 1/2 Stunde nach Ludwigshafen und um 1/4 9 Uhr waren wir hochbefriedigt zu Hause.

Seit 1.10 ist ein neuer Wirt, Herr Bontenackels-, im K.-H., das unter dem Namen "Deutsches Haus" weitergeführt wird. Die Eröffnungsfeier am 8. u. 9. mit Konzert war recht gediegen.

Nach 2 langweiligen Sonntagen machten wir am 23.10 mit Bach's wieder eine Pfalzwanderung. Sie ging von Dürkheim über Forsthaus Weilach nach dem Bismarckturm und Lindemannsruhe mit längerer, höchst gemütlicher Mittagsrast; dann weiter über Leistadt und Kallstadt- Winzerverein. Trudl war bei Henninger- zurück nach Dürkheim. In der Römerkellerei verlebten wir einige fröhliche Stunden und fuhren erst 8.37 Uhr nach Hause.

Infolge des schlechten Wetters konnten wir im November keine Wanderung machen. Am 12. waren wir wieder einmal im Stenographenverein, der in der "Harmonie" sein Stiftungsfest feierte. Es war recht nett.

Das größte Ereignis war in diesem Monat die Silberhochzeit von Bach's. Wir fuhren alle vier schon morgens um 11 Uhr hinüber und trafen die Verwandten aus Rhoden und Frankfurt und Heidelberg. Kalker aus Neustadt war auch da. Es ging hoch her: Hühnersuppe folgten Fischmuscheln, Rehrücken garniert, Gänsebraten mit Salaten, Götterspeise, dazu ein hervorragender Deidesheimer. Abends kamen noch Freudenbergers, Huber's und Naumer's. Es gab: Russische Eier, Ochsenzunge mit Spargeln, Hahn mit Salaten und Käseplatte. Später wurde die ganze Gesellschaft von Fritz Naumer noch photographisch verewigt. Mit der Ausgelassenheit hörten wir erst gegen 2 Uhr auf. Der Festtag war der 23. November.

Am darauffolgenden Sonntag war anlässlich der 35. Gründungsfeier der O.Gr. Mannheim im DHV morgens eine glänzende Kundgebung im Musensaal mit Vortrag, B.

Nachmittags eine Kaffeezusammenkunft bei Menth's und abends der Festabend im "Deutschen Haus" mit Jubilarehrung durch mich in Anwesenheit des Herrn B.

Die 19. Wanderung dieses Jahres machte ich allein am 4. Dezember mit dem Pf.W.V. rund um Dürkheim. Bei schlechtem Wetter wurde aber mehr "gesessen" las "gewandert"!

An den übrigen Tagen des Dezember hatten wir wenig Sonne, aber viel Nebel und Nässe. Wir hatten deshalb wenig Lust zu Wanderungen, von denen uns auch das alte wiedergekehrte Leiden unserer Mutter abhielt.

An dem im einfachen Stil abgehaltenen DHV-Weihnachtsfeiern im "Deutschen Haus" beteiligten wir uns aber doch im Kreise unserer Bekannten.

Den heiligen Abend verbrachten wir sehr ruhig zu Hause: Paula war nicht ganz in der Reihe. Der Weihnachtsmann hatte manches Schöne aber nicht so reichlich wie früher gebracht. Wir gingen frühzeitig schlafen, da Trudl am ersten Feiertag morgens einen Ski-Urlaub auf das Herzogenhorn antrat. Großmutter war bis abends 11 Uhr bei uns. Bei einem Telefongespräch hörten wir, dass es Trudl, der sich Lore Fürst angeschlossen hat, gut gehe, dass aber kein Schnee liege.

Am 2. Weihnachtsfeiertag ging nur Walter mit Bach's und Naumer's in die Pfalz, während wir gemütlich in Mannheim blieben. Wir speisten nach einem kleinen Morgenbummel hervorragend im "Rosenstock" und trafen abends zum Schlußschoppen noch Hubers im "D.H". So verbrachten wir billig und bescheiden Weihnachten 1932

 

 

Dem Jahre 1932 mit seinen vielen Sorgen und Enttäuschungen haben wir keine Träne nachzuweinen. Es bleibt uns nur übrig, von 1933 etwas Besseres zu erhoffen!

 

1933

Nach Empfangnahme einer gegen sonst großen Anzahl von schriftlichen Neujahrswünschen pilgerten wir alle zusammen am Neujahrsmorgen in das "Deutsche Haus", wo sich alle Freunde und Bekannten schon zum 36. historischen Frühschoppen des DHV versammelt hatten. Händedrücke und Glückwünsche wurden ausgetauscht und bei guter Musik und Gesang manch treffliches Wort entgegengenommen. Dann speisten wir in großer Gesellschaft dort zu Mittag und besuchten anschließend daran unsere Großmutter. Abends folgte der übliche Neujahrsschoppen in großer Gesellschaft im "D.H."

Dann begann das übliche Leben wieder. Am 8.1. machte ich allein meine erste diesjährige Wanderung mit dem Pf.W.V. der anlässlich seines 30jährigen Bestehens von Neustadt über die Kalmit nach Edenkoben führte. Dort war im "Goldenen Schaf" das eigentliche Fest, das recht feuchtfröhlich verlief. Ich kam ungewollt recht spät nach Hause, da ich mich in Ludwigshafen nochmals einer Gesellschaft "Odenwäldler" zum Schlußschoppen im "Storchen" angeschlossen hatte. Ich bin dann zu Hause nicht besonders freundlich empfangen worden!

Am 5.2. war wieder eine nette Wanderung des Pf.W.V., an der ich mich mit Bachs beteiligte. Ein Sonderzug brachte uns nach Freinsheim. Bei klarem, schneidigen Wetter ging's aufwärts nach Herxheim und weiter bis Weisenheim a/Bg., wo Frühstücksrast war. Der billige Wein (weiß 25, rot 20) mundete recht gut und um 11 brachen wir bei herrlichem Sonnenschein zum Ungeheuersee auf. Dann ging's leider schon wieder abwärts in den Winzerverein Leistadt. Nun begannen Bach's Kundschaftsbesuche: in Kallstadt Winzerverein, in Freinsheim Ostwald und Winzerverein, sodaß wir das nötige Quantum zusammenbekamen, um uns in die beste Stimmung zu bringen. Erfreulicherweise ging der Sonderzug schon um 7 Uhr zurück, sodaß ich um 8 Uhr wieder zu Hause war. Am Samstag darauf waren wir alle miteinander im Pfälzer Hof, Ludwigshafen, wo das Dekorierungsfest des Pf.W.V. stattfand. Ich wurde auch für 25jährige Mitgliedschaft mit dem silbernen Abzeichen bedacht. Eine Nachtsitzung hielten wir noch in der "Hütte" in Mannheim bis 2 Uhr ab. Am nächsten Tag nur Stadtbummel und Abendschoppen im D.H.

Am 19.2. waren wir wieder einmal auf der Rennwiese, abends "Hütte".

An den Fastnachtstagen vom 26.-28.2. waren wir zweimal im D.H. bei Betrieb und Stimmung.

Die Reichstagswahl vom 5.3. brachte einen überwältigenden Sieg (?) Hitlers. Die nächsten Tage standen im Zeichen einer noch nie dagewesenen Revolution, sodaß sogar die Frankfurter Zeitung schrieb: "...so stehen wir schon heute vor einer Unifizierung der öffentlichen Gewalten im ganzen Reich, wie sie vollkommener kaum gedacht werden kann."

Bei herrlichsten Vorfrühlingswetter beteiligten wir uns zu dritt an einer Wanderung des O.Cl. am 12.3.33 nach Schönau von Schlierbach aus. Die Rasten im Pfälzer Hof und später in der Sonne auf dem Weg Münschel-Langer Kirschbaum waren hervorragend und genussreich. Ein Sonderzug brachte uns um 7 Uhr wieder zurück nach Mannheim.

Am 26.3. machte ich mit Walter eine schöne Wanderung von Altrip aus den Rhein aufwärts bis zur Kollerinsel und dann landeinwärts nach Waldsee, Neuhofen, Rheingönnheim, von wo uns die Elektr. Um 5 Uhr wieder nach Hause brachte. Abends war ich mit Paula im D.H.

Die nächste Wanderung des O.Cl. fand am 2.4. statt. Mit der Elektr. fuhren über 300 Personen mitten in den Käfertäler Wald, von wo die Wanderung bei schönstem Wetter begann. In 2 1/2 Stunden waren wir in Hüttenfeld-Rebstock zur Mittagsrast bis 2 Uhr. Am Waldrand entlang mit stetem Blick auf die Bergstraße erreichten wir Viernheim um 4 Uhr. Nach kurzer Rast fuhren Paula und ich um 5 1/4 Uhr wieder nach Hause.

Das seitherige schöne Wetter wurde von veränderlichem abgelöst. Vom Palmsonntag ab war es wieder herrlich, sodaß wir auch den für Karfreitag geplanten Ausflug machen konnten. Bach's einschließlich beider "Hänse" und wir alle fuhren 8.27 nach Dürkheim und wanderten dann auf dem bekannten Weg nach Rotsteig. Auf der Hammelbachwiese wurde gefrühstückt. Längere Mittagsrast fand in Rotsteig statt bis Ojust mit seinem Hans von Wachenheim aus ankam. Wir wandten uns später dem Eckkopf zu, in dessen Nähe mir Ojust infolge seiner Unachtsamkeit verloren. Die geplante Aufnahme unterblieb dann wegen der allgemeinen Aufregung. Vor Odinstal trafen wir ihn wieder. Über die Wachtenburg erreichten wir Wachenheim- Winzervereinigung um 1/2 6 Uhr, wo Naumer's schon auf uns warteten.

Es war dann dort recht gemütlich, aber nach unserer Rückfahrt nach Dürkheim blieb leider der Schlußschoppen aus. ---

Am Karsamstag war für mich geschäftsfrei. Ich besuchte nachmittags mit Paula die Großmutter, war zum Dämmerschoppen im Arkadenhof und abends mit Bach's in der Pfalzstube und im "Rheingold" bis 2 Uhr.

Sonntag's Festzug, Einweihung des Lanzdenkmals, Ausstellung und Winzerfest. Wir waren nur im Thomasbräu. Der Schluß der Ostertage bildete für uns ein Spaziergang nach der Rennwiese und Einkehr daselbst bis 7 Uhr. Um 9 Uhr war ich im Bett.

Eine vielversprechende Wanderung hatte der O.Cl. für den 30.4. angesetzt. Wir beteiligten uns zu dritt daran, Trudl streikte. Ein Sonderzug brachte uns nach Breitenstein im Elmsteiner Tal. Das Wetter war anfangs sehr schön. Durch herrliche Täler wanderten wir aufwärts zum Forsthaus Heldenstein, wo es beim Frühstück recht lustig war. Beim Weitermarsch trat leider Regen ein, der die verschiedenen Waldrasten und Besichtigungen gründlich verwässerte. Die gewaltige Ruine Scharfeneck wurde nur kurz berührt. Die sonst prächtige Aussicht von dort war gleich Null. An der Landauer Hütte drängte sich das "Volk". Nur wenige konnten Unterkunft finden. Darunter auch wir, weil wir das Mittagessen bestellt hatten. Später hellte es sich etwas auf, aber zur Besteigung des hervorragende Aussicht in das Annweiler Tal bietenden Orensfels konnten wir uns nicht entschließen. So waren wir gegen 1/2 4 Uhr, anstatt 6 Uhr, schon in Albersweiler. Im Pfälzer Hof ging aber die Zeit bei Essen, Trinken und Scherzen verhältnismäßig schnell dahin und 7.50 Uhr brachte uns der Sonderzug in schneller Fahrt wieder nach Ludwigshafen. Abgesehen von dem Regen war es sehr schön und nicht teuer.

Der "Tag der Arbeit" am 1. Mai, den die neue Regierung zum Feiertag erhoben hat, brachte viel erhebenden Betrieb.

Am 7.5. rief der Pf.W.V. zu einer Fernfahrt nach Baden-Baden, an der ich mich allein beteiligte. Auch dieser Tag brachte morgens viel Regen, in dem wir über Schloß, altes Schloß, die Felsen aber doch die Frühstücksrast in Ebersteinburg gut erreichten. In der Krone wurde es bald recht lebhaft und besonders an unserem Tisch nur eitel Lust und Wonne. Der Wirt hatte uns mit seinem Kirschwasser in sein Herz geschlossen. Wir nahmen dann später noch ein sehr gutes billiges Mittagessen ein und konnten bei Erscheinen der Sonne die geplante Besichtigung des Merkur vornehmen, die offiziell von der Führung leider abgeblasen wurde. Die Aussicht von der Terrasse des Restaurants war überwältigend. Wir sind dann mit der Bergbahn nach Baden hinunter gefahren, haben am Konzert und der Besichtigung des Kurhauses teilgenommen und den Tag nicht unangenehm im "Sinnereck" beschlossen. Mit dem prächtigen Sonderzug waren wir um 9.25 wieder in Mannheim. Leider ließ ich mich dort verführen, noch mit zu Frürer zu gehen, dessen Einer das Maß fast übervoll machte. Dem entsprach auch der Empfang zu Hause und das Befinden am nächsten Tage!? Aber sonst war's ein Erlebnis.

Das große Wandertreffen der des R.d.Wu.G.V. (Ring der Wander- und Gebirgsvereine) hielt uns an Himmelfahrt in Mannheim fest. Am Mittwoch vorher, den 24. Mai fand im überfüllten Nibelungensaal ein vom festgebenden Odenwaldclub Mannheim veranstalteter Heimatabend statt, der glänzend verlief. Wir kamen erst um 1/2 3 Uhr nach Hause. Um 1/2 9 stand ich schon am Bahnhof zum Empfang der auswärtigen Gäste, die in 2 Sonderzügen ankamen. Ich suchte mir Wiesbaden aus und meinen alten Bekannten Konrektor Freund heraus, der sich allerdings das Planetarium ansehen wollte. Die anderen führte ich zunächst in ihr Standquartier, die "Landkutsche", dann zeigte ich ihnen die Stadt, das Schlossmuseum, den Rosengarten, Friedrichsplatz, den Mannheimer hof und schließlich das Habereckl, von dem sie ganz begeistert waren. Nachmittags fand ein großer Festzug statt, der leider durch ein heftiges Gewitter stark gestört wurde. Die Kundgebung im Schlosshof musste deshalb unterbleiben und wurde in den Friedrichspark verlegt. Wir haben dort recht erhebende Stunden verlebt. Die Wiesbadener hatten sich noch einmal in "ihr" Habereckl verzogen und sollen dort sehr ausgelassen gewesen sein. Auch die anderen 3-4000 Gäste haben sich in Mannheim recht wohl gefühlt.

Am 27. Mai trat eine einschneidende Veränderung in unserem Familienleben ein: Walter verließ das Elternhaus, um eine neue Stellung bei der Firma Rieth in Stuttgart anzutreten. Infolge der günstigen Berichte von ihm haben wir uns an die Trennung verhältnismäßig gut gewöhnt.

Am Pfingstsonntag machten wir zu dritt mit Bach's und Erna Kreynhof eine Pfalzwanderung nach Neustadt-Hellerplatz und zurück. Nachmittags waren wir im Kurhaus Kofler und abends ziemlich lange beim Konzert im Hotel Lamm. Am 2. Feiertag war nur Dämmerschoppen im Thomasbräu. Dann folgte eine volle Woche selbstauferlegter Hausarrest!

Fronleichnam besuchte uns Walter das erste Mal von Stuttgart aus; wir sind mit ihm an allen bekannten Stätten gewesen. Am Freitag, nach dem Mittagessen, brauchte er erst zurückfahren.

Am 18. Juni war ich allein mit dem Pf.W.V. in Neuhofen-Schifferstadt am Rehbach entlang. Da ich früher nach Hause gefahren war, waren wir alle zusammen noch bis 1/2 2 Uhr im Thomasbräu in fideler Gesellschaft.

Der Ganztagsausflug des Gesamt-O.Cl. ging dieses Jahr nach Neckarsteinach. Wir machten vorher eine kleine Wanderung von Neckarhausen aus. Zum Frühstück mit etwas Regen waren wir auf der Mannheimer Hütte. Nachmittags fand bei schönstem Wetter unten im Städtchen der Festzug der 3000 statt. Wir beschlossen den Tag äußerst genussreich im "Hotel Schwalbennest". Trudl war wieder einmal zu Hause geblieben.

Am 5. Juli kam August Bach mit seinem Fahrrad unter ein Auto. Er liegt wohl auf längere Zeit im Diakonissenhaus.

Den für 9. vorgesehenen "Gesamtausflug" nach Stuttgart konnten wir morgens 5.25 Uhr bei schönstem Wetter antreten. Um 7.50 nahm uns Walter am Bahnhof in Empfang. Wir haben dann zunächst seine Bude und Wirtsleute inspiziert und beides in Ordnung gefunden. Darauf folgte ein großer Bummel durch Stuttgart mit Frühstück im Hotel Rauf. Später machten wir Herrn Rieth, Walters neuem Chef, unsere Aufwartung, die uns sehr befriedigte. Das dann folgende Mittagessen im "Merkur" war hervorragend. Nachmittags brachte uns der Autobus, um der Stadthitze zu entfliehen, nach der Solitude, wo wir einige gemütliche Stunden verlebten. Abwärts wanderten wir bist Bottnang und beschlossen den Tag äußerst gemütlich und genussreich im Hindenburgbau. Um 1/2 8 brachte uns der Eilzug wieder nach Mannheim, wo wir nach 10 Uhr eintrafen. Nachdem wir jetzt wissen, wo Walter haust, sind wir jetzt viel beruhigter.

Am 17.7. begann mein diesjähriger Urlaub. Wir fuhren morgens 8.17 mit dem beschleunigten Personenzug nach Baden-Baden und trafen dort um 10.31 ein. Herrliches Wetter, das uns während der 4 Wochen treu blieb, lag über der vielgepriesenen Bäderstadt. Trotzdem war sie wie ausgestorben. Wir legten unser kleines Gepäck im "Sinnereck" ab und machten dann einen Rundgang durch die lieblichen Anlagen. Ein vorzügliches Mahl nahmen wir dann wieder im "S" ein und fuhren dann um 1/2 3 Uhr mit dem Postautobus nach Ebersteinburg, das wir uns dieses Jahr ausgesucht hatten. Der erste Eindruck im Gasthaus "Krone" schien den "Damen" nicht erhebend, obgleich für uns ein großes 4 fenstriges Eckzimmer mit gemütlicher, wenn auch ältlicher Einrichtung bereitgehalten war. Trudl bekam ein Zimmer mit fl. Wasser, das sie aber in den nächsten Tagen mit einem freundlicheren neben uns vertauschte. Das Abendbrot nach dem ersten Rundgang durch das von viel Wald und Bergen umgebenen und von der Ruine gekrönte Dörfchen verführte uns mit vielen, nur eine "Bliemchen"-Gesellschaft machte sich unangenehm bemerkbar. Wir sahen deshalb auch vorläufig von einer Vorstellung ab, freundeten uns aber umsomehr mit den Wirtsleuten, namentlich der Frau Falk, einer tüchtigen Köchin, und den Kindern an. Der "Herr des Hauses", übrigens äußerst freundlich, war als Landwirt viel im Kuhstall, auf dem Feld und "hinterm Büffet" tätig!Am nächsten Tag begannen unsere Spaziergänge, zunächst auf die Battertfelsen, die Felsenbrücke mit günstigem Ausblick auf Baden-Baden und das Oostall und die umliegenden Höhen, und nach dem alten Schloß Hohenbaden, dem Stammschloß der Zähringer. Die in den Ruinen untergebrachte Wirtschaft ist gut aber teuer nach B.-B.er Muster. Nach Rückkehr ins Gasthaus gab's Briessuppe, Kalbsschnitzel mit Kümmelkraut, Salat, Kartoffeln und Johannisbeerkuchen mit Schlagsahne. Die Weinverhältnisse waren schlecht, sodaß wir uns dem guten Rastatter Frantz-Bier zuwandten. Nachmittags waren wir auf dem Merkur mit der bekannten günstigen Fernsicht und Einnahme von teuren Erfrischungen. Auf dem Rückweg machten wir noch einmal Schnapstation im Hotel Wolfsschlucht auf der Passhöhe der Straße B.-B.-Gaggenau.

Am Mittwoch besuchten wir die nach Osten gelegenen "Verbrannten Felsen" mit der Lukashütte und schöner Aussicht ins Murgtal. Auf der "Ruine" nahmen wir dann den Frühschoppen ein und füllten auf dem lauschigen Burghof bei der Bedienung eines netten Fräuleins gleich wohl, die sich später als die Tochter Asta des Bürgermeisters Morlock v. E. entpuppte.

Nach dem Gasthaus zurückgekehrt aßen wir: Suppe, Schweinskotelette mit Makkaroni und Salat, Apfelkuchen, der wie alle gereichten Kuchen ganz hervorragend war.

Nachmittags gingen wir über das alte Schloß nach dem unteren Felsenweg, von dem wir die Felsen in ihrer gigantischen Größe bewundern konnten. Abendbrot: weißer Käse mit neuen Kartoffeln, gekochtem Schinken mit Butter, Brot und Tee. Bei Bier bis 11 Uhr.

Am 20. morgens: nördlich um die Ruine herum zur Wolfsschluchthütte, ab nach Gaggenau zu wieder aufwärts auf die Ruine zum Frühschoppen; zurück zum Mittagessen: Suppe, Rindsbraten mit Bohnensalat und Kartoffeln, Kirschkuchen. Nachher wegen starker Hitze lange geruht, dann zur Bukushütte und bei Gewitterregen direkt zum Hotel Wolfsschlucht. Im Gasthaus sehr guter Aufschnitt mit Butter, Brot, Ei und Tee. Am nächsten Tag, um den Battert herum auf dem so benannten Rehweg die ersten Rehe gesehen nach der Felsenbrücke und über die Felsen zurück zum Mittagessen: Erbsensuppe, Pfannkuchen und Apfelbrei und Salat, Kirschen. 14.37 Paula und Trudl nach B.-B. 20.15 zurück. Ich nach der Wolfschlucht und auf die "Ruine" zum gemütlichen Weinschoppen mit Unterhaltung mit Asta. Abends die Damen am Hotel Wolfsschlucht abgeholt. Abendessen: Schwarzwaldquark (Ia) mit Butter, Brot, Ei und Tee. Dann im vorderen Lokal langer Abendschoppen.

Am 22.8. Auf die Burg mit Frühschoppen, über Waldschluchthütte zurück zum Mittagessen: ff. Nudelsuppe, Ochsenfleisch mit Tomaten- und Gurkensalat und Rahmkartoffeln, Auflauf. Wegen Gewitter lange geruht, Kaffee bei "Ralander" nach Lukashütte zu, links abwärts zur Wolfsschluchthütte, Erdbeeren gesucht, quer aufwärts zum Abendbrot: Suppe, Spiegeleier mit Schinken, Brot und Salat, die Damen Erdbeerbowle, ich Bier.

Am Sonntag, 23. gemütlich hinab zum Hotel Wolfsschlucht, Frühschoppen zurück zum Mittagessen: Einlaufsuppe, Kalbsbraten mit Blumenkohl, Kart. Und Salat, Mirabellenkuchen. 2.37 nach B-B Bummel, Ankunft der letzten Rennfahrer beobachtet, dann langer Aufenthalt auf der interessanten Terrasse des "Simmerack". Zum Abendbrot wieder in der "Krone": ff. Aufschnitt mit Butter, Brot, Ei und Tee. Fidele Unterhaltung mit Familie Dahms.

Montag früh über altes Schloß nach dem 3 Burgenblick (Yburg, altes Schloß und Ebersteinbg.). auf den Hardberg; zurück zum Mittagessen: Flädel-Suppe, Lendenbeef mit Erbsen, Salat u. Kart., Pflaumenkuchen. Lange geruht, dann auf die "Ruine", dort äußerst nette Schweizer Familie Hartmann aus Zürich getroffen und drei Stunden glänzend unterhalten. Einladung an Trudl nach Zürich. Ab in die "Krone": Suppe, Frikadellen mit gemischtem Salat und Ei; früh ins Bett.

Am 25. morgens nach dem Gaggenauer Waldfreibad, 3/4 Std. abwärts, sehr idyllisch gelegen. Dort Rast und über Gaggenauer Steig zurück. Mittagessen: Suppe, Schweinebraten mit Bohnengemüse, Bratkartoffeln und Salat, Apfelbrei mit Keks. Lange geruht, dann abwärts ins Wolfsschluchthotel zum Kaffee (nicht zufrieden), deshalb wieder aufwärts auf die Ruine zum Dämmerschoppen und Erdbeeren aus Bürgermeisters Garten (Pfund 30 Pfennige).

In den nächsten Tagen wiederholten wir die verschiedenen Spaziergänge, waren öfters auf der "Ruine" und aßen u.a. Roastbeef, Matjeshering mit Bohnen, Schweineschnitzel, Blaufelchen blau u.a.. Als neu besuchten wir den Merkurwald mit der neuen B.-B.-Waldbühne, die Engels- und Teufelskanzel und  erwarteten am 30.7. Freudenbergers von Mannheim mit dem 3 Uhr Postautobus. Wir beabsichtigten deshalb den Vormittag gemütlich auf der Ruine zu verbringen und waren schon zwischen 10 und 11 Uhr oben. Da das Wetter etwas kühl war, nahmen wir im gemütlichen Burgzimmer Platz. Plötzlich hörten wir auf der unter uns liegenden Auffahrtsstraße Stimmen. Trudl erblickt auf den Stuhl steigend unten 2 Pärchen und ruft überrascht "da sind Freudenbergers schon dabei". Wir eilen hocherfreut die Burgtreppe hinab und begrüßen sie und Familie Hornig aus Mannheim, die Fr's mit dem Auto hergebracht hatten. Frau Hornig entpuppt sich naher als Schwester von Frau Pfeffer. Stürmische Begeisterung! Wir gehen wieder hinauf und setzen den Frühschoppen fort. Alle zusammen geht's dann hinab zum Mittagessen: Suppe, junger Hahn mit Bohnen, u. grüner Salat u. Kart., Mirabellenkuchen.

Hornig's setzten ihre Fahrt nach Kehl fort. Wir ruhen etwas und machen dann mit Fr.'s den ersten Rundgang, der wegen Regen frühzeitig beendigt werden muß. Abends gab's Suppe, Lendenbeef mit garniertem Kart.-Salat. Wegen allgemeiner Müdigkeit früh ins Bett.

Am 31.7. Auf dem Rasweg mit Raschau auf die Felsenbrücke und zurück nach der Felsenplatte, dann über unteren Felsenweg ins Gasthaus.

Von unseren weiteren Unternehmungen sind noch folgende erwähnenswert: 1. Besuch Gaggenaus mit Einkehr im "Schwarzwaldhof", originelles Haus und Wirtin.

2. Dämmerschoppen im Löwenbräu B.-B.

3. 3/4 St. (1 mal verlaufen) Wanderung nach Schloß Eberstein und Gernsbach.

Am 7.8. wurden wir beim Abstieg von der Ruine von dem vereinigten Bürgermeister vom Turm herab mit gekochten Kartoffeln und Wasser bombardiert, weil ich ihm eine Tüte voll gebratener Kartoffeln zum Geschenk gemacht hatte. Wir sind in großer Gesellschaft nicht aus dem Lachen herausgekommen.

So nahte für uns die Abschiedsstunde: Am Dienstag Abend saßen wir Alten im Saal u. erzählten uns Witze, die Jugend im vorderen Lokal bei Wein, Ziehharmonika u. Tanz.

Am nächsten Morgen zog der junge Morlock auf dem Burgturm die Hakenkreuzflagge auf und schickte Trudl einen Strauß Gladiolen. Alfa brachte einen Riesenstrauß Rosen und Nelken, der Herr Bürgermeister war selber da, der Herr Lehrer Miltner, der oft in unserer Gesellschaft geweilt hatte, schickte Rosen, Herr Gasthof Falk schenkte mir eine Flasche Kirschwasser und sämtliche Gäste waren in der "Krone" versammelt. Nach herzlicher Verabschiedung bestiegen wir das bestellte Auto und verließen unter brausenden Heil Hitler-Rufen und Tücherschwenken die gastliche Stätte, die uns am Anfang so in Schrecken gesetzt hatte. Durch die prächtigen Wälder, am alten u. neuen Schloß vorbei erreichten wir den Bahnhof B.-B. u. fuhren zunächst bis Karlsruhe.

Hier besichtigten wir eingehend den sehr sehenswerten Tierpark, speisten hervorragend im Stadtgarten-Restaurant (Gänsebraten, garniert für 1,50 RM) machten dann einen Bummel in die sehenswerten Teile der Residenz und beschlossen den Tag nicht unangenehm im "Moninger". Um 7 Uhr waren wir wieder zu Hause u. am nächsten Morgen konnten wir uns an der rührenden Freude unseres "Hansel"(Kanarienvogel) ergötzen.

Gesamtkosten für 3 Personen und 23 Tage RM 490.-

Die Hüttenneueinweihung auf der Kalmit veranlasste mich am 20.8. mit dem P.W.V. dorthin zu gehen. Mit dem Sonderzug fuhren 1000 Personen die sich allerdings in Neustadt nach verschiedenen Richtungen verteilten. Ich war über Kühünger-Quelle um 10 Uhr am Ziel. Feier, Speise und Trank (Alsterweiler Spielweg 1932  1/2 l. 60 Pfennige) Nachmittags zog ich den Abstieg über Totenkopf vor und war 3/4 6 Uhr im "Lamm" zu Abendbrot. Kurz nach 8 Uhr ging der Sonderzug wieder zurück und um 9 war ich zu Hause. Paula und Trudl hatten den immer noch kranken "Ojust" besucht. Das geschah für uns alle zusammen auch am 27.8.

Die Septemberwanderung des O.Cl. führte am 3. nach Weinheim. In der Gesellschaft von Freudenbergers, Naumers und Maulbetsch haben wir, Paula und ich, recht schöne Stunden verlebt. Frühstück fand auf der Wachenburg statt. Die Mittagsrast war bei Weber in Buchklingen. Dann ging's nachmitags über Eichelberger Höfe auf den Pavillon- und Geiersbergkopf und abwärts nach Weinheim.

Um 5 Uhr saßen wir vergnügt in der "Bergstraße" bei einem guten Viertel Weinheimer und geschmackvollem Abendbrot. In Mannheim wir "Ojust" noch einmal im Neckarschloß (Anm. Spitzname für Städtisches Krankenhaus) besuchen, da er eine Kur in Baden-Baden antritt. Es ist dadurch später, wie beabsichtigt geworden. Aber schön war's.

An einer selteneren Wanderung des P.W.V. beteiligten sich Paula und ich am 10. Sept. Die Bahnfahrt ging bis Führt i./O. Auf dem bekannten Weg erreichten wir um 10 Uhr das schöne Lindenfels, wo im hessischen Haus Frühstücksrast vorgesehen war. In unserer engeren Gesellschaft war Freund Maulbetsch. Wir besichtigten dann später wieder einmal die Burgruine, die bei dem prächtigen Wetter prächtige Fernblicke nach allen Richtungen gewährte. Über Schlierbach im Tal erreichten wir in einer Stunde nach beschwerlichem Weg Seidenbach zur Mittagspause, die bei Kaffee und "Äppelwein" und Mitgebrachtem recht nett verlief. Dann kam die dreistündige Waldwanderung nach Starkenburg-Heppenheim. Unsere dort im "Gelben Mond" begonnenen Einkehr vertauschten wir aus Zweckmäßigkeitsgründen in den "Pflug" wo wir recht zufrieden waren. Um 1/2 8 Uhr war Abfahrt und um 9 Uhr waren wir hochbefriedigt wieder zu Hause.

Dann kamen zwei langweilige Sonntage in Mannheim bis am 1. Oktober der O.Cl. wieder rief. Es ging nach Neustadt und auf die Kalmit. Durch dichten Nebel kamen wir bald ins Gebiet der Sonne, die uns oben in der Höhe den ganzen Tag nicht mehr verließ. Die 750 Teilnehmer ließen es sich bei einem guten Schluck Alsterweiler stundenlang gut sein und verließen den herrlichen Platz erst am Spätnachmittag.

Wir hatten Bach's in's Lamm bestellt und waren dort noch einige Zeit mit ihnen vergnügt beisammen, bis sie mit ihrem Auto wieder heimfuhren. Unser Sonderzug war um 1/2 8 Uhr in Ludwigshafen.

Am nächsten Sonntag ging Paula und ich mit dem Pf.W.V. von Edenkoben über Ludwigshöhe, Weyher, Landauer Hütte, Gleisweiler, Burrweiler nach Edesheim.

Die schlecht durchdachte Wanderung war bei dem Tauwetter noch fragwürdiger. Auch die Weinverhältnisse waren in dem Gebiet recht mangelhaft. -

Ein vom Deutschen Handwerk veranstalteter Festzug, wie ihn Mannheim in solcher Güte noch nicht gesehen hat, ging am 15. Oktober durch die Straßen. Wir sahen ihn uns am Marktplatz an und vesperten dann im Restaurant Stahl, früher unter dem Namen "Kaffee Bowalt" bekannt. Es war in dem altehrwürdigen Lokal recht angenehm. Später folgte noch ein längerer Dämmerschoppen im "Siechen".

Am 22.10 war ich mit Bachs per Auto in Deidesheim, wo es in dem neuen Winzergenossenschaftssaal, zu dem August und Fritz Naumer Lieferungen hatten, recht nett war. Vorher hatten wir von dem Wald aufwärts von Seebach bei Dürkheim einen kleinen Spaziergang nach den "Drei Eichen" gemacht.

Um 7 Uhr trafen wir im "Siechen" in Mannheim meine Damen und waren mit ihnen einige Stunden zusammen noch recht ausgelassen, wozu der gute "Deidesheimer" den Grund gelegt hatte.

Den freien Nachmittag an Allerheiligen benutzte ich mit Paula zu einem Stadtbummel und Dämmerschoppen im "Siechen".

Am 5. November beteiligte ich mich an der Wanderung des O.Cl.. Ein Sonderzug brachte uns für 1,35 RM nach Auerbach, wo wir schon herrlichstes Wetter antrafen, das uns den ganzen Tag treu blieb. Wir durchwanderten Ort und Fürstenlager, gingen von dort aufwärts zur Eremitage und den neun Aussichten und weiter zum Ehrenmal des O.Cl. am Teufelsberg, wo eine feierliche Totenehrung stattfand. Mittagsrast war in Elmshausen bei Hechler 5. Dann ging's auf der Landstraße bis Schönberg, dort aufwärts zum Schloß, durch den Schlossgarten zum "Waldhaus" mit Kaffeestation. Auf dem gelben Strich erreichten wir Bensheim um 4 Uhr und waren 4 1/4 in den Weinstuben Schwing (früher Schellenberg-Siechen), wohin wir Bach's und Paula bestellt hatten. Diese waren um 1 Uhr mit dem Auto nach Lindenfels gefahren und wollten uns über Reichenbach erreichen. Wegen Straßensperren mussten sie aber über Brandau, Wurzelbach und Hochstädten fahren und kamen dadurch erst um 1/2 6 Uhr zu uns. Wir haben uns dann gemeinsam gestärkt und trennten uns um 1/2 7 Uhr zu unserem Sonderzug, der um 1/2 7 Uhr ging und um 3/4 8 Uhr in Mannheim war.

Zu der Zeit war auch das Auto wieder da. Wir haben aber noch einen Befriedigungstrunk im "Siechen" eingenommen, wodurch ich erst eine Stunde später wie Paula nach Hause kam, worüber sie sehr erfreut war (!)

Am 8.11. zum Kaffee kam unverhofft Walter zum Besuch, den wir schon längst erwartet hatten. Ich zog mit ihm zum Dämmerschoppen und abends waren wir alle zusammen im Cafasu und abends im "Siechen" bis 1/4 2 Uhr. Es ist viel geredet und gelacht und ........ worden. Am Donnerstag machte Walter seine Besuche und Spaziergänge, war abends bei uns zu Hause und fuhr am Freitag morgen  um 7.52 Uhr wieder nach Stuttgart.

Am 12.11.33 brachte die Wahl den glänzenden Sieg Hitlers ! ?

Da wir zur Eröffnung der umgebauten Winzergenossenschaft auf Veranlassung von August Bach in Deidesheim 19./11. sein sollten, machte ich mit Naumer vorher eine Wanderung von Dürkheim aus über Wachtenburg, Odinstal, Heidenlöcher dorthin, die bei prächtigem Wetter um 3 Uhr nachmittags in Deidesheim endete. Kurz darauf kamen Bach's und meine Paula im Auto an.

Obwohl viele Leute da waren, kam aber keine Stimmung auf. Die Autofahrer sind dann frühzeitig nach Mannheim zurück, während ich mit Naumer über Dürkheim musste, wo wir im Schlosskaffee vor der Abfahrt noch "einen" petzten.

Am nächsten Sonntag war Paula mit Bachs in Waldhilsbach, ich zu Hause; abends trafen wir uns im "Siechen" zu einem gemütlichen Schoppen.

Am 29. November kam unser Radio in Betrieb. Der tadellos funktionierend Volksempfänger stellt ein gemeinschaftliches Weihnachtsgeschenk dar. Walter verrieten wir vorläufig nichts davon. Die erste Hälfte des Dezember brachte noch zwei schöne Wanderungen: am 3. mit dem O.Cl. nach Leimen (Eintopfgericht im Eimer ) und am 10. mit dem Pf.W.V. auf die Kalmit, wo Schlussfest stattfand. Das Wetter war beide Male frostig und sonnig, die Wege vereist.

Auf Einladung vom Siechen-Wirt vereinigten wir uns am 23. zu einem Flaschenweingelage daselbst, das recht feuchtfröhlich verlief.

Der darauffolgende Sonntag war der heilige Abend. Walter kam um 7 Uhr hier an. Die Entfernung brachte manche Überraschung. Ein paar Flaschen Sekt eröffneten die Stimmung; es war recht nett, wozu namentlich auch unser neues Radio beitrug. Am 1. Feiertag war die Großmutter bei uns. Die Jugend machte verschiedentlich Spritztouren in die Stadt. Am 2. Feiertag morgens 7.52 Uhr musste Walter wieder zurück. Wir sind nachmittags mit Bach's in Heidelberg gewesen.

Am Samstag vor Sylvester fuhr Trudl auf die Ski-Hütte am Ruhestein. Paula und ich beschlossen deswegen vom üblichen Sylvestertrunk zu Hause abzusehen und das neue Jahr im "Siechen" zu erwarten. Wir haben mittags schon dort gegessen und uns auch abends teilweise in Gesellschaft von Bach's ganz gut unterhalten.

 

 

1934

Am Neujahrsmorgen beteiligte ich mich wieder einmal an der Gratulationskur im Geschäft, die dieses Mal ganz befriedigend verlief. Daran anschließend begab ich mich ins deutsche Haus, obgleich der übliche historische Frühschoppen von der neuen Ortsgruppenführung unbegreiflicher Weise abgesagt worden war. Es hatten sich 7 Kollegen eingefunden, die alle ihr Befremden über die Maßnahmen äußerten. Ich habe mich dann bald verabschiedet und mit meiner Paula im Thomasbräu zu Mittag gespeist. Später besuchten wir die Großmutter, waren um 4 Uhr wieder zu Hause zum ausruhen und haben dann den Tag mit Bach's im "Siechen" beschlossen. Um 3/4 10 Uhr war Trudl vom Schwarzwald zurück, wo es ihr recht gut gefallen hat.

Die erste diesjährige Wanderung stieg am 7. Januar mit m.P. von Dürkheim aus über den Peterskopf nach der Lindemannsruhe. Die Schneelandschaft auf der Höhe war entzückend. Wir haben in netter Gesellschaft aus Mannheim -Herren der Amacitia - und später einer Familie aus Worms 3 Stunden Mittagsrast gemacht, um Bach's mit Trudl zu erwarten; sie kamen aber nicht. Wir trafen sie erst bei Henninger in Kallstadt, wo bei Gesang und Tanz, Essen und Trinken die Stunden schnell verrannen. Hans Bach hat Paula und mich dann mit dem Auto nach Dürkheim gebracht, von wo wir 8.15 Uhr zurückfuhren und ist wieder nach Kallstadt zurückgefahren, um die Gesellschaft nach Hause zu bringen; sie waren kurz vor uns in Mannheim.

Am 14.1. "weihte" ich meinen neuen Wanderanzug ein. Der Pf.W.V. führte von § Eichen, Rotsteig, Silbertal, Hardt nach Neustadt. Ich hielt mich unterwegs lange in Rotsteig und Pfälzerwaldhaus auf und war um 5 Uhr im "Lamm". Um 7 Uhr brachte uns der Sonntagszug wieder zurück.

Unseren diesjährigen Fastnachtsbedarf deckten wir am 20. und 27. Januar, diesen in Anwesenheit von Walter, im Siechen, wo es recht lustig und gemütlich war.

Am 4. Februar beteiligte sich meine Paula und ich mit dem O.Cl. an einer übrigens interessanten Schneewanderung von Ziegelhausen, Sitzbuche, Münchel, Schönau, Neckargemünd. Das Eintopfgericht im Pfälzer Hof in Sch. War besonders lobenswert. Für 60 Pfennige gab's Erbsensuppe mit Spätzle und Wurst oder Sauerkraut mit Wellfleisch und Kartoffeln. Im Ochsen in N., wo es uns nicht besonders gefiel, trafen wir Bachs, die mit dem Auto dorthin gefahren waren.

Am Fastnachtssonntag bewegte sich ein netter, aber improvisierter Zug durch die Straßen Mannheims. Wir hatten vorher im Siechen gegessen und waren auch abends dort nochmals recht fidel.

Einer unverhofften Einladung zu einer Autofahrt durch Bachs leistete m.P. und ich am Fastnachtdienstag Folge. Über Heidelberg und Schönau waren wir zum Vesper auf dem Schriesheimerhof. Über Ladenburg-Wallstadt ging's wieder zurück.

Für uns allein machten wir am 18.2. eine nette Wanderung von Dürkheim über Wachenheim nach Rotsteig, wo ich am 14.1. meinen Schirm stehen gelassen hatte. Nach reichlicher Rast gingen wir auf dem bekannten Weg über 3 Eichen nach Dürkheim zurück und kehrten dort das erste Mal in der Weinstube des Kurhauses ein. Es hat uns dort sehr gut gefallen. In Mannheim beschlossen wir den Tag mit Bach's im Siechen.

Ende Februar wechselte Walter innerhalb drei Tagen seine Stellung in Stuttgart mit D1 Barbarino! Der "Verein" ist also jetzt wieder vollzählig beisammen.

Die März-Wanderung des O.Cl. führte am 4. nach Fürth-Schlieberg, Knoden-Zell-Bensheim. Der Krehberg bot noch prächtige Winterlandschaft. Im "Odenwald" war die Mittagsrast recht nett, netter das Vesper in der "Mühle" in Zell, am nettesten der Schlußschoppen bei "Schwing" in Bensheim; die fidele Rückfahrt endete in 1 Stunde in Mannheim. Von oben her war's den ganzen Tag trocken geblieben, um so nässer von unten.

Nun kam veränderliches Wetter bis zum 23.3. Am Palmsonntag, den 25. verlockte uns die lachende sonne zu einer Pfalzwanderung von Dürkheim aus zur Lindemannsruhe. Nach reichlicher Rast kamen wir zum Kaffee und Vesper bei Henninger in Kallstadt an. Dort war Musik aber kein Tanz. Die "Viertelchen" haben uns aber recht gut geschmeckt. Der Rückweg nach Dürkheim auf der Landstraße war kein Vergnügen.

Am Karfreitag war ich mit Walter allein auf der Kalmit. Der ganze Tag war herrlich, und um 7 Uhr waren wir wieder in unserer Wohnung. Über Ostern unternahmen wir nichts besonderes.

An der O.Cl.-Wanderung vom 8.4. beteiligten wir uns zu dritt. Trudl blieb zu Hause. Ein Sonderzug mit 610 Insassen brachte uns nach Afolterbach. Von da ging's aufwärts nach Dürrellenbach mit herrlicher Waldrast, dann einem idyllischen Bach entlang nach "Schimmeldewog", wo wir zur Mittagsrast eintrafen. In der "Goldenen Krone" war's recht nett. Der weitere Weg über Korsika und Schönbrunn war ziemlich beschwerlich, aber schließlich waren wir als die ersten doch um 1/2 5 Uhr schon in Waldmichelbach, dem Endpunkt der Wanderung. Wir haben in der üblichen Gesellschaft im "Kaiserhof" bis zur Abfahrt des Sonderzuges um 1/2 8 recht schöne Stunden erlebt und nahmen im "Siechen" sogar noch einen Schlußschoppen ein. Die Müdigkeit auf die 22 km kam Montag, aber schön war's doch.

Freinsheim zog mich am 22.4.34 an. Da sonst niemand Lust hatte, fuhr ich allein bis Ellerstadt und wanderte durch Blüten und Wiesen nach Freinsheim, das ich um 1/2 12 Uhr erreichte. Im Winzerverein war schon Hochbetrieb, und an meinem Tisch setzten sich vier Mädels aus Kaiserslautern, mit denen ich mich nach einem guten Mittagessen für RM 1.- 3 Stunden lang recht lebhaft unterhielt. Ich bin dann allein über Ungstein nach Dürkheim gewandert und habe den Tag in der Kurhaus-Weinstube sehr angenehm beschlossen. Um 7 Uhr war ich wieder zu Hause.

Einen unverhofften Besuch erhielten wir am 26.4. von Familie Schnell aus Frankfurt. Sch. kannte ich von Mannheim her und war auch mein Freund während meiner Frankfurter Tätigkeit 1899. Seitdem hatten wir uns nicht mehr gesehen. Die Freude war groß und wir haben im "Bürgerkeller" und bei uns zu Hause einige vergnügte Stunden verlebt.

Die nette "braune Messe" besuchte ich mit Paula am 29.4.

Der 1. Mai brachte als der Tag der nationalen Arbeit wieder den pompösen Festzug nach dem Exerzierplatz, woran ich mich im neuen D.A.F.-Anzug auch beteiligte.(Anmerkung in Stenographie!!!) Abends waren wir recht vergnügt im Siechen.

Das große Wandertreffen fand an Himmelfahrt (10.5.) in Dürkheim statt. Morgens war eine kurze Wanderung nach der Limburg. Walter und ich frühstückten auf dem Mundtharter Hof. Nachmittags nahmen wir mit Bachs vom Schlosskaffee aus die große Kundgebung entgegen und "petzten" später auf der Festwiese noch verschiedene Schoppen. Leider bummelte der Sonderzug über Frankenthal 2 Stunden auf der kurzen Strecke herum.

Der Kameradschaftsabend der Transportabteilung im Arkadenhof verlief unter meiner Leitung recht nett.

Am ersten Pfingstfeiertag waren wir alle zusammen in der Pfalz: Ab Ludwigshafen 7.45, an Neustadt 8.16, Frühstück am Windloch 9.30; über kleine Ebene an Hellerplatz 11.15; in der Hütte bei Musik aus Iggelbach und netter Unterhaltung Mittagspause bis 13.15, dann nach dem Totenkopf und über Hüttensohl zur Hohelooghütte mit Kaffeerast; an Neustadt Hotel Lamm 17 Uhr. Sehr gut gegessen und getrunken und in lustiger Gesellschaft von Stuttgartern bis 20.15 geblieben; an Wohnung 21.30 Uhr. Es war ein herrlicher Tag, reich an Genüssen, nur der Weg eine Stunde zu lang.

Einen Nachmittagsausflug nach Heidelberg machten wir alle zusammen mit Bachs am 27.5. Wir besuchten mal wieder die Glanzpunkte der alten Musenstadt und nahmen auf der Molkenkur den noch wie früher, teuren Kaffee ein. Abends waren wir im "Bergbräu" mit allem sehr zufrieden.

Fronleichnam, der in Mannheim kein gesetzlicher Feiertag ist, war geschäftsfrei. Ich benutze deshalb den Vormittag zu einem Spaziergang in den Waldpark und über die Fähre nach Altrip. Beim Frühstück im Himmelreich erinnerte ich mich daran, dass seit meinem letzten Besuch genau dreissig Jahre vergangen waren..

Am 3. Juni war ich morgens am "Karlstern" im Käfertäler Wald, wo der im dortigen Tierpark untergebrachte herrliche Eisbär "Asta" plötzlich an Herzschlag einging, nachdem ich mich noch kurz vorher über sein drolliges Wesen gefreut hatte.

Die 12. Wanderung in diesem Jahr machten wir zu dritt am 10.6. von Dürkheim aus. Über drei Eichen gelangten wir auf herrlichen Waldwegen in 2 Stunden nach dem Forsthaus "Kehr dich an nichts". Wir lernten den lauschigen Platz als einen der schönsten der Pfalz kennen und hielten uns dort unter Birken, gutem Wein und netter Gesellschaft eines Wormser Herrn recht lange. Auf dem selben Weg waren wir mit einer Waldrast von 1 Stunde um 5 Uhr wieder in Dürkheim und kehrten mal zur Abwechslung in der Winzergenossenschaft ein. Dort trafen wir mit dem Kameradschaftsausflug von Engelhorn und Sturm zusammen. Schon morgens hatten wir die Gesellschaft in drei Postautos auf der Landstraße gesehen. Mit dem vorgesehenen Abendessen waren wir ganz zufrieden. Um 1/2 9 Uhr waren wir hochbefriedigt wieder zu Hause.

Einen seltenen Spaziergang unternahm ich am 17.6. mit m.P. Wir fuhren morgens bis zur Elektrischen Haltestelle Altriper Fähre, setzten über den Rhein und wanderten am bewaldeten Ufer abwärts bis zur Rehbachmündung, wo uns Walter mit dem Rad einholte. Das Leben an diesem Strand war recht interessant und auch der Blick auf das Mannheimer Strandbad. Wir haben dann in dem schattigen Garten der Wirtschaft "Am Rehbach" gemütlich Frühstück und Frühschoppen gemacht und sind, Walter über Altrip, wir über Rheingönnheim, wieder nach Hause gefahren, wo wir fast gleichzeitig zum Mittagessen eintrafen. Abends waren wir im "Siechen".

Nun kam eine Ruhepause bis zum 1. Juli. Ohne Trudl fuhren wir nach Neustadt und stiegen auf das Weinbiet, das wir um 1/2 12 Uhr erreichten. Aus dem mitgebrachten Extrablatt konnten wir die neuesten Nachrichten über Hitler's Säuberungsaktion in der SA vermitteln. Wir haben dann bei einer netten Neustadter Familie 5 Stunden gesessen und sind nach dem Abstieg im "Lamm" zum Abendessen eingekehrt. Um 9 Uhr waren wir gestärkt an Körper und Geist wieder in unserem Heim.

Am Sonntag, den 15. Juli 8.19 standen Paula und ich auf dem Bahnhof Mannheim zur Abfahrt in unseren diesjährigen Urlaub in Freudenstadt. Besonders reizvoll ist das vom Zug durchfahrene Murgtal ab Gernsbach. Schloß Eberstein tauchte auf, dann das liebliche Forbach, Schönmünzach, Klosterwiesenbach und Baiersbronn. 740 m schraubte sich die Bahn hinauf. Kurz vor 12 Uhr waren wir am Stadtbahnhof Freudenstadt und einige Minuten später im "Hotel Linde" am Markt, das wir uns für drei Wochen erwählt hatten.

Im ersten Stock, dem Musikpavillon der Stadtkapelle gegenüber, wartete auf uns ein sonniges Zimmer mit fließ. Wasser und den üblichen Bequemlichkeiten. Unten im kleinen, aber gemütlichen Nebenzimmer war ein Fensterplatz für uns freigehalten, an dem uns der erste Schmaus kredenzt wurde: Königinnensuppe, jeder zwei Forellen blau mit Butter und Kartoffeln. Jeder ein Täubchen mit Gemüse, Kartoffeln und Spätzle und schließlich Pfirsicheis. An unserem Tisch saß nur ein Herr Foerster aus Mannheim, der uns bis Donnerstag jeweils viel zu erzählen hatte aber sonst recht nett war. Bei der Umschau zogen wir vor, uns zunächst nirgends anzuschließen, da wir am nächsten Tag Walter erwarteten, der vorher noch einen Besuch in Stuttgart gemacht hatte. Nach ausgucken und etwas Ruhe unternahmen wir den ersten Rundgang zunächst um den interessanten Markt, an dessen vier Seiten alle Häuser mit dem Giebel nach vorn stehen und unten sogenannte Laubengänge haben, sodaß man trockenen Fußes an den schönen Läden vorbeigehen kann. Der Plan der Stadt, nach dem Schema des Mühlenspieles, geht auf den herzoglichen Baumeister Schickhardt zurück. Die weitere Beschreibung geht aus den "Führern" hervor, auf die hier verwiesen sei. Wir wandten uns dann der Glanzpromenade F's, dem Teufelsweg, zu und waren von dessen Romantik und Gepflegtheit ganz entzückt. Ein lebhaftes Hin- und Her machte sich, wie auch später immer, bemerkbar. Im Waldkaffee Kläger tranken wir Kaffee. Heuer durch die Stadt an den großen, teilweise pompösen Hotels, wie Waldeck, Rappen, Krone, Post, Rössl usw. erreichten wir den Hauptbahnhof, um zu sehen, ob Walter schon abends kommen könnte. Ein niedergehendes Gewitter zwang uns, dann 25 Minuten weiten Weg in die Stadt mit dem Postauto für 10 Pfennige zurückzulegen. Im Hotel angelangt, wurde das Essen von unserer neuen Hebe "Paula" aufgetragen: Suppe, reichlichen ff. Aufschnitt mit 2 Eiern und Nachtisch. Den folgenden Abendschoppen dehnten wir bis 1/2 11 Uhr aus. Schon der erste Schlaf war gut obgleich die Betten etwas verlegen waren.

Am Montag, den 16.7. nach dem Frühstück gegen 9 Uhr kam Walter. Wir sind dann kurz darauf auf Umwegen gemeinsam zum idyllisch gelegenen Langenwaldsee und wieder zurück gegangen und bekamen in der "Linde" das zweite Mittagessen: Gemüsesuppe, Schellfisch mit Butter und Kartoffeln, Hühnerfrikassee mit gemischtem Salat und Spätzle, Marmorkuchen. Nach Ruhe bis 4 Uhr wanderten wir durch die Adolf-Hitler-Straße am Kurhaus vorbei in den Palmenwald zum Herzog-Friedrichsturm mit schöner Aussicht auf die nähere Umgebung und über Vischer- und Teufelsweg zurück ins Hotel. Abendessen: Suppe, Wiener Schnitzel mit Bratkartoffeln und Salat, Kompott. Ab 1/2 9 Uhr spielte gegenüber die Arbeitsdienstkapelle flotte Weisen. Nach dem Schluss gingen wir um 10 Uhr ins Bett.

17.7. Nach dem Frühstück über Hirschkopfstraße nach Norden zu zur ganz uninteressanten Jaspishütte und weiter am Waldrand entlang mit längerem Aufenthalt an lauschigen Plätzchen zurück zur Stadt mit Frühschoppen im "Rößl". Im Hotel gab's Suppe, Schlachtplatte mit Krautsalat, Bisquitt mit Vanilletunke. Ohne ruhe fuhren wir um 1/2 3 Uhr in Begleitung des Herrn Förster mit dem Postauto nach Kniebis-Alexanderschanze. Die dort vermutete Fernsicht fehlte vollständig und wir wanderten nur bald abwärts zum Kniebis-Lamm, wo sich Male Bach 5 1/2 Wochen zu erholen versucht hatte. Das Hotel ist ziemlich geräumig, steht aber ganz einsam an der Landstraße und schien uns nicht der richtige Platz für Erholungsbedürftige zu sein. Die Aussicht nach der Schwäb. Alb war jedoch von der Terrasse nicht übel. Um so schlechter der Kaffee der uns dort vorgesetzt wurde. Wir wanderten nun weiter abwärts zum Kniebis-Ochsen und von da auf dem Forstmeister Grundweg in 2 3/4 Stunden durch prächtige Waldbestände nach Freudenstadt zurück. Abendbrot: Suppe, eine große Platte gekochten Schinken mit Rühreier und gemischtem Salat, Kompott und Käse. Nachher Bummel: Post, steif und teuer, Gasthaus Dreikönig mit schlechtem Bier aber sehr netter Unterhaltung mit der Wirtin und einer Familie Hummel aus Ludwigshafen, zum Schluß in der "Linde" bis 12 Uhr.

18.7. Lange geschlafen. Nach dem Frühstück hinauf zum Herzog-Friedrich-Turm, am Waldrand lange geruht bis zur Mittagsbrotzeit: Einlaufsuppe, ff. Ochsenfleisch mit fünf Beilagen und Kartoffeln, Reis mit Himbeertunke. Darauf Ruhe bis 1/2 5 Uhr. Zum Konzert in den Kurhausgarten, wo wir die Familie Schiller aus Mannheim trafen. Nach kurzem Spaziergang zurück in die "Linde" zum Abendessen: Suppe, gemischten Aufschnitt mit zwei Eiern, Butter, Brot und Nachtisch. Konzert der Stadtkapelle vor dem Haus; Abendschoppen mit Schillers bis 1/2 11 Uhr.

19.7. Nach dem Frühstück auf herrlichen Waldwegen an der Agnesruhe, der Rippoldsauer Hütte, die Fliegerdenkmal und über das Kinzigbrückle vorbei nach Obererzwieselberg. Hoch und schön gelegen mit einigen sauberen Gasthäusern. Wir nahmen im "Auerhahn" den Frühschoppen ein und wanderten wieder abwärts nach Fr. Mittagessen: Suppe, Schellfisch mit Butter und Kartoffeln, gefüllte Kalbsbrust mit Bratkartoffeln und Salat, Himbeer-Roulade. Ruhe bis 4 Uhr, dann ab nach dem Christophstal mit berühmter Tuchfabrik, Rundgang zum Langenwaldsee mit längerem Aufenthalt und zurück zum Hotel. Abendbrot: Suppe, Schweinekotelette mit Bratkartoffeln und Salat und Nachtisch. Abendschoppen mit Familie Foerster bis 1/2 10 Uhr.

20.7. Adolf-Hitlerstraße, Waldrastplatz, Hotel Stockinger, Lauterbad Hotel mit schönem Garten, in der Nähe der Lauterbad-Viadukt. Frühschoppen von Sprudel und Kirschwasser. Aufwärts auf beschwerlichem Weg wegen der glänzenden Sonne über Herzog-Friedrichturm nach der "Linde". Mittagessen: Legierte Suppe, gebackenen Kabeljau mit Remouladensauce und Kartoffelsalat, Schmorbraten mit gemischtem Salat und Spätzle, Griespudding mit Himbeertunke. Ruhe bis 4 Uhr, dann durch den Teufelwald zum Langenwaldsee, wo Walter schon badete. Dort Kaffee und längerer Aufenthalt. Zum Abendessen in der "Linde": Suppe, Spiegeleier mit Spinat, junge Hähnchen mit Kart., Käse-Dessert. Abendschoppen im Bräustübl des "Hotel Rappen" bei steifer Gesellschaft, deshalb noch in die "Linde" bis 11 Uhr.

21.7. Wegen der 2000 km-Fahrt, die von Kniebis herunter Fr. berührte, um 5 Uhr aufgestanden und die ersten Wagen am Adolf-Hitler-Platz vorbeifahren sehen, dann Frühstück und wieder an die Fahrstrecke, später zum Frühkonzert im Kurhaus. Mittagessen: Suppe, Hackbraten und Schweinskarré mit Salzkartoffeln und Salat, Apfelstrudel. Ruhe bis 3/4 4 Uhr. Über den Panoramaweg zum Kaffee Stockinger, Kaffee auf der Terrasse mit herrlichem Blick auf die Alb (Zollernblick), zurück ins Hotel zum Abendbrot: Suppe, Rühreier mit gekochtem Schinken, gemischtem Salat und Nachtisch. (Bei der Bedienung reklamiert wegen zu oft gemischtem Aufschnitt mit Eiern oder ähnlichem). Vor dem Haus Konzert der Stadtkapelle bis 10 Uhr.

22.7. Um 9 Uhr durch die Stadt und aufwärts auf dem Hartranftweg zum Lauferbrunnen, idyllische Anlagen an der Gabelung der Schömberger und Zwieselberger Straße. Dort lange geruht, weil Sonntag, und zurück zum Konzert vor der Linde. Hierauf Mittagessen: Königinnensuppe, 3 große Forellen für 3 Personen mit Butter und Kart., 3 junge Hähnchen mit Gemüse, Kart. Und Spaghetti, Zitroneneis. Um 3 Uhr nach dem Langenwaldsee zum Kaffee und Dämmerschoppen. Auf dem Nachhauseweg beinahe in ein Gewitter gekommen. Abendbrot: Suppe, 2 Eier, Aufschnitt, Butter und Brot, Rettichsalat und Nachtisch. Bummel und Abendschoppen bei Zigeunermusik in der Krone und lebhafter Unterhaltung mit Familie Zipf (Lederhändler) aus Pirmasens.

23.7. Regen. Um den Marktplatz herum und später Frühschoppen in dem "Dreikönig". Mittagessen in der Linde: Suppe, Sauerkraut mit Spätzle, Wurst und Dürrfleisch, Kuchen (!) Später Kaffee bei Schmidt und etwas zum Kurkonzert der Arbeitsdienstler. Zurück zum Abendessen: Suppe, Kalbsschnitzel mit gem. Salat und Spätzle, Käse. Bei Konzert der Stadtkapelle vor dem Hause bis 10 Uhr gesessen.

24.7. Nach dem Frühstück um 3/4 9 Uhr nach dem Lauferbrunnen und weiter auf der Schömberger Straße bis zum Muffelweg, dann Muffelkopf und zum Gasthaus Steinwald, einfach; kurzer Regen aber trotzdem in der Linde angelangt. Mittagessen: Suppe, geb. Kabeljau mit Rem.Soße und Kart. Salat, Schweinebraten mit Wirsing und Kart, Griespudding mit Himbeertunke. 3 1/4 ab nach Zwieselberg. Nach Ankunft im Auerhahn Gewitter, deshalb mit Postauto zurück. Abendessen: Suppe, Geflügel (Hahn und Gans) mit Salat u. Bratkartoffeln, Käse. In gemütlicher Unterhaltung mit den anderen Gästen länger gesessen.

25.7. Jahrmarkt, anfangs Regen dann schön. Bummel, dann auf dem Zimmer mit Blick auf das Treiben. Mittagessen: Nudelsuppe, Ochsenfleisch mit Beilagen und Johannisbeerkuchen. Gleich darauf auf dem Teufelsweg bis Rinnerhütte, die anderen nach dem Langenwaldsee, später wieder getroffen und gemeinschaftlich Kaffee bei Becher. Ich zum Dämmerschoppen in die "Dreikönig"

Abendessen: Suppe, Kalbsgoulasch mit Spätzle u. Salat, Käse. Konzert vor dem Hotel, dann mit Familie Lank in die "Dreikönig", wo wir recht lustig wurden, so dass Fortsetzung in der Linde folgte, bis 1/2 1 Uhr. (Walter nachgemessen)

26.7. 9.11 mit dem heimstrebenden Sohn bis Baiersbronn gefahren und nach herzl. Verabschiedung auf der prächtigen Landstraße an Friedrichstal und Christophstal vorüber mit Einkehr im "Schiff" nach Fr. zurückgewandert. Ankunft rechtzeitig zum Mittagessen: Leberknödelsuppe, Schellfisch mit Butter u. Kart., Deutsches Beef mit Ei, gelben Rüben und Kart., Nachtisch. Ruhe bis 4 Uhr. Dann zum Herzog Friedrich-Turm mit Kaffee auf der Terrasse, weiter über den Kienberg zur Schollkopfhütte am Lauferbrunnen. Dahinter länger in der sonne gesessen und den bekannten Weg zurück zur Linde: Suppe, ff. Rippchen mit Kartoffelsalat (extra bestellt) Käse. Später mit Familie Lank bis 11 Uhr gewürfelt und viel gelacht. Den Hauptpreis gewann meine Paula.

27.7. Nachts Sturm und Regen. Nach dem Frühstück auf der Landstraße nach Loßburg zu, sehr aussichtsreich, wieder zurück nach dem Lauterbad zum Sprudel- und Kognakfrühschoppen, durch den Palmenwald zurück ins Hotel. Mittagessen: Gemüsesuppe, Sauerbraten mit Spaghetti u. gemischtem Salat, Nachtisch. Ruhe bis 4 Uhr, dann zum Lauferbrunnen und weiter zum Muffelkopf, zurück zum Herzog-Friedrich-Turm. Dämmerschoppen in der Friedrichshöhe. Abendessen in der Linde: Suppe, Schweinekotelette mit Spätzle und Salat, Käse. Bierbummel mit Lanks und Frau Spließgart rund um den Markt, Krone, Traube, Linde bis 12 Uhr. Wir sind ob unserer Ausgelassenheit überall aufgefallen.

28.7. Länger geschlafen. Mit Lanks auf dem Teufelsweg, zur Charlottenhöhe, Agnesruhe und zurück zum Mittagessen: Nudelsuppe, Kalbsbraten mit gelben Rüben, Kart. Spätzle, Pfirsischeis. Ruhe bis 1/4 4 Uhr, dann mit Lanks über Lauferbrunnen, Muffelstraße durch prächtigen Wald nach Hohenrodt (Erholungsheim der Breuninger-Stuttgart mit landwirtschaftlichem Musterbetrieb) Rodt-Bahnhofrestauration mit herrlichem Blick in die Ebene. Nach Stärkung mit der Bahn zurück nach Fr.. Im Hotel: Suppe, junger Hahn mit Salat und Bratkart., Käse. Konzert vor dem Haus, in größerer Gesellschaft recht lustig bis 1/2 11 Uhr.

29.7. Zum Sonntag lange geschlafen. Dann mit Lanks nach dem Teufelswald. Auf dem Rückweg Bachs und Herrn Heinemann aus Rhoden getroffen, die unverhofft mit dem Auto angekommen waren. Nach Anhören des Konzerts vor unserm Hotel gemeinsamer Mittagschmaus: Reissuppe, Forellen mit Butter und Kart., ff. Lammbraten mit grünen Bohnen, Pfirsicheis(großartig) Unterhaltung mit unserem Besuch bis zu seiner Abfahrt um 3 Uhr. Um 4 Uhr wir zum Konzert ins Kurhaus, wo Lanks uns erwarteten. Darauf Bummel und zum Abendessen: Suppe, Spiegeleier mit Schinken, Käse. Später mit Lanks und einem anderen Reiseonkel (Herr Lank war eine besondere Art davon) in den Rappen und "Rebstock", wo wir Stimmung bekamen, da der Wein recht annehmbar war.11 Uhr Schluß, vorher noch Viecherei auf der Treppe mit den anderen Kurgästen.

30.7. Nach dem Frühstück wir allein nach dem Lauferbrunnen und über Freidrichshöhe zurück zum Mittagessen. Suppe, Kabejau mit Salat u. Rumsauce, Rindsbraten mit Spaghetti u. Salat, Heidelbeerkuchen. 2.30 mit Lanks per Bahn nach Friedrichstal, über die Höhe mit herrlichen Blicken auf Freudenstadt nach den Sankenbachfällen (ohne Wasser) und im Eilmarsch nach Baiersbronn, um den 6 Uhr Zug noch zu bekommen, was uns wider Erwarten gelang. Da keine Einkehrgelegenheit war, schmeckte uns der Dämmerschoppen im Murgtalerhof in Fr. besonders gut. Das Gesehene war aber den Schweiß nicht wert gewesen. Abendessen in der Linde: Suppe, Hackbraten mit Tomatensalat und Spätzle, Käse. Vor dem Haus Konzert der Stadtkapelle. Bei Wein (Kaiserstühler) recht gemütlich bis 10 Uhr.

31.7. Länger geschlafen. Nach dem Frühstück um 1/2 10 Uhr nach dem Lauferbrunnen, Lanks ins Bad, Verweilen auf der Bank hinter Schollkopfhütte und ab zum Hotel: Erbsensuppe, Schweinebraten mit Bohnensalat und Salzkart., Johannisbeerstrudel. Ruhe bis 4 Uhr, dann über den Teufelsweg zum Langenwaldsee mit Kaffee u.s.w. Abendessen in der Linde: Suppe, Aufschnitt mit 2 Eiern, Butter und Brot. Anschließend gemütlicher Witze-Abend bis 11 Uhr. 

1.8. Nach dem Frühstück Bummel in der Stadt, Einkäufe, am neuen Friedhof vorbei und über den Stadtbahnhof ins Hotel: Nudelsuppe, Ochsenfleisch mit Beilagen u. Kart., Zwetschgenkuchen. Ruhe bis 3 Uhr, dann mit Lanks über Herzog-Friedrich Turm nach dem Lauterbad zum Kaffee. In der warmen Sonne lange in gemütlicher Unterhaltung gesessen und später auf der Straße zurück nach Fr. Abendbrot: Suppe (schlechte); Bratwurst mit Salat und Bratkartoffeln u. Käse. Mit Lanks und ihren Verwandten u. Herrn Nebel) ins Posterholungsheim zur Besichtigung. Großartige Einrichtung! Gemütlich geplaudert bei Bier und Wein bis 1/2 12 Uhr.

2.8. Später wie sonst Antritt des Spazierganges nach der Rippoldsauer Hütte. Daselbst längeres Verweilen. Auf dem Rückweg den Tod Hindenburgs erfahren. Betrübt ins Hotel. Die öffentlichen Gebäude flaggen bereits Halbmast. Mittagessen: Tomatensuppe, Schellfisch mit Butter u. Kart., ff. Rostbraten mit Spätzle u. gem. Salat, Aprikoseneis. Ruhe bis 4 Uhr. Dann zum Kaffee in den Rebstock. Wegen Regen Bummel um den Markt herum, ich zum Dämmerschoppen in die Krone, Paula aufs Zimmer. Abendessen: Suppe, Rippchen mit Kart.Salat. Abendschoppen bis 10 Uhr.

3.8.Nach dem Frühstück wegen Regen nochmals um den Markt herum. Ich um 11 Uhr zum Frühschoppen in den "Dreikönig". Mittagessen im Hotel: Kart. Suppe, geb. Rotzunge mit Rum-Soße und Kart. Salat, Schmorbraten mit wirsing und Kart. Eis. Packen und Ruhe bis 3 Uhr. Dann mit Lanks aufwärts zur Rippoldsauer Hütte zwecks Tannenstrauß. Zurück zu unserer Henkersmahlzeit: Suppe, jeder zwei gebratene Täubchen mit Brat.-Kart. U. Salat, Eis. Abschiedstrunk mit Lanks und HerrnNebel bis 1 1/4 Uhr.

4.8. Kater und Regen. Nach herzlicher Verabschiedung im Hotel und auf dem Bahnhof (Die Lindenwirtin stiftete ein Fläschchen Kirschwasser und Lanks einen Strauß herrlicher Rosen) Abfahrt nach Karlsruhe, wieder durch das herrliche Murgtal um 9.11., an 11.42. Mit Scholl's aus Mainz, die gleichzeitig heimfuhren, im moninger zu Mittag gespeist und um 2.48 nach Mannheim zurück, um 16.16, per Auto zur Wohnung, freundlichst empfangen von Trudl ... und Hans'l (Kanarienvogel). Walter kam erst abends aus dem Geschäft.

Alles in Allem: Es waren wieder einmal herrliche Tage, voller Freiheit und Lust und dementsprechender Erholung. Die Kosten waren für die drei Wochen bei RM 6.- Pension einschließlich Bedienung und Kurtaxe für uns beide RM 441.40

Unverhofft luden mich Bachs am 12.8.34 zu einer Autotour zum Besuch der Deidesheimer Kerwe ein. Wir fuhren zuerst nach Dürkheim zu und da es noch früh am Tage war, machten wir einen recht genussreichen Abstecher nach dem Forsthaus Isenach, wo ich schon lange nicht mehr gewesen war. Wir erfreuten uns wieder an dem romantischen See und kehrten nach einer 1/2 stündigen Pause nach Dürkheim zurück. Schnell waren wir von da in Deidesheim, dessen Winzergenossenschaft, wenn auch ohne Tanz infolge der Trauer um des Reichspräsidenten, aber bei Musik schon recht gut besetzt war. Nach Vesper und Abendessen und manchem guten Tröpfchen und viel Spaß traten wir gegen 8 Uhr die Rückfahrt an und waren um 9 Uhr wieder in Mannheim.

Am 19.8. war Volksabstimmung (?) mit starker Mehrheit für Hitler, der nun "Führer und Reichskanzler" in einer Person ist! Wir waren abends mit Bachs im Thomasbräu, da ich seit 5.8. das "Siechen" unsere seitherige Stammkneipe, vorerst meide.

Am 26.8. waren wir zu viert teils mit der Elektrischen, teils mit Bachs Auto auf der Lindemannsruhe mehrere Stunden im schönsten Sonnenschein und später in der zur vorläufigen Einweihung des neuen gewaltigen Fasses. Abendbrot aßen wir sehr gut in der Genossenschaft, die auch modernisiert wird.

Dann kam eine solide Woche bis zum 2.Sept., wo ich mich allein an der Fahrt des O.Cl. nach Sulzfeld-Maulbronn beteiligte. In Kürnbach fand am Grabe unseres verstorbenen Rektor Weißert eine erhebende Trauerfeier der über 500 Teinehmer statt und dann ging's hinein in den strahlenden Tag über Sternenfeld, Hohenklingen nach Maulbronn. Angeschlossen hatte ich mich an die sehr nette Familie Jahn, die Herrn Berberich, Schmitt und Groß. Wir haben nach der Besichtigung des wunderbaren Klosters Maulbronn in dem Hotel Post äußerst nette, lustige Stunden verlebt. Umsomehr als Küche und Keller hervorragendes boten. Der Sonderzug brachte uns um 7 Uhr in schneller Fahrt über Bruchsal und Graben wieder nach Mannheim und um 1/2 10 Uhr war ich wieder in meinem Heim. Trudl war mit dem Skiclub auf der Hütte am Ruhestein gewesen, Paula und Walter hatten sich mit Hansl nach ihrer Art amüsiert. Bei dem Besuch Maulbronns haben aber alle viel versäumt.

Der Dürkheimer Wurstmarkt lockte uns am Samstag, den 8.9.34. Wir fuhren zu dritt um 3/4 14 Uhr ab und waren um 3 Uhr in D. Nach einem oberflächlichen Bummel, der uns zeigte, dass überall noch letzte Hand angelegt wurde, suchten wir Malchen Bach im Kurhaus auf. Wir fanden sie nicht so, wie gewünscht, nahmen sie aber nach dem Kaffee doch mit auf den Festplatz, wohin sich ein "improvisierter" Festzug bewegte. Nach einer Stunde war der Betreib schon gewaltig. Wir waren bei den Schubkärchlern, in der Halle der Winzergenossenschaft und des - Weines wo wir Wilh. Walter mit seiner Familie trafen. Da wurde es schon recht lustig. Um 1/2 20 Uhr begleiteten wir Male Bach ins Hotel und begaben uns dann nochmals auf den Wurstmarkt. Schnell hatten wir Walters wieder gefunden mit denen wir noch ein paar Stunden recht ausgelassen waren. Um 10 Uhr trennten wir uns aber doch und waren um 11 Uhr wieder zu Hause. Walter war erst um 9 Uhr gefahren und kam um 4 Uhr zurück.

Zu Paula's Geburtstag war nur die Großmutter bei uns. Am Samstag den 15.9. waren wir zu dritt in der Aktienbrauerei in Ludwigshafen, einem neuen Bierrestaurant, das uns sehr zusagte.

Am 16. machten wir alle zusammen nachmittags einen Ausflug nach Heidelberg, Sprunghöhe, drei Eichen, Waldhilsbach. Bei Gaul fanden wir alles, was wir gesucht hatten und konnten später auch Bachs begrüßen, die mit dem Auto dorthin gekommen waren. Teils zu Fuß, Auto und Elektr. erreichten wir Heidelberg wieder und stärkten uns im Bergbräu bis zur Rückfahrt. Es war einmal etwas anders und recht nett gewesen.

Eine genussreiche Wanderung , wenn auch morgens bei Rieselwetter, machte ich am Sonntag, den 23.9.34 mit Walter von Neustadt aus über hohe Loog mit Frühstücksrast auf die Kalmit. Unterwegs trafen wir einen alten Schulkameraden mit Frau von Ludwigshafen, mit dem wir den übrigen Teil des Tages ganz angenehm verbrachten. Nach reichlicher Rast in der Kalmithütte stiegen wir bei aufkommendem Sonnenschein abwärts zur Maxburg mit Kaffeerast und gelangten über Hambach nach Neustadt. W und ich speisten dann im "Lamm" hervorragend und waren um 1/2 9 Uhr zu Hause. Die Damen waren nachmittags zu Hause, abends im Theater.

Meine 20. diesjährige Tageswanderung macht ich am 7.10.34 mit dem O.Cl. Ein Sonderzug brachte uns nach Neustadt. Von da ging's schnell aufwärts zum Weinbiet mit Frühstücksrast. Auf den bekannten herrlichen Wegen erreichten wir Silbertal, Rotsteig und ich über Weißen Strich nachm. 3/4 4 Uhr Deidesheim. In der Winzergenossenschaft war es recht gemütlich, auch meine Paula machte dort mit Bachs einen kurzen Besuch. Um 7 Uhr fuhr der Sonderzug zurück und war bald in Ludwigshafen. Dort kehrten wir noch in großer Gesellschaft, ich mit Maulbetsch im Bellheimer Braustübl ein. Wie stets war auch diesmal der nachträgliche Biergenuß ein Fehler!

Am 20.10 war ich morgens in Seckenheim und nachmittags mit Bachs Auto auf dem Schriesheimer Hof. Am Sonntag darauf stieg eine Familienwanderung mit Pfeffers nach (Neu) Dürkheim-Kehrdichannichts". Bei dem prächtigen Herbstwetter haben wir viel Spaß gehabt. Schlußschoppen und Abendbrot nahmen wir in der Winzergenossenschaft ein. Auch Bach's waren noch kurz dort, Male leider in einer bedauernswerten Verfassung.

Die Novemberwanderung des O.Cl. ging von Lützelsachsen über den Ritschweier Pfad, Bildstock nach Oberflockenbach mit Frühstückspause in Rose und Krone. Die Sonne erfreute uns von hier ab den ganzen übrigen Tag. Auf dem Eichelberg war Totengedenkfeier. Ich ging bald wieder abwärts nach Rippenweier zum Kaffee. Später erschienen Freudenberger und Maulbetsch, mit denen ich den Rest der Wanderung über Heiligkreuz nach Großsachsen zurücklegte. Im dortigen "Zähringer Hof" waren wir in größerer Gesellschaft bei guter Speise und Trank recht fidel, sodaß die paar Stunden bis zur Rückfahrt schnell verrannen. Um 1/2 8 Uhr waren wir wieder in Mannheim.

Am Samstag, den 10.11.34 waren wir alle zusammen beim Oktoberfest des Skiclubs im Siechensaal. Für die Jugend war's recht nett. Am nächsten Tag folgte ich einer Einladung Bachs zur Autofahrt auf die Kalmit und zurück über Deidesheim.

Dann kamen einige Sonntage in Mannheim-Ludwigshafen --- in der "AX" am Buß- und Bettag usw.

Am Sonntag, den 2. Dez. beteiligte ich mich an der Programm-Wanderung des O.Cl. Sie begann in Weinheim, wohin uns ein Sonderzug der OEG gebracht hatte. Am Bahnhof Weinheim-Tal stiegen wir aufwärts auf schönem Rundweg zur     schau und weiter über Nächstenbach und Sulzbach nach Hemsbach. Ankunft daselbst 3/4 11 Uhr und Einkehr zur Mittagsrast in der "Bergstraße". Andere waren in der "Krone" und "Ritter" nach Stärkung und reichlichem Aufenthalt bei lustiger Unterhaltung setzten wir unseren Weg fort über Waldner-Turm, Schauinsland, Rothütte, Hirschkopf nach Weinheim, das wir in 2 1/2 Stunden erreichten. Auch in der dortigen, uns gut bekannten "Bergstraße" war es recht genussreich und gemütlich. In meiner engeren Gesellschaft waren Freudenberger und Maulbetsch, denen sich später noch Naumers und Bruckers zugesellten. Ich bin erst um 8.05 Uhr zurückgefahren. Trudl war auf der Skihütte, Paula und Walter, letzterer wegen bösem Fuß, zu Hause. Am nächsten Sonntag waren wir nur abends wieder einmal im "Thomasbräu".

 

Unsere silberne Hochzeit am 14. Dezember 1934

Am 13.12. 22.50 fuhr ich mit meiner Paula nach Berlin. Über Frankfurt a/M, Kassel und Magdeburg kamen wir um 8 Uhr auf dem Potsdamer Bahnhof an und begaben uns sofort per auto in das für unseren achttägigen Aufenthalt gewählten Hospiz im Zentrum an der Schleuse 5. Es ist von seinem Besitzer, Herr Becker-Berner, infolge der gegenüberliegenden Reichsbank Nazibetrieb in seiner Privatwohnung wieder neu angelegt worden und enthält vorerst sieben mit allen Bequemlichkeiten eingerichtete Zimmer. Wir wohnten in Nummer 5  Das erste Frühstück nahmen wir im hochfestlich ausgestalteten Privat-Speisezimmer des Besitzers ein und lernten ihn als einen äußerst gebildeten und liebenswürdigen Herren kennen.

Um 10 Uhr waren wir trotz der nächtlichen Fahrt schon auf dem ersten Rundgang: Kaiserdenkmal, Schloß, Weihnachtsmarkt, Zeughaus, Ehrenmal, Universität, .....Foyer, König-Friedrich-Denkmal und weiter "Unter den Linden" zum Pariser-Platz, Brandenburger-Tor, Reichstag, Bismarckdenkmal, Siegessäule, Siegeshalle, Tiergarten, Hermann-Göring-Straße, Potsdamer-Platz, Leipziger-Platz, Kaufhaus Wertheim, Leipziger-Straße, "Kempinski" zum Hochzeitsschmaus. Wir haben uns bei einem guten Tropfen dort recht wohl gefühlt, durch die Leipzigerstraße und über den Spittelmarkt sind wir dann zur Ruhe ins Hospiz gegangen und später für 10 Pfennig mit der U-Bahn vom Spittelmarkt zum Potsdamer-Platz gefahren, um im berühmten "Haus Vaterland" bei Konzert den Kaffee einzunehmen. Zum Abendbrot waren wir im gegenüber liegenden Pfefferhaus und begaben uns dann in die geschäftigen Kempinski-Betriebe des Hauses Vaterland. Nach eingehender Besichtigung der pompösen Gaststätten mit den interessanten Dioramen ließen wir uns im Löwenbräu nieder und nahmen dort die Darbietungen der bayr. Kapelle und eines Balletts entgegen. Schließlich trieb uns die Müdigkeit um 10 Uhr nach Hause. Das war unser Hochzeitstag, voll von gewaltigen Eindrücken!

15. Dez. Wir machten einen Bummel durch die Königsstraße nach dem Alexanderplatz und zurück über Schloß und Lustgarten mit dem Besuch der verschiedenen Museen, von denen uns vor allem das Pergamon-Museum mit dem gewaltigen Altar, Milet, das Babylonische Tor, dann das Ägyptische Museum fesselte und begeisterte. Später nahmen wir das Mittagessen im "Heidelberger" ein, wo wir weniger mit dem Essen als mit den gemütlichen Gaststuben, Bayr., Bierhof, Studentensaal und Westfäl. Stube usw. zufrieden waren. Nachmittags waren wir in dem großartigen Kaffee Efti am Tiergarten, zum Abendbrot im alten "Siechen" in der Behrenstraße und danach im "Wintergarten" bei einem glänzenden Variete-Programm. Den Schlußschoppen nahmen wir im Studentensaal des "Heidelberger" ein und waren erst nach 12 Uhr im Hospiz.  Auch dieser zweite Tag ließ nichts zu wünschen übrig!

16. Dez. Des Sonntagsmorgen ruhten wir etwas länger, unterhielten uns beim Frühstück mit unserem Gastgeber, der uns die Herrlichkeiten seines Junggesellendaseins einzeln zeigte, und fuhren dann mit der U-Bahn dem Wittenbergplatz zur Besichtigung der sich daran anschließenden, großstädtischen Tauentzienstraße, der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche und des Kurfürstendamms. Vom Bahnhof Zoo fuhren wir um 11 Uhr nach Potsdam und nahmen zunächst im „Alten Bahnhofrestaurant“ unser Eintopfgericht für 75 Pfennige ein. Dann folgte ein Bummel durch die Stadt, dem Stadtschloß und der Garnisonskirche mit Glockenspiel vorbei nach Park und Schloß Sanssouci. Beide wirken natürlich im Winter nicht so, wie im Sommer, aber ich konnte meiner Paula die Großartigkeit dieser Anlage vermitteln. Wir waren auch an der historischen Mühle mussten uns aber wegen einsetzendem Nebels wieder der Stadt zuwenden. Wir haben uns dann in einem „Kaffee“ nochmals gestärkt und sind gegen 5 Uhr mit der Stadtbahn wieder nach Berlin zurückgefahren. Dort herrschte in den Straßen ein noch nie von uns gesehener unheimlicher Betrieb, der es uns wertsamer erscheinen ließ, im Pschorrhaus in der Friedrichstraße einzukehren und die gewonnenen Eindrücke in Ruhe zu verdauen. Nach dem Abendessen setzte sich noch eine Karlsruher Familie zu uns, die uns an unserer Sprache gleich als Mannheimer erkannten, und mit denen wir uns recht lebhaft unterhielten, bis wir zu dem beabsichtigten Besuch des des Metropol-Theaters aufbrechen mussten. Dort wurde das glänzende Stück „Lauf ins Glück“ gegeben, bei dem wir uns in dem prächtigen Theaterbau und dem flotten Spiel mit einzig bestechender Ausstattung ganz hervorragend unterhielten.

17. Dez. Wir machten abermals einen ausgedehnten Bummel zur Besichtigung der vielen Sehenswürdigkeiten und kauften verschiedene Mitbringsel. Dann speisten wir hervorragend im Pschorrhaus am Potsdamer Platz und fuhren mit der U-Bahn nach dem Berliner Zentral-Flughafen auf dem Tempelhofer Feld. Was wir da an großzügigen Anlagen sahen, ist kaum zu beschreiben. Es fehlt nichts, was man in einem modernen Bahnhof verlangen kann. Die Empfangshalle ist mit den Büsten des Führers, Görings und Goebbels geschmückt. In dem hochmodernen Restaurant und den dazwischen liegenden Terassen und Gartenanlagen kann man für wenig Geld alles haben, was das Herz begehrt. Dauernd landen und gehen Flugzeuge bis zu den größten Typs ab.

Wir sahen die gewaltigen Verkehrsmaschinen von Paris und London angekommen, denen ein paar Dutzend Fluggäste abstiegen, die in der Zollstelle vornehm und schnell abgefertigt wurden. Alle Beamten bis zum jüngstenSteward beherrschen die fremden Sprachen. Wir haben mit großem Interesse alles beobachtet, im Restaurant den Kaffee eingenommen und den Kindern eine Luftpostkarte geschrieben. Der Abend fand uns im unterhaltsamen Studentensaal des „Heidelberger“ zum Abendbrot. Um die nötige Spannkraft nicht zu verlieren, waren wir um 9 Uhr schon auf unserem Zimmer.

19. Dez. Wir hatten den Vormittag zu einer eingehenden Besichtigung des Kaufhauses Wertheim vorgesehen und kamen aus dem Staunen nicht heraus.

Nach verschiedenen Einkäufen speisten wir im Pschorrhaus wieder glänzend und fuhren um 2 Uhr mit der „U“ nach dem Kaiserdamm, um uns den Funkturm anzusehen. Leider machte der herrschende Nebel das erste Mal während unseres Berliner Aufenthalts einen Strich durch die Rechnung. Da auch das 50 Meter hochliegende Restaurant geschlossen war, verzichteten wir auf die Begehung des 128m hohen Turmes und begaben uns mit der „U“ zurück ins Hospiz. Wir haben dann auf dem Weihnachtsmarkt die interessante Märchenstadt der Lilliputaner besucht, verschiedene Einkäufe gemacht und über die Linden, die Friedrichstraße, die Leipzigerstraße unseren Weg ins Pschorrhaus genommen und dort bei guter Speise und Trank und glänzendem Konzert bis 9 Uhr gesessen. Um 10 Uhr waren wir im Bett.

19.Dez. Nun kam schon der letzte der herrlichen Tage! Wir fuhren mit der „U“ zum Wilhelmplatz, um uns in der „Skala“ Karten für den Abend zu holen. Den Rückweg nahmen wir mit dem zweistöckigen Omnibus bis zum Ehrenmal, wo die sonst einen um den anderen Tag übliche musikalische Wach-Ablösung leider ausfiel. In dem naheliegenden Linden-Restaurant habe wir darauf sehr gut und billig zu Mittag gespeist, einen Bummel angeschlossen, auf dem wir den mit 100 Polizeihunden für die Winterhilfe sammelnden Polizisten sahen, und in dem pompösen Kaffee Efti, Ecke Leipziger-Straße/Friedrichstraße den Kaffee bei dezentem Konzert eingenommen.

Zu kurzer Ruhe begaben wir uns dann ins Hospiz und fuhren später zur Henkersmahlzeit ins Pschorrhaus am Potsdamer Platz, von wo uns dann die „U“ in die Skala brachte. In dem prächtigen Theaterbau wurde uns ein sehr gutes Variete-Programm geboten, dessen Hauptnummer Con Colleano mit seinen Vorwärtssalto auf dem Drahtseil war. Nach Schluß sind wir sofort ins Hospitz gefahren.

20. Dez. Mein 56 Geburtstag in Berlin. Wir hatten Heimreise-Stimmung. Um 9 Uhr war alles bereit. Das Auto brachte uns schnell an den Anhalte-Bahnhof, vonwo 10.05 Uhr unser Zug abging. Wir hatten sehr nette Reisegesellschaft, saßen von 11-12 1/2 Uhr zum Mittagessen und Geburtstagswein, um ½ 3 Uhr beim Kaffee im Speisewagen und waren um 20 Uhr wohlbehalten in Mannheim. Zu Hause hatten sich trotz unserer Verschwiegenheit, Geschenke, Blumen und Glückwunschkarten angehäuft: Die Kinder hatten uns schon vor unserer Abreise eine prächtige Porzellanfigur zwei Barsois darstellend gespendet. Schützens hatten ein Kaffeeservice und zwei Deckchen fgesandt, Bachs einen fünfarmigen Silberleuchter,usw. So haben wir unseren Jubeltag wunderbar verlebt, die Gesamtkosten betrugen 280 RM.

 

Nach 2 Tagen geschäftlicher Tätigkeit kamen für mich wieder 4 freie Tage: Weihnachten.

Wir haben den heiligen Abend sehr gemütlich verlebt, auf dem Gabentisch waren für jedes gefundene Sachen, worüber allseits eitel Freude herrschte. Den ersten Feiertag verlebten wir wie stets mit unserer Großmutter in althergebrachter Weise. Am 2ten ging Trudl auf einige Tage in den Schwarzwald, wir aßen mittags im Thomasbräu und waren abends im Siechen.

So kam der Altjahrestag heran, den wir zu dritt ebenfalls recht nett zu Hause begingen. Mit drei Flaschen Wachenheimer weihten wir das neue Jahr ein.

 

1935

Die übliche Gratulationskur am Neujahrstag im Geschäft ging auch dieses Jahr ohne Ergriffenheit vor sich und war in ein paar Sekunden erledigt. Nachmittags machten wir den üblichen Besuch bei der Großmutter und später bei den kranken Bachs. Wir sind über letzteren nicht recht froh geworden.

Desto gemütlicher war's abends noch einige Stunden im "Siechen".

Am 6.1. machte ich bei recht zweifelhaftem Wetter meine erste diesjährige Wanderung mit dem O.Cl. von Heidelberg aus über Ehrenmal, dem Kohlhof und Waldhilsbach nach Neckargemünd, von wo uns der Sonderzug nach Mannheim brachte. Das schönste war das gemeinsame Mittagessen (80 Pfennige), nebst Neujahrsfeier im Kohlhofhotel. Dort oben schneite es auch ganz kräftig, unten war's nur Regen und Schmutz. Trudl kam an dem Tage wieder zurück.

Am 13.2.35 brachte die Abstimmung im Saargebiet den glänzenden Sieg des Deutschtums mit 90,76 %! Der Tag der Bekanntgabe am 15.1. war ein Jubeltag aller Deutschen!

Erst am 3.2.35 reichte es wieder zu einer Wanderung. Mit dem Sonderzug des O.Cl. ging's bis Kirchheim a/Wstr, von da Wanderung über Kleinkarlbach, Battenberg nach Altleinigen. Im "Weißen Roß" war's gut sein. Nachmittags wanderten wir über Nackterhof, Neuleiningen, Sausenheim, wo ich bei Kies in junger Gesellschaft nette Stunden verlebte, nach Grünstadt, von wo uns der Sonderzug wieder nach Hause brachte.

Die übrigen geplanten Wanderungen im Februar verunglückten entweder durch Samstags-Gelage oder wurden zu Wasser.Zu allem Schmerz brachte uns der 21. die Kunde von dem Hinscheiden unserer lieben Male Bach. Wir mussten alles aufwenden, um Freund August nicht verzweifeln zu lassen! Am Samstag, den 29. fand die Feuerbestattung statt. Eine große Trauergemeinde nahm Anteil an dem schweren Schicksalsschlag, der die Familie Bach betroffen hat. Von Rhoden war Otto Bach, der Bruder und Herr Heinemann, der Schwager da. Abends waren wir im Fürstenberg, am Sonntag im Siechen; montags waren die wieder bei uns zum Abendessen. August wird lange brauchen, um über den Verlust hinwegzukommen. Hans ist sehr niedergeschlagen. Nur die Erlösung Male's von dem schweren Leiden versöhnt sie etwas mit ihrer Lage. ---

Anlässlich der Machtergreifung im Saarland war am Freitag, den 1. März Feiertag.

Um August etwas Abwechslung zu verschaffen, fuhren wir am Fastnachtssonntag mit ihm und Hans über Freinsheim-Sausenheim und kehrten bei Schmied Rieß zu Vesper und Dämmerschoppen ein. Es wurde dort bald recht gemütlich. Das Abendbrot aßen wir in der Winzergenossenschaft Dürkheim.Auch am Dienstag entflohen wir Mannheim, waren auf dem Schrießheimerhof bei Heidelberg-Darmstädterhof und in Ladenburg bei Rufer.

Die O.Cl.-Wanderung am 10.3.35 machte Walter und ich mit. Trudl war auf der Hütte, m.P. abends im Lohengrin. Wir wanderten bei herrlichem Wetter von Ziegelhausen über Grigerheide mit recht viel Schnee nach dem Schrießheimerhof, wo ziemlich lange Mittagsrast stattfand. Dann gings auf der Westseite wieder abwärts nach Schrißheim und Ladenburg. Der Weg nahm uns ziemlich mit, sodaß wir noch drei Tage lang unsere Knochen spürten. Bei Rufer, wohin auch August Bach kam, war's aber recht gemütlich. Der Sonderzug brachte uns um 7.40 Uhr wieder nach Hause.

Ein bedeutungsvolles Gesetz verkündete Adolf Hitler am 16.3.: die Wiedereinführung der allgemeinen Wehrpflicht!

Die für den 24.3. geplante Pfalzwanderung mussten wir wegen Regen leider ausfallen lassen. Dafür fuhren uns Bachs mit ihrem Auto nach Heidelberg-Friedhof-Waldhilsbach und zurück.

Am 31.3. waren wir zur Konfirmation von Hilda Schumacher.

Die April-Wanderung des O.Cl. machte ich allein im Regen mit. Der Sonderzug ging bis Meckesbach, dann Wanderung über Mönchzell, Lobenfeld und Spechbach nach Epfenbach, wo lange Mittagsrast stattfand. Maulbetsch und ich gingen von hier direkt nach dem Neckarhäuserhof, dem Endziel und vermieden dadurch die starken Gewitterregen, unter der die anderen zu leiden hatten. Abends erschien mit dem Auto noch Bachs, Herr Enghart und Walter und nahmen mich nach Hause.

Hier soll die Trauerkunde nicht unerwähnt bleiben, Dass Norbert Satzler am 21.3. an einem Herzschlag plötzlich gestorben ist.

Richtiges Aprilwetter folgte nun bis Karfreitag, wo sich der Himmel wider Erwarten aufklärte. Nach einem Morgenspaziergang mit Walter fuhren Paula und ich nachmittags mit Bach's per Auto nach Bensheim-Heppenheim-Heidelberg zum Grab von Male Bach. Das Abendbrot nahmen wir im Siechen ein und waren um 9 Uhr wieder zu Hause.

 

Die geplante Osterfahrt mit Bachs nach Rhoden folgte nun: Ostersonntag früh 4.30 Uhr verließen wir Mannheim und waren in ungestörter Fahrt 7.10 Uhr schon in Gießen (146,2km) im Bahnhof-Restaurant zum Kaffee. 7.55 gings weiter über Marburg-Kölbe-Frankenberg-Edertal, wo wir an einem herrlichen Platz ein 1/2 stündiges Picknick abhielten (9.55-10.30 Uhr), dann gings in schneller Fahrt über Korbach und Arolsen nach Rhoden. (126,6km) wo wir um 11.20 Uhr eintrafen, freundlich begrüßt von Otto Bach und Familie. Nach kurzem Besuch beim gegenüber wohnenden Onkel Sinemus, versammelten wir uns zum Mittagessen (Nudelsuppe, Kalbsnierenbraten mit Gemüse, Salat und Kartoffeln, Weingelle), an das sich eine längere gemütliche Unterhaltung anschloß. Wir begaben uns dann auf einen allgemeinen Rundgang in dem freundlichen Dorf, besichtigten das Schloß (Arbeitsdienstlager), das Mausoleum der Fürsten, das Rathaus, die Schule und kehrten zum Kaffee bei Familie Göth (August´s Schwester) ein, die alles aufboten, um uns den Besuch angenehm zu gestalten. Um 5 Uhr wurde der Rundgang fortgesetzt. An schönen Aussichtspunkten vorbei kommen wir an die Turnhalle und kurz darauf zur Familie Heinemann (die andere Schwester von August) Hier waren wir zum Abendbrot eingeladen. Die ganze Verwandtschaft versammelte sich dort, sogar die 82jährige Mutter von August war erschienen. Speise und Trank und Unterhaltung waren hervorragend. Wir brachen um 9 Uhr auf zu einem Abendtrunk bei Onkel Sinemus, bei dem unser Nachtquartier bestellt war. Wir haben dort viel gelacht, sind aber doch noch um 11 Uhr ins Bett gekommen.

Am nächsten Morgen war um 1/2 7 Uhr die Nacht vorbei. Wirt tranken Kaffe bei Otto Bach's  und fuhren dann per Auto nach ... Nörde, meinem Geburtsort. In einer halben Stunde waren wir dort. Es war für mich als dort geborener ein Erlebnis, als ich das erste Mal in meinem Leben das Fahrtschild las "Nach Nörde". Auf dem Marktplatz hielten wir und trafen dort einen freundlichen Mann mittleren Alters, dem wir unser Anliegen, mein Geburtshaus kennen zu lernen, vortrugen. Er fand einen 71jährigen Einwohner namens Wingard, der gleich beim Nennen meines Namens aufleuchtete, weil er sich genau an meinen Vater erinnerte. Er hatte die Botengänge besorgt.

Wir haben dann bei Mellwig, bei Wacholder und Zigarren weiter erzählt bekommen und konnten uns nachher auch das Haus Nr. 45 ansehen, in dem meine Eltern 1878 bei Albers gewohnt hatten. Begeistert sind wir dann über Scherfede-Wrexen wieder nach Rhoden gefahren, wo wir um 10 Uhr ankamen.

Wir mussten nun einer einladung zu Johannes Bach's (Augusts anderer Bruder) zum Frühstück folgen, das durch den ausgezeichneten rohen Schinken und die Freude der Gastgeber seine besondere Note erhielt. Darauf kam ein Frühschoppen bei Onkel sinemus und dann das zweite Mittagessen bei Otto Bach's (Gemüsesuppe, Rindsbraten mit blumenkohl und Salat und Flammeri). Damit waren die schönen Stunden zu Ende, denn auf 1/2 2 Uhr war unsere Rückfahrt vorgesehen. Nach herzlicher Verabschiedung von allen, die sich wieder versammelt hatten, dampften wir gemütlich ab. Über Twiste-Sachsenhausen waren wir um 3/4 3 Uhr auf Schloß Waldeck mit dem überwältigenden Ausblick auf die größte Talsperre Europas, die Edertalsperre. Beschreibungen sind wegen der Großartigkeit der Anlage unmöglich. Auf der Uferstraße (ähnlich wie die P oder Affenstraße) erreichten wir schnell die gewaltige Sperrmauer und fuhren nach Wildungen weiter, die herrlichen Kuranlagen besichtigend. Im Bayr. Hof war Kaffee- und Vesperrast. Kurz nach 5 Uhr fuhren wir ab, über Braunau-Zwesten-Cölbe nach Marburg, wo uns das Versagen unserer Hupe 11/2 Stunden aufhielt. Wir haben aber dadurch eine leere Landstraße bekommen und landeten 21.35 Uhr wohlbehalten in Frankfurt/M

Im Börsenkeller schmeckte uns das billige Abendbrot ganz besonders gut un d um 11 bis 12 1/4 Uhr fuhren wir beschleunigt nach Mannheim. Erstaunlich war für uns alle das glänzende Durchhalten Paula's, denn die 558km Fahrt in gut 11/2 Tagen waren wirklich keine Kleinigkeit.

Der nationale Feiertag des Deutschen Volkes, der 1. Mai, wurde in der schon hergekommenen Weise begangen, nur dass zur allgemeinen Freude die Anmarschwege zu den Festplätzen wesentlich verkürzt waren.

Am 3.Mai unternahmen wir zu viert die schon längere Zeit geplante Wanderung in die Pfalz. Der billige Verwaltungssonderzug (RM 1.-) brachte uns nach Neustadt. In gut einer Stunde waren wir auf der Hoheloog-Hütte zum Frühstück, das im herrlichen Sonnenschein angesichts der gegenüberliegenden Kalmitgipfels und einem guten Schoppen Hambacher besonders gut mundete. Die Kalmit war dann in einer knappen Stunde bequem erreicht. Das Wetter und die Aussicht waren hervorragend. Wir hielten uns 1 1/2 Stunden hier auf und wandten uns dann abwärts über das Felsenmeer nach der Kropsburg, wo wir Kaffeestation machten und August Bach's Auto erwarteten. Das traf um 4 Uhr ein und brachte uns nach Neustadt zurück. Um 1/2 9 Uhr waren wir hochbefriedigt wieder in unserer Wohnung.

Der nächste Sonntag sah mich und Walter schon wieder in aller Frühe am Bahnhof zur Fernfahrt des O.Cl. nach Saarbrücken. In 2 1/2 stündiger Fahrt erreichten wir St. Ingbert, wo die Wanderung begann. Die hinter Neuweiler vorgesehene Waldrast an einem sonst herrlichen gewesenen Aussichtspunkt auf Sulzbach und die umliegenden Hüttenwerke konnte wegen des kühlen Wetter leider nicht stattfinden, aber nach Passieren des brennenden Berges schien die sonne am blauen Himmel und verließ uns den ganzen Tag nicht mehr. Auf herrlichen Waldwegen erreichten wir zur Mittagszeit das Stuhfatzenhaus, wo sich ein ganz kräftiger Betrieb entwickelte. Wir verließen aber das idyllische Plätzchen bald, um uns direkt nach Saarbrücken zu begeben. Um 1/2 3 Uhr waren wir im Treffpunkt, dem geräumigen Johannishof. Später trafen auch Bach's und die Unsrigen per Auto über St. Wendel und Saarlouis ein. Wir haben uns dann abteilungsweise das schöne Saarbrücken angesehen und gewaltige Eindrücke in uns aufgenommen. Ein schweres Abendessen im Hotel Excelsior beschloß den genussreichen Tag. Mutter und ich fuhren mit dem Sonderzug 1 (1 und 2 hatten 2300 Passagiere) wieder nach Mannheim zurück, wo wir um 10 Uhr, zugleich mit den Autofahrern , wohlbehalten eintrafen. Die Fahrkarte kostete RM 2,80

Die übrigen Maitage waren recht zweifelhaft, was uns von großen Unternehmungen abhielt. Erst am Himmelfahrtstag wagten Paula und ich die Beteiligung an der S ....Wanderung der Wandervereine nach Heidelberg. Schon um 7 Uhr waren wir dort. Der Spaziergang ging über den Philosophenweg nach Ziegelhausen. Im Ochsen war Frühstücksrast. Dann wanderten wir über den Wolfsbrunnen zurück nach Heidelberg. Am Schloß trafen wir die Herren Maulbetsch und Mardenwald und haben zusammen mit ihnen im Touristenrestaurant am Schlosseingang recht lustig und billig zu Mittag gespeist.

 

1936

Die Neujahrsstimmung war ausgezeichnet. Um 11 Uhr trafen sich die "Arbeitskameraden" zur Beglückwünschung im Geschäft. Ich machte darauf mit Bach's einen Frühschoppen im "Siechen". Da August Bach mittags nach Norddeutschland fuhr, verabredeten wir mit Hans eine Autofahrt nach Kocherbach zum Besuch der Familie Schüßler. Sie waren baff über unser Erscheinen nach 6 Jahren. Bei guter Speise und Trank wurde viel erzählt. Um 3/4 19 Uhr fuhren wir über Fürth wieder zurück und waren um 20.15 Uhr zum Abendbrot in unserem Heim.

Am 4.1. traf von August Bach die telefonische Mitteilung ein, daß seine betagte Mutter morgens gestorben sei! --

Die erste Wanderung im neuen Jahr machte ich alleine am 5.1. nach Heidelberg-Gaiberg-Kohlhof-Heidelberg. Um 8 Uhr war ich hochbefriedigt zu Hause.

Am 12.1. waren Paula und ich mit Bach's per Auto am Grab in Heidelberg und dann in der "Krone" in Dossenheim, wo uns der Schrießheimer wieder in recht gute Stimmung versetzte. Dummerweise folgten wir dann noch Gust ins Siechen, wodurch es wieder recht spät und teuer wurde.

Der nächste Sonntag brachte schönes Wetter und es hielt mich nicht in Mannheim. Ich fuhr um 9 Uhr nach Neustadt und wanderte durch das Kaltenbrunner Tal zur Hellerhütte. Nach 1 stündiger Mittagsrast ging's weiter über Totenkopf auf die Kalmit, wo ich um 13.45 eintraf. In Gesellschaft von 4 Postbeamten (O.Cl.ern) war's dort recht gemütlich. Um 3 Uhr stieg ich ab, traf unterwegs noch 3 junge Leute, denen ich mich anschloß. Kurz nach der Kühungerquelle fiel ich auf dem glatten Boden und tat mir an rechter Schulter und Rippen nicht unbedenklich weh. Verhältnismäßig gut erreichte ich die neue Winzergenossenschaft in Neustadt, wo Ojust auf mich wartete. Auf seine Veranlassung blieb ich länger, wie gewollt, kam in ziemliche Stimmung, fuhr aber trotzdem ohne ihn um 20.48 Uhr nach Hause. Ich bin dort entsprechend empfangen worden! Die nächste Woche war wegen des Sturzes recht schmerzvoll für mich.

Die Februar-Wanderung des O.Cl. glaubte ich aber wieder mitmachen zu können. Leider war das Wetter am Morgen des 2.ten recht zweifelhaft, sodaß mir m.P. abriet. Ich habe das zwar sehr bedauert, da sich das Wetter im Laufe des Tages schlagartig besserte, hatte jedoch einen angenehmen Ersatz in einer mir von Ojust angebotenen Pfalz-Autotour, an der auch m.P. teilnahm. Wir waren in Gimmeldingen, Königsbach und Deidesheim-Winzergenossenschaft, überall bei einem guten Tropfen recht lustig und kamen erst um 9 Uhr nach Hause. Ojust ging noch mit uns "rauf" und war eine Stunde noch recht ausgelassen; dann ging er "angeblich" heim.

Zu Trudl's 25. Geburtstag holten wir leider ohne sie (Sie war am Samstag vorher auf dem Ludwigshafener-Kolonialfest gewesen) die ausgefallene Pfalzwanderung nach. Mit dem Veranstaltungsonderzug kamen wir schnell und billig nach Neustadt. Um nicht gleich steigen zu müssen, benutzten wir uns ausnahmsweise die allerdings schöne Landstraße nach Lindenberg, wo wir um 3/4 11 Uhr eintrafen.Bei Schöning war's zum Frühstück recht gemütlich. Von 3/4 12 Uhr bis 13 Uhr stiegen wir gemütlich auf's Weinbiet, wo Schlachtfest war. Es stieg also zum Eintopfsonntag eine Ia hausmacher Wurst mit Kartoffelsalat. Bis 15 Uhr hielten wir uns recht zufrieden dort auf und waren dann in einer guten Stunde im Winzerverein Neustadt. Dort erschien zu unserer großen Freude unverhofft Trudl, die nachmittags nachgefahren war. Da im Hotel Lamm, unserem Neustädter Stammlokal Konzert war, zogen wir dahin um und haben bei hervorragender Speise und Trank eine nette Zeit verlebt. Um 20.15 Uhr waren wir hochbefriedigt zu Hause. Das Radio mit den Berichten von der Winter-Olympiade in Ga.-Par. vereinigte uns noch einige Stunden. Die ersten "Goldenen" fielen nach Deutschland (Christel.Cranz, Pfnür)

Am Sonntag, den 15.2. befriedigten wir unseren Bedarf an Fastnachtsveranstaltungen im "Siechen". Am nächsten Morgen fuhr Trudl in ihren Winterurlaub nach Schönwald. In Garmisch-Partenkirchen wurde die pompöse Winterolympiade geschlossen.

Wir waren am 22.2. nochmals im "Siechen", aber nur bis 11 Uhr. Welterschütterndes hat sich auch diesmal nicht ereignet. Am Sonntag stieg der Mannheimer Fastnachtszug nicht unschön. Danach fuhren wir, nur Herren, nach Heidelberg-Waldhilsbach und zurück nach Heidelberg in die Kurfürstenstube des Europäischen Hofes, wo wir die glänzende Fastnachtsdekoration bewundern konnten und uns bei einem Abendschoppen mit Imbiß recht wohl fühlten. M.P. war im Theater.

Am Fastnachtsdienstag lud uns Ojust zu einer kleinen Autotour in die Pfalz ein. In Kallstadt bei Henninger war nichts los.

Wir vesperten dort nur und fuhren dann nach Dürkheim. Im Winzerverein war etwas Karnevalbetrieb, und wir blieben in ganz netter Stimmung bis 21 Uhr. Um 22 Uhr waren wir wieder zu Hause. In Mannheim soll's auf den Straßen recht toll gewesen sein.

Am Freitag sprachen wir telefonisch mit Trudl in Schönwald. Wir haben endlich etwas Schnee bekommen, ob's zum Schilaufen reicht, ist noch unbestimmt.

Eine prächtige, wenn auch kleine Wanderung machten Walter und ich mit dem O.Cl. am 1. März. Ein von 470 Teilnehmern besetzter Sonderzug brachte uns in einer Stunde nach Eberbach, das wir um 8.15 .Uhr erreichten. Über die Neckarbrücke wanderten wir nach Rockenau und aufwärts zur Ruine Stolzeneck. Dort ließen wir den Nebel hinter uns und stiegen auf schönen Waldwegen in herrlicher sonne hinauf nach Schwanheim. Wir waren als erste dort und ließen uns im Schwanen unser Frühstück gut schmecken. Kurz nach 12 wanderten wir in der sonne weiter nach Allemühl und Pleutersbach, wo wir im "Schiff" Kaffeestation machten. Wir ließen uns dann über den Neckar setzen und gelangten auf der Landstraße mit blicken auf dne Katzenbuckel in einer knappen Stunde gemütlich nach Eberbach-Hotel Krone. Dort haben wir uns bei Wein und Abendbrot recht wohlgefühlt, begrüßeten noch kurz im "Ochsen" Bach's und Englerts und fuhren um 7 Uhr mit dem sonderzug wieder nach Hause, wo wir um (1/4 Uhr unsere Mutter wohlauf begrüßen konnten.

Sie hatte wegen einer kleinen Unpässlichkeit von der Wanderung leider abgesehen.

Am Donnerstag Nachmittag traf Trudl von Schönwald wieder ein, obgleich sie noch um Verlängerung gebeten, den erwarteten Schnee aber nicht bekommen hatte.

In der denkwürdigen Reichstagsitzung vom 7.3.36 kündigte Adolf Hitler den Locarno-Pakt und ließ umgehend in die bisher neutrale Zone die deutschen Truppen einmarschieren, was bei der Bevölkerung unbeschreiblichen Jubel auslöste.

Am 15.3. beteiligte ich mich allein an einer Wanderung des Pf.W.V. nach Eisenberg-Rosental-Ramsen, die bei prächtigem Wetter wunderbar verlief.

Am 18.3. sprach Rudolf Heß in einer Riesenhalle auf dem Messplatz vor 35 000 Menschen. Wir trafen ihn bei der Abfahrt vom Palasthotel am Friedrichsplatz.

Alfa :::::::::::Storch aus Tüngerda, die schon einige Wochen hier ... flegte ,erschien am 20.3. zu einem 3 tägigem Besuch. Wir waren am Samstag Nachmittag in Dürkheim und dem Faß; abends im Rheingold und Siechen und Sonntags alle zusammen den ganzen Tag in Heidelberg, Thingstätte, Waldschenke zum Mittagessen, Zollstock, Scheffelhaus zum Kaffee und abends im Perkeo, wo wir auch Binhs und Englerts trafen. Alfa war hochbefriedigt von allem Gebotenen und fuhr montags wieder nach Thüringen.

Am 25.3.36 war Adolf Hitler in Ludwigshafen. 100 000 hörten ihn. Paula und Trudl haben ihn an der Rheinbrücke auch gesehen. Die Wahl ergab 44 Millionen Stimmen für ihn, d.h. 99 % sämtlicher Stimmberechtigten! Der Jubel im ganzen Land war unübertrefflich. Das Ausland horchte auf! Deutschland ist wieder eine Macht, die mit der zu rechnen man sich schon wird bequemen müssen! (Randbemerkung: Hypnotisierte Stimmung)

Der 29. März 1936 ist ein historischer Tag.

Die April-Wanderung des O.Cl. ging unter erschwerten Umständen von statten. Es hatte von Freitag Nacht ab in Strömen geregnet, so daß sich zum beabsichtigten Sonderzug nur 170 Unentwegte am Bahnhof eingefunden hatten. Der Sonderzug mußte abgeblasen werden und die Anwesenden für den 1/2 Stunde später fahrenden Eilzug gewonnen werden. Das klappte mit einer Zugfüllung hervorragend und bald fuhren alle im strömenden Regen nach Zwingenberg. Je mehr wir uns den Bergen näherten, desto heller wurde es und als wir in Zw. ausstiegen, lugte schon die Sonne durchs Gewölk. Auf dem Malchen konnte die Frühstücksrast schon im Sonnenschein stattfinden und nach Balkhausen und dem Feldberg zu wurde es immer wärmer. An herrlichen Frühlingsbildern konnten wir uns erfreuen. Im Felsenmeer saßen überall Gruppen und in Reichenbuch fühlten wir uns wie im Sommer. Ich hielt in einer lustigen Frankfurter Gesellschaft die Schlußrast bei Schwinglandheim und später vereinigte ich mich wieder mit dem Club zur Nachhausefahrt. Wieder ein Beweis, daß man sich bei einer Planwanderung am Wetter nicht stören soll!

Nun kamn die Ostertage, die uns unvorhergesehenerweise eine große Fahrt brachten. Am Karfreitag war herrliches Wetter, wir blieben aber trotzdem zu Hause, obgleich uns Bach's zu einer Autotour eingeladen hatten. Am Sonntag kamen alle beide, um mit uns nun wenigstens eine Osterfahrt zu verabreden. Schließlich einigten wir uns auf die Rothenburger Gegend. am sonntag morgens 6.25. Uhr ging's los. Über Heidelberg, Neckargemünd, Sinsheim, Fürfeld waren wir 3/4 ( Uhr in Heilbronn, das wir kurz besichtigten und wo uns vor allem der Marktplatz mit seiner Umgebung fesselte. An Weinsberg, bekannt durch die "Weibertreu", vorbei arbeitete sich das Auto auf die Höhen von Löwenstein und Mainhardt hinauf, wo wir anfangs herrliche ausblicke aber auch schon den ersten Schnee und empfindliche kälte hatten. Das in Hall im Lamm vorgesehene Frühstück kam uns deshalb sehr gelegen. Wir waren gut aufgehoben und besichtigten nachher noch das reizende Städtchen mit der hochgelegenen, uralten Kirche, zu der eine halbkreisförmige Treppe mit 53 Stufen führt. Auf dem weiteren Weg nach Crailsheim über Ilshofen auf der Haller Ebene verschlechterte sich das Wetter noch mehr, und wir fuhren durch Schneegestöber, Wind und Regen schnell durch nach ... Dinkelsbühl. Es soll Rothenburg ähnlich sein, wir konnten aber davon nichts bemerken. Es hat ja einige nette altdeutsche Motive, Türmchen und Tor, aber alles wirkte wenig auf uns, woran vielleicht auch das schlechte Wetter schuld war.

Zu allem kam noch die Enttäuschung mit dem vorgesehenen Gasthof, wodurch wir schließlich im "Deutschen Haus" landeten, dessen künstlerische Aufmachung die Fremden fesseln muß. Also das Mittagessen für RM 1,80 und ein schlechter Boxbeutel für RM 2,70 waren nicht dazu angetan, unsere Zufriedenheit zu erhöhen. Es war 13 Uhr. Wir ratschlagten und beschlossen sofort nach Rotheburg zu fahren. Nach Feuchtwangen kamen wir in ein derartiges Schneegestöber, daß unsere Stimmung ganz verzweifelt wurde. Da kam uns der richtige Gedanke, bei dem miserablen Wetter nur fahren zu können und Hans Bach nahm Richtung auf ... Nürnberg. An Ansbach, das durch seine riesigen Kasernen und Flugplatz-Bauten auffällt vorbei erreichten wir das Ziel unserer unverhofften Sehnsucht um 16 Uhr. Im "Roten Hahn" fanden wir Unterkunft und begannen sofort unseren Rundgang durch die "Stadt der Reichsparteitage". Gewaltig waren die Eindrücke auf Paula und August Bach, die Nürnberg noch nicht kannten. Ein Schneegestöber treib uns ins "Bratwurstglöckle" mit dem dort gebotenen Genüssen bei ängstlich, drangvoller Fülle. Nach einem weiteren Rundgang kehrten wir im "Tucherbräustübl" ein, wo unsere Stimmung wesentlich zunahm, umso mehr als auch die Sonne wieder erschienen war. Wir pilgerten dann über die Pegnitz, dem  ???? zu, wandten uns nach dem Kulturverein, dem "Deutschen Hof", Adolf Hitler's Hotel und Bahnhof, von dort in die Königsstraße einbiegend, um im Hotel unser Abendbrot einzunehmen.

Der Abendbummel führte uns noch ins Kaiserkaffee und ohne Hans, als unseren Führer in die Nürnberger Sehenswürdigkeit, den "Nassauer Keller". Wir haben uns dort in netter Gesellschaft und bei gutem Wein noch richtig ausgetobt. Um 12 Uhr war für mich Schluß. Am Ostermontag waren wir auf der Burg und in dem Parteitaggelände. Worte vermögen die Großartigkeit dieser Anlage nicht zu schildern! Dann ging's wieder westwärts, abermals durch Anspach und direkt hinüber nach Rothenburg, wo wir gegen 11 Uhr anlangten. Wir suchten all die reizenden Plätze wieder auf und nahmen in Butz Bierstüberl ein recht gutes Mittagessen ein. Nahher setzten wir den Rundgang fort; das Wetter war im Gegensatz zum Vortag hervorragend. Gegen 15 Uhr verließen wir das wunderbare Städtchen und erreichten über Creglingen Mergentheim um 16 Uhr. Im "Deutschmeister" wurden wir von Herrn Dörr in großer Freude empfangen, entsprechend hervorragend und begaben uns um 17.20 Uhr auf die Heimfahrt. Infolge des herrlichen Sonnenscheins war sie besonders genussreich. Wir berührten Tauberbischofsheim, Walldürn, Buchen, Mudau, Strümpfelbrunn, Dielbach, Eberbach usw. (zusammen 546 km) und waren gegen 20 Uhr vor unserem Haus. alles hatte hervorragend geklappt, was wir bei uns oben mit ein paa Flaschen Lorcher Kapellenberg noch besonders feierten. Trudl und Walter kamen währenddessen von Neustadt zurück, sie hatten am ersten Feiertag sehr schlechtes Wetter gehabt. Das war Ostern 1936!

Am 26.4. machten wir schon wieder eine Autofahrt mit Bach's. Nach dem Besuch des Grabes fuhren wir das Neckartal aufwärts bis Hirschhorn und wandten uns dann nordwestlich bis Langental. dort war Trudl am Sonntag vorher mit dme Skiclub von einer unfreiwilligen Schneewanderung ohne Brettl gelandet. Auch wir fanden es in der "Linde" recht nett, wenn auch ländlich-sittlich. Jedenfalls war unser Vesper ausgezeichnet. Die Pension kostet dort 3 RM einschließlich Nachmittagskaffee. Um 7 Uhr haben wir im neueröffneten "Ritter" in Heidelberg, den die Umbauer modern verschlimmbessert haben.

Die Planwanderung des O. C. fand am 3. Mai statt. Paula war diesmal auch dabei. Der Sonderzug brachte uns nach Schönau. von da ging's auf Umwegen bei schönem Wetter nach Heiligkreuzsteinach. Im "Roten Löwen" waren wir gut aufgehoben und wanderten gegen 12 Uhr dem Eichelberg zu, wo 25. Jubelfest war. Wir hielten uns aber nicht lange auf und stiegen abwärts nach Oberflockenbach in die "Rose", wo wir später August und Hans Bach mit dem Auto trafen. Die weitere "Wanderung" war also bequemer. Eine fahrt auf die Wachenburg brachte uns etwas aus dem Gleichgewicht, aber bei Löffler war alles bald behoben. Wir haben dort in großer Gesellschaft recht lustige Stunden verlebt. Unser "Sonderzug" ging ja später, als der rechtmäßige.

Am 17.5. war ich wieder einmal in Altrip und am Rehbach. Wir aßen mittags gemeinschaftlich bei Rondiger.

Zum Wandertreffen an Himmelfahrt in Neustadt fuhren wir erst nachmittags. mit Bach's, da es morgens schlechtes Wetter war. Nach dem Festzug, der wie immer nichts besonderes bot, waren wir im Winzerverein und abends im "Deutschen Haus" mit Kalker gemütlich beisammen.

August Bach's Geburtstag feierten wir auf der Lindemannsruhe und im Faß.

Walter und ich fuhren morgens mit dem Veranstaltungszug der RHB 7.35 nach Dürkheim und gingen über Forsthaus Weilach mit Frühstückspause auf dem Schleig-Pfad ??? (S.P.) direkt zur Lindemannsruhe, wo wir um 11 Uhr eintrafen. 1 Stunde später kamen Paula und Trudl mit Bach's-Auto. Wir haben dann im herrlichen Sonnenschein nicht schlecht zu Mittaggegessen und uns noch bis gegen 3 Uhr dort oben aufgehalten. Wir gingen über den Peterskopf zurück nach Dürkheim, Bach's mit dem Wagen. Im Faß ist es später bei guter Speise und Trank recht lebhaft geworden. Wir waren erst nach 9 Uhr zu Hause.

Am Pfingsmontag. Morgen war ich allein bei Dehus, wo viel interessantes über den Aalfang zu sehen war. (Anmerkung: Gasthaus auf der Friesenheimer Insel, Fischfangstandort) Abends waren wir zusammen im Siechen. Am Pfingstmontag wollten wir eigentlich nach Dürkheim-Rotsteig. Die Stimmung und das Wetter ließ es aber leider nicht zu. Wir waren den ganzen Tag und abends zu Hause.

Am Pfingstmontag (1.6.) war ich morgens auf dem Flugplatz. Es wehte eine empfindliche, nördliche Brise.

 

Da Donnerstag, der 11.6. geschäftsfrei war, machte ich morgens zum ersten Mal einen Spaziergang nach der Pfingstbergsiedlung, von deren Größe und Schönheit ich überrascht war. Sie soll 3000 Einwohner zählen.

Walter fuhr am 14.6. mit einer KDF Gesellschaft nach Oberbayern, wir drei anderen nach Dürkheim-Rotsteig und zurück. Unterwegs hatten wir eine Stunde Regen, wofür wir durch die hervorragende Verpflegung im neueröffneten "Leininger Hof" entschädigt wurden. Unliebsam mußten wir mit Bach's zurückfahren, die dann noch den ganzen Abend bei uns waren, so daß wir recht spät ins Bett kamen. Walter kam hochbefriedigt am nächsten Samstag zurück und fuhr in der 2. Woche seines Urlaubs noch an den Rhein bei Köln.

Zu dritt machten wir am 28.6. eine gemütliche Wanderung von Dürkheim über Forsthaus Weilach zur Lindemannsruhe und am Spätnachmittag zurück nach Dürkheim-Leininger Hof. Um 1/2 9 Uhr waren wir wieder zu Hause.

Der Kameradschaftsausflug der "Mannheimer" ging am 30 Juni nach Seeheim-Hotel Hufnagel, der hervorragendes bot. Ich habe in größerer Gesellschaft auch Weckenmanns in Jugenheim besucht. Rückkunft 12 Uhr.

Am 12.7. war ich mit m.P. schon wieder in Dürkheim. Trotzdem es seit ersten Juli jeden Tag länger oder kürzer regnet, wagten wir dir Wanderung nach "Kehrdichannichts" und wurden glänzend belohnt. Wir saßen 4 Stunden größtenteils bei herrlichem Sonnenschein auf dem schönen Plätzchen. Mit gelbem Kreuz erreichten wir nachmittags auf herrlichem Waldweg Burg Hardenburg und besichtigten die Anlagen zu den Festspielen "Die Räuber". In einer weiteren Stunde waren wir in D. und kehrten im "Leininger hof" ein, der in Speise und Trank wieder Befriedigendes bot. Später erschienen auch noch Bach's und Bühler's aus Freinsheim. Wir ließen uns aber von unserer geplanten Rückfahrt 19.30 Uhr nicht abhalten und waren um 20.30 Uhr hochbefriedigt in unserem Heim.

Bei der Wanderer-Ehrung des O.Cl. am nächsten Sonntag durfte ich natürlich nicht fehlen. M.P. begleitete mich auf der Wanderung, die in Schlierbach ihren Anfang nahm.

Zum Frühstück waren wir am Lärchengarten, eine Stunde später im Pfälzer Hof in Schönau, wo wir später auch das Mittagessen einnahmen. Dann kam der zweite Teil der Wanderung nach der Neckarsteinacher Hütte, die wir gegen 3 Uhr erreichten. dort entwickelte sich bald ein lebhaftes Treiben, bis die Ehrung kam. Ich erhielt das "goldene" für 5 Jahre und den Wanderstab. Es ist alles dann ordentlich begossen worden, bis uns Bach's mit ihrem Auto nach Mannheim nahmen.

Am 26.7. mußten wir die Pfeffers versprochene Wanderung in die Pfalz mitmachen. Dürkheim-Rotsteig und zurück war das Ziel. Das Wetter war herrlich. Wir haben wegen Pfeffers Besuch wieder einmal das "Faß" beglückt, sind aber bald zum Essen im "Leininger hof" eingekehrt. Um 1/2 9 Uhr waren wir hochbefriedigt wieder zu Hause.

Die Planwanderung des O.Cl. vom August fand am 9. statt. Ich beteiligte mich allein daran. Ein Sonderzug mit 450 Teilnehmern brachte uns nach Kailbach. Von dort ging's im prächtigen Leiningschen Park aufwärts zur Seitzenbuche, Römer-Wachturm mit Rast und hinab nach dem herrlich gelegenen Schloß Waldleiningen. Der Aufstieg nach Hesselbach war recht beschwerlich und hätte eine bessere Unterkunft dortselbst verdient. Auch in Schöllenbach am Itterbach war nichts los und bald wandte ich mich mit Maulbetsch wieder aufwärts nach Reußenkreuz, einem sehr schön gelegenen Höhenluftkurort mit Aussicht nach Süden. Das dort Gebotene befriedigte uns auch nicht, es stand alles im schroffen Gegensatz zu der Pracht der Gegend. Dann pilgerten wir abwärts nach Hetzbach, von wo uns der Sonderzug in schneller Fahrt wieder nach Hause brachte.

Und nun kam der Urlaub: am 16.Aug. fuhr ich mit m.P. um 7.10 Uhr nach Triberg und langte in herrlicher Fahrt 10.04 dort an. Eine halbe Stunde später wußten wir, daß wir mit der von uns gewählten "Tanne" einen guten Griff gemacht hatten.

Wir wurden von Frau Wisser freundlich empfangen und in unsere Zimmer geleitet, daß sich später als das Schönste des ganzen Hauses herausstellte. Ihr Mann, die mitschaffende Seele des Hauses, imponierte uns nicht weniger. Wir hatten schnell die Formalitäten erledigt, auch noch die Schwiegermutter und den leider taubstummen, netten Sohn kennen gelernt, als wir uns schon auf dem fast in gleicher Höhe mit dem Hotel hinziehenden herrlichen Panoramaweg nach der Mitte des Wasserfalls fanden. In glänzendem Sonnenschein lag Triberg unter uns, das für die nächsten vier Wochen unser Aufenthaltsort sein sollte. Die "Tanne" hat durch ein schönes Gastzimmer, ein gemütliches Neben- oder Gesellschaftszimmer und einen geschmackvollen Speisesaal für 100 Personen.

Wir konnten in ihm gerade noch zwei Plätze erhalten und kamen zufällig an den Tisch einer Holländer Lehrerfamilie, die uns, da sie nur noch einen Tag blieben, unser Zimmer hatten freimachen müssen. Zum ersten Mittagessen gab's: Lachsbrot mit Ei, klare Fleischbrühe mit Leberknödel, Geflügel mit Blumenkohl, Kroketts und Salat, Schokoladeneis.

Nach genügender Ruhe machten wir den ersten größeren Bummel im Städtchen, tranken Kaffee am Marktplatz und später einen Dämmerschoppen im Münchener Bierstübl des Hotel Pfaff (nicht besonders). Zu unserem Hotel wurde zum Abendbrot gereicht: Wiener Schnitzel mit Bratkartoffeln und Salat (der übrigens bei keiner Mahlzeit fehlte). Wir sind an diesem Tag dann frühzeitig zur Ruhe gegangen.

Montag 17.Aug. Nach dem Frühstück in einer halben Stunde aufwärts zum Hotel über dem Wasserfall und dann in der bekannten Gebirgslandschaft weiter nach Schönwald, wo wir 1914 waren. Im "Falken" tranken wir kurz einen Frühschoppen, richteten an Frau Kuner Grüße von Trudl aus, die im Winter 3 Wochen dort gewesen war und fuhren um 3/4 11 Uhr mit dem Postauto wieder zurück zum Hotel ü.d.W., von wo wir zu Fuß auf dem herrlichen Panoramaweg die "Tanne" wieder erreichten. Zum Mittagessen gab's Suppe, Ochsenzunge in Madiera mit Gemüse u. Kart. Gries mit Himbeer. Für nachmittags hatte Herr W. eine Gesellschaftsfahrt nach der Schwedenschanze in Rohrhardsberg angesetzt. Ein Postauto brachte die 34 Teilnehmer über Schonach und die Elzhalle dorthin. ein kurzer Aufstieg und wir hatten das herrlichste Panorama vor uns. Im Gasthaus zur Schwedenschanze haben wir nach dem vorzüglichen Kaffee uns Vesper allerhand Allotria getrieben und sind bei Kirschwasser, Wein und Bier in die ausgelassenste Stimmung geraten. Ein kleines Bildchen hat die Gesellschaft festgehalten. Der Herr Gersthoff, ein Herr aus Österreich und ich haben namentlich zur Belebung beigetragen. auf einem anderen Abstieg erreichten wir in einer Stunde unser Auto wieder, das uns schnell zur "Tanne" zurück brachte. Wir hätten diesen glänzenden Ausflug nicht entbehren mögen. Zum Abendbrot gab's kalten Braten mit Remouladensoße und Salat und dann war noch großer Klimbim bis 1 Uhr.

Dienstag 18. Aug. Auf dem Panoramaweg nach der "Retsche" zu; unterwegs abgebrochen und hinab in die Stadt zum Frühschoppen im "Adler" Mittagessen im Hotel: Gemüsesuppe, Schweinerücken mit Rotkraut, Kart. und Salat, Trauben. Ruhe bis 4 Uhr, dann aufwärts nach Schonach, gute Luft, wenig Wald, im "Lamm" Kaffee und Vesper und der dort als Kochfräulein tätigen Frl. Kistler Grüße von Trudl ausgerichtet. 1/2 8 Uhr wieder im Hotel: Omlette mit Kalbsfrikassee. Salat und Kart.

1/2 10 Uhr ins Bett.

Mittwoch, 19.8. Panoramaweg-Wasserfall-Promenadenweg nach dem Schwarzwald-Hotel, Bankruhe, dann zum Frühkonzert im Burggarten, später im Hotel Mittagessen: Tomatensuppe, Hammelbraten mit Karotten. Kart. u: Salat, Haselnusskreme mit Vanille.

Ruhe bis 4 Uhr, dann zur "Retsche", sehr schön gelegenes Waldkaffee mit prächtiger Aussicht die Sommerauer Höhen, mit guter Bewirtschaftung; auf anderem Weg zurück zur "Tanne". Abendbrot: ff. Rindergoulasch mit Erbsen, Pilzen, Kartoffeln und Makkaroni. Abendunterhaltung mit den nebenstehenden Tischgästen.

Donnerstag, 20.8. Westlicher Panoramaweg vorbei am neugebauten Kriegerdenkmal in Turmform mit einer von dem gerade verstorbenen Kommerzienrat Schwer, Villingen gestifteten Glocke, die an den Todestagen der Triberger Gefallenen 5 Minuten läutet, mit romantisch gelegenen Sitzbänken, die uns oft aufnahmen.(Anmerkung: laut "Schwarzwaldbote" vom 9.10.2009, der 97 jährige Architekt Horst Linde besuchte das Denkmal)  Im Hotel: Einlaufsuppe, gefüllte, gefüllte Kalbsbrust mit Pommes frites, Kohlrabi und Salat, Grieß mit Himbeeren. Ruhe bis 3/4 5 Uhr, dann zum Hotel ü.d.W. (nicht empfehlenswert).weiter zum "Waldpeter" einem anderen Gasthaus an der Straße nach Schönwald und wieder zurück zum Abendbrot: sehr guten und reichhaltigen Aufschnitt mit Butter, Brot und Käse.

Freitag, 21.8. Nach dem Bahnhof zur Erkundung der dort abführenden Wege bis zum Bachjörg dann zurück ins Triberger Heimatmuseum, klein aber fein, und zurück über Wasserfall u. Panoramaweg ins hotel; dort die erste (!) Post von zu Hause. Mittagessen; Suppe, gedämpften Kabeljau mit Zwiebeltunke u. Kart. Pfannkuchen mit Mirabellen. Nach Ruhe auf die "Retsche" zum Kaffee u. Wein, zurück durch die Stadt ins Hotel: Rahmschnitzel mit Kart., Nudeln u. Salat, Abendschoppen bis 1/2 10 Uhr.

Sonntag, 23.8. Wieder heller Sonnenschein!

Nach Schonach, Rundgang, geistl. Frühschoppen im "Rebstock" (anscheinend keine gute Leitung!)

Im Hotel: Pastetchen, Ochsenschwanzsuppe, Geflügel mit Blumenkohl, Kart. u. Salat, Haselnusseis. Kurze Ruhe, dann aufwärts zur "Geutsche", hochgelegenes Kurhaus an der Straße nach Rohrbach. Kaffee, weiter nach dem Stöcklewaldturm zu. Auf dem Rückweg in der alten Geutsche nochmals eingekehrt und dort zufällig unsere Tischnachbarn, die Familie Ruf, mit der wir uns gern unterhielten, getroffen, mit ihnen gemütlicher Vesperschoppen bis 10 Uhr.

Montag, 24.8. Durch den prächtigen Wald zum ???Kronk??turm, dessen Besteigung wegen Baufälligkeit leider nicht möglich war: von einer Bank Blick auf St. Georgen. aufunterem Weg hinab zur "Bahnaussicht", dort eine Stunde Rast und auf dem westlichen Panoramaweg ins Hotel: Gemüsesuppe, Roastbeef mit jungen Bohnen, Pommes frites u. Salat, Schok. Pudding. Ohne ruhe 13.33 Uhr mit dem Autobus nach Schönwald u. sofort über Furtwängle zur Martinskapelle, sehr schön gelegenes, neu erbautes Gästehaus mit prächtigen Räumen, Kaffee und Wein (den ersten Pfälzer!) dann wieder abwärts nach Schönwald in den "Falken" Rückfahrt 6.40. In der "Tanne" Rühreier mit Pilzen in Petersilientunke und Bratkartoffel. Schluß 10 Uhr (Großartig)

Dienstag, 25.8. Länger geschlafen; 3/4 10 Uhr auf dem Panoramaweg nach dem Wasserfall, am Kapellenberg Bankruhe. Mittagessen: klare Fleischbrühe mit Ballönchen, Schweinebraten mit Rotkraut u. Kart'brei, Ananasschnitten mit Sahne. Ruhe bis 4 Uhr, später zur "Ratsche" nach Rückkehr: Kalbsgoulasch mit Kart. u. gebrat. Grießschnitten u. Salat (sehr fein)

Abendschoppen u. gemütliche Unterhaltung bis 10 1/4.

Mittwoch, 26,8. Nach dem Kaffee abwärts über Kreuzbrücke am Bahnhof nach Hornberg zu, auf der Landstraße bis zum "Bachjörg", schreckliche Gegend infolge der Autoschnellstraße u. der seitlichen, felsigen Wege, deshalb schleunigst wieder aufwärts zum Frühschoppen in den "Engel" Hotel am Markt. Im Hotel Mittagessen: dünne Suppe, Zwiebelfleisch mit Gemüse u. Pilzen u. Kart. u. Salat, Biskuit mit Vanille (mies) Der schon genannte Herr Ruf hatte zu seiner bevorstehenden Abreise der "Tanne" folgendes nettes Gedicht gewidmet:

Triberg's Tanne

Hätt' Triberg nur den Wasserfall

Nicht auch Millionen Tannen

So käm wohl mancher kurz vorbei

doch ging er bald von dannen

Das Wasser ruft zu Wanderung

die Tanne lädt zur Rast

Das Haus, das ihren Namen trägt,

erquickt gern jeden Gast.

Hoch steht es in der Oberstadt

im Wald und  Felsblocktal

am schönsten Platz zum Wasserfall

und zu dem Ehrenmal"

Nachmittags waren wir wieder in Schonach zum Kaffee etc. im Rebstock. In unserem Hotel gab's abends guten Aufschnitt mit Butter und Käse. Unterhaltung mit Ruf's bis 11 1/4 Uhr.

Donnerstag, 27.8. Um 9 Uhr aufwärts über den Wasserfall, auf einer Almbank Ruhe in der Sonne, dann zum Waldpeter zum "Geister"-Genuß u. zurück über Wasserfall Panoramaweg ins Hotel: Einlaufsuppe, Kalbsroulade mit Wirsing, Kart. u. Salat, Gewürzpudding mit Himbeeren. Ruhe bis 4 Uhr, dann durch die Stadt über den Kaiser Felsen zur Retsche. dort Zusammentreffen mit Ruf's, später über den Panoramaweg zurück ins Hotel: Bratwürste mit gem. Salat, Liptauer Käsebrot (nichts für uns). Unterhaltung bis 10 Uhr.

Freitag, 28.8. Das 2. Mal Post von Trudl,Haarschneiden, zum Felsenpavillion u. Weiter auf dem westlichen Panoramaweg zur Bankruhe. Im Hotel: Grünkernsuppe, gedämpften Kabeliau mit Zwiebelsoße u. Kart., Pfannkuchen mit Apfelbrei. Um 2.50 Uhr ab nach Geutsche und weiter über Galgen nach der Fuchshalle an 5 Uhr, weit aber schön!

Dort Vesper (Speck) Kaffee u. Bier bei gemütl. Unterhaltung mit einem Gend. Wachmstr. u. anderen Gästen bis 6 Uhr, dann über den Steinhof zurück nach Triberg in 1 /4 Stunden. Abendbrot im Hotel: Wiener Schnitzel mit Bratkart. u. Salat; allein gemütl. Abendschoppen.

Samstag, 29.8. Länger geruht. Nach dem Frühstück in Sonntagskleidern auf unsere Bank am westl. Pan. Weg bis 12 Uhr. Mittagessen: Nudelsuppe, Ochsenfleisch, wie gewöhnlich u. Nachtisch. Um 4 Uhr Fam. Ruf verabschiedet u. hinab ins Kaffee Ketterer (sehr gemütlich und nicht teuer). Über Wasserfall Stadtbummel u. zurück ins Hotel: Aufschnitt wie gewöhnl.

Sonntag 30.8. Über den Wasserfall zum Burggarten-Konzert. 1/2 12 Uhr Frühschoppen im "Rößle" (einfacher) Mittagessen in der Tanne: Gefüllte Tomate, klare Fleischbrühe mit Leberknödel, Geflügel mit Blumenkohl, Kroketts und Salat, Vanille-Eis. Ruhe bis 4 Uhr, dann über das Waldfest am Bergsee zum 4 Uhr Tee in das Schwarzwaldhotel, (sehr schön, aber teuer). Nach dem Abendbrot in der Tanne ein Freudensuff über Walters erfreulichen Bericht bis 1 Uhr.

Montag, 31.8. Lange geschlafen. Um 10 Uhr aufwärts nach der Bank ü.d.W. Später im Hotel: Suppe, Rindsrouladen mit gelben Rüben, Kart. u. Salat, Reineclauden. Wegen Regen (das 2. Mal) Kaffee und Vesper im Hotel. abends: Tartar nach unserer Bestellung, nur zu reichlich, um 9 Uhr Schluß.

Dienstag, 1.9. Nach dem Kaffee aufwärts nach Schonau, Frühschoppen im Schwanen, Wirtin Schwester von Frau Fehrenbach, sehr lebhaft infolge Ankunft von 210 KDF-Fahrern aus Duisburg-Hamborn. Um 1/2 1 Uhr zum mittagesen im hotel: Reissuppe, Schweinebraten mit Weißkraut, Kart. Brei u. Salat, Haselnusscreme; nachmittags auf der Geutsche, zum Abendbrot Kalbsgoulasch.

Mittwoch, 2.9. Auf schönem Waldweg nach Nußbach-Römischer Kaiser (gut). In der Tanne zum Mittagessen Ochsenzunge usw. Nachmittags nach Schönwald-Martinskapelle-Brand.

Paula auf M.K. geblieben, später gemeinschaftlich "Kapella-Käse" zum Vesper und Rothaus-Bier. Nach 1 Uhr wieder in der Tanne: Schnitzel-Pikanter (dünn in Pfannkuchenteig) Bratkart. u. Salat. Abendschoppen bis 10 1/4, Paula bis 12 1/4 Uhr.

Donnerstag, 3.9. Nach dem Kaffee Bankruhe auf dem westlichen Panoramaweg. Im Hotel Brief von Walter, Mittagessen: Hammelbraten etc. Nachmittags Photographin am Wasserfall und zu Retsche. Abend ff. Rippchen mit Sauerkr.

Freitag 4. September. Nach Schonach zu, August Bach vergeblich erwartet, Mittagessen wie an den Vor-Freitagen. Kaffee bei Schäfer in der Hauptstraße, dann zum Nachmittagskonzert in der "Sonne" (schön) unterwegs auf dem Heimweg August Bach getroffen, der erst 1/2 2 Uhr in Mannheim abgefahren war. Abendessen: Deutsches Beef mit Rahmkartoffeln u. Salat (sehr gut) Abendschoppen bis 11 Uhr.

Donnerstag, 5.9. Über den Panoramaweg zur Retsche, durch die Stadt zurück. Nachmittags im Schwanen in Schonach eingeregnet, deshalb mit dem Autobus zurück. Abends holt August die umsitzenden an den Tisch, wir würfelten und unterhalten uns bis 10 1/2 Uhr.

Sonntag, 6.9. Über den westlichen P-W. zum Frühschoppen in die Sonne. Darauf das übliche Sonntagsessen (unangemeldete Vereine 4 schichtig). Nachmittags Bummel in Triberg und Dämmerschoppen in der "Krone" (gut aber nicht so schön wie die Tanne)

Abends nach dem üblichen Aufschnitt Rummel bis 11 Uhr.

Montag, 7.9. Regnerisch, trotzdem über Panoramaweg-Wasserfall- nach dem Hotel ü.d.W. mit Schnapsstation. Bei trockenem Wetter gemütlich zurück. Mittagessen: Flädel-Suppe, Schmorbraten mit Wirsing, Kart.Kl. u. Salat, Mirabellen. Nach vier Uhr ich mit August Stadtbummel u. Vesperschoppen im "Adler". Abends Wiener Schnitzel und darauf Schonung bis 12 Uhr.

Dienstag, 8.9. Bummel über den P.-W. und Burggarten in die Stadt. Später Frühschoppen in der Lilie. Nachmittags wieder Regen, deswegen Heimatmuseum u. Adler. abends Münchener Zwiebelfleisch (Vorschlag) mit Brat.Kart. Nudeln u. Salat (sehr pikant) und Ankunft der Grünstadter Familie Friedrich, mit der wir uns bis 1/2 11 Uhr angeregt unterhalten. Da erscheint auf der Bildfläche unverhofft Herr König (früher Bad Mergentheim) und wir zechen zusammen bis 2 Uhr!

Mitwoch, 9.9. Nach Nußbach. Im Hotel mittags: Schlachtplatte, Butterbrot u. Käse. Bei Hitler's Rede auf dem Nürnberger Parteitag dringt die Sonne wieder durch, die uns beinahe 3 Tage verlassen hatte. Nachmittags Schonau-Schwanen. In der "Tanne" den berühmten Kalbsgoulasch, Gemütlicher Fez mit Photographieren vom 1-11. Fritz bis 11 Uhr.

Donnerstag, 10.9. Über den Wasserfall u. weiter zum Waldpeter, Schnapsstation. Nach Rückkunft in der Tanne:: Reissuppe, Lendenbraten mit Spargelgemüse, Kart. u. Salat, Schokocreme u. Käse. Nach der Ruhe über Panoramaweg usw. zum Konzert in die Sonne, wo uns später Herr Wisser aufsucht. In der Tanne gab's kalten Braten mit Rum Soße, Bratkart. u. Salat. Darauf Schonung bis 1 Uhr. Freitag 11.9. Panoramaweg, Wasserfall, Triberg, durchs Loch ins Hotel zum letzten Frühschoppen. Nachher: Erbsensuppe, Blaufelchen auf Müllerin-Art mit Kart. u. Salat, Apfelküchle. Nach schmerzlicher Verabschiedung 3 Uhr ab Hotel, 3.53 ab Bahnhof, 6.50 an Mannheim.

Gesamtkosten bei 5,50 Pension einschl. Bedienung und 30 Pfennige Kurtaxe für Paula und mich RM 559,60

 

Triberger Wasserfall

Wir haben in Triberg herrliche Tage verlebt und werden gerne wieder in der "Tanne" einziehen. Nachfolgender dichterischer Erguß, der im Gästebuch der Tanne steht wurde mit den weiter warm angeführten "Triberger Tannen" von Herrn Ruf angefangen:

Im Badnerland.

Der Heimatgeist hat uns bestimmt,

auch in des Urlaubs Tagen

dem Lande, dem wir angehör'n.

die Tanne zu besagen.

So zogen wir gen Triberg hin

und wählten uns ein Haus,

schlicht, schön und gut, nach unserem Sinn

in einer Bergluft aus.

Da haben wir in Wochen vier

beim hellsten Sonneschein

durchstreift die stolzen Wälder schier

wohl über Stock und Stein.

 

Und nach des Berges froher Fahrt

eine "Tanne" nahm uns auf

so gastlich und von feiner Art,

drum weist zu ihr der Lauf

 

So sollt ihr wie des Landes Höh'n

das herzlich Dankwort gelten:

In Triberg und der "Tanne" ist's schön

So schön. wie sonst recht selten.

Während unserer Abwesenheit hatte Walter seine Urlaubsvertretungen in Weißenfels, Eisenach und Heilbronn absolviert und nahm dann vorerst feste Stellung in Stuttgart.

P. und ich beteiligten uns an der O.C.-Wanderung vom 4. Oktober. Ein Sonderzug von über 700 Personen brachte uns über Frankenthal und Grünstadt nach Eiswoog, wo ein herrlicher Waldweg an den grandiosen Eistal-Brücken vorbei nach Lauberhof begann. dort war in hellstem Sonnenschein gemütliche Frühstücksrast. Gegen 1 Uhr waren wir zum Mittagessen bei Stiefenhöfer ????? in Hettenleidelheim.

Später gings auf der Höhe über Tiefental, Neuleiningen und Sausenheim nach Grünstadt. Wir sagten zuerst der Familie Friedrich, die wir in Triberg kennen gelernt hatten "Guten Tag" und begaben uns dann in die Jakobslust, dem allgemeinen Sammelplatz. Dort trafen wir viele Bekannte u.a. auch Ojust Bach und Naumer's und verlebten mit ihnen einige ausgelassene Stunden. Von 1/2 8 bis 1/2 ) Uhr fuhren wir nach Ludwigshafen zurück. Der Tag war bei dme herrlichen Wetter sehr schön.

Über den Sonntag, den 11.10 war Walter wieder in Mannheim. Wir waren morgens auf dem Flugplatz und nachm. folgten wir einer Einladung von Bach's mit dem Auto nach Heidelberg. Daran schloß sich dann eine Fahrt der Bergstraße entlang bis Auerbach, wo wir später im Weinhaus Weigold bei hervorragender Speise und Trank einige lustige Stunden verlebten. Abends waren wir noch mit m.P. im Siechen.

Am Montag morgens fuhr Walter nach Stuttgart.

Die übliche Herbstwanderung hatten wir für den 18.10 mit Pfeffer's verabredet. Wir fuhren zu 6 nach Dürkheim und wanderten gemütlich nach "Kehrdichannichts" . Dort war's zur Mittagspause sehr schön. Von 2 bis 4 Uhr kehrten wir wieder über 3 Eichen nach Dürkheim zurück und kehrten in der "Genossenschaft" ein. Wir haben uns dort ordentlich gestärkt und sind hochbefriedigt um 1/2 7 Uhr nach Hause gefahren.

Am 25.10. wollten wir eigentlich in Mannheim bleiben, aber nachmittags nach 15 Uhr erschienen Bach's mit dem Auto und nahmen uns mit zum Vesper uns Dämmerschoppen nach Wachenheim, wo es in der Genossenschaft bei flotter Musik recht nett war. Abends waren wir dann mit Ojust noch zum Nachtessen im Siechen bis 1/2 10 Uhr. Trudl war mit dem Skiclub auf Heldenstein.

Am 1. Nov. besuchte uns Walter von Stuttgart aus. Wir waren fast den ganzen Tag zu Hause bei gemütlicher Unterhaltung. Der Abschiedsschoppen fand abends im Siechen statt.

Zu Hans Bach's Geburtstag am 7.11. waren wir geladen. Wir haben bei Schinken und Deidesheimer ordentlich gefeiert.

Die O.Cl. Wanderung am 8. Nov. an der ich mich allein beteiligte, führte von Wiesloch nach Mühlhausen und über Malsch zurück nach Mingolsheim. Von oben war's ganz angängig, aber der Dreck unten auf den Feld- und Hohlwegen katastrophal!

Am 15.11. wollten wir eigentlich Ruhetag halten, aber ... der Weg zur Hölle ist mit guten Vorsätzen gepflastert! Morgens ging's nach unserem Sinn, nachmittags jedoch waren wir zu dritt plötzlich in Wachenheim zum Martinimarkt. Bach's hatten uns mit dem Auto abgeholt. Nach einem Kleinen Bummel, während dem Kalkers von Neustadt geholt wurden, bezogen wir Stellung in der "Genossenschaft" mit Konzert, Vesper und Wein. Dann mußten wir noch "arg" nach Deidesheim zum Nachtaffen in der "Genossenschaft" Wir sind dort recht lebhaft geworden und erst um 22 Uhr nach Mannheim gefahren. Weil wir anscheinend noch nicht genug hatten, beschlossen wir den an sich schönen Tag im neuen Rosengarten-Restaurant. Die Dezember-Wanderung des O.Cl. mußte ich wieder allein mitmachen. Das Wetter war nicht sehr einladend. Ein Sonderzug der OEG brachte uns nach Dossenheim. Von hier ging's aufwärts über Schauenburg und Oelberg nach der Strahlenburg-Schriesheim, wo Mittagsrast war. Teilweise im Nebel und Schnee erstiegen wir nachmittags den Schauinsland und das Schanzenköpfle und gelangten abwärts zum Birkenbrünnle. Ich ging von hier über Leutershaus nach Großsachsen und war gegen 3 Uhr in der "Krone" der Aufenthalt und die Atzung waren recht zufriedenstellend. Um 3/4 7 Uhr war ich wieder in Mannheim, wo Trudl ihren ersten freien Sonntagnachmittag in ihrer Tätigkeit im Luisenheim (!) mit m.P. verbracht hatte.

Weihnachten und Neujahr besuchte uns Walter je drei Tage von Stuttgart aus.

Wir haben die Feste in hergebrachter Weise verlebt. Am Heiligen Abend und an Sylvester waren auch Bach's da; am ersten Weihnachtstag wie gewöhnlich auch Großmutter.

Am Neujahrstag war Walter und ich mit Bach's in Kallstadt u. Deidesheim. Wir kamen erst sehr spät nach Hause und haben uns dadurch den Unwillen der Damen zugezogen.

 

 

1937

Ich war diesmal absichtlich nicht zur Gratulationskur im Geschäft!

Am Sonntag, den 3. Januar stieg die erste Panoramawanderung des O.Cl. Die führte von Heidelberg über 3 Eichen nach Rohrbach und zurück. Im Perkeo traf ich noch kurz August Bach, war um 3/4 7 in der Wohnung und konnte mich gerade von dem zurückfahrenden Walter verabschieden.

Zu einer kleinen Autopartie lud August Bach am 17. Jan. Sie brachte uns nach Dürkheim mit einem kleinen Abstecher zu Fuß nach den 3 Eichen zu und dann nach Wachenheim, wohin Kalkers aus Neustadt bestellt worden waren. Bei guter Musik und was man sonst dort noch bekommt, sind wir einige Stunden recht lustig gewesen. Um 9 Uhr waren wir wieder zu Hause und A. Bach noch bis 10 Uhr bei uns.

Das trockene Wetter in der nun folgenden Woche bestimmte uns, eine Pfalzwanderung für den 24. Jan anzusetzen. Tatsächlich bin ich mit m.P. auf die Kalmit gepilgert, wo wir uns an der den ganzen Tag währenden Sonne ergötzen konnten. Die Kalmit hat einen weiteren großen Anbau erhalten, der von lustigen Menschen gefüllt war. Um 1/2 3 Uhr verließen wir die gastliche Stätte wieder, waren um 1/2 4 Uhr auf der Maxburg und darauf durch die "Hambücher" um 1/2 5 Uhr in Neustadt. Im Bayr. Hof, wo wir das erste Mal einkehrten, waren wir mit Speise und Trank sehr zufrieden, fuhren aber trotzdem schon 7.02 Uhr nach Hause. Kurz nach 20 Uhr waren wir wieder in unserer Wohnung. Paula war etwas mitgenommen, aber auch sehr befriedigt.

Der O.Cl. führte am 31. Jan seine Mannen von Altleiningen über Leistadt nach Dürkheim. In herrlicher Schneelandschaft war der Genuß besonders groß. Abends traf ich im Leiniger Hof August Bach, fuhr aber trotzdem mit dem Sonderzug 19.12 Uhr nach Hause.

Am Fastnachtssonntag bewegte sich unter begeisterter Aufnahme der ganzen Bevölkerung und 10 000en von Gästen ein sehr gelungener Festzug der Karnevalsgesellschaften durch die Straßen der Stadt, den auch Walter besuchsweise mit ansehen konnte.

Der zweijährige Todestag von Male Bach fand uns am 21.2. mit August in Heidelberg am Grab. Wir haben dann einen 2 stündigen Spaziergang in die Berge gemacht und darauf Hunger und Durst im Perkeo gestillt. Um 9 Uhr waren wir wieder zu Hause.

Die März-Wanderung des O.Cl. am 7. verregnete gründlich. M.P. war auch dabei. Wir waren nach 10 Uhr von Zwingenberg aus über Alsbacher Schloß im "Tannenberg" in Jugenheim. Wir haben dort mal wieder fröhliche Stunden verlebt und sind 15.30 Uhr mit der Elektr. nach Eberstadt gefahren, wo uns Ojust mit dem Wagen abholte. Bei Weigold in Auerbach war Abendbrot und Schlußschoppen.

Anstelle der am Palmsonntag geplanten Wanderung fuhren Paula und ich mit Bach's nach Wachenheim, Deidesheim, Dürkheim, wo es überall recht lustig und genußreich war. Am Karfreitag machte das schlechte Wetter einen Strich durch unser Vorhaben.

Über Ostern war Walter zu Besuch. M.P. war erkältet, wir konnten deswegen auch nicht viel unternehmen. Am 1. Feiertag luden Bach's zu einer Autofahrt ein, an der sich Walter und ich beteiligten. Es ging über Frankenthal, Grünstadt und Göllheim nach Herxheim-Zell zum Versuchen des "Schwarzen Herrgott". Später waren wir in Leistadt bei Dehn zum Dämmerschoppen.

Die ausgefallene Osterwanderung holten m.P. und ich am 4.4. nach. Weinbiet, Silbertal, Talmühle-Haardt-Neustadt waren die Punkte. Im Bayr. Hof stießen Bach's zu uns. Wir waren mit Speise und Trank dort wieder sehr zufrieden. Anstatt mit der Bahn zu fahren, fuhren wir mit dem Auto heim.

Das Wetter war andauernd kühl und regnerisch. Trotzdem beteiligte ich mich an der O.Cl. Wanderung vom 18.4. Sie führte von Heidelberg über 7 Wege nach der Strahlenburg Schriesheim. Nachmittags regnete es in Strömen. Unten traf ich im Deutschen Kaiser mit Ojust zusammen, wo wir recht ausgelassen bis 21 Uhr sitzen blieben. Am 25.4 war Ruhetag in "Mannem".

Der 1. Mai fand uns wieder im Stadion; nachm. Fuhren wir mit Bach's nach Kallstadt, wo auch Trudl u. Walter mit ?????Stagfanz

waren. Abends eröffneten wir bis gegen 1 Uhr die Winzergenossenschaft in Ungstein!

Am 9.5. war ich mit m.P. über Weilach auf der Lindemannsruhe, abends sehr nett im Leinigerhof Dürkheim. Altrip und den Rehbach besuchte ich allein am Pfingstsamstag; abends kam Walter mit Sack und Pack von Stuttgart, um nach den Feiertagen in Heilbronn weiter zu arbeiten.

Die Pfingstwanderung machten wir alle zusammen nach der Kalmit, Bach's mit dem Wagen. Abends Lamm-Neustadt und bei uns. Am 2. Feiertag Ruhe, Ballhausgarten und Siechen.

Am 23.5. waren wir morgens am Karlsstern und nachmittags im Ballhaus mit Schlußschoppen im Siechen, das übrigens am 31.5. wegen Umbau geschlossen wird. Am 30.5. waren wir morgens an der Silberpappel-Rasthaus Schiff, nachmittags mit Bach's auf der Kropsburg und in Deidesheim, und 14 Tage später in Speyer, Hasloch, Ungstein.

Am 20.6.folgten wir einer Einladung Bach's zu ihrem Betriebsausflug. Es ging per Auto über Grünstadt-Altleiningen nach Hönningen mit gemütlicher Kaffeestation. Um 1/2 6 Uhr saßen wir zu 13 in der Winzergenossenschaft Ungstein, wo das Abendessen und die Hauptfeier stattfand, die äußerst ausgelassen verlief. Um 1/2 11 Uhr tranken wir im Schloßkaffee Dürkheim nochmals Kaffee und waren gegen 12 Uhr hochbefriedigt zu Hause.

Mein Geschäftsausflug ging am Dienstag den 22.6. nach Auerbach vor sich, brachte aber, wie gewohnt, nichts Erhebendes.Mannheimer Versicherung

Am 4.7. fuhren wir zu dritt nach Triberg in die "Tanne". Wir haben dort all die bekannten Punkte oftmals besucht, wie die Wilhelmshöfe, Oberprechtal ,Elzach, das Simonswäldertal kennen gelernt und uns drei Wochen lang bei der bekannten, guten Aufwartung und Verpflegung recht wohl gefühlt. Am 15.7. kam August Bach, der am 18. von Hans besucht wurde. Trudl machte Bekanntschaft mit einigen jungen Damen und einer Familie Hanau aus Hannover, die in unserer Nähe saßen. An m.P. schlossen sich zwei gleichaltrige Damen, Frl. Minier aus Darmstadt und Frl. Denns aus Dortmund näher an. Wir haben mit ihnen und den anderen Gästen ungetrübte Stunden verlebt. Massen kleine Bildchen beweisen das. In den ersten Tagen haben wir viel Spaß mit einer Familie ??Scharpappa?? aus Kiel gehabt, die auch mit auf der Schwedenschanze mit dem üblichen "Tannenwirt"-Betrieb war. Mit einem Ministerialrat Bergold aus Berlin konnten wir nicht so recht warm werden, worüber uns aber keine grauen Haare gewachsen sind. Im Schwanen in Schonach (Frau Huberstroh) waren wir oft gern gesehene Gäste.

Auch im Falken in Schönwald, wo Trudl schon einmal zum Skilaufen war, weilten wir ein paar Mal.

Zum Triberger Urlaub 1937

Am 4.7. kamen wir dort an und mussten in der "Tanne" erst ein Aushilfszimmer beziehen, da das für uns vorgesehene noch nicht frei war. Trudl war vom Hotel auch angenehm überrascht: das erste Essen: Königinsuppe, junger Hahn mit Spargelgemüse und Kart. u. Salat, Mokkaeis. Nachmittags zum Tanztee im Schwarzwaldhotel.

5.7. Waldpeter, Nachm. Schonach-Wilhelmshöhe

6.7. Ilse Franke kommt Nachm. die ganze Hotelgesellschaft zur Schwedenschanze . Im Hotel nach dem Abendessen "Schonung bis 1/2 1 Uhr.

7.7. Besuch von Herrn Waschle, Mannheim

8.7. Schonach mit Frühschoppen. Um 13.28 mit Autobus nach Schönwald. Kaffee auf Escheck, Unten Einkehr im Falken.

9.7. Mittagessen: Bodenssee-Felchen auf Müll. Art mit Kart u. Salat, Omelette mit Himbeer, Abends Gänsefrikassee auf Reis, Kart. u. Salat (sehr gut)

10.7. Nußbach im Regen. Zum Kaffee in der "Sonne".

11.7. mit Familie Bergold zum Tanztee im Schwarzwaldhotel.

12.7. Besuch des Herrn Husemann, Mannheim

13.7. Besuch von Familie Mehne, Schwenningen

14.7. Kaffee im Hotelgarten

15.7. Schönwald. Martinskapelle, Brand. Die Gesellschaft geht über Furtwangen zurück. P. und ich nach Schönwald. Gemeinschaftl. Rückfahrt Abends großer Rummel mit Musik und Tanz bis 1 Uhr in Anwesenheit von Aug. Bach.

16.7. In der Stadt (Duffner) und Schonach.

17.7. Stadtbummel u. Feuerwerk. Ankunft von Hans Bach. Empfangsschoppen bis 1 Uhr.

18.7. Nachm. nach Schönwald. Kaffee im "Sommerberg (Reinfall), deshalb noch in den "Hirschen" (sehr nett). Nach dem Abendbrot Trudl und Hans Bach im "Löwen", wir im Hotel bis 1/2 12 Uhr.

19.7. Hans Bach fährt zurück, Trudl nach Villingen. Im Hotel: Einlaufsuppe, Ochsenzunge mit Wirsing, Kart. u. Salat, Pudding, Käse

20.7. Trudl und Ojust im Bad, wir Panoramaweg-Stadtbummel. Nachm. Schonach mit den Damen Minier u. Denns. Gemütlicher Vesperschoppen im "Schwanen"

21.7. Trudl mit den Damen im Bad, wir im "Waldpeter" zur Schnapsstation.

22.7. Nachm. Autofahrt mit Herrn Wisser: Hornberg, Gutach, Oberprechtal, Elzach (Ochsen Bruder des Herrn W.) Bleibach, Unter- und Alt-Simonswald (Bären) Obersimonswald (Engel), Gutenbach (Hochburg) Furtwangen, Efseck, Schönwald, Triberg.

23.7. Retsche und nachm. Schonach.

24.7. 8.59 ab Triberg über Heidelberg an Mannheim 1.19

 

Außer vier tüchtigen Regentagen waren wir mit dem Wetter recht zufrieden. Die Gesamtkosten beliefen sich auf RM 707.-

(Näheres im Siechenkalender 1937 und Einlage.

Am 26.7. nahm ich meine Tätigkeiten im Geschäft wieder auf. Unerwartet, wie ein Blitz aus heiterem Himmel, wurde mir zum Empfang von Herrn Dr. von Düring im Auftrag des sich auf Urlaub befindlichen "Herrn Generaldirektor" eröffnet, daß ich mich dem Zuge der Zeit folgend (!) zu Ende des Jahres mit meiner Pensionierung vertraut zu machen habe. (!)

Ich bin den Herren die Antwort nicht schuldig geblieben und habe gegen dieses ungerechte Verfahren ganz energisch protestiert. Was wird, weiß ich heute noch nicht. Ich sehe aber dem Entscheid mit Ruhe entgegen!!

Am 1.8. waren wir zu dritt mit Ojust Bach in Wachenheim und Dürkheim. Es war wie üblich, äußerst fidel. Am 8.8. blieben wir wegen Besuchs unseres Walters und der Hitze in Mannheim. Er ist jetzt in Frankfurt a/M. Am nächsten Sonntag waren wir mit Bach's in Heidelberg-Schriesheimer Hof-Dossenheim.

Wieder einmal eine Wanderung machte ich am 22.8. mit m.P. über Weilach-Lindemannsruhe-Heidenfels-Dürkheim, wo wir ausnahmsweise bei der Bachmayern einkehrten. Wir freuten uns schon auf die frühe Rückfahrt, als wir am Schloßplatz Bach's mit ihrem neuen Mercedes-Benz trafen. 15 Minuten später saßen wir in der Genossenschaft-Deidesheim, wo es noch recht lebhaft wurde.

Am 29.8. lud uns unerwartet Ojust zu einer Fahrt ins Blaue ein, durch Speyer, Landau und Bergzabern ging's zum Weintor bei Schweigen. Wir waren erstaunt über die Großartigkeit und das Getriebe! Das Abendbrot aßen wir wie gewohnt hervorragend im Rössel, Bergzabern und hätten eigentlich heim gewollt, aber Bach's lenkten .... nach Ruppertsberg, zur Kerwe, wo es ohne etwas Außergewöhlichen .... 1 Uhr wurde. Da ist auch der Besuch des Backfischfestes in Worms am Mittwoch den 1.9. ausgemacht worden. Dort haben wir uns nun allerdings zu fünft großartig amüsiert, was die Rückkunft morgens um 4 Uhr beweist! Dafür war am 5.9. Ruhe in Mannheim.

Am 12.9. waren wir zu 6 (Walter war zu Besuch) auf dem Dürkheimer Wurstmarkt und später zum Schlußtrunk in Deidesheim. Am 18.9. kam Walter zu einem gemeinsamen 12tägigen Urlaub von Frankfurt. Am 26.9. hatte Barbarino im Palasthotel 50jähriges Jubiläum. Ich war unverhofft mit Bach's und Dr. Köhler Kalmit-Deidesheim.

Wir machten zu 3 am 3.10 bei herrlichem Wetter einen Wanderung nach "Kehrdichannichts" zurück über Hardenburg, Herzogsmühle mit Kaffeestation im "Leininger Hof" zum Essen und Schlußschoppen. Um 1/2 8 Uhr waren wir hochbefriedigt zu Hause.

Den geplanten Besuch Walter's in Frankfurt führten wir zu dritt mit Bach's Auto am 17.10. aus. Wir waren Punkt 10 Uhr vor W's Wohnung, in der wir ein fideles Frühstück einnahmen. Bach's machten dann Geschäftsbesuche, wir einen Bummel durch Alt-Frankfurt. Im Kölner Hof trafen wir uns wieder zu einem festl. Mittagsschmaus, dann besichtigten wir die "Ika", in der wir ob des Gebotenen viel Spaß hatten. Das Abendbrot nahmen wir im "Salzhaus" u. fuhren um 1/2 9 Uhr zurück. 1 Stunde später saßen wir wieder an unserem Radio.

Am 26.10 wurde unser "Siechen" in neuer, anmutender Gestalt eröffnet. Wir waren in großer Gesellschaft recht lustig. - Dann mußte ich vom 30.10 bis 6.11. wegen einer Gelenkentzündung am linken Ellbogen ins Bett. Vom 8.11. ging ich nachmittags wieder ins Geschäft. Vom 6. auf 7. war Walter zu Besuch.

Am Buß und Bettag, den 17.11. waren P. u. ich mit Bach's in Heidelberg am Grab, Schriesheimer Hof und Dossenheim "Krone"., am nächsten Sonntag in Deidesheim "Genossenschaft" zu Vesper u. Dämmerschoppen. Zu Hause leisteten uns Bachs noch bis 12 Uhr Gesellschaft (!). am 28.11. ging P. und ich am Spätnachmittag nach Ludwigshafen in die "Ax" auch August Bach kam noch. Es gefiel uns dort so gut, daß wir 6 Stunden auf einem Stuhl sitzen blieben.

Am 5.12. war Walter von Frankfurt zum Besuch bei uns. Wir fuhren nachmittags mit Bach's nach St. Martin-Deidesheim, wo wir in der Genossenschaft die bekannten Genüsse hatten.

Die dieses Jahr noch übrigen 8 Tage Urlaub verbrachte ich mit m.P. in Wiesbaden.

Am 14.12. morgens 9.22 Uhr brachte uns der Eilzug in 1 1/2 Stunden dorthin. In der "Börse" wurden wir wie gewohnt herzlich begrüßt und erhielten das selbe Zimmer wie vor fünf Jahren angewiesen, was mit den Worten der Frau Recky geschah "Jettchen, Zimmer Nr.3, es kommt ein Hochzeitspärchen". Wir haben dann bei nicht gerade unangenehmen Wetter trotzdem schöne Tage verlebt, waren morgens und nachmittags spazieren oder im Kaffee und besuchten abends Theater und Musik. Im Hotel war's mollig warm und das Essen in allgewohnter Güte. Wir waren "unter den Eichen", auf dem Neroberg mit neuem Opalbad, auf der Rheinfähre nach Biebrich zu, in Sonnenberg und in den schönen Geschäftstraßen Wiesbadens.

Im Variete fesselten uns vor allem die Clowns, die in der Börse wohnten, wie Sitzig u. Co. die urgelungenen "Toto" aus Berlin. Das Essen vom Sonntag. den 19. sei festgehalten: mittags Suppe, Gänsebraten und Rehrücken garniert, abends: ital. Salat, Kalbshaxen mit Bratkartoffeln und Rapunzeln.

Am 20. morgens 9.22 Uhr fuhren wir wieder zurück und waren um 11 Uhr wieder in unserer Wohnung, wo wir alles in Ordnung antrafen. Die Gesamtkosten betrugen RM 143.- Kurtaxe bezahlten wir nicht.

Am heiligen Abend kam Walter zum Weihnachtsbesuch. Auch Bach's waren wieder da. Wir haben gemeinschaftlich genachtmahlt, dann beschert und bis 1/2 3 Uhr "geblose". Der Gabentisch war wieder recht reichhaltig. ---

Am ersten Feiertag war außer Bachs noch Großmutter bei uns. Es gab 2 Gänse. Nach Ruhe fuhren die "Männer" nach Deidesheim und Forst, während wir den Abend gemütlich zu Hause verbrachten. Am 2. Feiertag waren wir abends im Siechen, von wo Walter wieder nach Frankfurt, seinem Beschäftigungsort, fuhr. Wir haben an diesem letzten Abend der Weihnachten mit Bach's, Köhler's und Naumer's viel Spaß gehabt.

An Sylvester kam Walter wieder. Wir waren zum Dämmerschoppen recht vergnügt im Siechen. Bach's kamen abends auch zu uns zur Sylvesterbowle, bei der wir das neue Jahr erwarteten. Dann wurde ordentlich geknallt und auch ein paar ganz sehr gute Wachenheimer Sektflaschen halfen noch mit. Wir haben eigentlich des guten zu viel getan, was besonders ich die nächsten Tage büßen mußte.

Eine erfreuliche Nachricht ist hier anzufügen. Meine beabsichtigte Pensionierung wurde jedenfalls infolge meines energischen Protestes abgeblasen. Der Vorstand schob den Plan auf den Vertrauensrat und dieser auf den Vorstand. --

Betroffen werden sollte ich ja nicht allein, sondern über ein Dutzend Kollegen, die dem derzeitigen Maßgebenden anscheinend im Wege sind. Eine Wiederholung der Absicht wird mich wieder als Kämpfer finden.

So gehen wir trotzdem vertrauensvoll ins neue Jahr.

 

1938

Das neue Jahr begann um Mitternacht mit dichtem Schneefall, der den ganzen Tag über anhielt und Stadt und Land in eine herrliche Schneelandschaft verwandelte. Walter und ich waren mit Bach’s bei Naumer’s zum 21 er Frühschoppen geladen, der recht gemütlich verlief. Das Mittagessen nahmen wir gemeinschaftlich im „Siechen“ ein und waren auch damit sehr zufrieden. Die Damen waren nachmittags bei der Großmutter, und abends trafen wir uns alle wieder im „Siechen“ zum Neujahrsschoppen. Dafür war am Sonntag, den 2. Januar Ruhe. Walter fuhr abends nach Frankfurt zurück.

Am 3. hatte Dr. Weiß 25jähriges Jubiläum, zu dessen Feier er die Gefolgschaft auf Dienstag in den Friedrichspark lud. Es war dort recht nett. Ich habe aber um 11 Uhr Schluß gemacht.

Eine kleine Autofahrt machte m.P. und ich am 9.1 mit Bachs nach Wachenheim-Genossenschaft, die in einem Schlußschoppen im Siechen ausklang. Der nächste Sonntag fand uns schon wieder auf der Fahrt an den neuen Kasernen im Nordosten der Stadt vorbei nach Dossenheim-Krone. Unvermutet erlebten wir am nächsten Sonntag im Siechen zu dritt ein gemütliches Bockbierfest in Gesellschaft von Göllers. Stark nach 24 Uhr machten wir erst Schluß.- Dafür ruhten wir am 23.1. aus und aßen zu zweit nur vorzüglich im „Hofbräu“, das meine Mittwochs-Dämmerschoppenkneipe geworden ist.

Anläßlich eines Besuches von Großmutter am 9.2.38, wo ich ihr erklärte, dass ich unter keinen Umständen von dem mir für sie anvertrauten Geld irgend jemanden nach ihrem Tode etwas abtreten könne, war sie damit einverstanden, dass der Rest uns gehören solle. Ihr Sohn habe ja schon so viel bekommen, dass ihre Tochter dadurch nur gleichgestellt sei.

Vom 19. Februar bis 5. März waren die schwärzesten Tage meines Lebens. Wir haben alle fürchterlich gelitten, bis sich am Morgen des 5.3. die Spannung löste und Herr Dr. Weiß in großherziger Weise meine Pensionierung aussprach, für März, April und Mai noch zum vollen Gehalt.

Am Sonntag, den 6.3. leiteten wir den Kauf eines Zigarrengeschäftes für Walter ein. Die gewerberechtliche Genehmigung erhielten wir mündlich am 25.3, schriftlich am 29.3.38. Das Zigarren-Spezialgeschäft des Herrn Adolf Weis in Ludwigshafen, Rupprechtplatz 16 gehört somit vom 2. Mai ab uns.

Am 13.3. folgten wir zu dritt einer Einladung Bachs zu einer Autofahrt nach Homburg/Pf. Wir waren, während Bachs ihre Geschäfte erledigten, zum Kaffee auf dem Schlossberg mit hervorragender Aussicht, in Kaiserslautern zum Dämmerschoppen und in Deidesheim zum Abendbrot bis 11 Uhr. Am 20.3. waren Bachs schon um 2 Uhr bei uns, Trudl war mit dem Schiklub auf Rotsteig. Wir fuhren nach Heldenstein zum Vesper und wieder nach Deidesheim, weil die Wirtin Geburtstag hatte. Es ist auch wieder 10 Uhr geworden, als wir uns „loslösen“ konnten.

Am 26. u. 27.3. besuchte uns Walter, um sich mit uns über seine neue Existenz zu freuen. Am 30. war ich mit Bachs das erste Mal auf einer Weinversteigerung der Winzergenossenschaft Deidesheim, die rech „genussreich“ verlief.

Der 3.4. brachte den prächtigen, historischen Festzug Ludwigshafens anlässlich der Eingemeindung von Oppau, Oggersheim, Rheingönnheim und Maudach. P. und ich waren nachher recht gemütlich in der „Ax“

Eine neue Wohnung erwarben wir am 9.4., wir werden vom Juli ab Luisenring 6 wohnen. Damit dürften die gewaltigen Umwälzungen in unserer Familie seit dem 19.2.38 vorläufig abgeschlossen sein.

SCHWINDEL!

Die Reichtagswahl vom 10.4.38 erbrachte in Großdeutschland über 99% Ja-Stimmen für Hitler. Nachmittags waren wir zu dritt mit Bachs in Kallstadt-Deidesheim.

Am Karfreitag war P. und ich wieder mit Bachs in Heidelberg am Grab. Weißer Stein von der Straße aus zu Fuß und Dossenheim. Ostern war Mutter zu Besuch und kehrte am 20.4. ganz ins Elternhaus zurück.

Am 24.4. waren P, W. und ich mit Bachs auf der Lindemannsruhe, dann in Forst und Deidesheim.

In der Nacht vom 30.April bis 1.Mai stieg die Inventur in Walters neuem Geschäft, das Sonntagnachmittags schon aufmachen konnte. Später waren wir in der „Ax“.

Während im April starke Kälte herrschte, die vielen Schaden anrichtete, schien ab 2. die Maisonne auch in Walters Geschäft!. Am 8.5. waren Walter und ich mit Bachs auf der Kalmit und abends in Deidesheim, die Damen trafen wir nicht gerade beglückt im Siechen.

Am 15.5. kamen Bachs mit dem Wagen wieder vorbei, und wir beteiligten uns zu dritt an einer genussreichen Fahrt Rotsteig-Deidesheim. Trudl war mit dem Schiklub am Winter usw.

Zu Ojust’s Geburtstag am 24.5. waren Walter und ich in großer Gesellschaft bis 2 Uhr.

Am 31.5. zogen wir nach Luisenring 6. Pfingsten waren wir nur im Hindenburgpark. Am Dienstag darauf besuchten Huber’s Walters Geschäft und begleiteten uns dann in die Ax, wo wir bis 10 Uhr lustig zusammen saßen. Zu Wanderungen kam’s auch im Juli nicht.

Fast der ganze Juli hatte heißes Sommerwetter: Das Thermometer stieg bis 35 Grad. Wir waren deshalb nur ein Mal auswärts und zwar anlässlich des Betriebsausflugs der „Firma

Bach“ am 17. Zwei Autos brachten 14 Teilnehmer über Frankenthal-Kleinkarlbach und Neuleiningen auf der herrlichen neuen Autobahn nach Kaiserslautern und zurück über Frankenstein-Isenach nach Dürkheim-Herzogsmühle zum Kaffee

Vesper mit Tanz gab’s hierauf im Winzerverein Kallstadt bis 8 Uhr und Abendessen mit Schlusstrunk in der Winzergenossenschaft Deidesheim.

Vesper mit Tanz gabs hierauf im Winzerverein Kallstadt bis 8 Uhr und Abendessen mit Schlusstrunk in der Winzergenossenschaft Deidesheim. Nach Kallstadt hatte Hans Bach noch Trudl und Walter geholt, der wegen des Kreistages sein Geschäft geöffnet hatte. Wir haben recht viel Spaß gehabt und sind recht spät nach Hause gekommen. Sonst waren wir noch ein paar mal in Ludwigshafen in der „AX“ und im Ratskeller.

Am Donnerstag, den 4. August war ich morgens an der Silberpappel. Eine nette und einträgliche Beschäftigung im Ruhestand habe ich seit 1.6. bei Dr. Oechsner, für den ich morgens Buchhaltung mache und nachmittags auf seinem Büro helfe, wenn sich die Arbeit häuft.

Am 21.8. machte Paula und ich mit Bach’s wieder einmal eine „Woireis“ in die Pfalz. Dirmstein, Ungstein und Deidesheim waren Rastpunkte. In Mannheim sind wir dann merkwürdigerweise noch ins „Kossenhaschen“ geraten!

Keisers, Hotel Zentral, wo ich u.a. auch buchhalterisch tätig bin, luden uns am 1.9. zum Schlachtfest ein, das vollständig kostenlos für uns war. Den Sonntag darauf verbrachten wir mit Bach’s in Worms zur Besichtigung und zum Backfischfest und später nach Deidesheim, wo es uns aber nicht sehr gefällt.

An der Silberpappel war ich am11.9. morgens, nachm. Mit Paula am Neckar und zum Abendbrot bei Keisers, mit dem wir sehr zufrieden waren.

Der 14. Sept. 1938, der 50. Geburtstag von Paula, den wir zu einem Freudentag erster Ordnung gestalten wollten, wurde zu einem kritischen der selben Art. Schon morgens nach den Glückwünschen gab’s die erste Missstimmung, weil Paula ein Armband nicht gefiel: Sie sei entsetzt darüber. Dann schickte der Metzger das, was bestellt war. Schließlich kam noch die Luftschutzhauswartin mit Anordnungen verschiedner Art. Tatsächlich mussten die Geburtstagsgäste vom Kaffeetisch weg in den Keller wegen Fliegeralarm. Walter ließ bei seinem Erscheinen seinen Mund ziemlich spazieren laufen, weil ich über die Vorbereitungen zu der beschlossenen Verdunklungsübungen meinen Ärger äußerte. Auch Bach’s kamen recht spät zum Essen und holte Hans noch die Deidesheim Anni. Kurzum, es war alles, nur nicht schön. Hoffentlich ist dieser erste Tag der dritten „25“ kein Vorzeichen für die anderen.

Am 18.9. holten uns Bach’s zu einer Autofahrt nach Heidelberg ab. Wir waren auf dem Königstuhl nebst Turm, den Fliegerbauten in Waldhilsbach zu einem solemnen Vesper und schließlich noch im Perkeo. Walter und Trudl waren am Tag vorher auf dem „Derkemer Worschtmarkt“ gewesen und erst um 7 Uhr heimgekommen.

Seit 21.9. wo ich im Garten der „Ax“ war quälte mich ein täglich zunehmender Husten, der nur noch am 25.9. einen Spaziergang nach Neckarau „Krone“ zuließ. Bis zum 9.10. war ich fast immer zu Hause, d.h. ich erledigte nur morgens meine Arbeiten. Auch sonst ließ sich das seelische Befinden viel zu wünschen übrig. Ich war in der Zeit nicht bei Walter und auch nicht bei August Bach, der daraufhin am 9.10. einmal erschien und uns ins Siechen holte.

Am 16.10 kam Emil Fücks auf 8 Tage zum Besuch. Er war zu einer 4wöchigen Kur in Mergentheim gewesen. Ich habe ihn nach 12 Jahren wieder einmal die Sehenswürdigkeiten von Mannheim gezeigt. Er fuhr dann noch 8 Tage nach Landau und kehrte am 29.10 nach Hamburg zurück. Am 23.10. waren wir zu dritt mit Bach’s auf der Kalmit und in Deidesheim. Abends speisten wir aus geschäftlichen Rücksichten in der Rosengarten-Gaststätte, werden aber wohl kaum oft dahin kommen. Dagegen gefällt es uns in den Zentralstuben bei Keiser recht gut.

Am Buß- und Bettag den 16.11. besuchten wir zu zweit mit Bachs das Grab in Heidelberg, ferner Wiesloch und Schwetzingen (Welde-Bräu) und vereinigten uns abends in der Stadtschenke mit Herrn Quinkert bis ½ „Uhr!! –

Ein Reise nach Straßburg musste ich am 16.12. für Herrn Dr. Oechsner machen. Der Paß war sehr schnell ausgestellt, das Visum beim franz. Vizekonsul in L5.2. dauerte vier Tage. Über die Grenze bei Kehl konnte ich nehmen 10 RM = ffrs. 150.- das Leben in Fr. ist äußerts billig. Ein Mittagessen im Restaurant Broglieplatz für ffrs. 28.- bestand aus Hors d’oeuvre, Zander mit Butter und Kartoffeln, Poularde mit Gemüsen, Salat und Pommes frites und Käseplatte; alles war gut und reichlich und pikant. Weiter gute Restaurants: Aubette am Kleberplatz und „La Marne“ in einer Seitenstraße von ihm. Meine Geschäfte dauerten 5 Stunden. Um 19 Uhr war ich wieder in Kehl und stärkte mich im „Hecht“ 2038 Rückfahrt, ankunft Mannheim 22.45 Uhr.

Meinen 60. Geburtstag verlebten wir nur mit Bach’s recht bescheiden.

Am „heiligen Abend“ (!) mussten wir unser liebes, goldiges „Hansl“ ... feuerbestatten.

Auch am Altjahrstag waren wir, allerdings bei Sekt und gemütlicher Unterhaltung, allein.

 

1939/45

Der Neujahrstag brachte nachmittags eine Autofahrt mit Bach’s nach Wachenheim-Deidesheim und lange ausgelassene Nachsitzung im Siechen.

Am Mittwoch, den 4.1. war Fortsetzung beim Bockbierfest in der „Ax“.

Pirmasens besuchte ich das erste Mal am 10.1. für Dr. Oechsner; Straßburg das 2. Mal am 21 und 22.1.

Ich habe bei der Rückkehr nach Kehl zum ersten Mal in der deutschen (!) Zollstelle eine gründliche „Visitation“ über mich ergehen lassen müssen, die mich in ziemliche Aufregung versetzte. Ich hätte dadurch beinahe noch meinen Zug versäumt, bin aber dann doch wohlbehalten um 18.54 Uhr in Mannheim gelandet.

Am 12.2. holten uns Bach’s zu einer Autofahrt nach Forsthaus Weilach und Deidesheim ab. Am Fastnachts-Sonntag verlebten wir unser einziges diesjährige Festvergnügen nicht unschön, aber teuer, im Siechen. Und nun warten wir auf das schöne Wetter, um ab und zu mal wieder eine Wanderung machen zu können, die 1938 vollständig ausgefallen sind.

Am 19.3. waren wir wieder, diesmal zu dritt, mit Bach’s in der Pfalz: Weilach, Wachenheim, Deidesheim. Dann stieg am Ostersonntag, 9.4. die erste Wanderung mit walter. Bei herrlichem Sonneschein besichtigten wir „Kehr dich an nichts“, Lambertskreuz und Dürkheim = Leininger Hof.

Am 16.4. machte Paula und ich mit Bach’s eine Blütenfahrt über Oppau, Frankenthal, Lambsheim, Weisenheim a.S., Freinsheim, Kallstadt=Winzerverein, Ungstein, Dürkheim, Deidesheim, wo es wieder zu spät wurde.

Adolf Hitler’s 50. Geburtstag wurde zum gesetzlichen Feiertag erklärt. Ich war morgens an der Silberpappel, nachmittags mit Paula auf dem Flugplatz mit Pfeffer’s und abends zum Schlachtfest bei Keiser’s...

Zu dritt machten wir am 23.4. mit Bachs eine Autofahrt nach Speyer, das wir uns wieder einmal ansahen, um dann über Neustadt wieder in Deidesheim zu landen. Nach Rückunft war im Siechen noch Schlusstrunk.

Den Nationalfeiertag feierten wir auch im Siechen, nachdem wir vorher Walter in seinem Geschäft, das geöffnet sein durfte, besucht hatten.

Die zweite Wanderung in diesem Jahr stieg am 7.5. Frl. Nattermann hatte sich uns angeschlossen. Wir erstiegen von Neustadt die Hoheloog, wo Frühstücksrast war. Gegen Mittag waren wir bei schönem Wetter auf der Kalmit, wo wir uns drei Stunden aufhielten. Über Kaufungerquelle erreichten wir um 5 Uhr den Bayr. Hof, wo auch August und Hans Bach eintrafen. Wir haben uns dann sehr gemütlich gestärkt und sind entgegen Bachs Wunsch mit der Bahn sehr befriedigt zurück gefahren. Um ½ 9 Uhr waren wir in der Wohnung.

Im ganzen Juli unternahmen wir wenig, weil ich infolge einer Fußentzündung schlecht gehen konnte.. Wir waren einmal nach langen Jahren wieder zum Militärkonzert im Friedrichspark, nachdem Trudl am Tag vorher auf  14 Tage nach Triberg gefahren war.. Dann besuchten wir Ende des Monats Walter wieder einmal und trafen uns dann mit Huber’s in der AX. Das unbeständige Wetter dauerte auch heute am 6.8. noch an.

Am 10.8. begann endlich das warme Sommerwetter. Ich war am 13. mit Walter wieder einmal im Käfertäler Wald-Karlsstern. Abends waren wir bei Keiser und am nächsten Tag, 14. musste ich für Dr. Oechsner nach Berlin. Mein Zug ging 10.47 Uhr und traf 19.55 auf dem Anhalter Bahnhof ein. Ich nahm wieder Wohnung im Hospiz Zentrum, wo mich Direktor Becker-Barmer in großer Freude begrüßte. Am 15. konnte ich in ein paar Stunden meine Geschäfte erledigen und benutzte dann den Nachmittag zum Besuch des Reichssportfeldes (Olympia-Stadion). Die hochgespannten Vorstellungen wurden die Wirklichkeit bei weitem übertroffen! Einen unvergesslichen Eindruck hinterlässt auch die Dietrich-Eckart-Bühne. Worte vermögen die Erhabenheit dieser Schöpfung nicht zu schildern. Auf der Rückfahrt kehrte ich im Zoo ein und nahm dann meinen Weg über den „Stern“, wo jetzt die Siegessäule steht, durch die Charlottenburger Hauptstraße nach dem Brandenburger Tor und dem Potsdamer Platz. Im Pschorrhaus fand ich die verdiente Stärkung und kehrte später nach einem Bummel über Leipziger und Friedrichstraße noch kurze Zeit im „Niquetkeller“ in der Jägerstraße, einer historischen, altehrbaren Gasstätte ein.. Am nächsten Morgen brachte mich der Schnellzug von 10.23 bis 19.30 wieder nach Mannheim zurück.

Am 20.8. waren wir mit Bach’s nochmals in der Pfalz und dann begann am 1.9.39  ..... Krieg mit Polen und den Westalliierten!

Am 28.4.40 musste auch Walter einrücken!

Vom 6.-20.8.40 war von Polen zu einem Erholungsurlaub, der durch Bruch des linken Mittelfußknochens verursacht war, wieder bei uns. Er fuhr am 21.8. nach Koblenz. Vom 14.-18.10 war er von Trier aus, wohin der Truppenteil von Koblenz verlegt war, wieder zu Hause; ferner vom 15.-29.12.40. Ostern 41 wo er keinen Urlaub bekommen hatte, war Trudl bei ihm in Trier.

Endlich am 31.August traf Walter wieder einmal zu einem 14tägigen Urlaub bei uns ein. Er konnte ihn bei herrlichem Wetter ausruhend und zufrieden bei uns verleben. Am 15. September morgens musste wieder zurück nach Toul fahren, wo die Abteilung seit einiger Zeit steht.

Unverhofft am 31.12.41 traf Walter nachmittags 13.30 in unserer Wohnung ein. Für einen ausgefallenen Urlauber war er eingesetzt worden. Wir haben dadurch einen herrlichen Sylvester Abend erleben können. Auch die nächsten vierzehn Tage waren für Walter Erholung und Genuß. Er hat an nicht Not leiden müssen, da die Beziehungen tadellos funktionierten. Am 16.1.42 morgens musste er uns wieder verlassen.

Da trat er am Sonntag, den 8.3. 14.30 Uhr plötzlich wieder bei uns ein. Er hatte eine Dienstreise nach Mainz-Wiesbaden zu einem Abstecher benutzt. Die Freude war groß. Wir konnten ihm Gänsebraten servieren! In lebhafter Berichterstattung vergingen die Stunden. Er blieb auch am Montag noch bei uns und fuhr um 10.30 früh nach Mainz und dann später zu seinem Standort.

Für Juni hatte uns Walter seinen Urlaub in Aussicht gestellt. Da traf er am 21. Mai vormittags 11 Uhr unverhofft schon bei uns ein. Er konnte dadurch bei zünftigem Spargelessen die Pfingstfeiertage mit uns verleben und mit Trudl den Schüßler’s in Kocherbach versprochenen Besuch machen. Auch die nächsten 6 Tage verliefen in ungetrübter Freude. Da kam am Sonntag, den 31.5.42 wie ein Blitz aus heiterem Himmel die Anlage-Order, sofort zur Truppe zurückzukehren. Nach vier Stunden (!) musste er uns verlassen! Es fiel uns sehr schwer. Nun warten wir auf Nachricht, wohin er verschlagen wird! Am 1.5. ist er Unteroffizier geworden!

Es ging noch einmal gut. Am Samstag den 20.6. morgens schellte es. Es war Walter, der dienstlich in Ludwigshafen zu tun hatte. Er blieb bis Dienstag 18.29 und glaubt auch in der nächsten Zeit in Trier bleiben zu können. –

Unsere Bemühungen Trudl eine längere Ausspannung zu verschaffen, hatte Anfang Juli Erfolg. Es wurde ihr genehmigt, vom 6.-18.Juli das Geschäft zu schließen. Sie ist dann auf Einladung Schüßler’s zur Erholung nach Kocherbach gefahren, wo sie sich recht wohl fühlte.

Am 22.9. meldete sich Walter unverhofft zu seinem Resturlaub an. Er blieb bis zum 28.9. und fuhr dann wieder nach Trier zurück, wo sie Tage sehr vermutlich gezählt sind.

Am 4.10 war Trudl mit ihrer Mutter zu einem kurzen Besuch bei Schüßler’s in Kocherbach. Ich hütete das Haus.

Weihnachten 1942 waren wir allein und verlebten die drei Tage still und zurückgezogen zu Hause. Als fertiger Soldat hatte Walter vermutlich erst nach den Feiertagen Urlaub. Am Sonntag den 27.12 nachts 12 Uhr schellte es. Es war unser Soldat, der einen Tag früher hatte kommen können. Wir standen alle noch einmal auf und nahmen seien ersten Erzählungen entgegen. Die nun folgenden 14 Tage waren für uns alle Freude und Genuß. Am 12.1.43 fuhr Walter wieder nach Diedenhofen, wo die Ersatzabteilung jetzt liegt.

Die Märztage brachten uns viel Kummer und sorge: eines Teils schrieb Walter seinem erneuten, bevorstehenden Abtransport nach dem „Süden“, lies „Afrika“ und dann wurde uns mehr und mehr Gewissheit, dass durch die Verordnung über den „Totalen Krieg“ auch das Stündlein von Walters Geschäft und die Einberufung Trudl’s für den Kriegsdienst geschlagen haben könnte. Ersteres wurde Wahrheit durch die Mitteilung Walters über seine Verlegung nach Bitsch und den Transport (menschunwürdig in Viehwaggons) nach Neapel, und letzteres durch den Schließungsbescheid des „Reichsstatthalters in der Westmark (!) vom 31.3.43 ---- Wir haben uns schweren Herzens in das Unverständliche gefügt !? ----

Am 14.4. konnten wir merkwürdiger Weise wieder öffnen; am 12.6. mussten wir es wieder zu machen und am 1.7. wurde der Schließungsbescheid infolge meiner geharnischten Proteste ganz zurück genommen. So wirkt also Trudl noch für ihren Bruder, der ... auf Sizilien sitzt!! ---

Inzwischen wurden die Deutschen aus Afrika vertreiben und die Amerikaner landeten auf Sizilien. Walter kam glücklich nach Italien, wurde später dort verwundet und nach Bayern transportiert. Am 5. September 43 fand bei uns seine Verlobung mit Frl. Marga Lahs, der Geschäftsführerin von Kurt Haegele (Raucherartikel) statt, der am 1. Juni 1944 seine hochzeit in der Christuskirche und der Kellergasstätte des Rosengarten folgte.

Die kriegerischen Verhältnisse überstürzten sich nun, denn von drei Seiten drangen die Feinde auf Deutschland ein. Eine Abwehr war nicht mehr möglich, und es folgte eine Katastrophe, wie sie noch keinem Volk der Erde beschieden war. Am 8.5.45 mußten die Platzhalter des Nazitums die bedingungslose Kapitulation des einst so stolzen deutschen Reichs zugeben. Es steht nun unter der Militärregierung der Alliierten. Heute, wo ich diese Zeilen schreibe, ist unser Walter noch nicht zurückgekehrt!

Wir hatten die fürchterlichsten Luftangriffe bis zum 8. März ausgehalten, konnten dann aber nicht mehr und flüchteten zu Schüßler’s nach Kocherbach, wo wir drei Monate verblieben. Schüßler’s taten alles für uns, was sie konnten und doch waren wir froh, als wir am 2.6.45 wieder in unsere zertrümmerte Wohnung einziehen konnten. Wir hatten unter Gottes Schutz gestanden, denn das innere Mannheim ist nur noch ein großer Trümmerhaufen.

Trudl und Marga waren schon früher nach Mannheim und Ludwigshafen zurückgekehrt und besuchten uns ein paar mal in Kocherbach. Wir sorgten inzwischen auch für Ware und Trudl, die ihren Wohnsitz in Ludwigshafen aufschlagen musste, konnte am 14.6.45 den Laden wieder eröffnen. Wir sind nun mit dem langsamen Wiederaufbau unseres Heimes beschäftigt, haben aber leider noch kein Dach auf dem Haus, da es an Handwerkern und Material fehlt. Auch die Verpflegung ist knapp, so dass das großsprecherische Wort der „Bonzen“ stimmt: „Gebt mir 10 Jahre Zeit, und ihr werdet Deutschland nicht wieder erkennen“!! das tausendjährige Reich hat also nur 12 Jahre gedauert ... 12 Jahre zu lang. ---

Und nun fahre ich mit der am 1.9.39 unterbrochenen Familien-Chronik fort.

Am 18.6. waren wir zur Wiedereröffnung der Rosengarten-Gaststätte geladen und hatten die Teilnahme nicht zu bereuen: Es gab Ochsenschwanzsuppe, ff. Roastbeef mit Gemüseplatte, offenen Rot- und Flaschen- Weißwein (50 gr Fl. 5gr Fl.) Paula und ich hielten fast bis zum Schluß aus, der in Mannheim von den „Amis“ auf 21.30 festgelegt ist.

Seit langem gingen wir dann am folgenden Sonntag zum Essen, wieder in den Rosengarten. Trudl und Luise Weinmann waren von der Partie. Es war wieder recht nett. Paula und ich aßen auch am Montag Abend dort, wo Herr Schwarze zum Stammtisch geladen hatte.

Am Dienstag-Abend erschien unverhofft in unserer Wohnung der zurückgekehrte ... Hans Bach!

Das Ergebnis des Nazi-Regimes:

Interessant ist der folgende Artikel in der engl. „The Times“: Die Übertragung der Staatsgewalt Deutschlands an einen Kontrollrat der vier Großmächte hat endlich das Interregnum zu Ende gebracht, das seit der Kapitulation der deutschen Armeen geherrscht hat. Die Einstellung der Feindseeligkeiten ist nun zu einem formellen Waffenstillstand geworden, der dem Feind durch die Alliierten gemeinsam auferlegt wurde. Hierdurch wurden alle deutschen Streitkräfte entwaffnet, alles deutsche Kriegsmaterial wird übergeben. Die führenden Nazis und andere Kriegsverbrecher werden ausgeliefert. Der Gebrauch altbekannter Formeln und Phrasen darf aber nicht die Tatsache verhüllen, dass der zweite Weltkrieg unter noch nie da gewesenen Zuständen sein Ende gefunden hat. Die Maßnahmen, die zur Wiederherstellung des Friedens eingeführt wurden, sind völlig neu und in der modernen Geschichte beispiellos. Der Kern der neuen Behörde liegt in ihrer Einigkeit. Obwohl jede der vier Mächte eine eigene Besatzungszone hat, wird die Kontrollkommission als eine einzige Körperschaft die erhoffte Staatsgewalt ausüben.“

Am Donnerstag, den 28.6. erfuhren wir durch den jungen Askani, dass sich sein Vater wohlbehalten in Waldhilsbach befindet! Nun fehlt also noch unser Walter!

Marga und Mutti besuchten uns am 1.Juli, letztere das erste Mal wieder, seit unserem politischen Zusammenstoß am Neujahrstag, zum Kaffee. Sie ist jetzt geheilt und es war recht friedlich und lustig. Am Sonntag darauf erwarteten wir unsere Trudl vergeblich, jedenfalls infolge der Besatzung durch die Franzosen. Am Dienstag berichtete sie uns jedoch darüber. Bisher ist für sie und das Geschäft alles gut abgelaufen, während in anderen Geschäften geplündert wurde. Sie erklärten, dass sie nur das täten, was unsere Soldaten in Frankreich gemacht hätten. Also Fluch der bösen Tat!! Die amerikanischen Pässe müssen nun auf französische umgestellt werden, solange wird Trudl wohl nicht herüber kommen können.---Mit der Umstellung ging es nicht so hastig. Trudl war noch verschiedne Male bei uns, auch am Samstag, den 14.7. wo Herr Askani unverhofft zum Besuch erschien. Wir haben unsere Erlebnisse ausgetauscht und schöne stunden verlebt. Am Sonntag waren wir, aber ohne Trudl, bei Mutti und Marga zum Kaffee und Kuchen. Am Montag früh verließ uns Herr Askani wieder in der Hoffnung, dass er auch weiterhin unangetastet bleibt.

Am 18.7. war ich in Heidelberg zu einer Konferenz mit Herrn Dr. Kley wegen meiner Rehabilitierung durch die M.V.G. Das Ergebnis steht noch aus. Gleichzeitig legte ich der Frau Rüttinger die Buchhaltung in ihrem neuen Geschäft (früher Stieglitz, Heidelberg) an. Auch die Tätigkeit für Herrn Keicher nahm ich wieder auf.

Am Samstag, den 21.7. war die Rheinbrücke gesperrt, sodaß wir auf Trudl’s Besuch verzichten mussten. Marga ist zu ihrem Schwager nach Metzingen gefahren.

Huber’s besuchten uns wieder einmal am nächsten Sonntag und sandten schon am Montag die uns angebotenen 4 Mille Zigarillos für Walters Geschäft. Am Samstag und Sonntag, 28.und 29.7. war Trudl wieder einmal bei uns, trotz abgelaufenem Pass. Auch Marga kam zur Berichterstattung über ihre Reise ins „Schwobenländle“. Am 1.8. war ich geschäftlich in Heidelberg bei Rüttinger, die „Damen“ die mich ursprünglich begleiten wollten, hielt das schlechte Wetter am Morgen ab. Tagsüber war es aber recht nett.

Am Sonntag, den 5.8. machten Paula und ich einen Gegenbesuch bei Huber’s in Käfertal-Süd. Es war ein recht gemütlicher Nachmittag und die Freude Huber’s groß. 550 Zigarren konnten wir wieder mitnehmen.

Am 9.8. konnte ich die Mitteilungen der M:V:G: über meine Rehabilitierung und RM 7000.- Nachzahlung in Empfang nehmen. Ich sprach am nächsten Tag mit dem Liegenschaftsagenten Levy wegen Hauskaufs. Am 8. 11. und 12.8. war Trudl bei uns., am letzteren Tag auch Marga bis 21.30 Uhr (!). In der nun folgenden Woche deckte ich mit Herrn Siebrecht, dem Mann unserer früheren Eisfrau, die durch eine Bombe ihr Leben verlor, und den wir vorrübergehend bei uns aufgenommen haben, unser Dach.

Sonntag, den 19.8. kam Trudl erst um 11 Uhr von Ludwigshafen herüber und ging nachmittags mit ihrer Mutter zu Marga. Ich hütete das Haus. Am nächsten Tag schlugen meine Bemühungen mit Ojust Bach zur Rückholung unserer Möbel aus Kocherbach erneut fehl. Das nun 14 Tage anhaltende Regenwetter heiterte sich am 24.8. endlich auf, sodaß ich am nächsten Sonntag, seit Jahren das erste Mal wieder, einen Spaziergang in den Waldpark machen konnte. Die von Feindfliegern dort angerichteten Verwüstungen sind kaum in Jahrzehnten wieder gut zu machen. Nachmittags war Marga und Mutti bei uns zu Kaffee, Kuchen, Wein und angenehmer Unterhaltung. Auf eine Einladung von Herrn Askani fuhren Paula, Trudl und Marga am Montag nach Waldhilsbach zum „Obst“-Holen. Enttäuscht kamen sie mit „Falläpfeln“ nach Hause.

Der langersehnte Augenblick der Rückkehr unseres Walter schlug für Marga am Donnerstag, den 29.8.45, für uns am Freitag Morgen und Mittag, wo die ganze Familie Heerwagen bei einer Flasche Deidesheimer und später auch zum Kaffee, dieser jedoch ohne Trudl, die nach Ludwigshafen zurück musste, versammelt war. Tränen und Umarmungen waren die ersten Willkommenszeichen unserer überschäumenden Freud. Wir übersahen dabei, dass sich Walter nicht ganz wohl befindet,  was aber wohl bald wieder der Fall sein wird, wen ihn ganz zum Bewusstsein gekommen sein wird, dass er nun seine Lieben ganz wiedergeben ist!

Seien ersten Erzählungen ergaben viele Strapazen und Gefahren, gerade in den letzten Tagen vor der Kapitulation und seiner Gefangennahme von den Briten Anfang Mai, zu einer Zeit, wo anderswo schon längst der Kampf eingestellt war. Nun wird er einige Wochen Ruhe brauchen und dann sein Geschäft in Ludwigshafen wieder übernehmen können, das ihm seine Trudl so meisterhaft erhalten hat.

Am Sonntag, den 2.9. waren wir zu dritt bei Marga und Walter zum Kaffee, Kuchen und Abendessen und kamen erst um ½ 10 Uhr nach Hause. Es war ein recht netter Nachmittag, besonders Walter war sehr mobil. Huber’s waren an dem selben Tag vergeblich vor unserer Tür. Dafür war Paula am Montag dort und brachte wieder Zigarren mit, die wir für das Geschäft so nötig gebrauchen können.

Meine Geschäftsreise zu Frau Rüttinger in Heidelberg verband ich am 5.9.mit einem Besuch des Schlosses und das Nachmittagskonzert im Schlosskaffee. Das aber nichts besonderes bot. Die Besucher waren recht zweifelhafter Natur und meist im „jugendlichen“ alter. Ich bin deshalb auch mit dem 6 Uhr Zug wieder nach Hause gefahren.

Am 7.9. kamen Frau und Fräulein Bäuerlein, die wir im Bunker kennen gelernt hatten von Niederbayern zurück und hielten bei uns an, zu uns (Esszimmer) ziehen zu wollen. Wir entschlossen uns dazu ab 11.9., da Walter und Marga vorläufig auf Wohnung bei uns verzichteten und in der Trützschlerstraße bleiben wollen.

Walter und Marga machten am folgenden Sonntag ihren Gegenbesuch bei uns zum Kaffee, Kuchen, Sekt, Wein und Abendbrot, wobei es recht fidel war. Das Befinden Walters bessert sich allmählich. –

Unverhofft erschien am Donnerstag den 13.9. unser Hausbesitzer Manns, mit dem ich die Mietangelegenheit regelte. Helfen kann er uns mit den notwendigen Reparaturen auch nicht.-

Paula’s Geburtstag verlief verhältnismäßig ruhig. Nur Mutter und Marga waren da bis nach dem Abendbrot. Aber wir haben gemütliche Stunden verlebt, das erste Mal wieder bei einem Geburtstag seit sechs Jahre! Morgens und abends war auch Trudl dabei, die ja den Laden offen halten musste.

Eine große Kaffee-Gesellschaft vereinigte sich zufällig am Sonntag, den 23.9. bei uns: Walter, Marga, Huber’s und August Bach. Bei nachfolgendem Wein wurde es lebhaft und gemütlich. Dagegen machten wir am 7.10 auf dem Almenhof einen Besuch. In der Zwischenzeit deckte ich mit Herrn Siebrecht unser Dach fertig.

Von Montag bis Mittwoch, den 15. –17.10 waren Walter und Marga in Kocherbach um mal wieder nach unseren Sachen zu sehen. Der Herr Lehrer hält seit 8.10.45 wieder Schule in Kocherbach und Hartenrot, da Herr Issel entlassen ist.

Am 23.10. erhielten Schlafzimmer und Bad das lange entbehrte Glas in die Fenster!

Die nächsten Wochen verliefen in der jetzt schon gewohnten Weise: Holz holen, sägen und hacken, Kartoffeln holen usw. bis am Freitag, den 30.11, zur Mittagszeit Hans Bach bei uns erschien und uns die für uns fast unfassliche Kunde brachte, dass der Transportunternehmer Kaufmann, den er uns empfohlen hatte, am nächsten Tag unser Möbel aus Kocherbach holen würde. So fuhren wir dann zu dritt, Paula, Walter und ich am 1.12.45 morgens 8 Uhr mit einem Lastauto in den Odenwald und waren um 10 Uhr in Kocherbach. Schüßler’s staunten Bauklötzer! Sofort ging’s ans Aufladen, mit dem wir um 1 Uhr fertig waren. Dann stieg im Schulhaus ein recht gutes, teilweises mitgebrachtes Mittagessen und um 3 Uhr dampften wir nach herzlicher Verabschiedung wieder ab. Schon um 5 Uhr standen wir wohlbehalten vor Luisenring 6, wo das sofortige Abladen begann. Um 8 Uhr war alles oben um 12 Uhr die großen Stücke aufgeschlagen. Marga war nach Geschäftsschluß auch erschienen, weil sie Trudl vertreten hatte, die mit ihrer Freundin Anneliese Schmitt über Sonntag zu den Eltern in die Pfalz gefahren war. Am Sonntag ging dann das auspacken weiter, und wir konnten uns ganz der Freude hingeben, dass wir nun unsere Sachen alle wieder bei uns haben. Es steht zwar alles eng aufeinander, aber es ist erträglich. Trudl hat sich in Mannheim auch wieder angemeldet und benutzt unser Wohnzimmer las ihr Schlafzimmer. Die „jungen Heerwagens“ bleiben vorläufig noch auf dem Almenhof, bis sie im Frühjahr hoffentlich nach Ludwigshafen ziehen können.

Der Rücktransport von Kocherbach kostete 70.- und 2 Kisten Zigarren. Wir hatten auf bedeutend mehr gerechnet. Das Kapitel „Kocherbach“ das uns so viele sorgen gemacht hat, ist damit geschlossen. ---

Meine 67. Geburtstag feierten wir am 20.12. abends im –Beisein von Trudel, Walter und Marga, die bei uns schliefen, recht lange. Am nächsten Abend erschien auch August und Hans Bach zur Gratulation.

Am „heiligen Abend“ erstrahlte zum ersten Mal wieder seit 6 Jahren ein Christbaum in Anwesenheit der ganzen Familie. Auch der Geburtstagstisch konnte sich trotz der vielen Schwierigkeiten sehen lassen. Wir haben eigentlich an dem Abend des Guten etwas zu viel getan, denn ich hatte am 1. Feiertag einen gründlichen Kater, aber auch andere Anzeichen eines Nichtwohlbefindens.

Trotzdem stieg unverhofft eine Weihnachtsgans mit „hoorischen“ Klößen! ---

Am 29.12. brachte Walter aus Ludwigshafen die Hiobsbotschaft von der schweren Erkrankung Trudl’s und auch ich fühlte mich schlechter. Am Sonntag stellte der Arzt bei uns beiden Lungenentzündung fest. Trudl musste wegen hohem Fieber sofort ins Krankenhaus, während ich zu Hause gepflegt werden konnte. So haben wir beide 3 Wochen fest gelegen, haben aber jetzt anscheinend die Krise überstanden. Trudl ist wieder zu Hause, ich muß noch ein paar Wochen das Zimmer hüten. Viel Aufopferung wurde in der schweren Zeit von unserer Paula und Mutter gefordert.

Die Erkrankung Trudl’s hat ihre Loslösung von Walters Geschäft in Ludwigshafen beschleunigt, das infolge Warenmangels um seine Existenz zu kämpfen hat. Der schöne Traum ist geträumt!—zu unser aller Bedauern.

 

1946

So war denn der anfang des neuen Jahres für uns alle recht sorgenvoll und erst am 20.1. konnten wir uns in einigen vergnügten Stunden zu Walters Geburtstag vereinen, wo auch Herr Askani anwesend war.

Tags darauf nachm ich meine häusliche Tätigkeit wieder auf, während ich auf Anraten des Arztes die Straße noch meiden musste. Ich betrat sie erst am 6.3. wieder mit einem Besuch des Rosengartens. Das Gehen und die Anstrengungen fallen aber vorläufig noch schwer. Trudl mutete sich vor mir mehr zu, ist aber auch noch nicht ganz auf der Höhe. Ihr Geburtstag wurde nur abends in engstem Kreise gefeiert. Am 12. nahm sie ihre zeitweise Beschäftigung bei Walter wieder auf. So wird Marga in Kürze nach Ludwigshafen ziehen, wo sie eine kleine Wohnung gefunden haben. Der Weg nach Ludwigshafen ist für die Dauer zu umständlich. Hoffen wir von der Veränderung das Beste!

Am Sonntag, den 3.3.46 waren Huber’s sowie Walter und Marga zum Kaffee bei uns. Es ist viel „gebabbelt“ und gelacht worden, obgleich der alkohol gänzlich fehlte.

Eine neue Stammkneipe habe ich im „Hexenhäusl“ früher „Rheinschanze“ entdeckt. Ich habe dort verschiedentlich meinen ... Sprudel getrunken. So ändern sich die Zeiten und die Menschen mit ihnen!

Seit dem 15.3.46 sind die jungen Heerwagens ganz glücklich in ihrer neuen Wohnung in Ludwigshafen, wo wir sie leider mangels eines Passes nicht besuchen können!

Am 27.3. waren Paula und Trudl mit Auguste Bäuerlein in Heidelberg. Von der früher üblichen „Entzückung“ wurde wenig berichtet. Ich „hatte daheim die Wach“!!

Viel Besuch hatten wir am 31.3.46 Walter und Marga waren den ganzen Tag bei uns. Mutti vom Kaffee ab und August Bach mit dem kleinen Gerd in der Dämmerstunde. Es war recht gemütlich und genussreich, nur August hatte den schon so oft versprochenen Wein vergessen!?

Am Sonntag darauf machten wir zu dritt einen ... Ausflug zu Huber’s. Sie boten in ihrer Freude alles auf, was Küche und Keller noch her gab. Wir hatten uns recht lange gut unterhalten.

Mit August Bach trank ich am 11.4. die rückständige Flasche Kallstadter. Am Sonntag darauf folgten wir einer Einladung Naumer’s zu einem „solemnen“ Abendtrunk (? Riesling)

Das während des ganzen April vorherrschende schöne Wetter hielt auch Ostern an. Wir hatten den Besuch von Walter, Marga und Mutti den ganzen Tag. Zur Verpflegung hatten sie alle beigetragen, sodaß es an nichts fehlte. Montags kamen Huber’s zum Kaffee.

Am Mittwoch darauf, den 24.4.46 war ich wieder einmal über Waldhof am Karlstern, dessen Restaurant leider auch zerstört ist, und über Käfertal zurück. Mein Vorhaben, Spargel mitzubringen, misslang. Aber sonst war’s herrlich.

Mit Paula machte ich am 28.4. einen Spaziergang die Augustanlage hinaus, deren Trümmer sie noch nicht gesehen hatte, am 2.5. war sie bei Frau Pfeffer in Heidelberg, wo unverhofft auch Trudl von Kocherbach aus, wo sie 5 Tage gewesen war, zu ihnen stieß.

Auf Einladung waren wir alle drei am 15.5.46 anläßlich der Anwesenheit Otto Bach’s aus Rhoden auf drei Stunden bei Bach’s zu einem gemütlichen Weinschoppen. Hans fuhr uns mit seinem Auto weiter nach Hause. Neue Genüsse sollten uns unverhofft an August Bach’s 66. Geburtstag zu Teil werden. Ich war morgens hinübergepilgert, um unsere Glückwünsche zu überbringen und musste mich an einem zünftigen Frühschoppen (Forster Riesling Spätlese) und Imbiß beteiligen, der mir einen ordentlichen Schwips eintrug. Bei der Verabschiedung war es über 14 Uhr. Wo ich noch die Einladung für uns alle zum Abendessen usw. entgegennahm. Nach 19 Uhr brachen wir trotz starkem Gewitterregen auf und kamen rechtzeitig hinüber. Eine Familie Fohr aus dem Haus war auch anwesend gewesen. Es gab zuerst äußerst pikante russische Eier und 1940er Wachenheimer Gerümpel, bei dem die Stimmung immer höher stieg. Gegen Mitternacht wurde zu aller Überraschung Tartar mit ei und Wurstaufschnitt, Butter, Brot und Brötchen aufgetragen und dann stieg eine delikate Pfirsichbowle. Allmählich hatte namentlich Trudl die Runde in Hochstimmung gebracht, sodaß wir das erste Mal nach sechs Jahren wieder schunkelten, sangen und unbeschwert ausgelassen waren. Es war schon 2 Uhr vorbei, als sich Geruch von Kaffee breit machte, zu dem es Käse- Mirabellen- und Damentorte sowie Marmorkuchen gab. Die “Bäucher“ waren gestopft voll und so wurden wir von Hans wieder nach Hause gefahren. Es war ein selten schöner Abend, worüber sich vor allem .das Geburtstagskind riesig freute.

Unser Himmelfahrtsausflug führte uns zu Huber’s, Trudl war mit dem Skiclub in Eichelberg-Ziegelhausen. Das seit dem 20. Mai unbeständige Wetter hielt an. Am Pfingstsonntag waren Walter und Marga zum Kaffee und Abendessen bei uns. Am 12.6., wo die Sonne wieder mal schien, musste ich auf der „Insel“ feststellen, dass auch Dehus in Trümmern liegt. Ich hatte mich deshalb vergeblich auf die Fische gefreut. Im Rhein zählte ich noch 17 versenkte große Kähne! Am 23.6. waren Mutti mit Ingeborg und Huber’s zum Kaffee bei uns. Am Siebenschläfertag hörte endlich der Regen auf. Hoffentlich bekommen wir nun auch wirklich den langentbehrten Sommer.

Das schöne Wetter verlockte mich am 30.6. zu einem Spaziergang in den oberen Luisenpark, wo ich am Kutzerweiher lange in der Sonne saß. Am nächsten Tag bekam ich mit dem „Weinberg“ einen neuen Kunden für Buchhaltung und Steuersachen.

Einen Besuch bei Pfeffer’s in Neckarhausen machten Paula und Trudl am Mittwoch, den 17.7; sie brachten von dem neuen Besitztum recht gute Eindrücke mit. Ich soll auch bald mitkommen. Am Sonntag darauf war ich morgens im Waldpark-Strandbad, dessen Gebäulichkeiten zerstört und die Anlagen arg mitgenommen sind. Benutzung ist deshalb z.Z.t. noch unmöglich. Am 28.7. war Trudl mit den „jungen“ in „Derkem“ auf einer erfolglosen Pilzsuche. „Erfolgreich“ wurden sie aber von oben herunter eingeweicht. Paula und ich waren zu Hause. Ins „Hexenhäusl“ bin ich nach dem ersten paar mal nicht mehr gekommen, dafür sitze ich ab und zu in der „Insel“ (früher Wellenreuther, jetzt Kossenhasschen.)

Am 4.8. ging ich am Neckar entlang bis zum Flugplatz; der Damm ist fast unbeschädigt und auf den Bänken kann man genussreich ausruhen. Trudl war mit dem Skiclub in Weinheim-Birkenau, bei uns waren mal wieder Huber’s.

Einen Besuch bei Huber’s machten wir dagegen am 18.8.. Es waren einige nette Plauderstündchen. Bei Trudl zu Hause waren die jungen Bachs.

Einer Einladung von Pfeffer’s folgend fuhren Paula und ich am Samstag, den 24.8. über Heidelberg nach Neckarhausen. Herrliches Wetter und ebensolche Stunden waren uns in ihrem neuen Besitztum vergönnt. Auf einem Gelände von 20 Ar , die Herr Pfeffer gegen 50 Aar auf der unteren Neckarseite getauscht hat, haben beide einen ausgiebigen Garten und für den Anfang ein kleines Häuschen mit drei Räumen erschlossen, worin man sich recht wohl fühlen kann! Die Verpflegung war den ganzen Tag über glänzend und bedacht mit Bohnen usw. fuhren wir erst um 7 Uhr zurück und waren um ½ 9 in unserer Wohnung.

Der Geburtstag meiner Paula gestaltete sich dieses Jahr zu einem richtigen Festtag: Morgens kam unverhofft Frau Schüßler aus Kocherbach, später Frau Pfeffer von Neckarsteinach. Schon diese brachten allerlei mit, während wir vorher gestiftet hatten: Trudl Blumen, die selbstgefertigte Handtasche, einen neuen Lampenschirm, ich 2 Liter “Johannasteiner“ und 50.- in bar. Der ausgiebigen Plauderstunden folgte dann das gemeinschaftliche Mittagessen. Nachmittags erschienen noch Frau Hetzler und Huber, Marga und Mutti, die Blumen und Kuchen spendeten, während Walter erst nach Geschäftsschluß um 19 Uhr kam mit einer Flasche Wein und Nelken. Das Abendbrot fand im engsten Familienkreis statt. Die „Jungen“ schliefen bei uns, ebenso Frau Schüßler, die erst am Montag zurück fuhr. Am Sonntag gingen die „Jungen“ zum Pilze-Suchen in den Käfertaler Wald, wir labten uns an dem von Frau Schüßler mitgebrachten Gockel und einer Flasche 1940er Herxheimer Rslg.-Spätlese. Dann kam nochmals ein gemütlicher Kaffeeklatsch, bei dem Ojust Bach zugegen war. Die „jungen Bachs“ hatten schon am Geburtstag persönlich gratuliert. Alles in allem: Es waren herrliche, wieder einmal abwechslungsreiche Stunden!

Am Donnerstag, den 26.9.46 waren Paula und Trudl wegen Kartoffeln das zweite Mal bei Keiser in Waibstadt. Ich hatte am 2.10 bis 20.30 Uhr in Heidelberg zu tun, brachte aber allerhand Brauchbares mit. Vom 5.-7.10 waren Paula und Trudl in Kocherbach zur Ausspannung. Zur Rückfahrt mussten sie bis Kreidach zu Fuß gehen, waren aber dadurch um 17.30 wieder zu Hause.

Seit langer Zeit pilgerte ich am 13.10. wieder einmal auf dem Rheindamm zur silberpappel und über Neckarau mit der elektr. Zurück. Nachmittags waren Walter und Marga bei uns zu Kaffee und Kuchen.

Vom 16.10 bis 26.10 mußte ich wegen Gesichtsfurunkel das Zimmer hüten. Der Arzt war fünf Mal da. Es war eine sehr unangenehme Sache. Unverhofft kam Emil Fücks noch einmal auf seiner Süddeutschlandreise bei uns vorbei, nachdem er fünf Wochen vorher schon einmal da gewesen war.

Im November ereignete sich nichts Besonderes. Walter hat wieder einen Paß und war verschiedene Mal bei uns.

Infolge des wiederholten Pferderennens in Hassloch, desen Eintrittskarten als Brückenpaß galten, konnten wir alle drei am Sonntag, den 15. Dezember Walter und Marga in Ludwigshafen besuchen. Die Kälte war über Nacht auf 10° angestiegen, wobei uns ein schneidiger Ostwind recht zu schaffen machte. Wir erreichten aber doch frühzeitig die Bremserstraße 108 und wurden mit großer Freude empfangen. Die Beiden haben ein bescheidenes aber gemütliches Heim und boten alles auf, um uns den ganztägigen Aufenthalt so nett als möglich zu gestalten. Heißem Glühwein zur Begrüßung folgte ein sehr schmackhaftes Mittagessen (Nudelsuppe, Sauerkraut mit Kartoffelbrei und Bratwürste) und später Kaffee und Kuchen und Wein. In gehobenster Stimmung erreichten wir kurz nach 18 Uhr unsere Wohnung wieder. Zu meinem Geburtstag waren die Ludwigshafener dafür bei uns und sorgten wieder für Tabakkonsum und Wein. Bei diesem und vorher Kaffee und Kuchen und Salm in Oel mit „Feldhühnern“ waren wir einige Stunden sehr vergnügt.

Den Weihnachts-Heiligabend verbrachten wir ganz allein bei Tartar, Glühwein und Gebäck in unserer verkleinerten Küche. Von größeren gegenseitigen Geschenken war wegen der Verhältnisse abgesehen worden. Die „Kleineren“ befriedigten uns aber vollkommen. Den Ludwigshafenern fehlt diese Mal der Paß.

Die Feiertage brachten wärmeres Wetter und Regen. Wir waren allein gemütlich zu Hause. Am Sonntag, den 29.12. besuchten uns Huber’s und die jungen Bach’s. Wir waren bei Kaffee, Kuchen, Wein und Sekt einige Stunden recht lustig und erhielten von Letzteren eine Einladung zum Sylvesterabend.

Dieser begann dann, wie ausgerechnet um 20.30, wo auch Trudl aus dem Theater kam, das sie mit Frau Füchter besucht hatte. Mit Freinsheimer fings an, dann kam Ruppertsberger und ff. ital. Salat mit Butter und Weißbrötchen. In fröhlicher Unterhaltung ging’s so fort bis 12 Uhr mit herzlicher Beglückwünschung bei einer hervorragenden Erdbeerbowle, die uns in die richtige Stimmung brachte. Gegen 2 Uhr folgte Bohnenkaffe und zwei 2hausgemachte“ leckere Torten. Um 3 Uhr fuhr uns Hans nach Hause. Es war wieder einmal etwas „friedensmäßiges“, sogar mit Katerstimmung am Neujahrstag, was schon lange nicht mehr vorgekommen war!

Einen unverhofften Besuch bekamen wir am Neujahrstag, wo uns Herr und Frau Keiser aus Waibstadt besuchten, die wir zum Kaffe und Kuchen einluden und mit denen wir einige angenehme Stunden verbrachten.

 

 

1947

Im neuen Jahr war die Kälte wieder eingetreten und machte uns bei großem Brennstoffmangel viel zu schaffen.

Am Sonntag den 19.1. machten wir unseren Jahresantrittsbesuch bei Huber's. Trudl war bis zum 21. mit Bach's in Deidesheim. am 22. holten Walter und Marga den Geburtstagsbesuch bei Kaffee, Schneckennudeln und Abendbrot bei uns nach. Auch am 29. waren sie bei uns.

Da es Trudl's Wunsch war, sich gelegentlich ihres Geburtstag für die Einladungen anderer einmal zu revanchieren, nahm der 9.2.47 festliches Gepräge an: Am Frühnachmittag des 8. erschien schon Frau Schüßler und brachte die ausgewiesene sudetendeutsche Frau Fritzi Ritsch mit. Abends und zu Mitternacht knallten ein paar Flaschen "Schambus" bei ausgelassener Unterhaltung. Am nächsten Tag aßen bei uns zu Mittag: Vorgenannte, Walter und Marga und wir drei. Es gab Nudelsuppe, Bohnengemüse mit Kart. und Rindsbraten und Rouladen, Selleriesalat und geschmortes Obst, dazu Ruppertsberger 1946er Spies. Zum Kaffee erschienen noch die jungen Bach's mit ihren Rhodener Besuch (Hanna Bach) und Mutti.

Alle brachten etwas mit. Teils Kuchen oder Torte oder Wein. Wir hatten gebacken: Pfirsichkuchen, Stachelbeerkuchen, Hefekranz. Bei angenehmer Unterhaltung und Wein saßen wir bis zum Abendbrot, das aus Rindsgoulasch mit Pfifferlingen, Nudeln und Kartoffelsalat bestand. Dann folgte Tee, später wieder Wein. Gegen 11 Uhr wurde die Tafel offiziell aufgehoben. Am Montag morgen aßen wir zu fünft ... Hühnerfrikassee mit Brötchen und dann zogen die "Kocherbächer" auch wieder ab. Alle waren hochbefriedigt, auch Trudl, die sich um die Stimmung große Mühe gab ...nicht immer mit vollem Erfolg, da die "allgemeine" Mitwirkung nicht aufkommen wollte.--

Am 13.2.47 erhielten wir mit großer Freude das uns von Familie Neuweiler in Zürich in Aussicht gestellte Liebesgabenpaket. Es enthielt: 2 Pfund Kristallzucker, 1 Pfund Rohkaffee, 2 Dosen Kondensmilch, 2 Dosen Bienenhonig und 1 Büchse Ölsardinen, alles herrliche Sachen, die wir schon lange entbehren mußten.

Dann war Trudl teils allein, teils mit ihrer Mutter noch ab und zu bei Bach's, bis nach Fastnacht wieder Ruhe eintrat.

Am 22.2.47 stand das Thermometer endlich mal wieder auf "plus". Ob's anhält?

Es kamen noch einige kalte Tage, dann schien der Frühling gesiegt zu haben. Aber von "schön" kann keine Rede sein!

Am 3.3.47 waren wir alle drei zum 5. Hochzeitstag von Hans und Anni Bach. Es gab Kaffee, Kuchen, Torte, Abendbrot und viel Wein. Um 10 Uhr machten wir Schluß, wo uns Hans nach Hause fuhr.

Anläßlich Gert Bach's Geburtstag waren wir am Sonntag, den 15.3. wieder drüben zum Kaffee, Kuchen u. Torte und Wein.

Am 22.3. waren Paula u. Trudl in Waibstadt, vom 29. bis 31. in Kocherbach.

Vom 29.-31.März waren Paula und Trudl in Kocherbach.

Am 1. April büßte ich infolge einer Blutkreislaufstörung (Blutdruck 240-260) das Wesentlichste meines Sehvermögens ein u. mußte deshalb meine Tätigkeit als Buchhalter und Steuerfachmann sofort einstellen. Meine Bemühungen im Speyrerhof bei Heidelberg zur Kur unterzukommen schlugen fehl. Dr. Achtrich riet deswegen zu einer Hauskur. An die von Dr. Sievert verschriebene neue Brille konnte ich mich allmählich gewöhnen, sodaß mir die Fortführung des Tagebuchs wieder möglich ist, allerdings nicht mehr so wie früher.

An Ostern waren Walter Marga und Mutti bei uns. Es gab Stallhase * mit Nudeln u. Salat, von den "jungen".         gestiftet*

Von meinen Kunden habe ich vor allem den "Rosengarten" abgegeben, da mir das Führen von Karteien und Addieren mit den Augen Schwierigkeiten macht. Die anderen bediene ich nach wie vor, ungewollt, sie kommen einfach.

Am 20.4. war Trudl mit dem Skiclub in Waldhilsbach, Paula bei Mutti, die von ihrer Schwester, Tante Fanny aus Stuttgart Besuch hatte. Am Mittwoch den 23.4. stürzte Paula auf der unteren Treppe und zog sich eine Gehirnerschütterung zu, an der sie 14 Tage zu leiden hatte. Am 11.5. war sie wieder einmal in Ludwigshafen bei den "Jungen".

Unseren "Himmelfahrtsausflug" machten wir auch dieses Jahr wieder zu Huber's. In gemütlichem Plaudern vergingen die Stunden rasch und angenehm. - Zum Kartoffel-Holen waren Paula und Trudl am Samstag, den 17.5. in Waibstadt bei Kaiser's. Der Geburtstag von August Bach verlief dieses Mal recht mau. Da mit den "Jüngeren" Krach war, gab's nur ein paar Gläschen Wein als Frühschoppen!-- Seit langer Zeit machte ich mit Paula am Pfingstsonntag einen Spaziergang um die Stadt. Abends waren die "Damen" bei Naumer's, am Pfingstmontag in Ludwigshafen bei den Jungen. Huber's und August Bach waren bei mir zum Kaffee. Wir haben am Schluß sogar noch Wein getrunken, den letzterer morgens gebracht hatte.

Trudl war vom Dienstag auf Mittwoch zur Geisbockversteigerung und Besuch von Glaser's und den jungen Bach's in Deidesheim. Der Betrieb hat ihr gut gefallen, da wider Erwarten auch Wein ausgeschenkt wurde.

Zur Erledigung geschäftlicher Angelegenheiten raffte ich mich zu einer Fahrt nach Heidelberg (Rüttinger) auf, die reibungslos verlief. (29.5.47)

Am 1.6. war Trudl gelegentlich einer Skiclubwanderung in Kocherbach, Paula am 4. in Heidelberg bei Frau Pfeffer und Rüttinger.

Der Stammhalter, "Gunter" langte am 5.6.47 in Ludwigshafen an und machte uns zu Großeltern; wir feierten drüben am 15. Kindtaufe.

Am 29.6. waren wir alle zusammen beim kranken Ojust, der merkwürdigerweise ausgeflogen war und erst später erschien. Der "Kleinkarlbacher" hat uns aber auch da noch geschmeckt. Am 2.7. war ich den ganzen Tag in Heidelberg beschäftigt, die Damen in Lützelsachsen (Bären).

In der Nacht von Montag den 7.7. auf Dienstag ist Herr Pfeffer, Neckarhausen plötzlich gestorben.

Ingeborg Fücks, Bergstedt kam am 8. von ihrer Pfalzreise zurück, nachdem sie auf der Durchreise am 27.6. schon einmal bei uns gewesen war. Sie fuhr am 11. zurück. Am 9.7. machte uns Herr Schüßler, Kocherbach, einen kurzen Besuch. Er war diesmal gegen sonst sehr lebhaft.

Die Damen einschließlich Ingeborg waren am 10.7. in Heidelberg, Paula besuchte die im dortigen Diakonissenhaus liegende Frau Pfeffer, der der Tod ihres Mannes noch verheimlicht war. Wir erfuhren ihn auch erst am Samstag. Am 12.4. waren Paula und Trudl wieder in Waibstadt, um Kartoffeln zu holen, sie brachten aber nur Erbsen!

Ich war in den letzten Wochen verschiedentlich am Kutzerweiher u. Schloßgarten-Nonnenwerth

Am 14.7. waren die Damen wieder in Heidelberg, ich immer zu Hause, weil mir's draußen zu heiß war.

Am 3.8. war Paula in Ludwigshafen, Trudl mit Silberhoff auf der Regatta, ich zu Hause, am 8.8. Trudl in Weisenheim, am 10.8. mit Skiclub per Schiff in Neckarsteinach.

Walter und Marga zeigten uns am 24.8. ihren Gunter, der sich tüchtig entwickelt hat und ein lieber Kerl ist. Erst um 20.30 Uhr fuhren sie wieder nach Hause. Am nächsten Tag war Trudl allein in Waibstadt. Sie brachte ... Kartoffeln und Äpfel.

Am 3.9. fuhr die ganze Familie neckaraufwärts. Ich hatte in Heidelberg bei Rüttinger zu tun, bei welcher Gelegenheit ich mal wieder einen Bummel durch die alte ehrwürdige Stadt (wiederhergestellte alte Brücke) machte, während die Damen Frau Pfeffer in Neckarhausen besuchten. Sie brachten Sachen mit, u.a. auch Tabak für mich.

Am 7.9. war Trudl mit dem Skiclub in Weinheim-Oberflockenbach. Sie kam noch gerade rechtzeitig zurück, als wir noch mit Huber's am Kaffeetisch saßen. Nachts fiel endlich etwas Regen, auch am Montag, den 8.9.

Zum Geburtstagskaffee von Paula am Sonntag den 14.9.47 waren nur Walter, Mutti und Frau Huber erschienen. Alle anderen streikten teils freiwillig, teils zwangsweise. Es war aber recht gemütlich. Abends waren wir wieder allein.

Am 26.9. waren Paula uns Trudl noch einmal in Waibstadt, da Kaisers vom 1.10. ab wieder in Mannheim wohnen. Die Äpfel von Herrn Kohl, Tröfel konnten wir am 27.9. in Rheinau in Empfang nehmen; sie sind recht gut ausgefallen. Am 3.10. stieg für uns die erste Geburtstagsfeier bei Straußens (Anm: einquartiertes Paar Strauß). Bei ff. Kaffee und Kuchen waren wir recht ausgelassen. Zum Schluß gab's sogar noch Schnaps!

Am 5.10. waren wir zu dritt bei Huber's, unser einziges Ausgangsziel. Am 18. bis 20.10 war Trudl in Kocherbach und kam wegen Zugverspätung erst sehr spät abends zurück, worüber wir, G.s.D. (Anm: Gott sei Dank) ohne Grund, sehr beunruhigt waren. Am Montag war Emil, Hamburg (Anm: Fücks) zum Besuch gekommen u. fuhr nach Landau weiter. Am 26.10. beteiligten sich Trudl und Straußens an dem Ausflug des Skiclubs nach Weinheim, Niederliebersbach. Huber's und August Bach waren am 2.11. bei uns. Das Oktoberfest des Skiclubs stieg am 8.11. und hat allen, die dabei waren, sehr gut gefallen. Von 9.-11.11 war Emil wieder bei uns. Am 12.11. machte uns ein Ohnmachtsanfall unserer Paula große Sorge. Sie machte sich aber bald wieder. ------

Fortsetzung von Gertrud Heerwagen, Trudl

Am 27.11.47 fuhr Vater nach Ladenburg um Herrn Zeiter, der im dortigen Krankenhaus lag zu besuchen. Das Wetter war sehr naß und kalt.

In der Nacht vom 28. auf den 29. leidet Vater unter sehr starker Atemnot, die uns zwang am nächsten Tag den Arzt zu holen. Dieser stellte dann Nieren, Wasser und Herzasthma fest. Nun kamen für Vater und auch für uns schlimme Tage. Da er nicht essen konnte, wurde er zusehends weniger. Walter kam öfter von Ludwigshafen herüber um nach Vater zu sehen, der ihm in den letzten Tagen garnicht mehr gefiel.

Auch am Montag, den 8.12. waren Marga, Walter und Guntherle kurz bei uns. Vater hatte soviel Freude an dem kleinen lebhaften Kerlchen, und wer hätte gedacht, daß es das letzte Mal ist. Die Nacht verlief verhältnismäßig ruhig. Den ganzen Morgen des 9.12. schlief Vater, um 13.15. kam nochmal der Arzt und gab ihm eine Spritze. 14.30 setzte Übelsein und Atemnot ein. Ich war 10 Minuten weg, um der Schwester für den Abend Bescheid zu sagen. Als ich nach Hause kam, war das Furchtbare geschehen. Unser lieber guter Vater ist für immer von uns gegangen. Am 12.12. nachmittags fand unter großer Beteiligung aller Freunde und Bekannten die Feuerbestattung statt. Unter den Klängen "Eine feste Burg ist unser Gott" ging Vater in eine bessere Welt hinüber.

Am 12.12. fand die Urnenbeisetzung statt, bei der Mutter und ich waren. Walter konnte aus geschäftlichen Gründen nicht kommen.

Vom 15.12. bis 23.12. war ich fast täglich in Ludwigshafen bei Walter, wo gerade Weihnachten die ganzen Zuteilungen kamen.

Am 24.12 gingen Mutter und ich auf den Friedhof um mit unserem lieben Vater den heiligen Abend zu feiern. Für uns waren es die schwersten Stunden, merkten wir doch erst jetzt so richtig, daß Vater, dem wir ein so sorgenloses Leben verdanken, nicht mehr bei uns ist. Abends waren wir noch kurz bei Familie Strauß, die unseren Schmerz sehr gut nachfühlen konnten, denn auch sie haben sich sehr an Vater gewöhnt, und können es genau wie wir, immer noch nicht begreifen, daß unser lieber Vater nicht mehr bei uns ist.

Am 25.12. waren wir bei Familie Strauß zum Gänsebraten mit Klöße eingeladen. Mittags kamen Walter, Marga und Gunther, um uns über die schweren Stunden hinwegzuhelfen. Durch den Kleinen, der ja zu goldig und auch sehr lebhaft ist, haben wir doch ein bissel Ablenkung gehabt.

Am 26.12. machten Marga, Walter und Gunther einen kurzen Besuch bei Familie Naumer. Mittags gab es gefüllte Hasenbrust und Nudeln. Nach dem Abendbrot saßen wir noch ein paar Stunden gemütlich mit Familie Strauß beisammen. Samstag, den 27.12. Mittags fuhren unsere jungen Heerwagens wieder nach Hause. Es waren für Alle einige gemütliche Stunden.

Sonntag den 28.12. machten Mutter und ich einen kurzen Besuch bei Ulbrich's und dann bei Huber's, die uns schon erwarteten.

Nun kamen nochmal schwere Stunden für uns. Silvester! Fast immer haben wir es in feuchtfröhlicher Stimmung mit unserem lieben Vater verbracht. Heute sitzen Mutter und ich allein und gedenken der schönen aber auch schweren Stunden, die wir immer mit Vater geteilt haben. Wir haben uns um 22.30 Uhr in's Bett gelegt, doch Frau Strauß lies es sich nicht nehmen uns um 24.00. mit einem Glas Glühwein, ein gutes neues Jahr zu wünschen.